Ungarn - Musikprogramm

Schülerinnen und Schüler berichten über ihr Auslandsjahr in Ungarn beim Musikprogramm:

Allgemeines und Motivation

Zusammenfassend würde ich sagen, ich hatte bisher eine super tolle Zeit (Anm. der Red.: ca. drei Monate seit Ankunft im Gastland) und freue mich auf die nächsten Monate. Ich bin unglaublich dankbar, dass YFU und das Botschafter Bayerns-Stipendium mir diese Möglichkeit gegeben haben und ich werde schon jetzt, wo ich nicht mal die Hälfte vorbei hab, traurig, wenn ich daran denke, im Juli nächstes Jahr wieder gehen zu müssen. YFU hat die perfekte Gastfamilie für mich gefunden, ich liebe Budapest, die Schule ist der Oberhammer und ich habe so gute Freunde, die mich hier so gut unterstützen und mir helfen, wo es nur geht. Ich genieße es so sehr und ich kann nur wiederholen, wie dankbar ich für das alles bin.

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Jeden  Tag aufs Neue passieren viele verschiedene Dinge, mal wichtige, mal weniger wichtige, mal euphorisierende, mal deprimierende. Ein Wechselbad der Gefühle. Herrlich! Dieses Bad nehme ich jeden Tag und es wirkt berauschend. Es gibt beispielsweise Tage, da kann ich mit der gesamten Situation "Austauschjahr" nicht mehr umgehen. Das liegt vermutlich daran, dass ich an so viele Dinge gleichzeitig denken muss: Wie viel Geld habe ich noch zur Verfügung? Wann nehme ich den Bus morgen? Welchen Zug muss ich am Samstag nehmen um nach ... zu kommen? Ich muss noch Klavier üben und Ungarisch lernen! Ich darf das Chorkonzert am Freitag nicht vergessen. Es ist „a mind blowing experience“.

Im Juni 2014 beschloss ich, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen. Zunächst zog es mich in die Länder Skandinaviens, doch dann sprang mir das Musikprogramm in Ungarn ins Auge. Warum Musik? ln Deutschland besuche ich seit sechs Jahren ein musisches Gymnasium und ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Warum Ungarn? Damals reizte mich das Unbekannte, das Bild, das die Medien von Ungarn zeichneten sowie die Sprache, die als so einzigartig gilt.

Ankunft im Gastland

Ich sitze im Flugzeug, schaue aus dem Fenster und frage mich, worauf ich eigentlich zufliege. So viele Gedanken schwirren in meinem Kopf herum. ,,Was passiert die ersten Tage? Wie werde ich mich mit meiner Gastfamilie verstehen? Wie lange wird es dauern Freundschaften zu knüpfen? Wie lange dauert es bis ich Ungarisch sprechen kann? ...“ Nach einigen Minuten lege ich all diese Fragen auf den Wolken neben mir ab, stecke meine Kopfhörer in meine Ohren und freue mich einfach, freue mich auf das was vor mir liegt. Am Flughafen in Budapest angekommen, erwartet mich schon eine YFU-Begleitperson. Sie spricht super Deutsch und Englisch und bringt mich zusammen mit einer anderen Deutschen, einer Amerikanerin und einem Argentinier in ein Camp. Dort werde ich die nächsten drei Tage, zusammen mit allen YFU-Austauschschülern die das kommende Jahr in Ungarn verbringen, leben. Dort werden wir von ehemaligen Austauschschülern, die aus Ungarn kommen oder in Ungarn waren, länderspezifisch auf unser Jahr vorbereitet. Wir haben verschiedene Kurse, in denen wir Ungarisch lernen und uns alle möglichen Sitten und Bräuche beigebracht werden. Am Abend verbringen wir Austauschschüler aus der ganzen Welt viel Zeit zusammen. Wir bringen uns gegenseitig Wörter bei, reden über unsere Ängste, spielen Spiele und haben einfach unglaublich viel Spaß. Ich habe jetzt in den ersten drei Tage schon Freunde gewonnen aus Amerika, Mexiko, Argentinien, Dänemark, Estland, Japan und Thailand und diese Freunde werden mir noch so viel helfen und beistehen in dem Jahr, vielleicht sogar danach auch noch.

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Als wir dann alle endlich in dem fremden und sehr heißen Budapest ankamen, fingen die Probleme schon an. Nicht nur die Sprache machte uns allen zu schaffen, auch das viel zu warme Wetter war einfach gewöhnungsbedürftig. Mit einem Kleinbus wurden wir zu unserem „Orientation Camp" gebracht, wo wir die anderen Austauschschüler trafen. Die ersten drei Tage vergingen wie im Fluge, und schon befanden wir uns wohlbehütet in unseren neuen Gastfamilien.

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Wenn ich an meinen ersten Tag hier in Ungarn zurückdenke und mich so sehe, wie ich in meinem neuen Zimmer sitze und mir noch gar nicht richtig vorstellen kann, dass das für ein Jahr mein Zuhause werden wird, ja, dann muss ich ein bisschen schmunzeln. Ich freue mich, dass ich über diesen Blickwinkel hinaus bin und ganz auf natürliche Art hat sich in dieser Zeit ein Leben um mich herum entwickelt, in dem ich mich wohl und zuhause fühle. Das ist in erster Linie meiner Familie zu verdanken.

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Nach meiner Ankunft an dem Budapester Flughafen Mitte August fuhr ich für drei Tage ins Orientierungscamp. Dort habe ich die anderen Austauschschüler kennengelernt. Wir haben uns sofort toll verstanden und hatten viel Spaß. In dem Camp gab es viele Informationen über Ungarn, die sich im Laufe des Jahres bestätigt haben.

Essen

Schnell begreife ich, weniger als zwei Portionen zu essen ist unhöflich und das gilt für alles, immer. Im Camp wurde uns schon gesagt, wir werden 5-10kilos zunehmen und jetzt bin ich mir dessen zu 100% sicher. Aber damit hab ich kein Problem.

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Es bestätigte sich das Gerücht über die Wichtigkeit des Essens für Ungarn. Immer wieder hieß es: „Iss doch noch was!“ und „Willst du sicher nicht noch ein Stück Kuchen?“ Ungarn essen eben viel und vor allem bei Feiern. Es gibt immer eine Suppe, ein Hauptgericht mit Beilagen und mindestens einen Kuchen, eher zwei oder drei.
Und noch ein Gerücht bestätigte sich, was das Essen anbelangt: es wird wirklich viel Paprika gegessen. Es gibt sehr viele verschiedene Sorten: scharfe und nicht scharfe Paprika, Paprika zum Füllen, zum roh essen, rote, grüne, gelbe, spitze und so weiter. Selbst nach einem Jahr kann ich die vielen verschiedenen Sorten noch nicht auseinander halten.

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Was ich bis jetzt hier gelernt habe, ist, dass für Ungarn das Essen das Wichtigste ist, als würden sie sterben, wenn sie mal nicht dran denken. Leider ist das für mich ganz anders, was uns auch immer wieder ein paar Probleme bringt. Ich esse schon für deutsche Verhältnisse wenig, aber weil das für Ungarn ja schon wenig ist, ist das ein Weltuntergang. Außerdem mag ich eigentlich überhaupt kein Fleisch, was hier aber Grundnahrungsmittel ist, wie bei uns in Bayern Bier. Auf jeden Fall habe ich das auch überstanden und schnell war die erste Woche vorbei.

Gastfamilie

Unsere Familien werden uns abholen und bis dahin müssen wir uns ordentlich auf Ungarisch vorstellen können. Wir alle sind so aufgeregt davor, haben Angst etwas falsch auszusprechen oder etwas Dummes zu sagen. In Gruppen gehen wir zu viert in den Raum, in dem alle Gastfamilien sitzen. Meine Gruppe ist an der Reihe, mein Herz pocht, ich beginne zu zittern, ich bin dran, ich stelle mich vor, suche meine Gastfamilie und sehe sie. Ich bin so glücklich, gehe aus dem Raum, weil meine Gruppe fertig ist und warte. Endlich kommen alle Familien aus dem Raum, ich umarme meine Geschwister und meine Gastmama und bin einfach so froh und dankbar. Zusammen fahren wir mit Bus und Metro nach Hause, reden über alles Mögliche.

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Die ersten gemeinsamen Tage waren tatsächlich noch etwas komisch. Ich wurde sehr lieb aufgenommen und eingebunden. Wir verbrachten viel Zeit zusammen. Spiele und Ausflüge dominierten unseren Alltag. Das komische ist, dass ich von einem Moment auf den anderen plötzlich einfach Teil dieser Familie war, das ging so schnell; es blieb kaum Zeit zu denken. Weil ich ein bisschen überfordert war, wurde ich manchmal etwas still und verschlossen. Ich  wollte bewusster auf meine Handlungen achten. Nach zwei Wochen aber war ich einigermaßen an meine neue Umgebung gewöhnt.

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Meine Gastfamilie hat eine andere Vorstellung vom Familienleben als meine Ursprungsfamilie. Beispielsweise sollte ich immer zum Abendessen und an den Wochenenden zu Hause sein. Als aber die Orchesterproben in der Schule anfingen, war ich nicht immer beim Abendessen dabei, was meinen Gastvater etwas verstimmte. Wollte ich mich am Wochenende mit Freunden oder anderen Austauschschülern treffen, kam die Frage „Warum denn am Wochenende, hattest du unter der Woche keine Zeit? Das Wochenende ist für die Familie da und deine Gastgeschwister haben auch kein Programm an Wochenenden.“ Das fand ich nicht schön und es kam zum ein oder anderen Wortwechsel. Durch den Besuch des Musikgymnasiums war meine Woche voll mit Unterricht, Proben und Üben. Ich konnte mich also nur am Wochenende mit Freunden verabreden.

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lch denke gerne daran, wie ich meine Familie zum ersten Mal gesehen habe, auch wenn ich in dem Moment „ultra" aufgeregt war! Ich wurde sofort herzlich in die Familie aufgenommen.

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Ich habe die Gastfamilie gewechselt Es ist mittlerweile Januar und nach einiger Zeit habe ich mich auch gut bei meiner neuen Familie eingelebt. Ich habe einen Gastvater, eine Gastmutter und eine Gastschwester. Mit meiner Schwester bin ich sehr gut befreundet und kann auch alles mit ihr besprechen. Sie geht in die gleiche Klasse wie ich und wir lernen oft zusammen, wobei sie mir mit den ungarischen Hausaufgaben hilft, ich ihr dagegen mit den deutschen. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mir ein wunderbares zweites Halbjahr in Ungarn beschert haben und hoffe, dass wir immer im Kontakt bleiben.

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Als erstes hat mich das Einfinden in meine Gastfamilie sehr geprägt. Die vollkommen andere Struktur, der andere Umgang der Familienmitglieder untereinander und mein neuer, anderer Platz in der Familie lehrten mich, meine Familie hier in Deutschland auch mit anderen Augen zu sehen.

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In der Adventszeit habe ich mir vorgenommen, wenigstens ein Weihnachtslied auswendig zu lernen. Es ist nämlich so, dass wir in meiner Familie sehr viel singen, nur ganz selten benutzen sie dazu ein Gesangs-, oder Liederbuch, weil sie so viele Lieder auswendig können. Da hab ich mir also gedacht, ich möchte dann an Weihachten zumindest mit einer Melodie der so vielen Lieder vertraut sein und hab mich an die Arbeit gemacht. Es ist mir allerdings nicht allzu leicht gefallen.

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Meine Gastfamilie besteht aus meinen Eltern, zwei Brüdern, einer Schwester, einem Hund und einer Katze. Die Familie hat mich sehr freundlich und offen aufgenommen. Ich fühle mich mit ihr sehr wohl. Sie hilft mir, wenn ich ein Problem habe, ich helfe, wenn es etwas zu tun gibt. Natürlich gibt es manchmal Probleme oder Missverständnis; doch die lassen sich so gut wie immer lösen.

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Ich bin dankbar für beide Familien, die sich beide dafür entschieden haben mir ein Dach über dem Kopf, ein Bett zum Schlafen, Essen, Trinken und Geborgenheit zu geben, ohne dafür bezahlt zu werden. Der Wechsel war nicht leicht, aber er hat mir mein Jahr auf keinen Fall ruiniert.

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Allmählich lebte ich mich an meiner Schule ein. Nur in der Gastfamilie fühlte ich mich noch nicht so richtig wohl. Anschließend wechselte ich dann doch ohne Probleme in eine musische Gastfamilie. Dort fühlte ich mich von Anfang an wohl.

Kultur

Thema Weihnachten: Ungarn ist sehr katholisch, deshalb laufen die Feierlichkeiten  rund um Weihnachten ähnlich ab wie in Deutschland. Es gibt Weihnachtsmärkte und viel Dekoration  in der ganzen Stadt. Die Tradition in meiner Gastfamilie war etwas anders. Zwar saßen wir am 24.12. zusammen, aber die wirkliche Feier fand am 25.12. statt. Ich hatte schon erzählt, dass ich meine Geschenke am 24.12. verteilen  werde, doch am 24.12. wurde mir klar, dass ich zu früh dran war. Ein lustiges, kleines Missverständnis.

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Nach gefühlt  vier Wochen stand Weihnachten vor der Tür. Davor fürchtete ich mich ein wenig, denn viele ehemalige Austauschschüler hatten erzählt, dass diese Zeit sehr schwer war. Man bekommt Heimweh  oder versteht  die Weihnachtstradition der Familie nicht. Ich hatte lediglich am Heiligen Abend ein bisschen Heimweh, doch sonst kam ich gut zurecht. ln der Adventszeit kurz vor Weihnachten probte ich mit den Musikprogrammlern unser Programm für die YFU-Weihnachtsfeier. Wir waren ein kleines Gesangsensemble. Das war echt super, denn wir hatten etwas auf die Beine gestellt

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Weihnachten im Gastland. Die Adventszeit unterscheidet sich in Ungarn sehr von der in Deutschland: Es wird kaum weihnachtlich geschmückt oder gebacken und auch der Weihnachtsmarkt in Budapest findet wenig Beachtung. Meine Familie freute sich dann aber sehr, als ich mit Hilfe eines eigens mitgebrachten Backbuches gemeinsam mit meiner Gastmutter und meinen Gastgeschwistern erst Zimtsterne und dann noch einen deutschen Christstollen gebacken habe. Auch in der Schule spürte man kaum etwas von der Vorweihnachtszeit. Nur am letzten Schultag vor den Ferien veranstalteten wir eine kleine Weihnachtsfeier.  Am Vorabend des 24. Dezembers fertigte ich mit meiner Gastmutter und meiner Gastschwester Christbaumschmuck aus Lebkuchenteig an, mit dem mein Bruder und ich am 24. Dezember den Weihnachtsbaum schmückten. An Heiligabend spielten meine Gastgeschwister und ich auf unseren Musikinstrumenten meinen Eltern einige Weihnachtslieder vor, die wir gemeinsam einstudiert hatten. Danach gab es Geschenke und ein leckeres Essen, das meine Gastmutter schon den ganzen Tag vorbereitet hatte. Um Mitternacht ging ich mit meinem Gastbruder und meiner Gastmutter noch in die Christmette. 

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Am 1. Weihnachtsfeiertag mussten wir sehr früh aufstehen, um das große 5-gängige Festessen mit der ganzen Familie vorzubereiten. Mittags kamen alle Verwandten zusammen und es gab noch mal Geschenke. Es war eine fröhliche Runde und alle Gäste waren sehr daran interessiert, welche Erfahrungen ich bis dahin in Ungarn gesammelt hatte. Da ich zu diesem Zeitpunkt keine großen sprachlichen Schwierigkeiten mehr hatte, fiel es mir nicht schwer, mich mit allen zu verständigen. In dieser fröhlichen Atmosphäre konnte Heimweh gar nicht erst aufkommen. Ich empfand die Erfahrung Weihnachten einmal in einem anderen Land mit ganz anderen Traditionen zu feiern außerordentlich interessant und habe die Feiertage sehr genossen.

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Schon ab Gründonnerstag ging ich mit meiner Gastmutter bis zum Ostersonntag jeden Abend in die Kirche. Am frühen Sonntagmorgen durften meine Geschwister und ich Schokoladeneier und Geschenke suchen. Später kam noch mein Gastonkel zu Besuch und es gab das traditionelle Osteressen, welches aus Eiern, Schinken und etwas Salat besteht. Am Ostermontag lernte ich einen mir bisher völlig unbekannten Brauch kennen: Vor dem Essen stellte sich meine ganze Familie in einem Kreis auf, und mein Bruder holte ein Fläschchen Parfum. Mein Gastbruder und mein Gastvater sagten gemeinsam ein Gedicht auf und anschließend besprengten sie meine Gastmutter, meine Gastschwester und mich mit Parfüm. Dieser als Locsolàs, also „Bespritzen“ der Frauen bekannte und in Ungarn weitverbreitete Brauch, hat eine lange Tradition, wobei man früher die Damen mit ganzen Eimern kalten Wassers übergoss. Dieser Brauch hat den gedanklichen Hintergrund, dass Frauen wie Blumen seien, die gewässert werden müssen, um aufzublühen und noch schöner zu werden. Mein Gastvater und mein Gastbruder bekamen zum Dank dafür rote Eier geschenkt, die ich mit meiner Gastmutter am Vortag bemalt hatte.

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Zu Weihnachten versammelte sich die ganze Familie und es wurde viel gegessen. Es gab die berühmte Fischsuppe und auch andere Fischspezialitäten.

Land und Leute

Ganz im Gegenteil zu uns sind die Ungarn überhaupt nicht gerne pünktlich. Oder, eigentlich müsste man sagen, sie haben eine andere Auffassung von Pünktlichkeit.

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Viele deutsche Haushalte haben eine Katze, es ist das "meistgewählte" Haustier. In Ungarn ist das eindeutig der Hund. In meinem Dorf haben 90% der Einwohner einen Hund, der ausschließlich dazu dient, am Zaun fremde Leute anzubellen und anzuknurren. Hin und wieder sieht man Leute, die mit ihrem Hund spazieren gehen, doch generell dient er tatsächlich nur als Wache. Dies hat zur Folge, dass mein Weg zum oder vom Bus aus einem konzertanten Darbietung (Musikprogramm!) verschiedener Kläff-, Knurr- und Belltechniken besteht. Ein immer wieder erheiterndes Erlebnis.

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Die Ungarn sind sehr stolz auf ihr Land, auf ihre Geschichte und zeigen das auch, wo sie stehen und gehen. Überall kann man gehisste Flaggen sehen.

Schule

Am letzten Augusttag ist mein erster ,,Schultag“. An den meisten Schulen in Ungarn beginnt die Schule am 1. September mit einem Gottesdienst. Bei meiner Chorschule wird dieser Gottesdienst natürlich mit einem großen Konzert kombiniert. Ich habe Gänsehaut. Die Chöre sind so gut und niveauvoll und ich bin stolz und freue mich darauf bald mit diesen talentierten Mitschülern singen zu dürfen. Am nächsten Tag, am 01.09. habe ich meinen ersten richtigen Schultag. Die Schule geht von der ersten bis zur 12. Klasse. Eine Klasse in jeder Jahrgangsstufe. Jeder kennt jeden, die meisten Klassenkameraden von mir sind schon 9 Jahre in derselben Klasse. Ich werde von allen beäugt. Ich bin die Neue. Die deutsche Austauschschülerin. Nach und nach kommen Schüler auf mich zu, sprechen mit mir, stellen eine Menge Fragen. Ich freue mich unglaublich, alle sind so nett zu mir und interessiert.  

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Im nächsten Monat lerne ich die Namen meiner Klassenkameraden und Lehrer. Ich werde von ihnen in der Schule herumgeführt. Sie helfen mir mit der Sprache und ich gewinne sehr schnell Freunde. Im Unterricht verstehe ich nicht sonderlich viel, nur Englisch, Französisch, Sport, Chor und natürlich Deutsch. Die restlichen Stunden mache ich Ungarisch Übungen, lerne für mich und lese. Meine Freunde korrigieren meine Übungen gerne und streiten sich, was denn jetzt eigentlich richtig ist. Ungarisch ist wirklich nicht leicht.

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Da meine Schule eine Musikschule ist, haben die Schüler nicht sehr viel Zeit nachmittags etwas zu unternehmen, weil sie sehr viel üben müssen. Dafür muss man sich einen Schlüssel für einen Raum holen, in dem man dann ungestört üben kann. Die Blechbläser jedoch sind im Keller untergebracht, weil sie so laut sind. In diesem Keller bin ich sehr oft, um einerseits Horn zu üben oder andererseits einfach nur mit den Anderen zu reden. Dort ist immer etwas los und es macht mir sehr viel Spaß dort zu sein. Es wird aber nicht nur nachmittags geübt, sondern zu jeder möglichen Zeit. Dies führt dazu, dass in jeder Pause aus den Räumen Klaviermusik kommt, weil in jedem Zimmer ein Klavier oder Flügel steht, was ich sehr genieße. Auch während des Unterrichts hört man von den Nachbarzimmern etwas Musik.

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An sich ist der Unterricht für mich ziemlich einfach, weil ich Deutsch als erste und Englisch als zweite Fremdsprache habe und dies für einen deutschen Muttersprachler mit einigermaßen gutem Englisch sehr einfach ist. In den anderen Fächern wie Geschichte oder Literatur lerne ich meist Ungarisch.

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Ich habe sehr lange Unterricht, bin immer bis fünf oder sechs in der Schule, mein Heimweg dauert eine Stunde, also komme ich jeden Abend gegen sechs, sieben nach Hause und das bin ich nicht gewohnt. Ich fühle mich aber pudelwohl. Der Chor und alle Musik- und Gesangstunden machen mir so viel Spaß und sind so anspruchsvoll. Außerdem sind meine Klassenkameraden einfach toll. Wir reden über Musik, unsere Familien, ich lerne sie immer besser kennen und es sind so interessante Menschen.  

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Die Schule ist für die Jugendlichen alltagsbestimmend. Die Schüler lernen viel, die Erwartungen an sie sind hoch. Deshalb arbeiten viele bis in die Abendstunden  hinein. Auch nach der Schule bleibt man noch im Gebäude, lernt zusammen oder macht seine Hausaufgaben oder geht in AGs. Die Schule war in meinem Fall wie ein Treffpunkt; von hier begannen viele Unternehmungen.

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Stichwort  Musikprogramm: Ich hatte zweimal pro Woche und jeden zweiten Samstag Chor. Zweimal pro Woche bekam ich Klavierunterricht. Der Musikunterricht war besonders in Musiktheorie viel anspruchsvoller als in Deutschland. Doch auch in diesen Belangen wurde ich, so wie ich bin, akzeptiert.

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Ich war euphorisch, endlich meine neue Klasse kennenzulernen. Ich erinnere  mich noch lebhaft an den Moment als ich das Klassenzimmer betrat und meine Klassenkameraden mich begrüßten. Sie waren noch etwas schüchtern, halfen mir aber vom ersten Tag an. Ein Junge begleitete mich in den ersten Monaten und stand mir zu Seite, wenn ich jemanden  brauchte. Er half mir, mich in meiner Umgebung zurechtzufinden und mich auch dort wohl zu fühlen. Generell wurde die ganze Klasse immer offener und neugieriger; sie fragte nach, sprach mit mir. Ich wurde auch hier sehr liebevoll aufgenommen. So einer Gastfreundschaft bin ich so noch nicht begegnet.

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Was mir besonders gut an der Musikschule in Ungarn gefallen hat, waren die Solfeggio- und Musiktheoriestunden. Diese hatte ich in Deutschland nicht und es gibt sie in dieser Weise auch nur ganz selten gibt. Ich fände es richtig gut, wenn in Bayern an normalen
Gymnasien mehr Musikunterricht gehalten und dieser einen Einblick in die Solfeggio¬‐Methode geben würde. Sie ermöglicht vor allem Menschen, die kein Instrument spielen, sich besser in der Musik zurechtzufinden und erleichtert das Singen.

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Was mich überraschte war, wie wichtig den Schülern die Musik ist und wie überzeugt sie von sich sind. Ich fragte einmal eine Freundin von mir, die Geige spielt, ob sie denn einen „Plan B“ hätte, wenn sie nicht Geigerin wird. Sie meinte nur, dass es das nicht gäbe und sie auf jeden Fall Geigerin wird.


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Der normale Unterricht am Musikgymnasium ist nicht so gewesen wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich bin davon ausgegangen, dass es eine strenge Schulordnung gibt und der Unterrichtstoff schwer sein würde. Beides hat an meinem Musikgymnasium nicht zugetroffen. In den Stunden wurde oft nicht aufgepasst. Die Lehrer sagten nichts, wenn im Unterricht geschlafen wurde oder jemand mit dem Handy spielte. Den Unterrichtsstoff von der ungarischen 11. Klasse hatte ich vor meinem Auslandsjahr bereits in der 10. Klasse an einem normalen Gymnasium in Deutschland gelernt.

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Jeder Tag ist anstrengend und ich bin unter der Woche immer den ganzen Tag in der Schule gewesen. Die Öffnungszeiten der Schule sind von 6:00¬‐21:00 Uhr, auch an Wochenenden. Ich kam erst abends zwischen 18:00 und 21:00 Uhr nach Hause. Für mich war der Schulalltag in den ersten Monaten die größte Umstellung. Es fiel mir etwas schwer, mich in diesen Alltag zu gewöhnen und mich zu integrieren, denn viele Mitschüler hatten keine Zeit, um sich nach dem Unterricht mit jemandem zu treffen. Das fand ich richtig schade und ich kam mir  manchmal ein bisschen alleine vor. Die Atmosphäre an der Schule war trotzdem gut, auch wenn die meisten Schüler kaum Wert auf die Schulfächer legen. Trotzdem machte jeder Tag Spaß und die Musik verband uns alle. Man wird gemeinsam kreativ und erarbeitet sich in kleinen Gruppen neue Stücke.

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Für die meisten Schüler besteht ein Tag aus ein bis zwei Stunden Üben vor dem Unterricht, dann normaler Unterricht, Mittagessen, Üben, Musiktheorie/Solfeggio-Stunde, Hauptinstrument‐/ Nebeninstrument‐ und Klavierstunde, Üben, Abendessen, schlafen. Wenn zwischendurch noch Zeit ist, kann man ebenfalls in der Schule üben.

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Meine Schule ist ein katholisches Chorgymnasium, nach Kodály Zoltán benannt, mit strengen Lehrern, aber eigentlich alle sehr nett.

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Mit einer von meinen Schwestern, sie ist nur wenig jünger als ich, besuche ich die zehnte Klasse in der Budapester Chorschule Kodály Zoltán. Mit meinen Klassenkameraden verstehe ich mich sehr gut und ich habe ein paar sehr liebe Freunde unter ihnen gefunden. Das Singen und Musizieren, ich spiele Trompete und Klavier, macht mir sehr viel Spaß und ich genieße, dass ich mit so vielen Menschen über die anfänglichen sprachlichen Grenzen hinaus durch die Musik verbunden bin.

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Ich habe Klarinetten-, Klavier- und Gesangsunterricht. Klarinette immer dienstags und donnerstags, Klavier und Gesang nur einmal in der Woche. Aber das ist nicht alles. Dazu kommt noch zweimal die Woche Chorprobe. Das ist zwar während der Unter¬richtszeit, aber trotzdem viel. Dann noch „Kamara", das ist der Kammerchor, den jede Klasse von der 7. bis zur 11. Stufe macht. Und es gibt auch noch „Enek" und „Szolfezs", das eine ist so wie Musikunterricht, wo man z.B. etwas über Mozart lernt, und das zweite ist Musiktheorie.

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Wir sind sehr wenige in einer Klasse, gerade mal 16 Leute, und das Lerntempo wird an die Klasse angepasst. Trotzdem wird der Unterricht nie langweilig. Die Lehrer versuchen immer das Beste aus einer Situation zu machen. Sie lachen sehr viel mit uns und versuchen uns den Schulstoff so zu vermitteln, dass wir auch Spaß daran haben. Mit viel Gruppenarbeit und viel Übung lernen wir gleich viel lieber. Was mir auch gut gefällt an dieser Schule ist, dass sie sehr musisch ausgerichtet ist. Ich habe zweimal die Woche Chorprobe, aber auch Klarinetten-, Klavier- und Gesangsunterricht. Hinzu kommt noch Musikgeschichte und –theorie.

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Überrascht hat mich das hohe musikalische Niveau meiner Schule. Natürlich sollte man bei dem Titel „Ungarische Chorschule" auf etwas gefasst sein, aber da ich ja in Deutschland auch ein musisches Gymnasium besuche, habe ich lieber nicht zu viel erwartet. So hatten wir während des regulären Vormittagsunterrichts drei Stunden Chor, zwei Mal Musiktheorie und nachmittags mehrere gesangsbildende und instrumentale Unterrichtsstunden. An Wochenenden gaben die Chöre Konzerte, sangen während Gottesdiensten und es gibt sogar im Sommer eine Pflichtchorwoche, wo viele neue Stücke eingearbeitet und Atmung, Gesamtklang und die Stimmen trainiert werden.

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In meiner Klasse waren wir 21 Schüler und der Klassenzusammenhalt war enorm hoch. Außerhalb der Schule haben wir uns zu Klassenfeiern, zum Schlittschuhlaufen, zur Sylvesterfeier, zum Selbermachen von Taschen, die wir für die Abschlussklasse anfertigen sollten oder einfach nur zum Genießen der Sonne in einem schönen Park in Budapest getroffen. Zu diesen von Klassenkameraden organisierten Treffen kamen noch Ausflüge, die wir meist einmal im Monat mit dem Lehrer machten. Im Winter waren wir ein Wochenende auf Klassenfahrt und im Sommer vier Tage. All diese Gelegenheiten schweißen die Schüler sehr zusammen. Wir hatten viel Zeit uns untereinander zu unterhalten und das gute Klassenklima habe ich sehr genossen.

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Meine Klasse ist sehr klein und ich mag natürlich nicht jeden gleichermaßen gern. Jeder hat seinen eigenen Stil, und manchmal passt er mir und manchmal eben auch nicht. Das beruht aber auf Gegenseitigkeit. Wir waren oft auf Exkursionen und haben auch eine längere Fahrradtour von fünf Tagen gemacht. Dabei habe ich meine Mitschüler besser kennen gelernt und natürlich haben wir auch sehr viel miteinender erlebt. Ich habe meine Klasse sehr lieb und würde sie am liebsten in meinen Koffer packen und mit nach Deutschland nehmen.

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Bei den Noten ist zu beachten, dass das ungarische Notensystem von 5 bis 1 zählt, die beste Note also die 5 und die schlechteste die 1 ist.

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Ein Höhepunkt meines Austauschjahres war im Februar. Der Szallagavató oder „Ball der Abiturienten“. An diesem Tag bekommen die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse eine Anstecknadel und werden so offiziell Abiturienten. Zu diesem Anlass spielten viele verschiedene Ensembles unserer Schule, es wurden einige Reden gehalten und die Abiturienten durften den extra einstudierten „Klassentanz“ vorführen. Zum Ende des offiziellen Teiles kam als Höhepunkt des Szallagavató der Wiener Walzer der Abiturientinnen und Abiturienten. Die Choreographie, die seit Oktober intensiv einstudiert worden war, ähnelte in der Aufmachung der ganz in weiß gekleideten Damen und der Art der Darbietung sehr dem Walzer der Debütantinnen auf dem Wiener Opernball. Ich durfte als Gastdame mittanzen, was mir viel Spaß machte, da ich auch schon in Deutschland jahrelang Standard getanzt hatte. Im Anschluss an den offiziellen Teil gab es dann eine von den Abiturienten veranstaltete Afterparty in einem kleinen ungarischen Club.

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Im April gab es an meiner Schule einen ganz besonderen Tag. Es wurde kein normaler Unterricht gehalten, sondern es gab verschiedene, nicht nur auf den musikalischen Bereich beschränkte Wettbewerbe, an denen wir teilnehmen konnten, wie beispielsweise einen Dirigentenwettbewerb, aber auch ein Fußballturnier und einen Literaturwettbewerb. Darüber hinaus wurden verschiedene Workshops angeboten, in denen man einmal ganz neue Arten des Ensemblemusizierens kennenlernen konnte.

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Zur Schule, es ist ein Musikgymnasium, welches auf ein Musikstudium vorbereitet. Dementsprechend hoch ist das musische Niveau. Die Schüler sind zu 100% davon überzeugt, dass sie mit Musik Karriere machen, deshalb legen sie nicht wirklich Wert auf Schule.

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Die Klasse hat 25 Schüler und in der Schule gibt es vier Jahrgangsstufen (9.-12. Klasse) mit je einer Klasse. Für mich ist es komisch, dass die Schule so viele Leute hat, wie der 11. Jahrgang der Schule, die ich in Deutschland besuchte. Das Verhältnis von Schüler zu Lehrer ist eher freundschaftlich und die Lehrer werden nicht wirklich im Unterricht respektiert. Man nennt sie beim Vornamen und ist mit ihnen auf Facebook befreundet - in Deutschland geht das nicht.

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Was mich ziemlich erstaunt hat ist der Sportunterricht. Die Stunde besteht aus Joggen, Kraft- und Fitness-Übungen und Dehnen. Es werden keine Sportarten gemacht. Abgesehen von dem normalen Schulunterricht hat man noch Musiktheorie- und Instrumentalunterricht. Ein Hauptinstrument, zweimal je eine Stunde in der Woche, wenn vorhanden ein Zweitinstrument, einmal eine Stunde in der Woche und einmal eine Halbestunde Klavierunterricht, wenn Klavier nicht das Hauptinstrument ist. Außerdem wird viel Gesungen und man ist verpflichtet im Blasorchester oder Streichorchester zu spielen. Es gibt weder eine Big-Band noch ein klassisches Orchester, was ich für ein Musikgymnasium etwas schwach finde.

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Die Schule in Ungarn ist anders:  Eine Stunde dauert 40 Minuten, es wird Frontalunterricht praktiziert. Der Lehrer spricht, die Schüler schreiben und lernen den Heftinhalt schlicht auswendig. Nach einer Stunde hat man zehn Minuten Zwischenpause zum Essen und Unterhalten. Es gibt keine große Pause und  man wechselt nicht das Klassenzimmer. So kann es passieren, dass ich von 8:00-14:30 Uhr in einem Klassenzimmer sitze, nichts von dem Unterricht verstehe und nur mitschreibe, was ich verstehe. Ich muss zugeben, dass ich mich im deutschen Schulsystem wohler fühle. Ich bin der Meinung, dass dort der Sinn einer Schule besser verwirklicht ist. Nämlich der des Lernen Lernens, der Wissensvermittlung  und des Anwendens von Wissen. Im ungarischen System sehe ich nur den Aspekt "Wissensvermittlung" wirklich umgesetzt.

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Meine Schule ist eine Chorschule, somit liegt der Fokus im Allgemeinen auf der Musik. Ich bekomme Gesangs- und Klavierunterricht,  habe viele Musikstunden  und gehe in den Chor. Es ist generell sehr anspruchsvoll, doch dadurch lerne ich sehr viel. Schon nach zwei Monaten bemerke ich, dass ich am Klavier besser geworden bin. Ich bin zufrieden, das Musikprogramm gewählt zu haben.

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Für Ungarn bietet YFU ein spezielles Musikprogramm an, an dem ich teilgenommen habe. Dieses Musikprogramm ist wie ein normales Austauschjahr, der einzige Unterschied ist, dass du an einer Musikschule unterrichtet wirst. Ich durfte Schülerin der ,,Kodály Zoltán Magyar Kórusiskola“ sein, einer der besten Chorschulen weltweit. Diese zehn Monate Schulzeit haben für mich ausgereicht, um diese Schule lieben zu lernen. Vom ersten Tag an waren alle Schüler und Lehrer super nett und freundlich zu mir. Mir wurde die Schule gezeigt, die Lehrer vorgestellt, es bestand ein großes Interesse an mir und meiner Kultur. Jeder war hilfsbereit und aufgeschlossen, daher war es einfach für mich Freundschaften zu knüpfen und genau dank dieser Freundschaften fiel mir der Alltag viel leichter als gedacht. Mir wurde bei Ungarisch-Übungen geholfen, wenn ich mich in der Schule oder in Budapest verlaufen habe, wenn ich ein Lied üben musste und immer wenn ich jemanden zum Reden gebraucht habe, waren meine Klassenkameraden für mich da. Egal ob in Deutsch, Englisch, Ungarisch oder irgendeiner Zeichensprache, vom ersten Tag an wurde versucht mit mir zu kommunizieren und überraschenderweise hat das tatsächlich immer geklappt. Es bestand keine Barriere zwischen uns, ich war Teil der Klasse wie jeder andere und wurde genauso akzeptiert, wie ich war. Ich gehöre zu dieser Gruppe, zu dieser Schule und ich weiß, dass ich jedes Mal, wenn ich dieses Gebäude betreten werde mit einem Lächeln und offenen Armen empfangen werde und dass ich auf meine ungarischen Freunde zählen kann. Abgesehen davon habe ich mich im musikalischen Bereich auch fortgebildet. Eine Woche bestand meist aus fünf Stunden Chor, einem Konzert, einer Stunde Musikgeschichte, einer Stunde Musiktheorie, einer halben Stunde,,Kamara“ (kleine Gesangsgruppen von fünf bis sieben Schülern), einer halben Stunde Stimmbildung und noch vielen Extraproben. Meine Stimme hat sich sehr entwickelt, worauf ich stolz sein kann. Ich hatte professionelle Lehrer und Mitsänger, mit denen es Riesenspaß gemacht hat zu musizieren und von denen ich viel lernen konnte. Aber nicht nur meine Stimme sondern auch meine Einstellung zur Musik hat einen großen Schritt gemacht. Der Gesang hat mich mit der ganzen Schule verbunden, immer wenn ich nicht in Worte fassen konnte, was ich fühlte, dann konnte ich es singen und jeder hat mich verstanden. Solokonzerte, Kamarakonzerte, Chorkonzerte, ein strikter Zeitplan und trotzdem wunderschön.

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Jeden Monat hatte ich zur Vorbereitung auf meine Vizsgak ein Konzert. Eine Vizsgak ist eine wichtige Prüfung in Form eines Vorspiels. Davon gab es zwei, die mir sehr gut gelungen sind und ich mit der Note 5 bestanden habe. Im ungarischen Notensystem ist die Note 5 die beste und entspricht unserer Note 1.

Sprache

Auch wenn die ungarische Sprache mit zu den am schwersten zu erlernenden Sprachen zählt, finde ich, dass man sie genauso wie Englisch, Französisch, Spanisch und Latein lernen kann
(meine Vergleiche beziehen sich nur auch Englisch und Französisch, aber andere Austauschschüler lernten sowohl Spanisch als auch Latein). Man muss sich einfach hinsetzen und lernen. Aber auch aufmerksam zuhören bringt sehr viel. Da aber viele Ungarn Deutsch lernen oder gut sprechen können (worüber ich wirklich erstaunt war) fiel es mir in den ersten vier bis fünf Monaten schwer, Ungarisch zu lernen.

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Natürlich gibt es manchmal ein bisschen Sprachschwierigkeiten, aber es wird immer besser. lch will hier auch nie mehr weg.

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Mit ihrer [der Gastfamilie] Hilfe kann ich inzwischen auch ziemlich gut die Sprache sprechen, verstehe fast alles und habe die Kultur kennengelernt.

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Außerdem verstärken die Ungarn ziemlich viele Wörter mit dem Wort „tök". Zuerst fand ich es sehr witzig, weil dieses Wort Kürbis bedeutet und sie damit also kürbisgut, kürbisschlecht und kürbissuper sagen. Aber es steckt an und am Schluss ist es mir gar nicht mehr aufgefallen, wie sehr ich mich der ungarischen Umgangssprache angepasst habe.

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Da ich im Laufe meines Auslandsjahres fließend Ungarisch gelernt hatte, konnte ich die B2-Sprachprüfung erfolgreich ablegen. Dies hatten wir auch der guten Vorbereitung durch unsere Schule zu verdanken, die der zweiten YFU-Schülerin und mir eine Ungarischlehrerin für regelmäßigen Unterricht „Ungarisch als Fremdsprache“ zugeteilt hatte.

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Ungarisch hat einige Eigenarten und doch viele Wörter, die mit dem Deutschen verwandt sind. Mein Gastvater hat angefangen eine Liste aufzustellen. Auch haben wir einige Unterschiede bei Tierlauten gefunden. So macht eine Ziege in Ungarn „Mäh" und das Schaf „Bäh", in Deutschland ist es genau umgekehrt. Ein Schwein macht in Ungarn „Uü", was im deutschen ein Ausruf von Verwunderung ist.

Zum Schluss: Betrachtungen und Erkenntnisse

Nach meinem Austauschjahr fühle ich mich wie verwandelt. Ich habe gelernt  mich anzupassen, einzugliedern, zu reflektieren, zu kommunizieren, tolerant  zu sein und auf Menschen zuzugehen. Solche Fähigkeiten sind für mich sehr wertvoll. Deshalb freue ich mich über die Entscheidung ein Jahr lang meine gewohnte Welt zurückzulassen und gegen eine neue einzutauschen. Abschließend will ich jeden ermutigen ein Jahr im Ausland zu verbringen. So eine Chance kriegt man nicht so oft und es lohnt sich wirklich. Denn beim Erforschen einer neuen Welt erforscht man auch sich selbst.

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Ich habe hier viele Freunde fürs Leben gefunden.

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Im Austauschjahr in Ungarn habe ich sehr wichtige Erfahrungen gesammelt, die einen großen Einfluss auf mein jetziges Denken, Fühlen und Leben haben.

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Ich freue mich so viele Menschen kennen gelernt zu haben und mit ihnen leben zu dürfen. Das Austauschjahr bietet so viele Möglichkeiten und Chancen. Es ist ein Abenteuer und ich bin froh, mich darauf eingelassen zu haben.

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Ich kann in meinem Auslandsjahr erkennen, wie leistungsfähig ich bin. An einem normalen Schultag bin ich von 5:50 bis 21:00 Uhr (ca. 16 Stunden) auf höchster Konzentrationsstufe. Das ist sehr ermüdend, macht aber auch Spaß!

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Ein Austauschjahr ist kein Friede-Freude-Eierkuchen-Jahr! Doch das sollte es auch nicht sein, denn man wächst an Problemen und lernt aus Fehlern. Negative Erlebnisse gehören einfach dazu, tragen aber auch zu den positiven bei. Doch keine Sorge: Positive Erlebnisse gibt es mehr als genug!

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Während eines Auslandsjahres  macht man viele wichtige Erfahrungen und bekommt Denkanstöße. Ich habe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass direkte Kommunikation so gut wie immer ein Problem klären kann. Dazu passt der Lieblingssatz meiner Klassenkameraden sehr gut: "Just do it!" Diesen nehme ich mir immer zu Herzen. Man muss einfach alles probieren und sollte nicht davor urteilen, sondern danach. Das kostet manchmal viel Überwindung und Mut, aber lohnt sich sehr. Es stärkt das Selbstvertrauen  enorm.

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Wenn ich meine Augen schließe und dieses Jahr an mir vorbeiziehen lasse, füllt sich mein ganzer Körper mit Glück und Freude. Ich habe mich so unglaublich entwickelt, so tolle Menschen kennengelernt, so schöne Orte gesehen und ich bin wirklich dankbar dafür.

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Ungarn hat mir viel gegeben, mich verändert und genau das habe ich auch versucht mit Ungarn zu machen. Mit den Leuten dort lernen und auch ein Stück weit lehren.

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