Die Jahrgangsstufe 5 der Realschule stellt für viele Schüler nicht nur eine Veränderung des fachlichen Anspruchs dar. Sie müssen sich auch veränderten Strukturen in der Gestaltung des Schulalltags wie des Unterrichts stellen. Das Fach Englisch spielt hier eine zentrale Rolle, denn die spielerische Gestaltung der ersten Sprachbegegnung wird durch einen eng geführten lehrgangsorientierten Unterricht abgelöst. Für einen pädagogisch verantwortungsvollen Übergang wurden die vierblättrigen „Kleeblätter“ gegründet. Weiter bestehen lokale Initiativen, diesen Übergang zu gestalten.

Je eine Englischlehrkraft aus der Grundschule, der Mittelschule, der Realschule und dem Gymnasium bilden zusammen ein vierblättriges Kleeblatt.

Grundgedanke ist der fachliche Austausch über die unterschiedliche Methodik und Didaktik des Fremdsprachenunterrichts der einzelnen Schularten. Dafür finden gegenseitige Unterrichtshospitationen statt, die im fachdidaktischen Austausch nachbesprochen werden.

Es kann ein Ziel sein, auch andere Lehrkräfte anzuregen, im Fremdsprachenunterricht der beteiligten Schulen zu hospitieren. Gemeinsame Fortbildungen oder Informationsveranstaltungen leiten die Erfahrungen auch an Lehrkräfte anderer Schulen weiter.
Schüler können ihre Potentiale besonders dann ausschöpfen, wenn ihnen ein hohes Maß an Individualität in ihren Lernprozessen ermöglicht wird. Dieser Erkenntnis wurde und wird in Bayern Rechnung getragen, indem ein begabungsgerechtes, breit gefächertes Bildungsangebot bereitgehalten und kontinuierlich weiterentwickelt wird. In diesen Kontext ist das Modellvorhaben „Kooperation zwischen Mittelschule und Realschule“ eingebettet.
Die Kooperationsmodelle zwischen Mittelschule und Realschule sind vor allem auf die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den Schularten gerichtet. Dazu gehört insbesondere die konkret dargelegte Bereitschaft von Kooperationspartnern beider Seiten, an den jeweiligen Schulen das unter Beachtung der Ziele und Eckpunkte der Bekanntmachungen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 6. Dezember 2010, 9. Januar 2012 und 7. Dezember 2012 ausgefüllte und vorgelegte pädagogische Kooperationskonzept miteinander zu tragen und umzusetzen.

Die Erprobung von Kooperationsformen zwischen Mittelschulen und Realschulen dient der Weiterentwicklung des gegliederten Schulsystems. Konkret werden folgende Ziele in den Fokus genommen:

Mittelschulen und Realschulen sind eigenständige Schularten, die gemäß ihrem jeweiligen Bildungsauftrag Schüler mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen ansprechen. Kooperationen zwischen den genannten Schularten finden bereits jetzt an einer Reihe von Standorten statt und erstrecken sich vorwiegend auf schulorganisatorische Bereiche wie Mittagsbetreuung oder die Nutzung von schulischer Infrastruktur wie z. B. Sportanlagen.
Die Zusammenarbeit zwischen Schulen beider Schularten kann im Interesse der jeweiligen Schülergruppen intensiviert werden. Die Kooperationsmodelle müssen sich dabei an folgenden grundlegenden Rahmenbedingungen orientieren:
Anforderungen an die Schulen
Anforderungen an das Kooperationsmodell
Das Kooperationsmodell muss der Verwirklichung der genannten Ziele dienen. Bei der konzeptionellen Ausgestaltung vor Ort sind folgende Aspekte zu beachten:

In zwei Antragsrunden konnten folgende Kooperationsstandorte genehmigt werden:

Die Ausgestaltung der Zusammenarbeit der Schularten gestaltet sich zwischen den Kooperationsmodellen durchaus vielfältig. Art und Anzahl der Angebote variieren. Dabei greift das Spektrum der Angebote eine Vielzahl der vorgesehenen Zielsetzungen den Bekanntmachungen vom 6. Dezember 2010 und 9. Januar 2012 auf. So dienen gemeinsame Intensivierungskurse bzw. Übungen in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch für schwächere Realschüler und stärkere Mittelschüler nicht nur einer Stärkung der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen beider Schularten, sondern auch einer gezielten individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler. Auf diese Weise wird insbesondere auch ein Übertritt von Mittelschülerinnen und -schülern an die Realschule nach der Jahrgangstufe 5 erleichtert werden. Gemeinsame Vorbereitungskurse für den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule zielen auf eine systematische Vorbereitung der Realschülerinnen und Realschüler, die den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule als Externe Prüflinge anstreben. Darüber hinaus werden gemeinsame berufsorientierende Projekte, Arbeitsgemeinschaften und/oder Berufsinformationsveranstaltungen jeweils in Kooperation mit bzw. unter der Leitung der heimischen Wirtschaft angeboten. Auch in dem immer wichtiger werdenden Handlungsfeld „Sicherung der Selbst- und Sozialkompetenz“ gibt es gemeinsame Maßnahmen, etwa zur Gewaltprävention, Streitschlichtung und zum Anti-Mobbing. Schließlich gibt es eine breites Spektrum an gemeinsamen Angeboten der Partnerschulen im Bereich der offenen Ganztagsangebote sowie in gemeinsamen Arbeitsgemeinschaften in den Bereichen Theater, Sport und Musik.

Die gemeinsamen pädagogischen Maßnahmen werden zumeist von gemeinsamen Lehrerkonferenzen und -fortbildungen sowie einem Austausch auf der Ebene der Elternbeiräte begleitet.

Bei den Rückmeldungen überwiegen eindeutig positive Resonanz und Lob. Dabei werden die Verbreiterung des Bildungsangebotes, die Verbesserung der Fördermöglichkeiten, Erhöhung der Teilnehmerquote externer Realschüler am Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, die Verbesserung der Transparenz der Übertrittsmöglichkeiten, das gemeinsame Schulleben und der damit verbundene Abbau von Vorurteilen zwischen den Schülern beider Schularten, aber auch die Verminderung des Übertrittsdrucks und eine erhöhte Motivation der Schülerinnen und Schüler beider Schularten genannt. Ergänzend wird zudem die Verbesserung des Austauschs auf Lehrerseite angeführt.
Eine abschließende Bewertung der Erfolgsaussichten der verschiedenen einzelnen Maßnahmen und Projekte, aber auch der unterschiedlichen Gesamtkonzeptionen der 26 Kooperationsmodelle lässt sich gegenwärtig nicht treffen.
Die hohe Bandbreite der Ausgestaltung der verschiedenen Kooperationsmodelle verdeutlicht aber, dass die Kooperationspartner die in der Bekanntmachung bewusst gesetzten Freiräume tatsächlich genutzt haben, um unter Berücksichtigung der konkreten Gegebenheiten vor Ort individuelle Modelle für eine Kooperation zu entwickeln. Die parallele Erprobung all dieser, sowohl mit Blick auf die Breite als auch die Tiefe der Zusammenarbeit, verschiedensten Formen der Kooperation wird es ermöglichen, die Kooperation zwischen Mittelschule und Realschule in ihren Auswirkungen auf die beiden Partnerschulen und ihre Schülerinnen und Schülern auszuwerten.
Das Modellvorhaben ist auf eine Laufzeit bis zum Schuljahr 2014/15 ausgelegt.
