
Mit dem Wechsel von der Grundschule an das Gymnasium begegnen die Schüler einer neuen Schulart und damit auch vielen neuen Strukturen in der Gestaltung des Unterrichts und des Schulalltags. Zur pädagogischen Koordination und Gestaltung dieses Überganges werden sogenannte „Lotsen“ eingesetzt, die auch im Bereich der Realschulen eingesetzt werden.
Wer ist als Lotse tätig?
Lotsen sind Grundschullehrkräfte, die mit einem Teil ihres Stundenkontingents an ein Gymnasium abgeordnet worden sind. Sie unterrichten dort insbesondere in der Jahrgangsstufe 5 einzelne Fächer oder halten Förderunterricht bzw. Intensivierungsstunden.
Was ist ihre Aufgabe?
Sie intensivieren die Kooperation zwischen Gymnasium und Grundschule und initiieren oder intensivieren den Erfahrungsaustausch unter den Lehrkräften der beiden Schularten.
Wie erreiche ich den Lotsen an einem Gymnasium?
Jede Lotsin und jeder Lotse richtet eine spezielle Sprechstunde pro Woche ein, um für Gespräche mit Schülern, Eltern oder Lehrkräften zur Verfügung zu stehen.
Welche weiteren Aufgabenbereich kann ein Lotse haben?
Sie können bei den Übertrittsveranstaltungen in Jahrgangsstufe 3 und 4 mitwirken. Darüber hinaus geben Sie ihre Erfahrungen an die Kollegien der Grundschule und des Gymnasiums weiter.

Die Förderung besonders Begabter stellt eine ebenso wichtige gesellschaftliche Aufgabe dar wie die Förderung von weniger Begabten. Das bayerische Gymnasium nimmt diese Aufgabe wahr durch:
Überspringen
Einem besonders befähigten Schüler wird auf Antrag der Erziehungsberechtigten das Überspringen einer Jahrgangsstufe gestattet, wenn zu erwarten ist, dass er nach seiner Reife und Leistungsfähigkeit den Anforderungen gewachsen ist. Die Entscheidung trifft die Lehrerkonferenz. Der Schüler rückt auf Probe vor.
Die Probezeit dauert in der Regel bis zur Aushändigung des Zwischenzeugnisses. Über das Bestehen der Probezeit entscheidet der Schulleiter auf der Grundlage einer Empfehlung der Klassenkonferenz. Die Entscheidung über das Bestehen der Probezeit wird auf der Grundlage der erbrachten Leistungen sowie der pädagogischen Wertung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers getroffen.
Pluskurse
Besonders begabte Schüler vor allem der Jahrgangsstufen 9 mit 11 können durch die Einrichtung von "Pluskursen" gefördert werden. Diese Kurse sollen entweder den Lehrplan eines wissenschaftlichen Faches der Stundentafel ergänzen oder aus einem wissenschaftlichen Gebiet abgeleitet werden.
Hochbegabtenklassen
In den Förderklassen werden Spitzenbegabungen ergänzend zu dem an der Stundentafel und an den Lehrplänen orientierten Unterricht durch besondere Unterrichts- und Betreuungsangebote in ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung gefördert.
Das Förderangebot richtet sich nicht nur an Kinder, deren herausragende Begabung durch entsprechende schulische Leistungen dokumentiert wird, sondern kommt auch in Fällen in Betracht, in denen zwar nur mäßige Schulleistungen vorliegen, in denen jedoch besondere Kreativität und Originalität beim Umgang mit Problemen oder Befunde der Begabungsdiagnostik das Vorliegen einer weit überdurchschnittlichen Intelligenz vermuten lassen.
In einer gemeinsamen Kabinettssitzung des Landes Baden-Württemberg und des Freistaats Bayern haben die Landesregierungen beschlossen, ihre Erfahrungen auf pädagogischem Gebiet sowie entsprechende konzeptionelle Überlegungen auszutauschen und gegenseitige Hospitationen durchzuführen. So werden ab Frühjahr 2008 Hochbegabtenzüge der beiden Länder für insgesamt vier Jahre unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) wissenschaftlich begleitet. Dabei wird die Effizienz der heute schon verwirklichten Maßnahmen an den Schulen überprüft und optimiert. Zudem sollen Modelle zur Übertragung auf die Förderung Hochbegabter in Regelklassen entwickelt werden. Erwartungen und Sichtweisen von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften werden in den Erfahrungsaustausch einbezogen und durch die geplante Studie bewertet. Dieses Projekt wird von der Karg-Stiftung großzügig unterstützt.
Zu den Untersuchungsbereichen zählen das Aufnahmeverfahren, die Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler, die Qualifikation der Lehrkräfte, die Unterrichtsdidaktik sowie die Umsetzung der Förderprinzipien der „Akzeleration“ und des „Enrichment“, wobei sich die Evaluation nicht auf die Unterrichtssituation und Leistungsentwicklung beschränkt, sondern auch Aspekte der sozialen Integration und des Arbeitsverhaltens mit einbezieht. An jedem Standort werden Hochbegabtenklassen von zwei aufeinanderfolgenden Jahrgangsstufen in die Evaluation einbezogen und zum Vergleich die Entwicklung in den Parallelklassen untersucht. Strukturierte Interviews mit Lehrkräften, Unterrichtstagebücher und Fragebögen kommen als Erhebungsmethoden für die Klärung pädagogischer und fachdidaktischer Fragestellungen zum Einsatz.
Um im Gymnasialbereich das Potenzial an Hochbegabten noch besser ausschöpfen zu können, sollen daher ab dem Schuljahr 2009/10 Förderklassen für Hochbegabte in allen Regierungsbezirken angeboten werden.
Daher werden ab dem Schuljahr 2009/10 an folgenden Schulen Förderklassen in der Jahrgangsstufe 5 eingerichtet:
Gymnasium bei St. Stephan Augsburg
Das Gymnasium bei St. Stephan Augsburg (Gallusplatz 2, 86153 Augsburg, Tel.: 0821/324-18500) ist ein Humanistisches und Musisches Gymnasium mit Latein als erster Fremdsprache.
Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth
Das Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth (Königsallee 17, 95448 Bayreuth, Tel.: 0921/79991-0) ist ein Musisches und Sprachliches Gymnasium mit Englisch als erster Fremdsprache. An der Schule besteht die Möglichkeit einer Internatsbetreuung für Schülerinnen.
Comenius-Gymnasium Deggendorf
Das Comenius-Gymnasium Deggendorf (Jahnstraße 8, 94469 Deggendorf, Tel.: 0991/36300) ist ein Naturwissenschaftlich-technologisches und ein Sprachliches Gymnasium mit Englisch als erster Fremdsprache. An der Schule besteht die Möglichkeit einer Internatsbetreuung.
Kepler-Gymnasium Weiden
Das Kepler-Gymnasium Weiden (Friedrich-Ebert-Straße 21, 92637 Weiden, Tel.: 0961/389500) ist ein Naturwissenschaftlich-technologisches und ein Sprachliches Gymnasium mit Englisch als erster Fremdsprache.
Anträge von Eltern auf Aufnahme ihres Kindes in eine Förderklasse sind über die bisherige Schule möglichst frühzeitig an das in Frage kommende Gymnasium zu richten.
Die Anträge sollen eine kurze Begründung der Bewerbung enthalten. Darüber hinaus sind mindestens folgende Unterlagen beizufügen:
Interessierte Eltern sollten sich frühzeitig bei den in Frage kommenden Schulen über besondere Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Die Schulen entscheiden auch darüber, ob Bewerber zu dem mehrstufigen Aufnahmeverfahren eingeladen werden, bei dem mittels einer Begabungstestung und eines Testunterrichts ein Urteil über die Eignung für den Besuch einer Förderklasse gewonnen werden soll. Auf der Basis der einzureichenden Unterlagen und des Aufnahmeverfahrens treffen die Schulen die endgültige Entscheidung über die Aufnahme. Ein Anspruch auf Aufnahme besteht nicht.
Elitenetzwerk-Bayern-Seminar
Für Schülerinnen und Schülern der 12. Jahrgangsstufe aus den Hochbegabtenklassen an bayerischen Gymnasien wird ab Herbst 2011 ein „Elitenetzwerk-Bayern-Seminar“ angeboten. Im Sinne einer umfassenden Persönlichkeitsbildung soll dabei neben den sogenannten „soft skills“ auch die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und Selbstreflexion besonders geschult werden. Eine große Bedeutung kommt auch der Netzwerkbildung der Teilnehmer zu. Diese Öffnung des ENB stellt eine Kontinuität der bayerischen Eliteförderung von Jgst. 5 des Gymnasiums bis ggf. zu Promotions- oder Post-Doc-Förderung dar.
Projekt „Unitag“
Seit dem Sommersemester 2011 bietet das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Zusammenarbeit mit bayerischen Universitäten das Projekt „Unitag“ an. Besonders begabte Gymnasiastinnen und Gymnasiasten werden dabei für einen Tag in der Woche vom Unterricht freigestellt und besuchen an einer Universität in ihrem Regierungsbezirk ein speziell für sie zusammengestelltes Seminarprogramm. Angeboten werden Veranstaltungen aus den MINT-Bereich sowie aus den Geistes-, Gesellschafts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Mit dem Projekt „Unitag“ werden in der Begabtenförderung an der Schnittstelle zwischen Schule und Hochschule neue Wege beschritten. Während beim „Frühstudium“ eine Festlegung auf ein bestimmtes Fach erforderlich ist, bietet der „Unitag“ eine breite Propädeutik im Sinne eines einführenden studium generale. Da es gerade Hochbegabten oft nicht leicht fällt, sich wegen ihrer vielfältigen Interessen und Talente auf ein Fachgebiet festzulegen, erhalten sie so wertvolle Hilfe bei der Studien- und Berufsorientierung.
Aus dem Kursangebot (Sommersemester 2011):

Die Studienförderung ist vorgesehen für hochbegabte Schüler der Schulen und Institutionen in Bayern, die eine Hochschulzugangsberechtigung vermitteln (50 v.H. eines Aufnahmejahrgangs) und hochbegabte Studentinnen und Studenten der bayerischen Hochschulen (50 v. H. eines Aufnahmejahrgangs); alle hochbegabten Schüler werden über ein schulisches Auswahlverfahren ausgewählt.

Leider nein. Ein Vorrücken von der 5. in die 6. und von der 6. in die 7. Klasse mit Notenausgleich ist nicht möglich.



Allgemeine Informationen
► Altsprachlicher Unterricht (PDF, s.u.)
► Humanistische Gymnasien bzw. Gymnasien mit humanistischem Zweig
► Grundkenntnisse Latein Jg. 5/6 mit 10 (Veröffentlichung des ISB)
► Abiturprüfung und Gestaltung der Schulaufgaben in Latein und Griechisch (PDF, s.u.)
► Erlaubte Hilfsmittel (PDF, s.u.)
► Schreiben des Kultusministeriums (KMS) zum altsprachlichen Unterricht ab dem Schuljahr 2004/05 (PDF, s.u.)
E-Paper: Das Humanistische Gymnasium in Bayern
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Unter dem Titel "Streitsache Dialekt" setzt sich Studiendirektor Hermann Ruch (ISB) in dem Artikel der Lehrerinfo 2/06 mit dem Thema Dialekt in der Schule auseinander.
Sommer – Ferien – Reisezeit. Wer dann dem Lockruf der Ferne widersteht und in der Heimat bleibt, kann auch dort einiges erleben: beim Urlaub auf dem Bauernhof mit seinen Kindern, entlang der romantischen Straße vom Allgäu bis nach Unterfranken, bei einer Kanufahrt und Radltour im Altmühltal oder auf einsamen Pfaden im Naturpark Bayerischer Wald. Im Sommer 2006 haben zudem die große Frankenausstellung in Nürnberg und die Landesgartenschau in Marktredwitz, die jenseits der Grenze in Eger ein attraktives Pendant findet, ihre Tore geöffnet.
Ferien in Bayern – das bedeutet stets die Begegnung mit einer traditionsreichen Kulturlandschaft, zu der auch heute noch eine Vielzahl von Dialekten gehört.
Die Mundart lebt, allen Gefährdungen und Unkenrufen zum Trotz. Mit dem lokalen und regionalen Brauchtum und seinen Festen bewahrt sie die Identität des Einzelnen wie die des Freistaats im Ganzen. Das unverwechselbare „ou“ der Oberpfalz, die Mutation des „s“ zum „sch“ im Schwäbischen oder der Zusammenfall von „p“ und „t“ mit „b“ und „d“ im Fränkischen, die so genannte „binnendeutsche Konsonantenschwächung“ – die Sprache zeigt, woher wir kommen, wer wir sind, zuhause wie in der Fremde.
Mundart im Aufwind
Das Thema „Mundart“ erfreut sich gegenwärtig großer Beliebtheit. Der Bayerische Rundfunk strahlte 2003 die ersten Folgen seiner zehnteiligen Sendereihe Dialekte in Bayern aus, die in Zusammenarbeit mit den renommiertesten Dialektforschern der bayerischen Universitäten entstand und seither mehrmals wiederholt wurde.
2004 organisierte der BR den Wettbewerb „Mein liebstes Bayerisches Wort“, zu dem mehr als 10.000 Vorschläge eingereicht wurden. „Fei“, „dantschig“, „Gnärzla“ und „schdriala“ gewannen.
2005 erschien die Neuauflage des „Bairischen Duden“, Ludwig Zehetners Bairisches Deutsch. Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern. Es folgten der an der Universität Passau erarbeitete Sprechende Sprachatlas von Niederbayern (SNIB) sowie der Kleine Bayerische Sprachatlas der Augsburger Mundartforscher Werner König und Ludwig Renn. Grundlage hierfür waren die Ergebnisse des seit mehr als zwei Jahrzehnten an fünf bayerischen Universitäten betreuten Sprachatlas-Projekts, für das seit den 1980er-Jahren fast tausend Gewährspersonen in allen Regionen Bayerns befragt wurden. Mittlerweile sind 21 dickleibige Bände erschienen, zuletzt der über München und Umgebung, 14 weitere sind in Vorbereitung.
Bleibt noch Band 1 des lange erwarteten Bayerischen Wörterbuchs der Kommission für Mundartforschung bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu erwähnen mit dem augenzwinkernden Titel Von A bis Bazi.
Die Fertigstellung dieses Monumentalwerks, das die Tradition des Bayerischen Wörterbuches (1827–1838) von Johann Andreas Schmeller fortsetzt, dürfte allerdings noch etwas auf sich warten lassen. 12 Millionen Belege der bayerischen Kultur-und Sozialgeschichte erschließen sich nicht von heute auf morgen.
Impulse vom Salvatorplatz
Das Kultusministerium stellte den bayerischen Schulen die umfängliche Handreichung Dialekte in Bayern zur Verfügung, die die gleichnamige Sendereihe des Bayerischen Rundfunks für den Unterricht aufbereitet. Die ISB-Handreichung Drunt in da greana Au bietet 96 für das Grundschulalter geeignete Lieder und Melodien aus allen bayerischen Regionen, zu denen Erläuterungen und Gestaltungsvorschläge gegeben werden. Ebenfalls mit Musik und Mundart hat es ein Wettbewerb der Stiftung art 131 und der Regensburger Mundart-AGEH zu tun, der alle bayerischen Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 zur Einsendung selbst komponierter Mundartlieder einlud. Die Siegertitel werden auf einer CD veröffentlicht, die Siegerbands zu einer Probenwoche mit Bühnenprofis eingeladen, bevor sie auf den Mundart-Festivals des Jahres 2006 live auftreten dürfen. Jüngst sorgte das von der Biermösl Blosn begleitete Fortbildungsprojekt Auftanz für Furore, das Volkstänze und Volkslieder für Kinder und Jugendliche vermittelt.
Mundart in Not
Ursachen für den Niedergang der Mundart gibt es viele. Manche davon reichen weit zurück wie die Erfindung des Buchdrucks und die Bibelübersetzung Martin Luthers, der Verlust der Kleinräumigkeit im Prozess der Herausbildung der arbeitsteiligen Industriegesellschaft oder die folgenreiche Normierung der deutschen Bühnensprache durch Theodor Siebs gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Andere sind jüngeren Datums wie der tief greifende gesellschaftliche Wandel in Stadt und Land seit 1945 und der allgegenwärtige Einfluss der Medien, die die bayerischen Mundarten zu einem Nischendasein verdammen oder ins Unterhaltungsgenre abdrängen. Ganz offensichtlich hat der Siegeszug der hochdeutschen Standardsprache auch mit einem Minderwertigkeitskomplex der Bayern selbst zu tun, denen Schriftsteller wie Johann Christoph Gottsched seit der Aufklärung das Etikett eines intellektuell eher mminderbemittelten Naturvolks anhefteten. Vielleicht auch deshalb riefen Königshaus und Wirtschaft Scharen von Nordlichtern ins Land, deren sprachliche Hinterlassenschaft und Gegenwart kaum zu überhören sind: Sahne statt Rahm, Kohlroulade statt Krautwickerl, Rettich statt Radi, Rotkohl statt Blaukraut, Murmeln statt Schusser.
Geij bou, dassd fei schee schmaadzd!
„Gell Bub, dass du mir ja schön redest!“ Diese Ermahnung seiner Mutter hörte der Oberpfälzer Schriftsteller Josef Fendl jeden Tag, bevor er vor nunmehr gut sechzig Jahren zur Schule in die Stadt aufbrach. „Schee schmaadzen“, das meinte „nach der Schrift“ reden und die Regeln der Standardsprache beherzigen, die im Zuge der nationalen Vereinheitlichungsbestrebungen des 19. Jh. in den deutschen Klassenzimmern zum erklärten Erziehungsziel erhoben wurden. „Ein Staat, eine Sprache“ lautete das Motto. Hochdeutsche Sprachratgeber, Wörterbücher und Grammatiken normierten fortan, was richtiges, gutes und schönes Deutsch sei – im Schriftlichen wie im Mündlichen. Schon 1867 monierte deshalb Rudolf Hildebrand, dass den Dorfschullehrern das Hochdeutsche „ihr neues Latein“ geworden und dies eine Sprache sei, die vom Lehrer ebenso hoch bewertet würde, wie sie den Schülern fremd sei.
Die sicherlich folgenreichste Debatte jüngeren Datums zum Verhältnis Dialekt und Schule stellt die so genannte Spachbarrierendiskussion der 1960er- und 1970er-Jahre dar, die von dem Engländer Basil Bernstein ausgelöst wurde. Dieser stellte dem elaborierten Code der Ober-und Mittelschicht den angeblich restringierten Code der Unterschicht gegenüber. Die hieraus resultierende Defizithypothese empfahl einen kompensatorischen Sprachunterricht, um möglichst allen Kindern den sozialen Aufstieg zu ermöglichen.
Um die Mundart in der Schule war es seither schlecht bestellt. Sie wurde erneut als defizitäres Sprachsystem stigmatisiert und als minderwertig abgelehnt.
Dialekt macht schlau
Kritiker Bernsteins wie William Labov kritisierten die vorschnelle Gleichsetzung von Sprache und Denken. Sie wandten sich gegen Bernsteins normativen Ansatz und forderten dazu auf, unterschiedliche sprachliche Ausdrucksformen nicht als Mangel, sondern wertfrei als lediglich andersartig zu interpretieren. Dies bahnte den Weg für die Varietätenlinguistik, die das Konzept der inneren und äußeren Mehrsprachigkeit entwickelte. Ziel des schulischen Sprachunterrichts ist demnach die Herausbildung einer möglichst umfassenden und breit gefächerten Sprachkompetenz, die es dem Sprecher erlaubt, flexibel auf die jeweilige Kommunikationssituation einzugehen. Fremdsprachen und die Mundart spielen dabei eine wichtige Rolle.
Zumal die Spracherwerbs-und Hirnforschung unterstützen diese Ansicht und verweisen auf die sprachlichen, sozialen und kognitiven Vorteile einer mehrsprachigen Erziehung ausgehend von der jeweiligen Muttersprache, die zwangsläufig zu einem erhöhten Sprachbewusstsein führt. Demnach ist es kein Wunder, dass ausgerechnet jene deutschen Länder im Bereich Lesen und Textverständnis die besten PISA-Ergebnisse erzielten, die am stärksten dialektgeprägt sind: Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und – als Spitzenreiter – Bayern.
Kontakt:
e-mail: hermann.ruch@isb.bayern.de
Die Handreichung „Dialekte in Bayern“ kann unter www.isb.bayern.de (Publikationen) als pdf heruntergeladen werden.
Die Broschüre „Drunt in da greana Au“ kann über das ISB München, Schellingstraße 155, 80797 München (Preis 3,00 Euro, Voreinsendung in Briefmarken) angefordert werden.

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