Brasilien

Fahne Brasiliens

Schülerinnen und Schüler berichten von ihrem Auslandsjahr in Brasilien:

Allgemeines und Motivation

Noch gerade mal vier Tage dann bin ich bereits drei Monate hier im warmen Brasilien. Und damit auch schon drei Monate lang durch einem Ozean und mehr als 10 000 km von meiner Familie und Freunden in Deutschland getrennt und doch scheint es auf mich noch immer so, als wäre ich erst vor wenigen Tagen hier angekommen. Dass bereits mehr als ein Viertel meines Auslandsjahres vorüber sein soll, wirkt geradezu unwirklich auf mich.

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Ich bin so froh darüber, dass mir mit dem Stipendienprogramm Botschafter Bayerns ein Austauschjahr in Brasilien ermöglicht wurde, weil ich so die Chance habe, wunderschöne und ganz besondere Erlebnisse zu machen. Besonders am Anfang waren die Tage wie ein Überraschungsei, an denen ich gespannt das Papier aufgerissen habe, um mich an der Schokolade zu erfreuen und es mich gewundert hat, dass darunter noch ein Ei mit neuem Inhalt verborgen war. Denn zuerst erschienen mir viele Dinge ähnlich oder bekannt, wie sich aber herausstellte, funktionieren sie doch ganz anders. So ist im Grunde alles anders und trotzdem finden sich Gemeinsamkeiten. Ich liebe Brasilien trotz und mit seiner Fülle an Gegensätzen und Diversität. Ein Land dessen Reichtum sich nicht mit Geld messen lässt, sondern in Lebensfreude, Herzlichkeit und Vielfalt.

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Und jetzt bin ich hier, unter den Gaúchos, chimarrão und churrasco. Ich freue mich immer noch wie ein kleines Kind: über all die bunten Schmetterlinge und wenn mich morgens ein Salamander an der Garagendecke begrüßt. Im Süden von Brasilien gab es eine starke deutsche und italienische Einwanderung. Geschäftsnamen wie Fischer sind hier keine Seltenheit. Hier gibt es ein Goethe-Institut, in dem erstaunlich viele Menschen die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen möchten und an meiner Schule gibt es als Wahlfach „Deutsch“. Und trotz allem ist es immer noch so brasilianisch. Alles ist anders und fremd, aber im Großen und Ganzen habe ich doch gelernt, dass wir alle gleich sind, egal wo wir herkommen.

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Ich kann sagen, dass mein Auslandsjahr in Brasilien mit drei tollen Monaten begonnen hat; auch wenn es nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen gab. Aber die gehören einfach dazu. Meine Entscheidung, ein Auslandsjahr zu machen, habe ich noch keine Sekunde bereut! Ich bin unglaublich dankbar, dass ich das erleben darf und hoffe, dass die kommenden acht Monate genauso fantastisch werden und ich noch viele weitere Erfahrungen sammeln kann!

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"Wenn wir die Zeit genießen, merken wir gar nicht, wie schnell sie vergeht." Wie viel Wahrheit in diesem Spruch steckt, ist mir heute erst wieder bewusst geworden. Ich bin jetzt nämlich schon seit genau drei ereignisreichen Monaten in Brasilien und ich muss sagen, die Zeit vergeht leider viel zu schnell, auch wenn noch acht Monate vor mir liegen.

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Das Karussell der Gefühle wirbelt Glücklich sein, Heimweh, Aufregung und alle Emotionen durcheinander, was aber den Austausch an sich so spannend macht. Ich genieße meine Zeit sehr, aber Austausch bedeute auch den Mut zu haben, immer Neues auszuprobieren, Vertrauen aufzubauen, seine Meinung in einer fremden Sprache zu sagen und selbstständig Entscheidungen zu treffen.

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Ich habe zwar den Großteil meines Aufenthalts noch vor mir und einfach war und ist es nicht immer, aber trotzdem (oder gerade deswegen) war es bisher so eine lehrreiche Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ich habe nie so viel über mich und alle anderen nachgedacht, mein Verhalten und das von anderen hinterfragt. Ich kann es jedem raten diese Erfahrung zu machen.

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Meine  anfänglichen Gedanken wie " Elf Monate, das geht ja nie vorbei!" und "Was mache ich hier bloß?" kann ich im Nachhinein überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Die Zeit in Brasilien ist wirklich wie im Flug vergangen. Genauso schnell wie alle ehemaligen Austauschschüler immer behaupteten, denen ich nie Glauben geschenkt habe.

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Ich kann mich noch genau erinnern, als ich in das Flugzeug nach Hause gestiegen bin und die Sprache plötzlich wieder Deutsch war. Die Stewardessen sprachen Deutsch, die Ansprachen waren auf Deutsch formuliert und bei der Filmauswahl war auch der kultige Tatort dabei. Ich habe mich zuerst sehr unwohl gefühlt. Klar kannte ich das alles, doch eigentlich wollte ich all dies gar nicht mehr!  Ich hätte lieber einen "suco de laranja" und keinen "Orangensaft" bestellt und hätte mir den Flug über lieber die typischen Novelas angeschaut, die in Brasilien rund um die Uhr und an allen möglichen Orten laufen, selbst in Restaurants oder in öffentlichen Ämtern.

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'Born dia! Tudo bem?'-'Guten Tag. Alles klar?'- Dieser Satz gehört zu meinem Leben jetzt  dazu. Jeden Tag hört man ihn mehrmals, egal, ob in der Schule, von Freunden oder von der Familie und egal, ob man die Person schon einmal gesehen hat oder nicht. Zusammen mit einer Umarmung und einem Küsschen links und einem Küsschen rechts ist es wohl schon mal das Zeichen überhaupt an dem man merkt, dass man in Brasilien ist und auch gleichzeitig eines der ersten Dinge, die man in seinem Auslandsjahr mitbekommt.

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Der Abschied aus Brasilien war sehr traurig und ich vermisse meine brasilianischen Freunde und meine Familie sowie mein brasilianisches Leben und portugiesisch zu sprechen bereits sehr. Die letzten Tage dort hatte ich eine sehr gemischte Stimmung... Ich war sehr traurig, weil ich Abschied nehmen musste, gestresst, da ich bis zum Tag vor meiner Abreise von meiner Gastfamilie nicht wusste, wie ich das mit dem Koffer und Gewichtsbegrenzung etc. regle, zufrieden, mit all dem, was ich erlebt habe, erleichtert und voller Vorfreude, meine deutsche Familie und deutschen Freunde bald wiederzusehen und in die Arme schließen zu können, aufgeregt wegen meiner Heimreise,... Zusammengefasst: Ich denke ich hatte noch nie so viele Gefühle auf einmal. Ein paar Tage vor meiner Abreise hatten meine engsten brasilianischen Freunde eine Überraschungsabschiedsparty für mich organisiert. Eigentlich hatte ich mich nur mit meiner besten Freundin und meiner Gastschwester zum Pizza-Essen verabredet, doch als ich in der Pizzeria ankam, waren dort alle meine Freunde! Ich hatte gar nicht damit gerechnet und habe mich daher umso mehr gefreut! Wir verbrachten einen wunderschönen gemeinsamen Abend. Ich habe in Brasilien einige wundervolle Freunde gefunden, die mir hoffentlich auch fürs Leben bleiben.

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Es fühlte sich gar nicht so an wie als wären gerade mal elf Monate vergangen. Ich habe dort gar kein Auslandsjahr mehr gemacht, sondern einfach dort gelebt. Bin zur Schule gegangen, habe Hobbies und Freunde. Die Beziehung mit meiner Gastfamilie war einfach wundervoll. An die Dinge, welche ich am Anfang als bizarr empfunden habe oder von denen ich überrascht war, erinnere ich mich nun kaum mehr, einfach dadurch dass alles so natürlich geworden ist. Jetzt fühle ich mich wie ein echter Rebell, wenn ich das Klopapier in die Schüssel werfe und nicht in den Eimer daneben.

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Ein letzter Blick durch die Sicherheitskontrolle am Frankfurter  Flughafen auf meine Eltern und meine Geschwister. In diesem Moment, der sich so sehr in mein Gedächtnis gebrannt hat, hatte ich noch gar nicht realisiert, dass ich meine Familie für ein ganzes Jahr nicht mehr sehen werde. Doch wenn ich nun zurückblicke, ist die Zeit so schnell vergangen, und erst vor einem Monat hat sich das Bild eines weiteren Abschiedes in meinen Erinnerungen verewigt: Der Blick aus dem Busfenster auf meine brasilianische Familie, die ich nun auch für lange Zeit nicht mehr sehen werde.
Wenn mich die Leute nun fragen "Wie war dein Austauschjahr denn eigentlich?" weiß ich meistens nicht genau was ich antworten soll und sage irgendwas wie "Der Hammer!" oder "Einfach super cool!!", doch ehrlich gesagt, war dieses Jahr einfach viel mehr und es ist unmöglich, diese Frage in einem Satz zu beantworten.
Ich habe mal die wunderschöne Phrase gehört "Ein Austauschjahr ist nicht ein Jahr eines Lebens, sondern ein Leben in einem Jahr!" Und tatsächlich war für mich in Brasilien einfach alles anders, verschieden  und ein ganz neues Leben. Vom Essen über die Landschaft bis zur lockeren Lebensweise der Menschen gab es immer Neues zu entdecken und kennenzulernen.
Ich habe mir nie wirklich ein Bild von Brasilien gemacht, nie wirklich darüber nachgedacht. Ich kann jetzt sagen, dass das sowieso verschwendete Zeit gewesen wäre, denn es würde alle meine Erwartungen übertreffen. Brasilien steckt voll Leben, Feuer, Liebe zum Land und den Menschen, die in diesem leben. Diese Herzlichkeit und Freundlichkeit ist atemberaubend.

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Ich kann leider gar nicht beschreiben wie schön alles hier ist. Man muss es selbst miterleben, um es zu verstehen. Ich rate allen nach Brasilien zu kommen, denn man muss einfach diese Liebe, das Feuer und die Freundlichkeit der Menschen, die in diesem Land wohnen, verstehen.

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Ich finde ein Auslandsjahr fängt überraschender Weise nicht erst an,  wenn man aus dem Flugzeug steigt, sondern es gehören schon viele Dinge davor dazu.
Das Ausfüllen meiner Bewerbung,  das Vorstellungsgespräch,  danach das Warten und Laufen zum Briefkasten bis man endlich mit zitternden den Umschlag geöffnet habe … Zu meiner Überraschung stand  da: Glückwunsch, Du fährst nach Brasilien!
Ich habe kurz gestutzt und bin dann aber doch auf und ab gesprungen. Meine erste Wahl war Südafrika, und obwohl ich mir vorgenommen hatte, mich nicht auf ein Land zu versteifen, hatte ich natürlich schon alles darüber gegoogelt und mich dort hin geträumt. Ich hatte nie verstanden, wenn jemand sagte, dass Land spielt keine Rolle ?! Doch jetzt kann ich euch sagen ES IST DIE WAHRHEIT! Weil das einzige, das zählt, eine herzliche Gastfamilie ist. Umso weniger man sich das ganze Jahr ausmalt,  umso besser ist es da man keine Erwartungen hat, die meistens dann doch nicht erfüllt werden.

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Ich habe die gute Nachricht, dass ich nach Brasilien fahre, allen Freunden erzählt,   doch die erwartete Reaktion mit Jubelgeschrei blieb aus. Sie sagten zwar, sie freuen sich für mich, doch ich konnte auch die Traurigkeit fühlen, die mitschwang.
Man muss es auch von deren Seite betrachten. Ich gehe weg elf Monate weg, eine   lange Zeit. Was für mich Abenteuer und Aufregung bedeutet,  bedeutet für sie den Verzicht auf eine Freundin. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht,  wie es wohl werden wird, ob ich in Kontakt bleibe oder sie mich vergessen. Ich kann euch beruhigen:  dank der Erfindung des Internets habe ich nicht nur Kontakt mit meinen Freunden in Deutschland, sondern auch mit den neuen hier!

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Es gab Momente, in denen man selbstverständlich sein Zuhause vermisst. Vor allem ist es ein komisches Gefühl,  wenn man nicht weiß, was man machen darf (einfach in die Küche gehen oder sich ins Wohnzimmer setzen?). Doch wagt es einfach und ihr werdet sehen, diese Stunden werden immer weniger.

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Schließlich ist ein Auslandsjahr nicht nur Ponyhof und Zuckerschlecken, sondern viel mehr. Das erste Vierteljahr war der „schwerste“ Teil. Denn da kennt man noch keinen, muss sich an die Gastfamilie, die vollkommen neue Umgebung, andere Sitten und Gewohnheiten und natürlich an die neue Sprache, die man anfangs kaum versteht, gewöhnen. 

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Geht es ihr auch wirklich gut? Immer wieder erzählt mir meine Mutter über Skype, wie sie von Freunden und Familie gefragt wird. Die meisten können es nicht glauben, dass ein junges Mädchen mit gerade erst 15 Jahren diesen mutigen Schritt gewagt hat und für ein Jahr in das weit entfernte Brasilien gegangen ist. Auch in meiner neuen Schule wundern sich einige, dass ich so gut wie nie Heimweh habe. Es geht mir einfach viel zu gut hier. Meine Gastfamilie passt perfekt zu  mir. Schon von Anfang an wurde ich als „große Schwester“ und „älteste Tochter“ angenommen.

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Brasilien. Die meisten Deutschen würden dieses Land wohl mit Fußball und Karneval beschreiben, doch nach drei Monaten, die ich jetzt schon hier bin, kann ich euch versichern, das ist längst nicht alles! Brasilien ist für mich vor allem Lebensfreude, eine Menge Hitze und eine wunderschöne Sprache.

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Obwohl es mir hier super gefällt, ist das Austauschjahr nicht immer leicht für mich. Manchmal bekomme ich einfach Heimweh, vor allem am Anfang oder wenn es mal Probleme gibt, und wünsche mir nichts sehnlicher als wieder daheim zu sein, auch wenn ich zur selben Zeit weiß, dass ich, wenn ich jetzt in Deutschland wäre. sofort wieder hierher möchte.

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"Welche Farbe bevorzugst du denn eigentlich? Möchtest du lieber einen weißen, einen braunen oder einen schwarzen Freund? " Das erste Mal, als ich diese Frage hörte, war ich durchaus etwas geschockt. Ich fange hier zwar an, über vieles nachzudenken, aber auf diese Frage bin ich von alleine noch nie gestoßen. Was darauf die richtige Antwort ist, wusste ich auch nie, doch mein schockiertes Gesicht hat als Antwort bisher mei-stens gereicht. An dieser Frage zeigt sich jedoch schon die farbliche Vielfalt Brasiliens, die nicht nur hinsichtlich der Hautfarbe, sondern auch in der Natur vorherrscht. Fährt man vom Nordosten weiter nach Süden, kommt es einem vor, als wäre man in einem anderen Land.

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Für mich startete mein Auslandsjahr dank Kulturschock und großen Umstellungen auch schwieriger als gedacht. Letztendlich konnte ich auch die schwierige Anfangszeit mit der Unterstützung meiner großartigen Betreuerin überwinden.

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Im Nachhinein kommt mir meine Einstellung vor meinem Auslandsjahr immer etwas naiv und ohne Weltvorstellungen vor. Denn während ich vor einem Jahr noch dachte dieses Auslandsjahr wird nur Spaß und ein Zuckerschlecken mit viel Sonne und alles wäre viel besser als in Deutschland, musste ich doch im Laufe der Zeit feststellen, dass es zwar nicht so einfach kam wie ich dachte, ich mich jedoch dadurch viel besser kennengelernt und meine eigene, deutsche Kultur besser zu verstehen bzw. schätzen gelernt habe. Nach einem Jahr voller Erlebnisse, die einem niemand mehr nehmen kann, schaut man auf die vergangene Zeit wohl eher mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück, denn obwohl ich mir sicher bin, das ich noch oft nach Brasilien zurückkehren werde, wird es sicherlich doch ganz anders sein, denn jetzt gehöre ich einer Familie an, habe eine Menge Freunde zurückgelassen und kann die Sprache schon sprechen.

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Rio de Janeiro, Christo - die Arme weit ausgestreckt, ganz viel Karneval mit spektakulären Kostümen und alle tanzen Samba, ist was ein mancher und auch ich im Kopf hatte als ich nach Brasilien aufgebrochen bin. Vorurteile zu haben ist ganz normal, da man einfach nicht alle Länder kennt, doch sobald man dort ankommt ist es unsere Aufgabe dem Land die Chance zu geben seine ersten Vorstellungen durch einen Blick hinter die Bühne zu verändern.

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Frankfurt-Rio de Janeiro. 9600 Kilometer und ca. zwölf Flugstunden. "Ja bist du denn wahnsinnig?!" Das war die Reaktion von so manchem. "Das ist doch viel zu gefährlich." "Da vergisst du ja den ganzen Schulstoff." "Du kannst ja die Sprache gar nicht." Das und noch mehr muss man sich von manchen Leuten sagen lassen, die nicht den Mut haben ihre Komfortzone für ca. elf Monate (von den 876 Monaten, die ein Mensch mit durchschnittlicher Lebenserwartung hat) zu verlassen. Von diesen Leuten sollte man sich aber auf keinen Fall abhalten lassen diesen Sprung, in eine einmalige Zeit voller Abenteuer und Erfahrungen, zu wagen. Auch in meiner wundervollen Vorbereitungszeit gab es solche Einwürfe, doch jetzt, da ich bald drei Monate hier bin, weiß ich, dass keiner von diesen Einwürfen es wert ist, den Traum von einem Auslandsjahr platzen zu lassen. Die Einblicke in eine neue Kultur, das Erlernen einer neuen Sprache, die intensive Entwicklung seiner Persönlichkeit und das Kennenlernen der vielen, neuen, netten Menschen sind eine unglaubliche Bereicherung für das Leben.
 

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Warum denn Brasilien?“ Diese Frage bekomme ich hier wahrscheinlich noch öfter gestellt als in Deutschland und der Umstand, dass ich in einer relativ kleinen Stadt wohne, unterstützt dies natürlich noch ein wenig mehr. Ehrlich gesagt kann ich es nicht genau beantworten. Die Ungewissheit wie es hier sein würde und einfach, dass ich mich auf der anderen Seite der Erde befinden würde reizte mich. Im Großen und Ganzen war es ein Bauchgefühl und wie sich inzwischen herausgestellt hat, die komplett richtige Entscheidung.

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Ein ausschlaggebender Grund für meine Wahl Brasiliens war der Fußball. In diesem Punkt wurde ich ein wenig überrascht. Erstmals ist das Vereinsleben längst nicht so ausgeprägt, wie in Deutschland, in meinem Freundeskreis spielt auch niemand im Verein, während das in Deutschland ein Großteil tut. Das heißt natürlich nicht, dass ich hier keinen Fußball spiele, abends gehe ich öfters mit Freunden kicken, wir spielen gegen andere Teams, meistens auch vor kleinem Publikum. Brasilianischer Fußball unterscheidet sich sehr von deutschem, das Feld ist kleiner, was dazu führt, dass ein sehr viel schnelleres Spiel entsteht, als ich es davor gewohnt war, folglich ist man auch schneller erschöpft und die Teams wechseln sich öfter ab. Der Ball ist auch ein anderer, er ist kleiner und schwerer, auch gewöhnungsbedürftig. Was mich auch überrascht hat, ist, dass hier nicht so viel über die Spiele des Lieblingsvereins geredet wird. Wenn in Deutschland ein wichtiges Spiel am letzten Abend war, rede ich darüber am nächsten Tag jedes Mal mit meinen Freunden darüber, hier werden die Spiel meist gar nicht erst geschaut, auch das hätte ich anders erwartet.

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Ein Auslandsjahr war schon seit Jahren mein großer Traum. Ich habe nicht gerade viel über Brasilien gewusst und hätte mir auch vor zwei Jahren niemals gedacht, dass ich ein Auslandsjahr in Brasilien verbringen werde. Australien, USA und England sind Länder, in denen es wohl jeder nachvollziehen kann, wenn man sie auswählt. Schon in Deutschland konnten mich meine Freunde nicht nachvollziehen, weshalb ich mein Auslandsjahr ausgerechnet in Brasilien verbringen möchte. Jetzt bin ich umso glücklicher mit meiner Entscheidung, kein "gängiges Austauschland" gewählt zu haben, so wie es die Mehrheit macht, sondern Brasilien. Egal wem ich begegne, ich werde von allen Brasilianern verwundert gefragt, weshalb ich denn ihr Land ausgewählt habe, wo es doch so viele schöne Länder auf der Welt gibt. Vor drei Monaten hätte ich diese Frage nicht wirklich beantworten können, doch inzwischen fallen mir so viele mögliche Antworten auf diese Frage ein.

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Ich habe allen meinen Freunden beigebracht, „Servus“ zu sagen und bayrische Volkslieder mit mir zu singen. Am meisten Spaß hatten wir mit dem Lied „Drunt in der grünen Au…“. Im Gegenzug haben sie mir ihre Sprache, ihre Lieder und ihre Bräuche beigebracht, z.B. wie man „Forró“ oder Samba tanzt.

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Die letzte Woche in Brasilien war sehr intensiv und mit vielen wehmütigen Momenten verbunden. Ein letztes Mal mit dem Bus fahren, ein letzter Blick auf die Leichtathletikbahn, eine letzte Nacht in meinem nun so vertrauten Bett und die vielen letzten Umarmungen. Ich versuchte mir das Schulhaus, die Markthalle, die Gesichter so fest wie möglich einzuprägen, einfach alles, was für elf Monate zu meinem Alltag gehört hatte.

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Vor fast genau zwei Monaten bin ich aus meiner neuen Heimat Brasilien in meine alte Heimat Deutschland zurückgekehrt. In Brasilien habe ich das bisher aufregendste, schönste und erfahrungsintensivste Jahr meines Lebens verbracht und jetzt ist es für mich selbstverständlich, Brasilien als meine zweite Heimat zu bezeichnen.

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Die ersten Tage in Deutschland machte ich Freudensprünge und strahlte, wenn ich Vollkornbrot oder eine Breze aß. Meine Sorgen wegen meiner Freunde war vollkommen unbegründet, denn sowohl im Verein als auch in der Schule wurde ich herzlich begrüßt und gleich in Aktionen miteingebunden. Jeder wollte erfahren, wie es denn war, worauf es eine einfache Antwort gibt: Einfach supertoll! Natürlich gibt es auch ein paar Leute, die es genauer wissen wollen, wodurch ich überraschenderweise ganz neue Gesprächspartner gewonnen habe.

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Mit dem Spruch „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen" konnte ich gar nichts mehr anfangen. Und überhaupt dieses Händeschütteln; am liebsten hätte ich allen ein Beijo auf die Wange gedrückt.

Ankunft im Gastland

In einem wunderschönen Camp etwas außerhalb von São Paulo fand für uns und viele weitere Austauschschüler aus aller Welt in den ersten Tagen eine Orientierungstagung statt, während der wir unter anderem etwas Portugiesisch lernten, auf wichtige Unterschiede zwischen Brasilien und anderen Ländern aufmerksam gemacht wurden (zum Beispiel, dass man das Klopapier in vielen Teilen Brasiliens nicht in die Toilette sondern in den Mülleimer werfen muss) und verschiedene Spezialitäten des brasilianischen Essen kennenlernten (sehr lecker!!). Aber vor allem hatten wir viel Spaß und eine tolle Zeit!

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Meine ersten Eindrücke hatte ich mit allen anderen Austauschschülern in Sao Paulo, im Bus zu unserem Orientierungscamp. Wir waren ca. 40 Minuten unterwegs und auf dem Weg waren links und rechts überall Favelas zu sehen, genauso wie man sich das vorstellt: kleine Häuser, die sich an kleinen Hügeln „aufeinander stapeln“. Deshalb war der erste Eindruck von Brasilien zwar eher negativ, aber ich wusste ja, dass Sao Paulo kein Vergleich für meine in Relation dazu doch sehr kleine neue Heimatstadt mit 160.000 Einwohnern ist. Das Orientierungscamp war sehr schön, da wir auch noch die anderen Austauschschüler besser kennenlernen konnten. Es gab nur eine Sache, die mich dort sehr überrascht hat: die Kälte. Nachts hatte es dort gerade einmal 9 Grad. Wir haben dort außerdem einige Dinge über Brasilien gelernt und ich glaube, es war für die meisten eine gute Ablenkung, um unser Zuhause, das wir vermissten, zu vergessen.

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Ich werde mich wohl immer an unseren Start ins Auslandsjahr erinnern. Unser Flugzeug musste umkehren, da die Reifen gebrannt haben und wir sind dann mit zwölf Stunden Verspätung ins Auslandsjahr gestartet. Doch keiner hat sich davon unterkriegen lassen und es hieß wirklich: Welcome to Rio de Janeiro! Wir waren in Brasilien und wer hatte das so wirklich begriffen: Keiner! Wie eine Reise mit Freunden kam es uns vor und auch wenn wir alle wussten, dass wir alle ab jetzt elf Monate in diesem Land leben werden, hatte es keiner von uns wirklich realisiert.
Das erste was man von der Natur wahrnimmt sind die Palmen, die es hier an jeder Ecke gibt. Der Wald, der tatsächlich ein tropischer Regenwald war und die Schlangenwarnung gleich am ersten Tag. Allein in diesen ersten Tagen habe ich so viele Insekten und andere Tiere gesehen, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Um dich herum sind tropische Pflanzen, tropische Tiere und selbst im Winter etwa 30 Grad. Wenn genau das der Fall ist, dann weißt du: Das ist der Start in das Jahr deines Lebens!

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Der wohl aufregendste Moment jeden Austauschschülers ist dieser Moment, wenn man seine Gastfamilien zum ersten Mal trifft. Zum ersten Mal sieht man die Menschen mit denen man schon so viel geschrieben hat und mit denen man jetzt ein Jahr zusammen leben wird.

Nach der Orientation wurde ich zurück zum Flughafen gebracht um dort meine Gastfamilie zum ersten Mal zu treffen. Sie hielten ein Schild hoch mit „Bem vindo“, dass so viel heißt wie „Willkommen“, und meine Gasteltern stürmten auf mich zu, wodurch ich mich sofort aufgenommen gefühlt habe.

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In wenigen Augenblicken treffe ich die Menschen,  mit denen ich ein Jahr leben werde. Da waren sie mit einem Plakat „minha nova mae e minha irma“ (meine neue Mutter &Schwester). Als erstes fuhren durch Porto Seguro und nun  weiß ich, wieso die deutschen Fußballspieler dort wohnen wollten! ES IST SO WUNDERSCHOEN !!!
An allen Ecken kleine Bars mit Blick auf Bildschirmschonerstrände . Wir kauften ein Eis der Acai-Beere, was so lecker war, dass ich schon in diesem Moment wusste:ich werde hier glücklich. Mit Sonne im Gesicht, Gesicht aufs Meer, Mund voller Acai. So begann ich mein Austauschjahr.

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"Seja bem vindo no Brasil" (Herzlich Willkommen in Brasilien) waren die ersten Worte meiner Gastmutter, als sie mich zusammen mit meinem Gastvater und meinem Gastbruder am Flughafen abgeholt haben. Inzwischen ist das mehr als drei Monate her und damals hatte ich keine Ahnung was sie zu mir gesagt hatte, als sie mich lächelnd in den Arm genommen und einen dicken Schmatzer auf die Wange gedrückt hat.

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Das ganze Abenteuer fing an, als ich meine Familie am Flughafen in München verabschiedete. Es folgte ein Flug nach Frankfurt und darauf ein zwölfstündiger Flug mit meinen deutschen Brasilien-Freunden nach Rio de Janeiro. Dort wurden wir fröhlich von brasilianischen YFU-Mitarbeitern begrüßt. Es war alles perfekt, kein Heimweh, nur eine vollkommene Vorfreude auf das folgende Jahr. In den nächsten Tagen lernten wir im „Orientation Camp" interessante, andere und vor allem sehr merkwürdige Sitten der Brasilianer kennen; z.B. waschen die meisten brasilianischen Mädchen waschen ihre Unterwäsche selbst oder am Tisch wird niemals mit den Händen gegessen (nicht mal Brathähnchen oder eine Semmel zum Frühstück); dafür wird beim „churrasco“ richtig auf den Putz gehauen: kleingeschnittenes Fleisch wird von einem Teller mit den Händen genascht. Nach diesen drei Tagen „vollkommener" Vorbereitung auf unser bevorstehendes brasilianisches Jahr, ging es auf zu unseren Gastfamilien. Ich hatte wohl die längste Anreise, da ich abseits aller Wege gelandet bin. Acht Stunden Flug mit mehren Zwischenstopps und anschließender Übernachtung in Belem. Dann noch sieben Stunden Busfahrt am nächsten Tag. Doch alles sollte anders kommen, statt wie geplant am Montag, kam ich am Mittwoch bei meiner Gastfamilie an. Ja, in Brasilien ist wohl nicht alles so geregelt, wie in Deutschland, vor allem der Straßenverkehr, sodass man Flüge und Busse verpasst. Ich wurde von gefühlt tausend Menschen mit brasilianischen und deutschen Flaggen begrüßt. Vom ersten Moment an habe ich mich hier pudelwohl gefühlt.

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Und dann war es endlich soweit: Nach einem weiteren kurzen Flug wurde ich und drei weitere Austauschschülerinnen auf dem Flughafen von unseren Gastfamilien erwartet. So aufgeregt war ich noch nie in meinem Leben. Und gleichzeitig war dieses seltsame Gefühl da, dass die Personen, die man jetzt gleich treffen würde, für das nächste Jahr seine Familie sein würde. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen wie das funktionieren könnte. Außerdem hatte ich es immer noch nicht ganz realisiert dass ich überhaupt angekommen bin. Nachdem wir aus dem Auto gestiegen und in die Wohnung gekommen sind, zeigte meine Gastmama mir alles und führte mich in mein neues Zimmer. Ein bisschen überfordert und unsicher schaute ich mich um. Denn plötzlich war es real, plötzlich verstand ich endlich, dass ich hier wirklich ein Jahr bleiben würde. Und das ganz alleine und weit weg von allem, dass ich kannte und ohne auch nur ein Wort zu verstehen was um mich herum gesagt wurde. Die ersten Tage verliefen deshalb ein wenig schwierig, aber alle um mich herum waren so nett und liebevoll, dass es gar keinen Grund und keine Zeit zum Trübsal blasen gab.

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Nach einem 12-stündigen, recht entspannten Nachtflug konnten wir endlich die in der Nacht leuchtenden Lichter Rio de Janeiros sehen. Also raus aus den Flugzeug und Gepäck holen. Anschließend fuhren wir mit einem Bus etwas zwei Stunden lang in das Gebirge Rio de Janeiros, wo unser zweitägiges Orientierungscamp stattfand. Dort trafen wir auch Austauschschüler aus anderen Ländern. Bei dem Orientierungscamp wurde noch mal viel wiederholt, was wir bereits auf der Vorbereitungstagung lernten, aber auch viele neue Informationen und viel mehr Spezifisches über Brasilien.

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Ich saß im Pick Up einer mir unbekannten, aber extrem bemühten brasilianischen Familie, bei den ersten Versuchen einer Konversation. Der Vater ergriff das Wort als erster, zeigte auf sich und seine Frau und sagte „Nada English“, danach zeigte er auf seine zwei Söhne und sagte „ Good English“. Als Antwort reckte ich den ausgestreckten Daumen in die Luft, da ich vor lauter Aufregung sogar das kleine Bisschen Portugiesisch vergessen hatte, das ich schon sprach. Danach begannen die Söhne und ich uns, unter interessierten Blicken der Eltern im Rückspiegel des Pick Ups, in holprigem English zu unterhalten, während wir, die monströsen Schlaglöcher auf den Straßen umschiffend, langsam auf mein zukünftiges Zuhause zu bewegten.

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Der erste Schritt auf brasilianischem Boden brachte viele Gedanken, Eindrücke und Gefühle mit sich. Als erstes schlug mir eine warme schwüle Luft ins Gesicht, obwohl es grad Winter, bei fast 30 Grad, war. Dann erblickte ich die ersten brasilianischen Cafes. Zugleich hörte ich die ersten Sätze der portugiesischen  Sprache, mit denen ich aber leider noch nichts anfangen konnte. Hinzu kam noch das Gefühl der Neugier, Aufgeregtheit und auch Ungeduld. Und der Gedanken die beste Entscheidung meines Lebens getroffen zu haben.

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Natürlich waren die ersten Tage in Brasilien schwer, vor allem wegen der Sprachbarriere, da ich fast kein Portugiesisch konnte und meine Gastfamilie sowie meine Mitschüler fast kein Englisch. Trotzdem wurde ich von allen sehr herzlich aufgenommen und das Portugiesischlernen ging sogar relativ schnell.

Essen

Der wichtigste Teil des Familienlebens ist das gemeinsame Essen. Brasilianer lieben das Essen, vor allem Reis mit Bohnen und Fleisch, welche das tägliche Gericht bestimmen. Dazu gibt es dann mal Nudeln, mal Kartoffeln oder etwas anderes. Warm wird meist mittags und abends gegessen und zwischendrin gibt es Nachmittagskaffee. Wer in Brasilien keinen Kaffee mag, hat es wahrscheinlich genauso schwer, wie ein Vegetarier. Täglich Fleisch und mehrere Tassen Kaffee sind Standard. Zu diesem gibt es dann meistens süßes oder deftiges Gebäck, welches auch mal mit Fleisch sein kann, was mich anfangs sehr gewundert hat.

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Acai ist eine Frucht, die es in Deutschland nicht gibt. Aus ihr wird ein Saft hergestellt, der dann eingefroren wird. Diesen Saft isst man dann mit anderen leckeren süßen Beilagen, wie Schokostreusel oder Kokosflocken.

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Auch bei Speisen, bei denen ich mir sicher war, dass sie sind wohl auf der ganzen Welt gleich sind, wie Pizza, wurde ich überrascht. Pizza mit Käse, Banane, Schokolade oder Zimt, war anfangs sehr merkwürdig, wird aber mit jedem Mal besser.

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Ein für mich persönliches Highlight der brasilianischen Küche ist das Churrasco, ein gemeinsames Grillen von Riesenmengen an Fleisch, das es zu manchen Anlässen gab. Die Fleischstücke werden nach dem Grillen in mundgerechte Häppchen geschnitten und jeder nimmt sie sich einfach mit der Hand und isst sie so.

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Ich liebe das brasilianische Essen. Es ist nicht so wie in Deutschland, dass man meist jeden Tag etwas Anderes zum Essen hat. Hier gibt es jeden Tag Reis mit Bohnen (arroz e feijäo) - ich liebe es - Farofa (Maniokmehl, angereichert mit Butter, Speck oder Bananen) und immer Fleisch. Das ist das tägliche Mittagessen. Manchmal gibt es noch andere Nebenspeisen. Ich konnte mich echt schnell daran gewöhnen, weil es einfach verdammt gut schmeckt.

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Vor allem mit dem brasilianischen Essen konnte ich mich anfangs nicht wirklich anfreunden. Jeden Tag Reis und Bohnen? Mittlerweile kann ich vom Großteil des Essens gar nicht mehr genug bekommen, weshalb Fitnessstudiobesuche eingeplant werden müssen. Außerdem habe ich auch schnell meine große Liebe entdeckt: Maracuja! Ob als Mousse, Marmelade oder Saft, einfach traumhaft. Die Begeisterung für diese und viele andere exotische Früchte, die hier in den Alltag gehören, werde ich auf jeden Fall mit nach Deutschland nehmen.

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Zum Essen kann ich nur sagen, das mir zwar die täglichen Bohnen am Schluss einfach zu viel waren, ich aber dafür meine drei Lieblingsgerichte gefunden habe: Acaraje, Acai und Feijoada
Das erste ist eine vor allem für Bahia bekannte Speise, die aus einem Teig aus Bohnen, der frittiert und in zwei Hälften geschnitten wird, rein kommen dann kleine Garnelen und noch so eine Paste, die sich Vatapa nennt. Acai wiederum ist eine Frucht, die zu einer Art Sorbet verarbeitet wird und die ich fast jedes Wochenende mit meinen Freunden oder mit meiner Familie zu mir genommen habe.
Das letzte sind auch wieder Bohnen, aber schwarze, die in einen Topf mit einer Menge Schweinefleisch (Teile des Schweins, die wir normalerweise eher weniger essen) gekocht und später mit Reis und farofa gegessen werden.

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Für mich hat das Obst einen ganz eigenen Absatz (Anm: im Abschlussbericht) verdient, da ich es einfach so geliebt habe. Die deutschen Bananen können einpacken! Große Kochbananen, die man frittieren oder kochen kann, oder die Minibananen, die eine leicht säuerliche Note haben sind in mein Herz geschlichen - gemeinsam mit einer nicht aufzulistenden Anzahl an exotischen Früchten. Ich fehlte kein Wochenende auf dem Obst & Gemüsemarkt und auch wenn ich nach dem Tragen der vielen Tüten bis nach Hause kein Gespür mehr in meinen Fingern hatte – das war es wert!

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Das Essen hier in Brasilien ist nämlich richtig gut. Allerdings sollte man Fleisch, Reis und Bohnen mögen, sonst muss man hungern. Es gibt nämlich jeden Tag zum Mittag- und Abendessen Reis mit Bohnen und Fleisch. Dazu Salatbeilagen, Farinha oder Farofa (den Geschmack in der Kombination mit einem saftigen Steak muss man einfach erleben), Macaxeira frida (frittierte Wurzel=>ähnlich zu Pommes) und als Nachspeise eine der leckeren, tropischen Früchte. Zum Frühstück ist es üblich Käse, Schinken mit Toast zu essen. Dazu noch einer von den vielen guten Fruchtsäften dazu und es ist perfekt. Also um auf den Punkt zu kommen: Wer gerne gut und viel isst, sollte auf jeden Fall mal nach Brasilien reisen.

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Die Ernährung ist hier relativ eintönig, jedoch keine zu große Umstellung: Wechsele unser Brot durch Reis aus und hau ungefähr zweimal so viel Fleisch auf den Teller und schon bist du ein echter Brasilianer. Für Menschen der  etwas süßeren Sorte gibt es ebenfalls viel zum Ausprobieren. Der Großteil der Süßigkeiten wird  mit oder aus kondensierter Milch gemacht und ich habe inzwischen ein Faible für „doce de leite“ (wörtlich übersetzt „Das Süße der Milch“, eine Art Misch aus Honig und Nutella) und „torta de bolacha“ (Kekskuchen) entwickelt.

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Mit dem brasilianischen Essen komme ich sehr gut zurecht. Fast jeden Tag kann ich neues probieren: Süßspeisen (extrem süß!), Getränke, zum Beispiel „Agua de Coco“, oder auch das Nationalgericht „Feijoada“ (Reis mit Bohnen) in unzähligen Variationen. Was mir auch sehr gut schmeckt, ist der Cuscus, den wir zum Frühstück essen. Das einzige Essen, das mir schon nach kurzer Zeit fehlte, ist ein deutsches Brot, denn das Weißbrot hier kann man nicht wirklich essen.
 

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In Brasilien gibt es viel Gebäck, wie zum Beispiel Teigtaschen mit Hackfleisch gefüllt, den „Pastel“, oder „Pão de queijo“, also Teigbällchen mit Käse. Diese werden sicher eine der Sachen sein, die ich am meisten vermissen werde.

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Natürlich gab es typisch brasilianisch als Beilage "Reis mit Bohnen" dazu. Da ich Vegetarierin bin, ernähre ich mich hier fast täglich davon. Allgemein schmeckt mir das brasilianische Essen sehr gut! Am besten sind Brigadeiro (Art Schokopudding), Pao de Queijo (Käsesemmel), Pizza doce (süße Pizza) und Pastel (Art gefüllte Blätterteigtaschen).

Gastfamilie

Nachdem wir fast unseren Flug verpasst hätten und Stunden riesengroßer Spannung erleiden mussten, war endlich der Moment gekommen, auf den ich eigentlich schon seit sechs Jahren hin gefiebert hatte. Als meine Gastschwester das Absperrband aushebelte und ich meine Gasteltern und sie zum ersten Mal umarmte, ist ein Traum wahrgeworden. "We are sisters now" gab den Startschuss als neues Familienmitglied.

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Das erste Mal die Zahnbürste in den gemeinsamen Becher stellen oder gemeinsames Abspülen waren für mich schöne Zeichen, Schritt für Schritt in den Alltag eingegliedert zu werden. Mittlerweile kenne ich nicht nur meine zwei älteren Gastbrüder, sondern zahlreiche Onkels, Großtanten, Cousins und natürlich meine liebenswürdige Gastoma und Gastopa, bei denen ich jeden Mittag nach der Schule esse und Zeit verbringe. Durch Geburtstage, Churrascos, das ist typisches, gemeinsames Grillen auf langen Spießen, Pizzaabende und Vatertag wachse ich in die Gemeinschaft rein, auch wenn ich noch immer nicht sicher bin, wer jetzt genau mit wem wie verwandt ist.

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Tatsächlich war ich sogar selbst ein wenig überrascht wie schnell ich mich dann eingelebt hatte. Nach nicht einmal einer Woche bei meiner Gastfamilie hatte ich schon so etwas wie eine Alltagsroutine gefunden, wenn diese auch nicht allzu selten mit Fettnäpfchen und einer Sprache, die es durchaus in sich hat, gespickt war.

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Wenn meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich abends heimfahren und wir gemeinsam über Politik, Einstellungen und den Sinn des Lebens diskutieren oder gemeinsam singen, dann finde ich es sogar schön, wenn der Stau auf der Straße noch ein bisschen anhält.

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Eine davon ist das Familienleben, das sich in vielen Bereichen unterscheidet. Hier in Deutschland habe ich meine Zimmertür öfters zugemacht, wenn ich zu Hause war, einfach aus Gewohnheit, also habe ich das in Brasilien anfangs auch so gehandhabt, was meine Gasteltern nicht gerade fröhlich gestimmt  hat, dort bedeutet eine geschlossene Zimmertüre nämlich  Abneigung. Sie dachten also irgendetwas  getan zu haben, was mich verärgerte, und ich also sauer auf sie war, dies war aber gar nicht der Fall. Generell ist das Familienleben  in Brasilien ein wenig enger, auch wenn ich  ein oder zwei Tage weniger mit meiner Familie rede, als sonst, denken sie, dass es ein Problem gäbe.

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Eines der schönsten Momente ist, wenn man sich wirklich zu Hause fühlt. Wenn das Haus in dem du  hier lebst auf einmal DEIN Haus wird. Wenn die Familie, in der du lebt, zu DEINER zweiten Familie wird und man anfängt, seinen Alltag zu leben.

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Eine sehr interessante Erfahrung ist das Leben mit der Gastfamilie. Die meisten Menschen werden vorher nie in der Situation gewesen sein, sich in eine Familie einzuleben, die nicht die eigene ist. Einerseits ist es am Anfang sehr anstrengend, nichts falsch machen zu wollen und immer drauf achten zu wollen, wie es deine Familienmitglieder machen, doch nachdem sich dies nach einiger Zeit legt, ist es einfach nur toll zu sehen, wie man von Tag zu Tag mehr, tatsächlich ein Teil der Familie wird. 

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Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass eine Familie aus einer anderen Kultur und die ich noch nie in seinem Leben zuvor gesehen hatte, eines Tages zu MEINER Familie wird. Ich erinnere mich noch wie ich es anfangs so komisch fand, sie "Mama" und "Papa" zu nennen, aber inzwischen ist das völlig normal für mich. Besonders schön finde ich mein richtig enges Verhältnis zu meiner Gastmutter: Sie ist wie meine beste Freundin.

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Es sei gesagt, das sie [meine Gastfamilie] nicht wie die meisten Familien ist, die einen Gastschüler aufnehmen. Denn ich habe keine Gastgeschwister, sondern lebe bei einem homosexuellen Paar, zwei Männer. Natürlich ist es da etwas anders, da ich quasi für ein ganzes Jahr keine richtige Mama habe, aber dennoch gefällt mir meine Erfahrung mit den Beiden bis jetzt sehr gut, denn ich habe eine Menge Spaß und man sorgt sich gut um mich.

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Meine Gastfamilie ist vollkommen zusammengewürfelt. Wir leben alle zusammen, meine Gastschwester (28), ihre Tochter (10) und meine Gasteltern. Doch der Verlobte meiner Gastschwester geht hier ebenfalls jeden Tag ein und aus, und mein Gastbruder lebt mit seiner Freundin auch jede zweite Woche hier. Jeden Tag, jede Woche lebe ich in einer anderen Familienkonstellation, doch alle nehmen mich als ein Familienmitglied auf.

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Seitdem ich das erste Lebenszeichen von meiner Gastfamilie erhalten habe, hatte ich immer den Zweifel, ob die mich denn überhaupt mögen würden, und was ich nur machen würde, wenn wir uns nicht verstehen. Inzwischen kann ich nur darüber lächeln.

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Meine Gastfamilie? Die beste zweite Familie der Welt. Wir verstehen uns alle sehr gut und haben schon seit Anfang an ein enges, familiäres Verhältnis zueinander. Gleich am ersten Tag wurde ich meinen Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen und auch Freunden vorgestellt. Egal wohin man mich mitnahm, überall wurde ich mit offenen Armen empfangen.

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Das nächste Thema über das ich berichten will, ist das Familienleben in Brasilien, das sich vor allem darin unterscheidet, das das Zusammenleben sehr viel enger ist. Es wird erwartet, dass man sich mehr unterhält und zusammen unternimmt. Wenn ich zum Beispiel eine halbe Stunde alleine in meinem Zimmer bin, wird an der Tür geklopft und mir gesagt, ich solle rauskommen und mich unterhalten. Ein anderes Beispiel ist, dass es üblich ist, zu Besorgungen mitzukommen, falls meine Mutter in die Stadt fährt, um Geld abzuheben, komme ich z.B. immer mit, ich brauche zwar meistens gar nichts in der Stadt, bin halt als “Begleitung“ dabei.

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Zusammen mit meiner Gastmutter lebte ich mit drei Katzen in einem „Condominho“, einer ummauerten Wohnsiedlung mit einem Wächter. In der Siedlung gab es auch einen Fußballplatz und einen Swimming-Pool, die ich regelmäßig genutzt habe.

Land und Leute

Ich habe eine Freundin zu einem Kindergeburtstag begleitet, bei dem sie Clown und Animateur für die Kinder war. Der Junge ist fünf geworden, und ich war überwältigt davon, wie groß das gefeiert wurde. 70 Leute waren dort, davon ca. 30 Kinder, und der Geschenketisch des FC Barcelona Fans war sehr üppig gefüllt.

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Da ich in einer Region gelandet bin, in der es viele Menschen mit deutschen Vorfahren gibt, spüre ich diesen Einfluss. Das erste Mal in meinem Leben habe ich hier auf dem Oktoberfest meines Leichtathletikvereins ein Dirndl getragen, zum

Fliegerlied, deutschen Schlager und Ringelreihemusik getanzt. Selbst auf einer Buchmesse bin ich schon auf eine Bläsertruppe in Tracht getroffen. Durch den Leiter des Goethe-Instituts besuche ich auch Universitäten oder Schulen, in denen es Deutschunterricht gibt. In einer davon habe ich zusammen mit einer anderen Botschafterin Bayerns über unser deutsches Leben berichtet und Kartoffelsalat und Amerikaner verteilt. Insofern habe ich die Möglichkeit Vorurteile abzubauen, zu zeigen, dass Deutschland mehr als nur Oktoberfest ist, zwischen Guarana und Spätzle meine Identität hinterfragen und darüber nachdenken, ob es so etwas wie "die deutsche Kultur" überhaupt gibt.

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Ein Satz der sich für mich bewahrheitet hat. Durch einen der größten Zufälle bin ich als Leichtathletikliebhaberin nämlich in den Verein mit der besten Tartanbahn in ganz Brasilien gelandet und werde mehr als nur integriert. Der Cheftrainer, der schon ein paar Jahre als Trainer in Deutschland gearbeitet hat, möchte mir nun das zurückgeben, was er in Deutschland an Freundlichkeit erlebt hat, wodurch ich eine unfassbare Möglichkeit geboten bekommen habe. Ich durfte mit neun anderen Jugendlichen in São Paulo an den brasilianischen Leichtathletikmeisterschaften unter 18 teilnehmen und fünf wunderschöne Tage mit einem supertollen Team, lieben Trainern und vielen Athleten aus anderen Staaten Brasiliens verbringen. Verständigungsschwierigkeiten rücken in den Hintergrund, wenn man sich gemeinsam anstrengt und Ziele erreicht. Besonders gefällt mir, wie stark man hier von den Vereinskollegen angefeuert und beglückwünscht wird. Wenn alle deinen Namen rufen, klatschen, schreien und Herzchen formen, motiviert das enorm.

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Ich bin auf viel „deutsche“ Kultur gestoßen, da der Süden Brasiliens sehr von deutschen Einwanderern geprägt ist. Einige deutsche Dinge gibt es in Deutschland zwar gar nicht und auch die deutsche Sprache einiger Bewohner meiner Stadt erinnert eher an eine portugiesische Sprachmelodie, aber es gibt auch einiges, was mich wirklich an zu Hause erinnert. Zum Beispiel mein bisheriges Ausflugshighlight, das Oktoberfest in Blumenau. Alle die meinen, dass Brasilien nur halb so schön sein kann wie Deutschland, weil es kein Oktoberfest und keine Bierzeltkultur gibt, liegen falsch! Im Oktober ist nämlich die ganze Stadt Blumenau in Partystimmung, denn dort findet das zweitgrößte Oktoberfest der Welt statt. Ich als Bayerin war zwar peinlicherweise eine der einzigen ohne Tracht, habe dafür aber die Musik mitsingen können. Nur fies, wenn die deutsche Melodie mit portugiesischem Text gespielt wird und ich das erst merke, nachdem ich die zweite Strophe gegrölt habe und mich die Leute schief anschauen... Blumenau hat vier Festzelte, diverse Essensstände mit deutsch-brasilianischer Kost, tonnenweise Bier und sehr viele feiernde Brasilianer.

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Geplant war eigentlich dass wir nur eine Nacht bleiben und am nächsten Tag zurückfahren würden. Dass man auf Pläne in Brasilien allerdings nicht allzu viel gab, sollte mir recht schnell bewusst werden. Stattdessen bevorzugen es die meisten Brasilianer spontan zu sein und da sollte der um zwei Tage verlängerte Aufenthalt bei den Verwandten plus Strandbesuch keine Ausnahme bleiben. Spontanität wird hier in Brasilien nämlich groß geschrieben. Das war tatsächlich einer meiner ersten Eindrücke hier. Und trotzdem werde ich auch jetzt noch regelmäßig von der Spontanität einiger Leute hier überrascht. Manchmal positiv, wenn man bei einem abendlichen Spaziergang in etwa einen Freund oder Bekannten trifft und sofort eingeladen wird mit zu seinem Haus zu kommen, um ein wenig zu quatschen, einen Film zu gucken oder schlichtweg etwas zu essen. Und manchmal negativ, wenn man sich in etwa mit jemanden verabredet hat und nur zehn Minuten vorher eine Nachricht bekommt, dass derjenige doch nicht kann. Doch wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, ist es eigentlich sogar recht entspannend. Man macht sich nicht mehr so viel Stress und lernt die Dinge einfach so zu nehmen wie sie kommen.

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Alle sind unglaublich freundlich und vor allem total aufgeschlossen und neugierig; auch Ausländern und anderen Kulturen gegenüber. Es ist mir schon so oft passiert, dass mich im Bus, im Supermarkt oder auf der Straße Leute, die merken oder wissen, dass ich nicht aus Brasilien bin, einfach ansprechen und mich über Deutschland und mein Auslandsjahr ausfragen; wobei ich bisher keine Person kennengelernt habe, die nicht das 7-1 während der Fußball-WM 2014 erwähnte!

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"Wie überträgt man Herzlichkeit? - Durch Umarmen!" wurde ich hier belehrt. Das fängt ja schon bei der Begrüßung an, deren Regeln ich aber nach drei Monaten immer noch immer nicht ganz durchschaut habe. Traditionell gibt man sich hier einen oder zwei "Beijos", also Wange an Wange plus Kussgeräusch. Mann und Mann praktizieren eine Art Armschütteln. Nun umarmen manche aber auch oder geben ein richtiges Bussi. Besonders schwierig ist es bei Jungen, weil manche die Hand schütteln, andere einen Check machen und andere wiederum einen "Beijo" geben. Generell werden hier alle gern geknuddelt, umarmt und gewuschelt, wobei auch Mädchen und Jungen sich einfach in die Arme fallen. Kurz ausgedrückt, Körperkontakt ist an der Tagesordnung und zeigt Geborgenheit und Herzlichkeit.

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Die allermeisten Brasilianer sind auch extrem spontane Menschen und auch das habe ich schon sehr oft miterlebt und es gefällt mir total. An einem Nachmittag wollte ich zum Beispiel mit zwei Freunden einen kurzen Spaziergang am Strand machen; es hat dann damit geendet, dass wir kurzerhand fast zwei Stunden lang im Meer gebadet/geschwommen sind - mit allen Klamotten, die wir anhatten, da natürlich niemand Badehose bzw. Bikini dabei hatte.

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ln Brasilien ist die Familie das wichtigste überhaupt. Deshalb war das Familienleben in meiner Gastfamilie auch sehr ausgeprägt. Weil wir unter der Woche nicht alle zusammen lebten, unternahmen wir an den Wochenenden alle etwas gemeinsam. Da war dann immer  das Haus voll und es wurden nach guter brasilianischer  Art Witze gerissen, Geschichten erzählt, oder sich über die Politik beschwert. Das bedeutet, dass auch mal nicht an Beleidigungen gespart wird und bei den Witzen steht auch dieser im Vordergrund und es wird wenig darauf geachtet, ob man damit jemanden verletzen könnte. Im persönlichen Umgang miteinander ist dies dann aber ganz anders. Jemandem offen und ehrlich seine Meinung zu sagen, das tut kein Brasilianer gerne, selbst dann nicht, wenn er dazu aufgefordert wird. Da wird dann das Kleid der Freundin schön geredet, obwohl es einem gar nicht gefällt. All dies finde ich sehr spannend, denn in Deutschland kann man meist das Gegenteil erleben: Für Deutsche ist die Wahrheit  immer sehr wichtig, auch wenn man mit ihr das Gegenüber kränken könnte.

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Was mir in Brasilien öfters Schwierigkeiten bereitete, war es, indirekte Botschaften  zu verstehen. Dort drückt man sich in vielen Fällen längst nicht so deutlich  aus, wie hier in Deutschland. Zum Beispiel holte mich einmal eine Freundin mit ihrer Familie mit dem Auto ab, um zu ihrer Geburtstagsfeier zu fahren. Ich war mir nicht mehr genau sicher, wann genau die Party anfangen würde, also fragte ich: "Die Feier beginnt  um 21Uhr, oder?", die Familie war verstand dies aber eher so: "Jetzt gebt mal Gas, wir kommen zu spät zu eurer eigenen Party!

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Die Wohnung meiner Gastfamilie war recht klein und der Fernseher steht im Wohnzimmer  direkt in der Mitte, weshalb das Programm eigentlich in jedem Raum zu hören ist. Da Brasilianer im Grunde immer den Fernseher an haben, kann das auf Dauer recht nervig werden.

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Dinge, an die man sich gewöhnen muss: zum Beispiel an die Busse, die mal zu früh, mal zu spät, mal gar nicht kamen, an das Duzen und mit-Vornamen-Ansprechen, auch Lehrer oder Fremde, an Autos, die mit Werbung oder Musik in einer Lautstärke durch die Straßen fuhren, bei der sich in Deutschland schon längst Leute beschwert hätten, an die schlechten Straßen, die Schlaglöcher und die allgegenwärtige Armut, in der sehr viele Brasilianer leben und noch vieles mehr. Doch nach kurzer Zeit hatte ich mich an all diese gewöhnt. An manches schneller, an manches weniger schnell. Das Ungewohnte, das Neue, wurde zur Gewohnheit.

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ln Deutschland hatte ich schon viel über den brasilianischen Karneval gehört und mir daher schon alles bildlich vorgestellt, wie es sein wird: große Umzüge der Sambaschulen mit riesigen Umzugswagen, die die Form eines Tieres haben, viel Samba, die Frauen tragen knappe Bikinis und eine Art "Federschmuck" auf dem Kopf, .... Eben typischer "Carnaval carioca" (so wird der Karneval in Rio de Janeiro von Brasilianern bezeichnet), von dem ich in Deutschland schon so viel gehört hatte. Meine Vorfreude auf den Karneval in Brasilien war wohl etwas zu groß und daher war ich ganz schön enttäuscht als mir meine Freunde und meine Gastfamilie erzählt haben, dass die wenigsten an Karneval zu den großen Umzügen oder den großen Straßenfesten gehen, da diese entweder einen sehr hohen Eintrittspreis haben oder zu gefährlich sind. Anstatt dessen verbringt man den Karneval über mit Familie oder Freunden bei einem gemeinsamen Churrasco (brasilianisches Grillfest) oder man sieht sich zusammen die großen Umzüge der Samba-Schulen von Rio de Janeiro oder Säo Paulo im TV an. Die ersten Tage des Karnevals habe ich mir also mit meiner Gastfamilie zusammen die Umzüge in Rio de Janeiro und Säo Paulo im Fernsehen angeschaut und das war richtig beeindruckend und einfach nur schön anzusehen. Die Umzüge der Samba-Schulen sind wie eine Art Wettkampf zwischen ihnen. Sie präsentieren die Kostüme, Umzugswagen,... für die sie ein ganzes Jahr lang darauf hin gearbeitet haben. Jede Sambaschule hat dabei ihr eigenes Motto, zu dem die ganzen Kostüme und Umzugswagen gestaltet sind. Die Sambaschulen laufen nach einander eine lange Straße entlang, stoppen zwischen durch um ihre Wagen und die Kostüme dem Publikum und der Jury zu präsentieren. Ich habe kurzfristig die Möglichkeit erhalten, für die Sambaschule "Cecap" beim Umzug in Säo Paulo mitzulaufen. Das Kostüm bekam ich zusammen mit jeder Menge Anweisungen zum Verhalten, den Regeln und dem Ablauf von der Sambaschule. Einige Tage später erfuhr ich, dass die Samba-Schule, für die ich gelaufen bin, den ersten Platz gewonnen hat und ich habe einen ganz kleinen Teil dazu beigetragen! Es war ein einmaliges Erlebnis.

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Kinder werden morgens  immer mit dem Auto zur Schule gefahren, müssen so gut wie nie laufen, Fahrrad fahren oder öffentlich kommen, wie das in Deutschland normalerweise der Fall ist. Das würde nämlich dort den anderen signalisieren, dass man sich nicht um sein Kind kümmert bzw. es schlecht behandelt.

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ln Brasilien habe ich begonnen, mit Freunden ins Fitnessstudio zu gehen. Schnell lernte ich neue Leute kennen und alle, die ich neu kennenlernte, waren sehr interessiert und wollten gar nicht mehr aufhören, mit einem zu reden. Im Gegensatz dazu sind hier in Deutschland die Leute eher distanzierter und nicht auf Kontakt mit Fremden aus.

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Wenn ich mit meiner Familie zum Essen bei einer befreundeten Familie war, hat es meistens sehr lange gedauert, bis wir dann wirklich den Rückweg antraten. Oft saß ich dann schon müde im angeschalteten Auto und dachte, wir würden jetzt fahren, doch meine Gasteltern unterhielten sich noch manchmal bis zu einer Stunde aus dem Auto heraus mit Freunden.

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Es gibt einfach so unzählige Momente in denen man Unterschiede bemerken kann und in denen man sich wirklich wie ein Pinguin in mitten von Eichhörnchen fühlt:
Wenn man versucht etwas Essen zum Mitnehmen zu finden und einfach nicht fündig wird, weil die Brasilianer sich eigentlich immer hinsetzen zum Essen. Wenn man ein Heft kaufen will und dafür erst einmal durch drei verschiedene Stationen des Kaufens muss. Wenn die Ampeln auf einmal waagerecht und nicht mehr senkrecht sind und diese oft nicht einmal mehr funktionieren. Wenn du komisch angeschaut wirst, wenn du eine Pizza zum Mittag isst, weil es hier jeden Tag Reis mit Bohnen gibt. Wenn dich alle ungläubig anschauen, wenn du erzählst, dass du noch nie in deinem Leben süße Pizza gegessen hast, egal ob mit Schokolade oder Fruchtcreme. Wenn du in die Schule gehst und erst nach zwei Monaten überhaupt herausfindest, wann der Unterricht wirklich beginnt, weil doch alle zehn Minuten zu spät kommen. Wenn du dich mit Freunden verabredest und sie selbst wenn sie schreiben, dass sie gleich da sind, wohl noch nicht einmal das Haus verlassen haben und du mindestens noch 30 Minuten warten muss. Wenn es für die anderen komisch ist, dass du pünktlich zu einem Fest kommst und dich selbst bei zehn Minuten Verspätung schon entschuldigst, während die anderen erst eine Stunde später ankommen und das ohne ein Wort der Entschuldigung, weil es hier einfach normal ist. Wenn du eine Rieseneidechse siehst und du total darüber staunst und denkst es wäre das achte Weltwunder und die Brasilianer einfach nur daneben stehen und lachen.

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Genauso wie für die Gastfreundschaft  sind die Brasilianer bekannt für ihre Fähigkeit, Probleme nur mit denen ihnen gerade zur Verfügung stehenden Mitteln und durch ein freundschaftliches Auftreten zu lösen. Das ist der sogenannte "jeitinho brasileiro".

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Brasilianer nehmen dich mit einer Selbstverständlichkeit auf, dass es bald keinem, einschließlich einem selbst, mehr auffällt, dass man gar nicht von dort ist. Sie sind immerzu fröhlich und gelassen, und haben eine verkorkste Zeitwahrnehmung (grundsätzlich verspätet sich alles und jeder) und sind einfach ein liebenswertes Volk. Das Beste an Brasilien sind wohl die Menschen.

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Natürlich gibt es nicht nur Glanzseiten. Die starke Korruption und Kriminalität bekommt dort jeder sehr stark zu spüren, selbst wenn man nicht direkt Teil davon ist. So habe ich mit meiner Familie in einem "Condominio" gewohnt. Dies ist ein gesicherter Bereich voll mit Häusern, abgegrenzt durch eine Mauer mit Stacheldrahtzaun oben drauf und Wächtern mit Waffen, die Tag und Nacht in regelmäßigen Abständen patrouillieren. In so einem Bereich zu wohnen wird in Brasilien als Privileg gesehen; es ist hauptsächlich reichen Menschen vorbehalten, dort zu leben. Ich habe es jedoch immer mehr als "Gefängnis" wahrgenommen, da es nicht möglich war, einfach ein und aus zu gehen, wie es einem beliebt.

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Doch das prägendste an meinem Austauschjahr ist mit Sicherheit die kulturelle Differenz zwischen Deutschland und Brasilien. So gab es gerade am Anfang zahlreiche -teils peinliche- Zwischenfälle die daraus resultierten, dass die Kulturen sich in vielen wesentlichen Punkten unterschieden und es einem Austauschschüler denkbar schwer machen, nicht in zahlreiche Fettnäpfchen zu treten.

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So wurde ich wenige Tage nach meiner Ankunft auf den 15. Geburtstag einer neu gewonnen Freundin eingeladen. Mir wurde gesagt, sie mache eine Geburtstagsparty. Also kleidete ich mich, wie ich mich für die Geburtstagspartys von Freunden normalerweise kleide, nicht sonderlich formell aber auch nicht zu leger.
Als ich jedoch auf der Party ankam, starb ich leider vor Scham. Im Nordosten Brasiliens ist der 15. Geburtstag einer angehenden Frau vergleichbar mit der Kommunion oder Konfirmation in unseren Breitengraden. Zumindest was die Kleiderordnung und die Größe der Feste angeht. Es gab außer den Kellnern wohl keine Person, die nicht in Anzug und Krawatte oder Kleid gekleidet war und das Geburtstagskind wurde in einer rosa Limousine zum Ort des Festes gefahren.

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Feste in Brasilien haben einen ganz anderen Umfang. Für den 15. Geburtstag eines Mädchens wird hier ein riesiges Fest geplant. Man ruft einen Dekoprofi, engagiert Türsteher und lässt eine Torte herstellen. Auch ich hatte mir bei dem Anblick des sechsstöckigen Traums doch extra ein wenig Appetit aufgehoben.  Das Buffet war ganz abgeräumt; jedoch wurde die Torte nicht angeschnitten! Da ich nicht total verfressen wirken wollte, hielt ich mich erst zurück. Aber dann musste ich doch fragen, warum sie nicht angeschnitten wird und wurde erst mal ausgelacht. Dann wurde mir erklärt, es sei eine Faketorte und sie sei nur für die Fotos da. Meine Enttäuschung war groß!


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Am ersten Wochenende ging es gleich ins Nagelstudio (für mich Neuland); doch hier gehört es zum Alltag. Aufgefallen ist mir, dass Hygiene hier eine große Rolle spielt,  so wird z.B. bis zu viermal am Tag geduscht und die Frauen gehen zum Augenbrauenzupfen ins Studio. Das Ganze hat wohl seinen Hintergrund bei den Ureinwohnern. Diese haben schon viel Wert auf ihren Körper gelegt und ihn mit Malereien verziert (evtl. vergleichbar mit den Mengen an Makeup, die man sich hier für ein Fest auflegt).

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Am zweiten Tag, den ich in meiner Gastfamilie verbrachte, war Vatertag. Wir sind in einer Churrascaria Essen gegangen. Dort gehen ständig Bedienungen  mit verschiedensten Fleischsorten umher. Man zahlt einen Preis und darf so viel essen wie man will. Ich konnte noch fast gar kein Portugiesisch und deswegen habe ich alles probiert, was mir meine Mutter gab. Ein paar Wochen später hat meine Freundin erzählt, dass sie das Herz eines Hühnchens gegessen hat. Sie hat mir beschrieben, dass es so kleinlich braun/grau war und so gummiartig geschmeckt hat. Einfach nur eklig, fand sie. Auf einmal kerinnerte ich mich an den Besuch in der Churrascaria: dort hat mir meine Mutter auch etwas zu essen gegeben, das genau der Beschreibung entsprach;, es schmeckte fürchterlich, doch ich konnte mich nicht richtig verständigen, so dass ich sogar zwei davon aß. Ich fragte später sogar meine Mutter, ob sie sich daran erinnern könnte und sie sagte, ja das war das Herz eines Hühnchens und ich war erst geschockt. Ich hatte,  es ohne zu wissen,  gleich zwei n Hühnerherzen gegessen. Sowas kann passieren, wenn man in einem anderen Land ist und nicht sagen kann, dass es einem nicht schmeckt. Seit her frage ich immer nach und sage, wenn es mir nicht schmeckt.

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Es gibt so viele Situationen, die ich hier schon erlebt habe, in denen mir die Brasilianer gezeigt haben, dass man alles gelassen und mit Spaß sehen muss.

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Denn schon vor den Wahlen, die hier im Oktober stattgefunden haben, wurden eine Menge Feuerwerkskörper verschossen, und alle Autos hatten Musik von ihrem Favoriten (es wurde der Bürgermeister in allen brasilianischen Städten gewählt) auf ihren Verstärkern laufen. Doch so richtig los ging es dann erst am Wahltag. Alle über 18 Jährigen müssen wählen gehen und ab 16 darf man wählen gehen. Auf jeden Fall waren an dem Tag so gut wie alle auf der Strasse, hupend und die Musik laut laufen lassend. Am Abend war es dann noch mal lauter, weil dann schon der jeweilige Gewinner feststand, und eine Woche später gab es dann nochmals ein Fest, um den Sieg des Gewinners zu feiern. Ja, die Brasilianer suchen immer eine Gelegenheit, um irgendetwas zu feiern, doch das ist gerade diese Lebensfreude, von der ich die ganze Zeit erzähle, und die ich an Brasilien so schätze.

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So jetzt kommen wir endlich zu der Hitze hier, die ich Tag für Tag durchmache. Ich lebe hier in einem sehr warmen Teil Brasiliens und meine Stadt befindet sich nicht gerade nah am Meer liegend. Dementsprechend ist es hier immer gleich warm und noch viel heißer, wenn man zur Mittagshitze Schule hat, und zu der Schuluniform eine lange Hose und feste Schuhe gehören. Aber jetzt, während in Deutschland so langsam der Winter einkehrt, fängt hier zwar der Hochsommer, also täglich um die 40 Grad, aber gleichzeitig beginnt auch die Regenzeit. Somit wird diese unerträgliche Hitze etwas erträglicher und das Schöne ist, ich kann hier trotz des Regens immer noch in kurzer Hose und Top herumlaufen und somit meine neuen brasilianischen Klamotten täglich nach der Schule tragen. Im Hause kriegen wir bald Klimaanlagen, weil es ohne schon ganz knapp an der Grenze zum Unerträglichen ist.

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Jeden Tag lerne ich neue Dinge kennen. Mir fällt auf, dass man manche Gewohnheiten und Verhaltensweisen nur deshalb hat, weil man es "schon immer so gemacht hat". Deswegen kommt es oft genug zu peinlichen, meist lustigen Situationen, denn was für mich normal erscheint, ist für andere sehr seltsam und umgekehrt. Es gibt kleine, unbedeutende Sachen, die man kaum bemerkt und solche, bei denen man nur noch mit offenem Mund dasteht und keine Ahnung hat, wie man reagieren soll. Hier sind ein paar kleine Beispiele:
• Das Essen ist komplett anders. Es gibt jede Menge Reis (meistens mit Bohnen) und es gibt keine Mahlzeit ohne Fleisch. Die Brasilianer essen gerne Süßig-keiten; die beliebtesten sind "pizza doce" (süße Pizza), Brigadeiros und "torta de bolacha" (Kekskuchen). Das Obst hier sieht zwar um einiges weniger ansprechend aus, weil es nicht mit Chemikalien vollgespritzt wird. Dafür schmeckt es tausendmal besser, denn hier werden weder Bananen noch Mangos oder Ananas importiert.
• In Brasilien wirft man das Toilettenpapier nicht in die Schüssel, sondern in einen Mülleimer daneben.
• In jeder Schule gibt es Schuluniform.
• Die Brasilianer legen sehr viel Wert auf Hygiene. Eine Dusche am Tag ist das Minimum. Im Sommer normalerweise drei bis fünf pro Tag. Auch wenn eine Brasilianerin nur zum Supermarkt fährt, zieht sie sich was Nettes an und schminkt sich. Und egal wie sehr die Füße in den Highheels sterben, es gibt niemanden, der ausgeht und flache Schuhe trägt. Die einzige Ausnahme: Der "Carneval", denn da wird den ganzen Tag auf der Straße gefeiert und getanzt und dafür braucht man einfach bequemes Schuhwerk.
• Zu Hause trägt man keine Socken, sondern Flip-Flops.
• Vermutlich habe ich noch nie so viele Küsschen bekommen wie hier in den letzten drei Monaten. Wenn man sich begrüßt/verabschiedet/zu Bett geht, gibt man sich einen Kuss auf die Wange, oder einfach so, wenn man dem anderen zeigen möchte, dass man ihn mag.
• Taxis sind weiß.

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Die Erfahrung, die mich bis jetzt, glaube ich, am meisten geprägt hat, ist die Tatsache, dass Brasilien ein Dritte Welt Land ist. Deswegen werde ich hier immer wieder mit mir bis dahin völlig unbekannten Sachen konfrontiert, mit denen ich jetzt zum ersten mal in meinem Leben absolut alleine klarkommen muss. Man sieht auf einmal wirkliche Armut, Drogen, Kriminalität, Gewalt, Ungerechtigkeit, das Fehlen einer Gesund-heitsversorgung und der Mangel an sauberem Wasser und Essen sowie eine nicht garantierte Freiheit und Gerechtigkeit. Und das mit eigenen Augen direkt vor der Haustür und nicht wie im Fernsehen, wo alles so schön weit weg ist, und man es einfach wegschalten kann. Man sieht Menschen, die wirkliche Probleme haben, zum Beispiel wie sie ihr Geld verdienen oder dass ihre Kinder keine richtige Schul-ausbildung erhalten können. Trotzdem sind Brasilianer die glücklichsten Menschen, die ich je getroffen habe.

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Was für mich auch sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass es in jedem Haus eine Haushälterin gibt. Das liegt wohl daran, dass diese recht wenig Geld bekommen. Unsere Haushälterin kocht das Mittagessen, macht die Betten, wäscht die Wäsche, putzt das Haus und hilft wo sie kann. Sie ist wie ein weiteres Familienmitglied. Durch sie habe ich auch viel portugiesisch gelernt, denn sie spricht kein Wort Englisch. Am Sonntag hat sie frei und dann gehen wir in einem Restaurant zum Mittagessen so wie es hier bei den anderen Familien auch üblich ist.

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In Brasilien habe ich außerdem gelernt, dass man zu jeder Uhrzeit essen kann, dass Cola im Norden Brasiliens süßer ist als üblich, dass man keine Ampeln in einer Stadt braucht (wobei ich eine Woche gebraucht habe, um ihr Fehlen überhaupt wahrzu-nehmen) und dass man nur etwas Übung braucht, um mit dem Lärm von Klimaanlagen schlafen zu können. Diese sind für einen angenehmen Schlaf auch oft unbedingt notwendig.

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Man sollte sich warm anziehen, falls man vorhat, mit dem Bus zu reisen. Da kommt man sich vor, als wäre man in den Kühlschrank gesperrt worden. Ansonsten sind die Busreisen aber sehr angenehm, wobei zu bedenken ist, dass Brasilianer was Entfernungen angeht, in anderen Dimensionen denken. Während man in Deutschland bei sechs Stunden Autofahrt schon verzweifelt, ist es hier durchaus normal 36 Stunden mit dem Bus zu fahren.

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Ein anderes Verhältnis zu Verabredungen legen die meisten Brasilianer auch an den Tag, was bedeutet, dass mit Pünktlichkeit hier kaum jemand glänzen kann. Das kann einerseits ganz schön nerven, wenn man ausgehfertig darauf wartet, abgeholt zu werden. Andererseits kann es aber auch ziemlich nützlich sein, beispielsweise wenn man gerade seiner Gastschwester die meterlangen Haare färbt, damit noch nicht fertig ist und darauf vertrauen kann, dass die Freunde sowieso eine halbe Stunde später als ausgemacht kommen werden.

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Es gibt viele Gerüchte über Südamerika, die ich im Laufe des Jahres überdenken musste aber eine Sache stimmt sicher: Brasilianer sind sehr nett, offen und total gastfreundlich. Und auch sehr hilfsbereit, gleich am ersten Tag bekam ich eine Notfallliste auf der die wichtigen Sachen wie ‘ich habe Durst/Hunger, ich muss zur Toilette, mir ist schlecht, etc.’ mit englischer Übersetzung standen.

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Jedes Mal, wenn ich mich mit meinen Freunden traf, musste ich mich auf 3 Dinge gefasst machen: dass sie zu spät kamen, um mich abzuholen (denn wenn man sich in dieser Hinsicht auf Brasilianer verlässt, ist man oft verlassen), dass ich vorher nichts essen brauchte, da wir entweder irgendwo Essen besorgten oder Unmengen selbst kochten, und dass ich mich entgegen aller brasilianischen Angewohnheiten doch anschnallen sollte. Der Fahrstil der meisten Brasilianer ist nämlich ziemlich fragwürdig, egal ob man im Auto oder mit dem Motorrad fährt. Meine aus ihrer Sicht total übertriebene Korrektheit fanden sie meistens sehr amüsant, das aber auch nur so lange, bis ich dazu überging sie zu beschimpfen oder liebevoll zu schlagen.

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In Deutschland wird zum Beispiel der 16. und 18. Geburtstag ganz groß gefeiert. Hier in Brasilien wird aber der 15. Geburtstag riesengroß gefeiert. Die Mädchen können sich zwischen einer Reise (z.B. ins Disneyland) und einer großen Party entscheiden. Für die Party wird dann auch mal gerne mehr investiert als für eine Hochzeit! Ich war selbst auch schon auf einem 15. Geburtstag einer Freundin, und es ist echt alles sehr extravagant. Professioneller Fotograf, Kellner die nur das beste Essen servieren, ein kleines Geschenk für jeden Gast, für die Mädchen 'Havaianas' Flip-Flops nach Mitternacht, um nicht mehr in High Heels rumlaufen zu müssen und das Geburtstagskind benutzt an diesem großen Tag meist fünf verschiedene, extrem pompöse Kleider!

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Für den Jahreswechsel, fuhr ich mit meiner Familie und Freunden an den Strand und abends gab es am Strand eine große Party, mit Feuerwerk auf dem Meer. In Brasilien gibt es einige Bräuche an Silvester, die auch meine Familie und ich einhielten. Zuerst ist es sozusagen Pflicht, Silvester komplett weiß gekleidet zu feiern. Außerdem springt man kurz nach Mitternacht über sieben Wellen und wirft eine weiße Blume ins Meer, das soll Glück für das neue Jahr bringen.

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Man spaziert durch eine Straße voller Villen, aber auf der anderen Straßenseite häuft sich ein großer Müllberg und auch die Fußgängerwege sind eher schlecht als recht intakt. Man geht zwei Straßen weiter und kommt an einer Reihe von 'Häusern' vorbei, die eher Garagen ähneln als Häusern und die wenigsten haben Fenster oder sind außen verputzt. In Brasilien trifft Arm auf Reich und die Mittelschicht bleibt fast aus. Es sind irgendwie zwei Welten, die neben einander her leben.

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Trotz der Tatsache, dass viele Leute nur wenige Dinge besitzen oder viele Probleme im Leben haben, ist mir aufgefallen, dass die Leute eine positive Sicht auf ihr Leben haben. Klar wird auch hier mal gejammert, doch lange nicht wie bei uns über jedes kleine Wehwehchen. Man ist meist recht zufrieden auch mit den simplen Dingen, Materielles tritt in den Hintergrund und die Familie in den Vordergrund. Diese Einstellung zum Leben hat mir die Werte für einige Dinge im Leben wieder gegeben oder verändert.

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'Bom dia! Tudo bem?'- Selbst jetzt nach gerade einmal drei Monaten in diesem einzigartigen Land kann ich mir keinen Tag mehr ohne diese Begrüßung vorstellen. Allein an diesen vier kleinen Worten kann man schon den ersten riesengroßen Unterschied zu Deutschland sehen. Während man in Deutschland oft nur ein gemurmeltes 'Guten Morgen' bekommt, wird man hier jeden Tag mit einem Strahlen im Gesicht, Umarmung und einem Küsschen links und rechts begrüßt. Am Anfang war es auch für mich eine große Umstellung, wenn Leute auf mich zugekommen sind, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte und diese mich umarmt und geküsst haben, als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen, aber jetzt gehört es zu meinem Alltag.

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Die Menschen sind sehr spontan, reden gerne, essen gerne und gehen gerne zum Strand. Alles wird nicht zu ernst genommen. Man sieht zwar Probleme und versucht sie auch zu lösen, jedoch lassen sich die Brasilianer durch sie das Leben nicht schwer machen. Sie sind sehr frei, glauben an das Gute und sind sehr lebensfroh.

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In einem Fußballmuseum bin ich zur Erkenntnis gekommen: "Brasilianer vergöttern Fußball mehr als die Deutschen! " Ich kann mich noch an einen Spruch erinnern, der übersetzt so viel heißt wie: "Alles ist ein Ball". Mir wurde das so erklärt, dass Brasilianer in allem einen Fußball sehen, beispielsweise, wenn sie auf der Straße eine leere Dose sehen, kicken sie diese wie beim Fußball weg, da sie das Fußballspielen einfach im Blut haben!

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An Silvester gibt es zum Feuerwerk noch zwei ganz spezielle Traditionen: Erstens ziehen alle weiße Kleidung an, denn die steht für das Gute im neuen Jahr. Außerdem verbringt man, wenn möglich, die Silvesternacht am Meer, damit man sich um Mitternacht ins Wasser stellen und über die nächsten sieben Wellen springen kann, was Glück und Gesundheit bringen soll.

Kultur

Meinen ersten Gottesdienst werde ich nie vergessen. Es war unglaublich voll in der Kirche, es gab kaum einen Platz zum Stehen. Die Lieder waren ganz anders, als ich es von den deutschen Gottesdiensten gewohnt war. Viel lebendiger. Und alle haben mit einer solchen Kraft, mit einem solchen Glauben, mit innigen Bitten und mit einer solchen Leidenschaft mitgesungen und sich dabei an den Händen gehalten, dass es mir unmöglich war die Tränen zurückzuhalten. Es war ein unglaubliches Gefühl der Gemeinschaft, welches sehr schwer zu beschreiben ist, wenn man es nicht selber miterlebt hat.

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Meine Familie ist sehr religiös, weshalb wir jede Woche entweder in die Kirche gehen oder zu Hause beten. Auch wenn wir eine etwas längere Autofahrt vor uns haben wird immer zuerst gebetet. Sowas ist nicht unüblich hier, denn Glauben ist ein wichtiger Teil der brasilianischen Kultur. Und wenn sie an etwas glauben, dann glauben sie daran und scheuen sich auch nicht davor, es der ganzen Welt zu zeigen.

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Am meisten wunderte mich, dass die wenigsten Brasilianer, die ich traf, religiös waren. Vor dem Austausch hatte ich aufgrund anderslautender Berichte und Statistiken, fest davon ausgegangen regelmäßig mit meiner Familie in die Kirche zu gehen, jedoch war dies nicht der Fall.

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Ein großes Highlight war für mich Weihnachten. Denn auf der anderen Seite der Erdkugel liegt diese Zeit im Hochsommer, das heißt während der Sommerferien. Und obwohl es zuerst gewöhnungsbedürftig klingt, fand ich die Vorstellung angenehm, die Feiertage bei 30 Grad im Schatten am Strand zu verbringen anstatt im kalten und nassen Deutschland. Aber leider gab es dafür in Brasilien auch keine Adventszeit mit Adventskalender, keine Plätzchen und Lebkuchen und keine Weihnachtsmärkte, weshalb ich mich ziemlich „unweihnachtlich“ fühlte. Doch ich bekam ein weihnachtliches Überraschungspaket aus Deutschland und meine Gastfamilie war begeistert, als wir dann zusammen Plätzchen gebacken haben und sie Spekulatius und Lebkuchen probieren konnten.

Schule

Da das Schuljahr hier im Februar beginnt, bin ich also mitten im Jahr neu dazugekommen und ich war wieder einmal unglaublich aufgeregt, als meine Gastmutter mich zur Schule fuhr. Dort angekommen, zeigte die Sekretärin uns das ganze Schulhaus und mir fielen gleich einige offensichtliche Unterschiede zu meiner deutschen Schule auf: zum Beispiel gibt es überall Wasserspender und in jedem Klassenzimmer mehrere Ventilatoren und eine Klimaanlage (im Sommer sehr angenehm), jeder Schüler hat einen Stuhl mit einem kleinen Pult, das daran befestigt ist und es gibt eine Schuluniform, die an meiner Schule aus dem Schul-T-Shirt, und einer passenden Hose bzw. einem Rock besteht; jedoch macht es auch nichts, wenn man mal was anderes trägt.

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Die Aufteilung des Schultags ist hier auch anders; der Unterricht beginnt um 7 Uhr morgens und endet um 12 Uhr mittags, nachmittags haben dann in vielen Schulen die jüngeren Kinder Unterricht und abends die ältesten bzw. die Erwachsenen, die einen Abschluss nachholen.

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Ich bin die Nummer 42 von 41 Schülern der Klasse 211, was daran liegt, dass ich mir einfach eine Nummer ausgesucht habe, weil ich als Gastschülerin keine "matrícula" habe, also nicht im Schulnetzwerk registriert bin. Die Schulbibliothekarin hat mir aber netterweise sogar extra eine Ausleihnummer erstellt, damit ich Bücher lesen kann. Einmal hat sie sogar ein deutsches Buch aus der Bibliothek des Goethe-Instituts mitgebracht; dies ist nur eine Facette der Freundlichkeit ist, die ich an der katholischen Privatschule erlebe, an der niemand außer dem Pastor und dem Religionslehrer katholisch ist. So wurde ich gleich am ersten Tag von zwei Mädchen in die Mitte genommen, die mir, wenn ich verwirrt war, Erklärungszettelchen auf Englisch geschrieben haben.

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Meine Schule ist eine Privatschule und für den brasilianischen Standard sogar ziemlich klein, obwohl von der Kinderkrippe bis in die Oberstufe alles untergebracht ist. Ein normaler Schultag geht von 7:40 bis 12:20. Ich wurde mit offenen Armen empfangen, auch wenn ich mich anfangs beispielsweise mit meiner Direktorin mit Händen und Füßen unterhalten musste. Generell ist es in der Schule viel lockerer, und vor allem das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer ist ganz anders als Deutschland. Der Lehrer wird umarmt, geküsst und gekuschelt wie jeder andere und bleibt trotzdem eine Autoritätsperson.

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Ich habe also versucht mich einzuleben, die Gastfamilie kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und einen Alltag zu erstellen. Ich habe mich mit der Familie von Anfang an gut verstanden, dennoch habe ich mich nicht richtig zu Hause gefühlt. Ich habe außer mit meiner Familie fast nichts unternommen, und ich hatte auch nicht das Gefühl, richtige Freunde zu haben. Jeder war lieb zu mir und hat mir mit den Sachen in der Schule geholfen, es wollte aber niemand etwas außerhalb der Schule mit mir unternehmen oder mir etwas zeigen. In dieser Zeit saß ich quasi nur zu Hause herum und wurde von Tag zu Tag frustrierter. Ich wohne in einer sehr kleinen Stadt, es gibt dort kaum Freizeitangebote oder Orte um Freunde zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Die Leute, die ich von der Schule kannte, verbrachten den ganzen Tag zu Hause und wollten das scheinbar auch nicht ändern. Ich wollte mein Austauschjahr aber nicht mit Netflix verschwenden. Ich wurde von Tag zu Tag unzufriedener mit meinem Leben und mir selbst. Meine Frustration und Enttäuschung ließ leider auch die Beziehung zu meiner Gastfamilie leiden, die immer versucht hat mir so viel wie möglich zu bieten. Als ich mich dann an meine YFU Betreuerin gewendet habe, schlug diese mir vor die Schule in der nächst größeren Stadt zu besuchen. Die Schüler meiner jetzigen (neuen) Schule sind sofort auf mich zugegangen, waren interessiert an mir, haben mit mir geredet, mich integriert, sie nehmen am Unterricht teil, denken über ihre Zukunft nach, sind aktiv in ihrer Freizeit und ich hatte schon am ersten Tag eine Verabredung für den Nachmittag. Ich gehe mittlerweile schon seit drei Wochen auf die Schule und ich lerne jeden Tag neue Menschen und neue Dinge kennen. Ich habe schon viele Freunde gefunden.

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Verwirrt war ich wahrlich oft, weil der Schulalltag komplett anders ist. Zunächst einmal beginnt der Unterricht um 7.30 Uhr und endet um 12.50 Uhr und die Stunden dauern 50 Minuten. Nachmittags kommen dann die Grundschulkinder. Wenn wir Trimestralprüfungen haben, können wir aber auch schon einfach um 12 Uhr gehen. Die Pause wird von einer Sirene eingeleitet, die ich das erste Mal für einen Feueralarm hielt. Auch die Schule in Brasilien unterscheidet sich deutlich  von  der in Deutschland. Das fängt schon bei der Klassengröße an, meine Klasse in Deutschland fasst fast doppelt  so viele Schüler, wie meine Klasse in Brasilien. Dadurch, dass wir weniger Schüler waren, konnte ich eine sehr viel stärkere Klassengemeinschaft verspüren.

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Ein großer Unterschied  ist auch die Lehrer-Schüler-Beziehung. Lehrer und Schüler stehen sich sehr viel näher als in Deutschland. Wenn man eine Lehrerin außerhalb der Schule trifft, umarmt man sich oder gibt sich ein Küsschen auf die Wange, so ist das dort nämlich üblich und normalerweise unterhält man sich danach noch eine Weile. Man kann mit seinen Lehrern auch richtige  Freundschaften aufbauen, so waren die Jungs aus meiner Klasse und ich regelmäßig Fußball spielen mit unserem Physiklehrer.

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Die Schule nahm einen wichtigen Raum in meinem Austauschjahr ein. Anfangs ging ich auf eine kleine, öffentliche Dorfschule. Der Unterschied zu meinem deutschen Gymnasium war dort deutlich spürbar. Das Niveau ist viel niedriger und eigentlich interessierte sich niemand so wirklich für die Schule. Selbst ich mit meinen kaum vorhandenen Sprachkenntnissen schrieb teilweise  bessere Noten als meine Freundinnen, obwohl man eigentlich die Sachen nur auswendig lernen muss. ln Brasilien ist es üblich, dass in den Proben zehn Fragen im Multiple-Choice-Verfahren gestellt werden, selbst in Fächern wie Mathe oder Physik. Oft reicht es dann, einmal logisch nachzudenken; man muss die Aufgabe nicht einmal durchrechnen. Auch kommt es häufig vor, dass mal eine Frage aus dem Buch identisch heraus kopiert  wird. 

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Nach den großen Sommerferien, die in Brasilien zweieinhalb Monate  dauern, bin ich dann auf eine katholische Privatschule gewechselt. Das erste, was mir auffiel war, dass die Schüler dort alle ihre Schuluniformen trugen. Zwar gibt es an allen brasilianischen Schulen Schuluniformen, jedoch wurde das in meiner Ersten nicht wirklich überprüft, weshalb sie eigentlich fast niemand trug. ln der neuen Schule war der Umgang sogar noch offener und herzlicher. "CSM e familia"- Colegio Stella Maris, meine Schule  ist Familie; dieser Slogan stimmt wirklich. Für mich waren meine Lehrer wie gute Freunde und meine Klasse und natürlich insbesondere  meine Freunde waren ein unglaublich wichtiger Teil meines brasilianischen Lebens. Obwohl  alles so locker war, war das Niveau deutlich höher und somit auch der schulische Druck. Jeden Freitag haben wir zwei Proben geschrieben und manchmal unter der Woche auch nochmal welche.

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Vom Unterrichtsniveau lag meine brasilianische Privatschule deutlich unter dem Niveau meiner deutschen, öffentlichen Schule. ln Brasilien ist es so, dass je teurer die Schule ist, desto "reicher" ist sie ausgestattet. Es gibt eine bessere Bildung und eine vielfältige Auswahl an Sportangeboten und Ausflügen. Öffentliche Schulen sind in Brasilien leider sehr schlecht... zumindest in meiner Gegend. Ich habe für eine Woche die Erfahrung gemacht, auf einer öffentlichen Schule zu sein. Dort gab es in nur einer Woche eine Schlägerei, Diebstahl und viel Unterrichtsausfall. Diese Erfahrung hat mir noch einmal verdeutlicht, wie glücklich ich mich in Deutschland schätzen kann, die Möglichkeit zu haben, auf ein Gymnasium zu gehen, für das man nicht monatlich bezahlen muss.

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ln der Schule gab es viele Dinge, die für mich neu oder ungewöhnlich waren: Beispielsweise musste ich eine Uniform anziehen, die aus einem weißen T-Shirt und einer grauen Hose bestand. Ein anderer Brauch meiner Schule war es, jeden Montagmorgen die unteren Jahrgangsstufen zu versammeln, um die Nationalhymne zu singen und die brasilianische Flagge zu hissen. Wegen Zeitmangels hat unser Jahrgang nicht jede Woche an dieser Versammlung teilgenommen; doch war es eine schöne Erfahrung. Dann gab es natürlich auch noch einige neue Unterrichtsfächer wie beispielsweise Philosophie und Literatur, die ich aus meiner vorherigen (deutschen) Schullaufbahn nicht gekannt hatte.'
Insgesamt verlief der ganze Unterricht sehr theoretisch. Den Schülern wurde kaum die Möglichkeit gegeben, sich am Unterricht selbst zu beteiligen. Und auch Fächer wie Sport oder Kunst wurden nur theoretisch unterrichtet. Ebenso gab es beim Notensystem und den Arten der Leistungserhebungen Unterschiede. Doch nach ein paar Monaten schon kam mir das, was mir anfangs so seltsam und unnatürlich vorgekommen war, ganz natürlich  und selbstverständlich vor.In der Schule besuchte ich ein halbes Jahr lang die vorletzte Klasse, und nach den Ferien noch ein Halbjahr den Abschlussjahrgang. Dabei habe ich auch gemerkt, wie meinen Klassenkameraden in ihren letzten Schuljahr viel abverlangt wurde, da ja die Abschlussprüfungen im November anstehen und wie oft auch von den Prüfungen geredet wurde, im Vergleich zum vorherigen Jahr. Für die Schüler ist es besonders wichtig eine hohe Punktzahl zu erreichen, da es in Brasilien schwierig ist für die guten Universitäten einen Platz zu ergattern.

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Da ich vormittags Unterricht habe und meine Schwestern nachmittags in der Schule sind,  sehen wir uns unter der Woche nur in der Mittagspause und an den Abenden.

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Ich besuche hier eine sehr gute Privatschule. Anders als in Deutschland, wird hier aber leider sehr wenig Wert auf Sprachen gelegt, dafür aber eher mehr auf Wissenschaften und Geschichte, weshalb der Englischunterricht auch sehr einfach und auf das Grundlegende reduziert wird. Wer hier gut Englisch sprechen möchte, muss deshalb einen Kurs außerhalb der Schule besuchen. Glücklicherweise machen das hier recht viele, weshalb ich mich auch anfangs ohne Portugiesisch auf Englisch verständigen konnte.

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Die Schüler müssen sehr viele Tests schreiben, diese aber nicht im Unterricht, sondern separat dienstags am Nachmittag und samstags in der Früh. Das Notensystem reicht von 0 bis 10, wobei 0 die schlechteste und 10 die beste Note ist.

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Jeden Morgen stehe ich um 6:30 Uhr auf um pünktlich zum Unterrichtsbeginn um 7:20 Uhr in meiner Schule zu sein. Die ersten zwei bis drei Wochen wurde ich gefahren, jedoch ist es jetzt in der Früh schon hell und auch warm genug um zu Fuß zu gehen.
Ich bin in der 1. Klasse. Der Unterricht ist sehr leicht gestaltet, sodass ich den Stoff in den mathematischen Fächern schnell lerne. In allen anderen Fächern, wie zum Beispiel Geschichte oder Biologie komme ich jedoch noch nicht mit. Gleich zu Beginn ist mit der Unterschied zwischen meiner Schule in Deutschland und hier aufgefallen: Der Umgang von Schüler und Lehrer und umgekehrt ist sehr viel persönlicher. Alle Lehrer werden entweder mit „Lehrer" oder dem Vornamen angesprochen. Der Unterricht ist nur als Frontalunterricht gestaltet, wobei dies bei jedem Lehrer variiert. Bei jedem Test hat man zwei Schulstunden und wenn nötig noch die Pause, sprich über eineinhalb Stunden Zeit um höchstens zehn Fragen zu beantworten. Wenn ein Schüler alles ausgefüllt hat, darf dieser den Raum verlassen und hat dann solange frei, bis entweder alle Schüler fertig sind.

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Als ich zwei Tage nach meiner Ankunft zum ersten Mal in meiner Gastschule aufgetaucht bin, wurde ich beinahe überrannt. Jeder wollte alles über mich und Deutschland wissen. Es haben immer mindestens fünf Leute gleichzeitig auf mich eingeredet. Ich hab sie alle einfach nur lächelnd und mit großen Augen angeschaut, denn ich habe kein Wort verstanden, außer Volkswagen, Schweinsteiger und Mercedes, die einzigen deutschen Wörter, die so gut wie jeder Brasilianer kennt. Alle waren wirklich nett und haben mich mit offenen Armen aufgenommen, sich um mich gekümmert und mir mit der Sprache geholfen. Gleich am ersten Tag haben sie mir einen Tanz gezeigt mit dem man die Körperteile auf portugiesisch lernt. Obwohl ich bereits am nächsten Tag nicht mehr die Sensation der Schule war, habe ich es schnell geschafft Freunde zu finden.

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Zwei Tage nachdem ich bei meiner Gastfamilie angekommen war, fing für mich die Schule an. Ich gehe hier in das 2. Jahr der Highschool, d.h. es ist die 11. Klasse. Schnell konnte ich Unterschiede zwischen meiner deutschen Schule und meiner hiesigen bemerken. Wir tragen eine Schuluniform: schwarze oder weiße Turnschuhe, schwarze Jeans und das Schulshirt. Es gibt hier keine Zweierbänke, an denen man sitzt, sondern jeder hat einen grünen Stuhl, an dem eine Tisch befestigt ist. Eigentlich ist in meiner Schule alles grün, die Wände, die Türen, die Schulshirts, die Putzeimer und sogar die Decke in unserer Pausenhalle. Das einzige was wohl nicht grün ist, ist der Boden in den Klassenzimmern, der ist nämlich rot. Doch was die Schulen am meisten unterscheidet ist der Unterricht. Hier herrscht Frontalunterricht. Deswegen war es für mich auch die ersten Wochen sehr schwierig überhaupt etwas in der Schule zu verstehen, wenn der Lehrer nur spricht und an die Tafel schreibt. Ich wusste nicht, wo das eine Wort anfängt und das andere aufhört. Doch diese Art von Unterricht bringt wohl auch mehr Disziplin in die Klassen. Anfangs war es sehr schwierig die ersten vier Stunden bis zur einzigen, halbstündigen Pause auszuhalten. Und dann gibt es in dieser Pause meine geliebte pizza fechada (geschlossene Pizza). Ich konnte in meiner Schule schnell Freunde finden. Dank meiner Gastmutter hatte ich schon in Deutschland mit vielen Jugendlichen aus meiner Stadt über Facebook Kontakt. Es war aufregend, diese dann alle persönlich zu treffen. Manche von ihnen gehören mittlerweile zu meinen besten Freunden. Auch die Schule ist nun nicht mehr so anstrengend. Wenn ich mitschreibe und dann das Geschriebene lese, versteh ich mehr, und mit den richtigen Menschen an meiner Seite, weiß man sich immer zu helfen, wenn alles einfach unverständlich scheint.

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Mein erster Schultag, zeigte mir gleich, wie anders es dort zugehen kann. Mit 14 Schülern habe ich eine für brasilianische Verhältnisse unglaublich kleine Klasse erwischt. Wie es der Zufall so wollte, hatte an diesem Tag eine meiner Mitschülerinnen Geburtstag. Also platzte während des Unterrichts die Direktorin mit einer Torte herein und fing lauthals an ein Geburtstagslied zu singen, in das alle mit einstimmten. Währenddessen klingelte das Handy eines anderen Mädchens, das vor den Augen der Direktorin den Anruf entgegennahm und aus dem Klassenzimmer spazierte. Das Schulleben hier ist sehr amüsant und von einem sehr innigen Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern geprägt. Das erste Mal als ich sah wie einer meiner Mitschüler eine Lehrerin stürmisch umarmte und sie auf die Wange küsste, konnte ich das kaum glauben. Hier ist es jedoch normal, Andere bei der ersten Begegnung wie langjährige Freunde zu begrüßen, was mir anfangs komisch vorkam. Ich werde es in Deutschland aber vermissen. Dies und viele weitere kleine Gesten sprechen für die Toleranz und Unvoreingenommenheit der Brasilianer.

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Es gibt viele Momente, in denen man vergisst, dass man eigentlich aus einem anderen Land kommt. Ich merke das vor allem immer wieder beim Volleyballtraining in meiner Schule. Als ich dort anfing zu spielen, musste ich keine großen Reden schwingen, sondern wurde einfach aufgenommen und gewann mit meinem Team sogar bald das schulinterne Turnier, worüber wir uns alle gemeinsam wie kleine Kinder freuten.

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Da in Brasilien das Schuljahr im  Januar beginnt, rückte ich in der Mitte meines Auslandsjahres eine Klasse weiter. Somit besuchte ich das letzte Jahr der Highschool und meine Klasse bestand nicht mehr aus 28 Schülern, sondern aus 55. Auch die Schuluniform änderte sich. Die schwarze Jeans und die weißen Turnschuhe blieben, jedoch trug man nun das Schulshirt des „convênio“s (letztes Jahr der Schullaufbahn).

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Meine Mitschüler haben mir ein Lied beigebracht, um die Körperteile zu lernen. Alle wollten hören wie ich etwas auf Deutsch sage und fanden es lustig wie unverständlich sich das anhörte. Bald war ich in der Klasse integriert und habe glücklicherweise sehr schnell Freunde gefunden. Jeden Tag bin ich in der Früh aufgestanden, habe die Schuluniform angezogen (einfach nur praktisch sich nicht jeden Morgen fragen zu müssen, was man anziehen soll)

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Ich selbst bin auf einer Privatschule, kann eigene Eindrücke also nur von meiner Schule berichten. Oft wird mir aber gesagt, wie groß die Unterschiede zwischen Privat- und öffentlichen Schulen sind. So hat man sehr viel geringere Chancen, nach der Schule auf einer Universität aufgenommen zu werden. wenn man zuvor eine öffentliche Schule besucht hat. Außerdem ist es auf öffentlichen Schulen quasi unmöglich, durchzufallen. Im Unterricht herrscht meistens ganz schönes Chaos und es ist sehr schwer, konzentriert zu lernen.

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Zum einen wird der Englischunterricht hier nicht in Englisch, sondern in Portugiesisch, gehalten, des Weiteren lernt man eher wenig. Meistens sieht der Unterricht folgendermaßen aus: Die Klasse liest gemeinsam einen Text im Buch, jeder Schüler liest eine Zeile. Wenn der Text fertiggelesen ist, werden Fragen zu ihm gestellt mit jeweils 5 Antwortmöglichkeiten. Da der Text aber auf sehr hohem Niveau ist, raten viele einfach die Antwort, und hoffen, sie liegen richtig. Alles in allem ist der Englischunterricht, im Gegensatz zu den anderen Unterrichtsfächern, nicht so lehrreich, wie in Deutschland. Wer hier wirklich Englisch lernen will, muss Kurse außerhalb der Schule belegen, wie es auch mein Bruder über mehrere Jahre getan hat.

 

Sprache

Gleich am ersten Abend habe ich den Beschluss gefasst, unbedingt so schnell wie möglich richtig Portugiesisch zu lernen, um mich mit meinen Gasteltern, die kein Englisch sprechen, unterhalten zu können. Die ersten ein bis zwei Wochen habe ich mich noch relativ viel auf Englisch mit meiner Gastschwester geredet, aber ich habe immer versucht ein paar portugiesische Wörter einzubringen. Da sind mir natürlich auch französische und deutsche Wörter rausgerutscht. Anfangs hat es eine halbe Ewigkeit gedauert, bis ich mit meinem Wörterbuch, das mein ständiger Begleiter und bester Freund ist, Sätze für meine Gastmutter zusammengebastelt habe. Manchmal haben wir Gespräche auch auf später verschoben, damit meine Gastschwester weiterhelfen konnte. Nicken und Lächeln, wenn ich zu müde zum Nachfragen war, ist nur solange gut gegangen, bis meine Gastschwester mich ein wenig durchschaut hat. Von da an habe ich mich dazu getrieben, jedes Mal zu fragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe, was ich jetzt aber schon automatisch mache. Jetzt passiert es mir auch nicht mehr, dass ich einfach aus dem Auto aussteige und losgehe und meine Gastmutter mir verwirrt hinterherruft, weil ich bloß auf den Beifahrersitz wechseln sollte. Mein verständnisloses Fragezeichengesicht ist auch länger nicht mehr zum Einsatz gekommen.

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Die Bedenken, ich würde niemals Portugiesisch lernen, die mich in den Anfangswochen plagten, haben sich als unbegründet herausgestellt. Eine komplette Überraschung für mich war, nach fünf Monaten fließend Portugiesisch zu sprechen und sich zu wundern "Wie  konnte denn das passieren?". Auf einmal gehört man einem Freundeskreis an, versteht die erzählten Witze, wartet auf die Schulklingel, um seiner besten Freundin eine superdringende Neuigkeit zu erzählen und kann sich gar nicht mehr vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren.

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Eine große Herausforderung war natürlich  die Sprache. Ohne nennenswerte Vorkenntnisse im Portugiesischen kam ich an und jetzt spreche ich die Sprache flüssig. Ich würde es Glück nennen, dass in meiner Familie und Schule niemand so wirklich Englisch sprach, weshalb ich mich von Anfang an mit Portugiesisch auseinandersetzen musste. Nach ungefähr drei Monaten  klappte die Kommunikation schon sehr gut. Ich konnte mich mit den Leuten bereits ein bisschen unterhalten und verstand viel. Nach einem halben Jahr war ich dann komplett in der Sprache angekommen. Ich traute mich, mich mit allen Leuten zu unterhalten, verstand so gut wie alles im Fernsehen und auch bei brasilianischer Musik mitzusingen war kein Problem mehr.

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Über Portugiesisch kann ich nur sagen, dass es sich für mich inzwischen wie meine zweite Muttersprache anfühlt. Es ist eine unglaublich melodische und schöne Sprache mit vielen kleinen Verzierungen und tollen einzigartigen Wörtern, wie z.B. "saudades". Es steht für das nostalgische Gefühl, etwas Geliebtes verloren zu haben und die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können, da es wohl nicht wiederkehren wird. Es könnte annähernd wohl mit "sanfte Melancholie", "Wehmut" oder "Weltschmerz" übersetzt werden. Die ist wohl das Wort, das ich am meisten mit Brasilien verbinden werde.

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Meine Sprachkenntnisse wuchsen von Tag zu Tag, auch wenn es immer lustige oder peinliche Fehler gab und gibt, über die wir alle herzlich lachen.

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In der Schulet lernte ich auch mein erstes umgangssprachliches Wort "Pode Pá!“, was so viel heißt wie „ auf jeden!“. Als ich diese Redewendung das erste Mal meiner Gastmutter präsentierte, fing sie vor Lachen an zu weinen.

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Für mich gab es keinerlei Probleme Portugiesisch zu lernen. Anfangs habe ich mich noch auf Englisch verständigt, aber immer wieder versucht meine damals noch wenigen Sprachkenntnisse einzubringen. Nach etwa drei Monaten konnte ich mich schon etwas auf Portugiesisch unterhalten und nach sechs Monaten verstand ich beinahe alles.

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Meine beste Freundin lernte ich jedoch erst Anfang Februar kennen. Wir verbrachten dann jede Pause zusammen und haben uns auch an den Wochenenden oft verabredet. Durch sie wurde ich viel sicherer in Portugiesisch und es viel mir auch viel leichter mit Fremden zu unterhalten. Durch ihre Hilfe fand ich es nicht mehr peinlich mit vielen Aussprache- und Grammatikfehler zu sprechen.

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Portugiesisch: Es ist einfach eine wunderschöne und melodische Sprache. Aber natürlich auch nicht so ganz einfach. Ich glaube, es dauerte fast drei Monate, bis ich anfing, nicht nur einzelne Wörter, sondern auch tatsächlich ganze Sätze zu verstehen, und fast ein halbes Jahr, bis ich alles bis auf ein paar vereinzelte Wörter verstehen und mich mehr oder weniger fließend unterhalten konnte. Ich kann nur sagen, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat, denn ich liebe Portugiesisch! Und ich bin ja auch nach Brasilien gegangen, um eine neue Sprache zu lernen, nicht nur mein Englisch zu verbessern, und das hab ich erfolgreich geschafft.

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Diese Sprache ist meiner Meinung nach die schönste Sprache, die es gibt, da sie so, "melodisch" ist. Bevor ich hierher kam, konnte ich gerade mal "Hallo"(0i!) sagen, doch die Zeit verging schnell und nach circa 2 Monaten konnte ich schon relativ flüssig sprechen, auch wenn meine Aussprache und Grammatik natürlich noch nicht zu hundert Prozent perfekt ist, kann ich auch schon einiges verstehen. Das wichtigste, um so eine andere Sprache zu erlernen ist, immer zuzuhören und nachzufragen. Natürlich passieren auch schnell mal Missverständnisse, wenn man selbst kaum Portugiesisch und nur ein kleiner Teil der Brasilianer Englisch sprechen kann. Zum Beispiel konnte ich am Anfang das portugiesische "Nein" (Näo) überhaupt nicht aussprechen und das "r" macht mir auch noch etwas zu schaffen.

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Oft weiß ich nicht, wie ich portugiesische Worte aussprechen soll, ob ich nun das „s“ am Ende eines Wortes wie „seh“ oder einfach wie „s“ sagen soll. Denn es hängt von der Region Brasiliens ab, wie die Menschen sprechen. Jeder bringt es mir anders bei. Anfangs tat ich mir überhaupt sehr schwer mit der Sprache. Ich musste mir immer wieder anhören, dass die Austauschschülerin, die vor mir hier waren, es viel schneller gelernt hatte. Doch nachdem ich verstanden habe, wie portugiesisch funktioniert, konnte ich mich langsam in die Sprache einfinden. Mittlerweile verstehe ich eigentlich das meiste und kann mich auch mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie auf einfacher Ebene unterhalten.

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Portugiesisch fiel mir am Anfang etwas schwer; mittlerweile ist sie fast so etwas wie meine zweite Muttersprache, da ich in Portugiesisch denke und oft (sogar jetzt manchmal noch) träume. Ich glaube gerade diese Sprachkenntnisse, die man nicht mal so eben in der Schule in Deutschland lernt, machen so ein Auslandjahr aus. Manchmal haben die Leute nicht mal mehr meinen „Dialekt“ erkannt und darauf war und bin ich immer noch sehr stolz!

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Nach einigen Monaten hatte ich auch die größten Sprachbarrieren überwunden. Doch ein paar Unklarheiten waren noch vorhanden. Öfters wurde ich gefragt, ob ich den „chucrute“ kenne. Da ich aber dann jedes Mal komisch angesehen wurde, wenn ich verneinte, entschloss ich mich das Wort im Wörterbuch zu suchen. Jedoch auch dort konnte ich es nicht finden. Erst nach einiger Zeit wurde mir beim gemeinsamen Abspülen mit einer Freundin klar, dass „chucrute“ wohl Sauerkraut heißen muss! Auch Wortverwechselungen fanden statt. Denn eine brasilianische Süßigkeit (brigadeiro) ähnelt dem Wort für „ich scherze“ (bricando). Wenn man nun „ich bin brigadeiro“ sagt, kann man sein Gegenüber sehr erheitern.

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Mittlerweile habe ich schon ganze Konversationen auf Portugiesisch geführt und versuche, so wenig Englisch wie möglich zu benutzen. Ich bin erstaunt wie schnell ich so viel Portugiesisch lernen konnte, vor allem wenn man bedenkt, dass ich zur Abreise bis auf Hallo und Danke kein Wort sprach. Trotzdem gab es schon einige sprachliche Missverständnisse. So wollte ich beispielsweise einmal einem Mädchen sagen, dass ich sie unterstütze und versuchte es vom englischen Wort „support" abzuwandeln, woraufhin ich ihr sagte: „Eu te suporto", was aber leider soviel heißt wie „Ich ertrage dich."

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Als mich meine Gastmutter wieder einmal eine Gurke aus dem Kühlschrank hat holen lassen und ich einfach wieder eine Paprika gebracht habe und langsam verzweifelte. Doch ich will niemanden einschüchtern, denn nach ein oder zwei Monaten kann man das Wichtigste verstehen! Ganz wichtig ist, sich zu trauen und auch mal auf gut Glück zu quatschen, ob es dann grammatikalisch stimmt oder nicht interessiert sowieso meist keinen. Ich habe in der Hinsicht gute Erfahrungen gemacht, da mir immer, sobald ich es nur versucht habe, unter die Arme gegriffen wurde.

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Wörter falsch auszusprechen, die dann am Ende keinen Sinn ergeben! Ich habe diesen Fehler am ersten Tag gemacht - frisch vom Orientierungslager und mit meinen Freundinnen zusammen - natürlich ich, die kein Wort portugiesisch spricht, wollte zeigen, dass ich das doch kann und als ich das krähen von einem Hahn hörte, sagte ich ganz laut „FLANGU“ was eigentlich „Frango“ hätte heißen müssen (was zu Deutsch Hahn heißt). Flangu gibt es gar nicht. Aber das ist jetzt alles kein Problem mehr, denn mittlerweile spreche ich fliesend Portugiesisch. Natürlich mache ich noch kleine Fehler, aber das ist nun kein Problem mehr und ich lerne daraus.

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Erstmal komme ich zu meinen Portugiesisch Kenntnissen. Am Anfang konnte ich nur "Danke", "Bitte" und "Hallo" sagen und als ich von Ex-Austauschschülern immer gehört habe, dass man die Sprache eh irgendwie lernt, habe ich es nie richtig geglaubt. Doch es stimmt. Nach zwei Monaten versteht man schon einigermaßen was die Leute einem sagen wollen. Außerdem kann man sich schon auf einfacher Basis verständigen.

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Da ich, als ich Anfang August  hier in Brasilien ankam, überhaupt kein portugiesisch sprechen konnte, war ich sehr froh, dass ich mit meinem Gastbruder Thales Englisch reden konnte. Zum Glück waren alle total aufgeschlossen und haben mir bei der Integration in meinen neuen Alltag geholfen. Es gab - und gibt - natürlich viele Missverständnisse, wenn ich zum Beispiel ein Wort falsch ausspreche oder verwende. Juhu, ich kann sprechen! So ähnlich fühlt sich das jetzt manchmal für mich an. Denn ich bin inzwischen schon auf einem recht hohen Level angekommen, und wenn ich in dieser Stelle mal ganz ehrlich bin: ich habe nicht mit Vokabelheft oder einem Grammatikbuch gelernt. Deswegen beherrsche ich auch noch nicht alle Zeitformen 100-prozentig. Allerdings habe ich versucht mich in jeder Situation mit den Brasilianern zu unterhalten. Auch über WhatsApp habe ich viel gelernt, denn ich konnte die Chats schnell in den Google-Übersetzer kopieren, wenn ich etwas nicht verstanden habe und außerdem ist es meiner Meinung nach leichter geschriebenes als gesprochenes Portugiesisch zu verstehen. Inzwischen habe ich auch angefangen "Game of Thrones" auf Portugiesisch zu lesen und mehr auf meine Grammatik zu achten, denn ich habe mir vorgenommen bis zu meinem Geburtstag im März fließend sprechen zu können.

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Mittlerweile (Anm: nach ca. drei Monaten) klappt es auch mit der Sprache schon so gut, dass ich nur ab und zu ein Wort nachfragen muss und teilweise schon auf Portugiesisch denke. Selbst beim Deutschsprechen rutscht mir manchmal das ein oder andere portugiesische Wort heraus. Man lernt durch das tägliche Hören, Lesen und Sprechen wirklich unglaublich schnell.

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Einen weiteren großen Teil meiner ersten Zeit hier, nahm das Erlernen der neuen Sprache ein. Vielleicht etwas vor dem ich am meisten aufgeregt war. Diese ganzen Sorgen, die einen im Kopf herumschwirrten. Wie spricht man das aus? Was heißt dieses Wort nochmal? Wie baue ich einen Satz zusammen? Hat er verstanden was ich gesagt habe? Werde ich gerade ausgelacht? Was ist wenn ich es nicht schaffe mich zu verständigen? Im Grunde war es eine ziemlich lustige Angelegenheit die neue Sprache zu lernen. Diese vielen verzweifelten Momente, in denen ich versucht habe etwas auf Portugiesisch zu sagen und mein Gegenüber mich nur mit einem hilflosen Blick angesehen hat, bemüht irgendetwas von meinem Gerede zu verstehen. Nicht selten wurden auch Hände, Füße und alle mögliche imitierenden Laute als Hilfsmittel genommen. Doch auf irgendeine Weise klappte es immer. Doch mit der Zeit und Hilfe von Familie und Freunden, ging es dann relativ schnell die neue Sprache zu lernen.

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Dadurch, dass hier so gut wie niemand Englisch spricht, ist mir von Anfang an nichts anderes übrig geblieben als Portugiesisch zu lernen, um mich endlich verständigen zu können. Ich lerne Portugiesisch ohne irgendeinen Sprachkurs oder sonstiger Hilfe. Hauptsächlich lerne ich im Alltag: durch das Zuhören von Gesprächen, durch das Fragen von Wörtern, durch portugiesische Texte, durch Aufpassen im Unterricht. Inzwischen (Anm: nach ca. drei Monaten) verstehe ich so gut wie alles und kann schon ziemlich viel reden!! Was mir hier jedoch immer wieder passiert, ist wenn ich in der Schule Leute (mit denen ich noch nichts zu tun hatte) mit „Oi“ (Hallo) begrüße, dass diese reagieren, als hätten sie gerade ein Gespenst gesehen. Meine Freunde und ich finden das immer wieder lustig, dass diese davon ausgehen, dass ich nach drei Monaten nicht einmal „Oi“ sagen kann. Ich unterhalte mich dann oftmals absichtlich etwas länger mit diesen Personen auf Portugiesisch, was zu sehr amüsanten Reaktionen führt! 

Zum Schluss: Betrachtungen und Erkenntnisse

Für mich bedeutet das Austauschjahr nicht nur ein anderes Land und Umfeld, sondern ein neues Leben mit zwei Freundeskreisen, zwei Leichtathletikvereinen, zwei Schulen, zwei Sprachen, zwei Familien und einer Lebenseinstellung.

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Am meisten habe ich aber über mich gelernt. Ich habe neue Grenzen und Seiten von mir entdeckt und habe nun die Chance mich neu kennenzulernen und auch an mir zu arbeiten, um der beste Mensch zu werden, der ich sein kann, und das ist nur möglich, weil ich diese nicht ganz einfache Zeit durchlebt habe; mich aber jetzt angekommen und zu Hause fühle.

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Nachdem ich nun knapp ein Jahr in Brasilien gelebt habe, ein komplett anderes Land, eine komplett andere Kultur und komplett andere Menschen kennengelernt habe, bin ich jetzt vor Kurzem nach Deutschland zurückgekehrt und durchlebe jetzt schon zum zweiten Mal in einem Jahr einen Kulturschock. An viele Sachen muss man sich erst einmal wieder gewöhnen, obwohl man eigentlich  schon ein Leben lang mit Ihnen vertraut ist.

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Alles in Allem hatte ich rückblickend ein sehr spannendes und aufregendes Jahr. Sich auf ein neues Land einzulassen und das gewohnte Umfeld  für lange Zeit zu verlassen, macht einem natürlich ein wenig Angst. Das,  was man aber alles in diesem einem Jahr gewinnt, seien es Freundschaften oder Erfahrungen, ist aber nicht auf anderem  Wege zu erlangen und ich kann jedem nur weiterempfehlen, diese einmalige Chance zu nutzen.

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Kaum steht man auf deutschem Boden, wird man sofort wieder in die Realität zurück gebracht. Jetzt ist es vorbei. Meine Familie und Freunde zurückgelassen, um zu meiner Familie und meinen Freunden zurückzukehren. Das fühlt sich genauso merkwürdig an wie es klingt. Doch auch wenn ich vorerst einmal nicht mehr die Menschen, die mein brasilianisches Leben ausgezeichnet haben, sehen werde, bleiben mir immer noch all die schönen Erinnerungen und vor Allem die gewonnenen Erfahrungen.

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Ein Jahr Brasilien. Ein Jahr lang ein komplett neues und anderes Leben. Ein Leben, das sich schon bald so anfühlte, als ob es schon immer das Eigene gewesen wäre.

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Das ist auch etwas, was ich in Brasilien gelernt habe: sich nicht von etwas abbringen zu lassen, sondern einfach spontan zu versuchen, das wichtigste verständlich zu machen, oder wie die Brasilianer sagen: "Tudo bem"- Alles gut.

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Rückblickend kann ich nur sagen, dass ich unendlich dankbar bin, dass ich dieses Jahr erleben durfte. Dank dieser Erfahrungen kann ich jetzt meine Heimat aus einem anderen Blickwinkel betrachten und ein wenig von der brasilianischen Lebensfreude, Gelassenheit und den heißen Sambarhythmen in sie einfließen lassen.

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Hier bin ich also wieder in meinem kleinen Dorf in Bayern im warmen Sommer Deutschlands. Es ist alles so unrealistisch, wenn man bedenkt, dass ich vor ein paar Tagen noch in einer brasilianischen Großstadt den kalten Winter des Südens Brasiliens bei meiner brasilianischen familia mit meiner Mäe (port. Mama), meinem Pai (port.Papa), meiner fast gleichaltrigen lrmä (port. Schwester),die in den letzten Monaten zu meiner besten Freundin wurde, und natürlich mit Nina, unserer Dackelhündin, gespürt habe. Ich bin wieder auf deutschem Boden angekommen und es hat sich scheinbar nichts geändert. Nur langsam fallen mir kleine Veränderungen auf. Für mich jedoch hat sich die ganze Welt geändert, ich habe mich geändert, ich bin nicht mehr die Gleiche, die ich vor einem Jahr war, als ich Deutschland verlassen und mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe... oder besser gesagt: Ich bin immer noch ich, aber sehe viele Dinge einfach anders. Dieses Gefühl wieder hier zu sein ist echt komisch. ln Brasilien war ich eine deutsche Austauschschülerin... doch was bin ich jetzt hier in Deutschland? Ich fühle mich weder richtig deutsch noch richtig brasilianisch... Ich denke, was am besten auf mich zutrifft ist "Eine Deutsche deren Herz in blau, grün und gelb schlägt"- den Farben der brasilianischen Flagge.

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Ich bin mir dessen bewusst, dass die mir in Brasilien geschenkte Zeit ein einmaliges Erlebnis war. Die Werte und Erinnerungen, die ich in Brasilien sammeln durfte, sind unbezahlbar.

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Heute, ein Jahr später, kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich mein Ziel erreicht habe. Natürlich gab es auch mal Schwierigkeiten und Probleme: Ich bin an diesen nur gewachsen und war stolz auf mich, diese selbst lösen zu können. Ich für meinen Teil bereue keine einzige Sekunde, dieses Austauschjahr gemacht zu haben. Ich habe Dinge erlebt von denen ich vorher nur geträumt habe. Ich habe Reisen gemacht, die ich mir niemals vorstellen hätte können. Ich habe Freundschaften geschlossen, die bis an mein Lebensende halten werden. Und jetzt habe ich Tage voll mit "saudades" (was so viel wie das Nomen zum Wort "vermissen" ist), denn ich vermisse mein zweites Leben im Ausland, meine zweite Familie, meine neuen Freunden und meine Schulklasse mit der ich viel erlebt habe. Aber ich bin mir sicher, dass nicht einmal die Entfernung uns trennen kann, sich nahe zu sein ist Sache des Herzens. Und mein Herz ist auf jeden Fall ein großes Stück brasilianischer geworden.

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Trotz all der Anstrengungen, Missverständnissen und anderen Probleme, die ich in Brasilien bewältigen musste, stand mir gerade erst der schwerste Teil meines Auslandsjahres bevor: Die Rückkehr in das "Neue Alte". Während der elf  Monate die ich in Brasilien verbracht habe, hatten sich viele Dinge verändert und eiterentwickelt. Sowohl ich als auch meine Freunde, Familie und Deutschland im Allgemeinen. Es ist extrem schwer, sich wieder an den alten Tagesablauf zu gewöhnen. Auch mein Umfeld ist ein wenig genervt durch brasilianische Angewohnheiten, die ich mitgebracht habe.

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Doch wer gedacht hat, so ein Austauschjahr ist immer perfekt, der liegt auch nicht richtig. Es gibt viele Höhen und Tiefen, denn oft ist man ganz auf sich alleine gestellt, wenn irgendetwas nicht klappt. Diesen Situationen habe ich dann aber auch immer versucht etwas Positives abzugewinnen. Ich lernte vieles aus meiner Heimat zu schätzen und auch selbständig zu leben.

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Nach fast einem Jahr in Brasilien bin ich nun schon seit einem Monat wieder in Deutschland. Ich denke so gerne an das vergangene Jahr zurück, und doch muss ich manchmal schon fast überlegen, ob ich das alles nur geträumt habe oder ob es wirklich passiert ist.

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Ich kann nur sagen, dass ich mich vor allem in den letzten Monaten unglaublich gut eingewöhnt und mich wie zu Hause gefühlt habe, und es sehr schwer war, loszulassen. Denn richtig starkes Heimweh hatte ich eigentlich noch nicht und allein der Gedanke, wieder nach Deutschland zu gehen, kam mir unrealistisch und seltsam vor. Doch genau da bin ich jetzt, und auch wenn der Abschied noch so schwer war, ist es schön, die Familie und Freunde in Deutschland wieder zu sehen. Und genau weil es mir so gut gefiel und ich in Brasilien Freunde fürs Leben gefunden habe, weiß ich mit Sicherheit, dass es kein Abschied für immer war, und dass ich sobald wie möglich alle wieder besuchen werde. Und darauf freue ich mich!

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Endlich, nach fast 40 Stunden in Flugzeugen und an Flughäfen ist es soweit, ich bin zurück in meinem alten Leben. Alles ist immer noch genau so wie es zuvor war, aber trotzdem anders. Meine Umgebung hat sich zwar wenig verändert, dafür ich mich umso mehr.

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„Langsam nervst du echt mit deinem Brasilien-Gerede. Kannst du eigentlich auch einen Satz mit etwas anderem als ‘in Brasilien war das aber...’ beginnen?” So was höre ich zurzeit ständig. Inzwischen glaube ich, dass das eigentliche Austauschjahr erst nach dem Austauschjahr beginnt. Erst dann fängt man an zu verstehen, was man die letzten elf Monate erlebt hat.

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Also im Ganzen war es ein sehr aufregendes Jahr, ich bin wie ausgewechselt. Bin lockerer, aufgeweckter, offener und relax einfach mal mehr. Typisch Brasilianer halt. Die Erlebnisse kann man gar nicht zurück bezahlen. Einfach einmalig.


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Man nimmt die zuvor gewöhnlichen Dinge ganz anders war und lernt sie auch schätzen, wie beispielsweise die Spülmaschine, die Heizung, wenn es doch mal kalt ist (im Süden kann es das durchaus auch werden), und ja, auch die Ordnung und Pünktlichkeit. Früher hätte ich mich nie als typisch deutsch beschrieben. Mittlerweile weiß ich, dass ich sehr deutsch bin; ich merke aber auch wie ich immer mehr brasilianisch werde. Solche Erfahrungen kann man nur machen, wenn man mal aus dem Normalen ausbricht und ich finde ein Auslandsjahr ist eine tolle Gelegenheit dafür.

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Mittlerweile verstehe ich jedoch, dass man seinem Umfeld nicht Chimarrão oder endlose Anekdoten aufzwingen sollte, sondern Geduld üben, auch wenn es einem schwerfällt. Denn die Anderen waren einfach nicht dabei. Man ist sozusagen ein Vogeljunges, das nach dem ersten langen Flugversuch wieder im Nest landet und nur Grünschnäbel oder Alte vorfindet. Der Nestflüchter sehnt sich nach der Ferne, mag seine Flügel wieder ausbreiten, obwohl es noch nicht einmal weiß, wie man Regenwürmer pickt.

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Selbst aktiv an solchen Bräuchen teilzunehmen, war eine tolle Erfahrung, die ich sicher nie vergessen werde und so waren die vielen kleinen und großen Kulturunterschiede nach einiger Zeit nicht mehr neu und aufregend, sondern ein normaler Teil meines normalen brasilianischen Alltags geworden und so habe ich ganz nebenbei die Sprache, Lebensweise und Kultur der Brasilianer übernommen und wurde ein Teil meiner Gastfamilie.

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Es ist schön, zwei Kulturen in sich zu haben, denn man kann sich von beiden das Beste heraussuchen, zum Beispiel auf Portugiesisch schimpfen. Oder Semmelknödel mit "Schwammerln" kochen und als Nachspeise Ambrosia (karamellisierter Milchpudding). Jetzt lassen sich auch Ziele erfüllen, wie mehr Gelassenheit und Selbstbewusstsein, die ich mir vor dem Austausch vorgenommen hatte.

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Ich werde nicht alle dazu bewegen können, ihre Sichtweise zu überdenken, trotzdem will ich versuchen, meine in Brasilien neu gewonnen Werte wie Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit und Offenheit zu vermitteln. Mit Sicherheit aber habe ich mich verändert, denn "ganz die Alte" bin ich doch nicht geblieben.

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