Haupt-/Mittelschule und Realschule

Kooperation der Mittelschule mit der Realschule

Schüler können ihre Potentiale besonders dann ausschöpfen, wenn ihnen ein hohes Maß an Individualität in ihren Lernprozessen ermöglicht wird. Dieser Erkenntnis wurde und wird in Bayern Rechnung getragen, indem ein begabungsgerechtes, breit gefächertes Bildungsangebot bereitgehalten und kontinuierlich weiterentwickelt wird. In diesen Kontext ist das Modellvorhaben „Kooperation zwischen Mittelschule und Realschule“ eingebettet.

Die Kooperationsmodelle zwischen Mittelschule und Realschule sind vor allem auf die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den Schularten gerichtet. Dazu gehört insbesondere die konkret dargelegte Bereitschaft von Kooperationspartnern beider Seiten, an den jeweiligen Schulen das unter Beachtung der Ziele und Eckpunkte der Bekanntmachungen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 13. März 2009 und 25. Juni 2009 ausgefüllte und vorgelegte pädagogische Kooperationskonzept miteinander zu tragen und umzusetzen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu

Was ist das Ziel der engeren Zusammenarbeit?Vorlesen lassen

Die Erprobung von Kooperationsformen zwischen Mittelschulen und Realschulen dient der Weiterentwicklung des gegliederten Schulsystems. Konkret werden folgende Ziele in den Fokus genommen:

  • Gezielte individuelle Förderung und Stärkung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen beider Schularten, die sich an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausrichtet
  • Erleichterung des Übertritts von der Jahrgangsstufe 5 bzw. 6 der Mittelschule in die Jahrgangsstufe 6 bzw. 7 der Realschule durch von beiden Partnerschulen gestaltete Intensivierungskurse
  • Reduzierung der Übergänge von Jahrgangsstufe 5 der Mittelschule nach Jahrgangsstufe 5 der Realschule
  • Systematische Vorbereitung der Realschülerinnen und Realschüler, die als Externe den qualifizierten Hauptschulabschluss anstreben
  • Stabilisierung schwächerer Realschüler an den Realschulen
  • Erhöhung der Zahl der mittleren Schulabschlüsse
  • Förderung schwächerer Mittelschüler zur Sicherung der Ausbildungsreife
  • Senkung der Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss
  • Ausbau qualitativ hochwertiger wohnortnaher Schulangebote in der Fläche; Ziel ist, mit zusätzlichen Instrumenten die Erreichbarkeit des Realschulabschlusses zu erhöhen
  • Berücksichtigung der besonderen Ausprägungen in Stadt und Land
  • Schaffung effizienter Strukturen, die zukunftsfähig und nachhaltig sind

Was sind die Rahmenbedingungen der Kooperation?Vorlesen lassen

Mittelschulen und Realschulen sind eigenständige Schularten, die gemäß ihrem jeweiligen Bildungsauftrag Schüler mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen ansprechen. Kooperationen zwischen den genannten Schularten finden bereits jetzt an einer Reihe von Standorten statt und erstrecken sich vorwiegend auf schulorganisatorische Bereiche wie Mittagsbetreuung oder die Nutzung von schulischer Infrastruktur wie z. B. Sportanlagen.

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen beider Schularten kann im Interesse der jeweiligen Schülergruppen intensiviert werden. Die Kooperationsmodelle müssen sich dabei an folgenden grundlegenden Rahmenbedingungen orientieren:

Anforderungen an die Schulen

  • Die Partner liegen in räumlicher Nähe und müssen mindestens zweizügig sein. Es können auch Mittelschulen oder -verbünde teilnehmen.
  • Modelle, die einen Ganztagszug führen, werden bevorzugt behandelt.
  • Die Einrichtung der Kooperationsmodelle erfolgt im Einvernehmen mit den betroffenen Landkreisen, Gemeinden, Schulen und Eltern.
  • Soweit die Durchführung des Kooperationsmodells mit einer noch zu gründenden Realschule angestrebt wird, ist der zuständige Ministerialbeauftragte für die Realschulen hinzuzuziehen. Dieser prüft das Kooperationsmodell und stellt gegebenenfalls das Einvernehmen für die Realschulseite her. Er kann die Aufgabe an eine Realschule in seinem Zuständigkeitsbereich übertragen.

Anforderungen an das Kooperationsmodell

Das Kooperationsmodell muss der Verwirklichung der genannten Ziele dienen. Bei der konzeptionellen Ausgestaltung vor Ort sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Die Eigenständigkeit der beiden Schulen/Schularten bleibt gewahrt. Jeder Schüler muss auch im Rahmen der Kooperation wissen, welcher Schulart und Schule er angehört.
  • Ein wechselseitiger Pflichtunterricht ist nicht Bestandteil der Ausschreibungsbedingungen. Im Rahmen der Förder- und Intensivierungsangebote zur Ergänzung des Unterrichts in den Pflichtfächern sowie in den Wahlangeboten ist jedoch wechselseitiger Unterricht ausdrücklich erwünscht.
  • Die Zusammenarbeit erstreckt sich z. B. auf Intensivierungskurse in den Kernfächern und weitere Angebote wie z.B. im musischen Bereich, Sport, Wahlfächer, Arbeitsgemeinschaften, Projekte, Praxismaßnahmen entsprechen dem üblichen Ganztagsprogramm.
  • Einbezogen werden außerdem die außerunterrichtliche Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit bei der Nutzung von Fachräumen und Sportanlagen und im sonstigen Schulleben.

Welche Schulen erproben diese Kooperationsform?Vorlesen lassen

In zwei Antragsrunden konnten folgende Kooperationsstandorte genehmigt werden:

  • Maria-Caspar-Filser-Schule, Mittelschule Brannenburg + Dientzenhofer-Schule, Staatliche Realschule Brannenburg
  • Mittelschule Rottach-Egern + Realschule Gmund (Neugründung)
  • Mittelschule Poing + Realschule Poing (Neugründung)
  • Volksschule München, Hauptschule am Gotzinger Platz + Städtische Maria-Probst-Realschule München
  • Mittelschule Kemnath + Staatliche Realschule Kemnath
  • Volksschule Arnstorf + Staatliche Realschule Arnstorf
  • Mittelschule Gräfenberg + Staatliche Realschule Gräfenberg
  • Mittelschule Hirschaid + Staatliche Realschule Hirschaid
  • Gutenbergschule Rehau, Mittelschule + Markgraf-Friedrich-Schule, Staatliche Realschule Rehau
  • Mittelschule Langenzenn + Realschule Langenzenn (Neugründung)
  • Senefelder-Mittelschule Treuchtlingen (Mittelschulzug + Realschulzug)
  • Volksschule Hofheim i. Ufr. - Mittelschule + Jacob-Curio-Realschule Hofheim
  • Volksschule Höchberg + Realschule Höchberg
  • Staatliche Mittelschule Babenhausen + Staatliche Realschule Babenhausen
  • Staatliche Realschule Kempten + Volksschule Kempten (Wittelsbacher Schule)
  • Volkssschule am Lechrain Aindling + Realschule Affing/OT Bergen (Neugründung)
  • Volksschule Gefrees und Sebastian-Kneipp-Volksschule Bad Berneck + Jacob-Ellord-Realschule Gefrees

Welche pädagogischen Maßnahmen gibt es?Vorlesen lassen

Die Ausgestaltung der Zusammenarbeit der Schularten gestaltet sich zwischen den Kooperationsmodellen durchaus vielfältig. Art und Anzahl der Angebote variieren. Dabei greift das Spektrum der Angebote eine Vielzahl der vorgesehenen Zielsetzungen den Bekanntmachungen vom 13. März und 25. Juni 2009 auf. So dienen gemeinsame Intensivierungskurse bzw. Übungen in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch für schwächere Realschüler und stärkere Mittelschüler nicht nur einer Stärkung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen beider Schularten, sondern auch einer gezielten individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler. Auf diese Weise wird insbesondere auch ein Übertritt von Mittelschülerinnen und -schülern an die Realschule nach der Jahrgangstufe 5 erleichtert werden. Gemeinsame Vorbereitungskurse für den Qualifizierenden Hauptschulabschluss zielen auf eine systematische Vorbereitung der Realschülerinnen und Realschüler, die den qualifizierenden Hauptschulabschluss als Externe Prüflinge anstreben. Darüber hinaus werden gemeinsame berufsorientierende Projekte, Arbeitsgemeinschaften und/oder Berufsinformationsveranstaltungen jeweils in Kooperation mit bzw. unter der Leitung der heimischen Wirtschaft angeboten. Auch in dem immer wichtiger werdenden Handlungsfeld „Sicherung der Selbst- und Sozialkompetenz“ gibt es gemeinsame Maßnahmen, etwa zur Gewaltprävention, Streitschlichtung und zum Anti-Mobbing. Schließlich gibt es eine breites Spektrum an gemeinsamen Angeboten der Partnerschulen im Bereich der offenen Ganztagsangebote sowie in gemeinsamen Arbeitsgemeinschaften in den Bereichen Theater, Sport und Musik.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Partnern?Vorlesen lassen

Die gemeinsamen pädagogischen Maßnahmen werden zumeist von gemeinsamen Lehrerkonferenzen und -fortbildungen sowie einem Austausch auf der Ebene der Elternbeiräte begleitet.

Welchen Nutzen hat das Kooperationsmodell vor Ort?Vorlesen lassen

Bei den Rückmeldungen überwiegen eindeutig positive Resonanz und Lob. Dabei werden die Verbreiterung des Bildungsangebotes, die Verbesserung der Fördermöglichkeiten, Erhöhung der Teilnehmerquote externer Realschüler am Qualifizierenden Hauptschulabschluss, die Verbesserung der Transparenz der Übertrittsmöglichkeiten, das gemeinsame Schulleben und der damit verbundene Abbau von Vorurteilen zwischen den Schülern beider Schularten, aber auch die Verminderung des Übertrittsdrucks und eine erhöhte Motivation der Schülerinnen und Schüler beider Schularten genannt. Ergänzend wird zudem die Verbesserung des Austauschs auf Lehrerseite angeführt.

Eine abschließende Bewertung der Erfolgsaussichten der verschiedenen einzelnen Maßnahmen und Projekte, aber auch der unterschiedlichen Gesamtkonzeptionen der 17 Kooperationsmodelle lässt sich gegenwärtig nicht treffen.
Die hohe Bandbreite der Ausgestaltung der verschiedenen Kooperationsmodelle verdeutlicht aber, dass die Kooperationspartner die in der Bekanntmachung bewusst gesetzten Freiräume tatsächlich genutzt haben, um unter Berücksichtigung der konkreten Gegebenheiten vor Ort individuelle Modelle für eine Kooperation zu entwickeln. Die parallele Erprobung all dieser, sowohl mit Blick auf die Breite als auch die Tiefe der Zusammenarbeit, verschiedensten Formen der Kooperation wird es ermöglichen, die Kooperation zwischen Mittelschule und Realschule in ihren Auswirkungen auf die beiden Partnerschulen und ihre Schülerinnen und Schülern auszuwerten.

Das Modellvorhaben ist auf eine Laufzeit bis zum Schuljahr 2014/15 ausgelegt.

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