Erfahrungen mit der Flexiblen Grundschule: Kultusminister Spaenle besucht Modellschule

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle mit Grundschülern im Unterricht
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle mit Grundschülern im Unterricht

Zum Schuljahresbeginn 2010/2011 startete an ausgewählten Grundschulen der Modellversuch ‚Flexible Grundschule’. Eine davon ist die Grundschule in der Burmesterstraße in München. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle besuchte die Modellschule. Er informierte sich über die ersten Erfahrungen mit dem Schulversuch. Das bayerische Kultusministerium führt ihn in Kooperation mit der Stiftung Bildungspakt Bayern durch. 20 bayerische Grundschulen beteiligen sich in den kommenden drei Jahren an dem Modellversuch. Die Grundschule in der Burmesterstraße hat knapp 350 Schülerinnen und Schüler, die Hälfte von ihnen sind Kinder mit Migrationshintergrund.

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Ministerialdirigent Dr. Peter Müller beobachten den Unterricht
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Ministerialdirigent Dr. Peter Müller beobachten den Unterricht

Interview mit Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle

Zum Schuljahr 2010/2011 wurde der Modellversuch gestartet. Worin liegt für Sie die größte Bedeutung der Flexiblen Grundschule?
Spaenle: Die Flexible Grundschule bietet den Schülerinnen und Schülern ein Höchstmaß an individueller Förderung. Zu Beginn des ersten Schuljahrs wird der  Lernstand jedes Kindes erhoben. Dadurch ist es möglich, jedes Kind von Anfang an so zu fördern, wie es seinem individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand entspricht. Wir können ihm die Lernbausteine anbieten, die seinem Leistungsvermögen passgenau entgegenkommen. Die Möglichkeit, die Eingangsstufe in einem, zwei oder drei Schuljahren zu durchlaufen, gewährleistet, dass jedes Kind die Zeit erhält, die es für die Aneignung gesicherter Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen benötigt.

Warum muss es überhaupt einen Modellversuch geben? Ist der Grundschulunterricht, wie wir ihn kennen, nicht mehr ausreichend?
Spaenle: Die rund 2400 Grundschulen in Bayern leisten hervorragende Arbeit. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Schulanfänger immer größere Unterschiede in ihren Vorkenntnissen und Fertigkeiten aufweisen. Auf Grund verschiedener Lebenshintergründe weicht die Entwicklung der Kinder um bis zu drei Jahre ab. Diese Tatsache muss die Grundschule von Anfang an angemessen berücksichtigen und sicherstellen, dass alle Schüler ein passgenaues Lernangebot erhalten.

Warum gibt es die Flexible Grundschule dann noch nicht flächendeckend?
Spaenle: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit – gerade wenn es um unsere Schüler geht. Vor der praktischen Umsetzung des Modellversuchs haben wir gemeinsam mit der „Stiftung Bildungspakt Bayern“ ein Jahr konzeptionell geplant und die Organisation vorbereitet. Nun liegt ein tragfähiges, pädagogisch-didaktisches Konzept vor, das in den Modellklassen erprobt wird. Einer flächendeckenden Einführung der Flexiblen Grundschulen muss in Bayern eine gründliche Erprobung und wissenschaftliche Auswertung zwingend vorausgehen.

Mittlerweile gibt es erste Erfahrungswerte. Sie haben bei Ihrem Schulbesuch auch mit Lehrkräften geredet, die in diesem Schulversuch arbeiten. Bestätigen sich Ihre Erwartungen?
Spaenle: Ja, und sie werden sogar noch übertroffen. Die Lehrkräfte und Schulleitungen engagieren sich ganz enorm sowohl im konzeptionellen Bereich als auch im Rahmen der praktischen Umsetzung des Konzepts im Unterricht. In ihren Rückmeldungen betonen die Lehrkräfte positiv, dass sich der intensive Arbeitseinsatz lohnt: Die Kinder lernen miteinander und voneinander und profitieren im Hinblick auf ihre Lern- und Sozialentwicklung. Die verstärkte unterrichtliche Arbeit in offenen Lernformen und mit Lernbausteinen ist für die Kinder sehr motivierend. Sie fördert ihre Selbstständigkeit ebenso wie das Selbstvertrauen in ihr Können. Die individuelle und differenzierte Förderung ist mit diesem Konzept in der Schulwirklichkeit angekommen.

Der Modellversuch Flexible Grundschule

Schülerinnen und Schüler im Unterricht
Schülerinnen und Schüler im Unterricht

Der Modellversuch sieht einige Neuerungen vor: Die Schüler beginnen ihre Schulzeit in einer flexiblen Eingangsstufe. Diese umfasst die ersten beiden Jahrgangsstufen der Grundschule, kann aber je nach der Leistungsfähigkeit des Kindes ein, zwei oder drei Jahre dauern. So können sich die Kinder jeweils nach ihrem individuellen Lerntempo die Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen zuverlässig aneignen. Die unterschiedliche Verweildauer in der Eingangsstufe wird nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet. An den 20 Modellschulen wird die Grundschulzeit so zwischen drei und fünf Jahren dauern. Der Modellversuch wird wissenschaftlich begleitet und nach der Auswertung überarbeitet und weiterentwickelt. (18.01.11)

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