Mein Bericht aus Sotschi: Schülerin Alona erzählt über ihre Erlebnisse bei Olympia

Alona Bartenschlager fühlt sich jetzt schon wie eine Goldmedaillengewinnerin: Zusammen mit ihren Eltern darf die Gymnasiastin aus Eichstätt zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi fahren. Die 13-jährige berichtet ab jetzt regelmäßig von ihren Erlebnissen und Eindrücken in der Stadt am Schwarzen Meer.

Natürlich war die Freude bei Alona riesengroß, als sie von ihrem Glück erfuhr: Ihr Vater fährt als Journalist nach Sotschi zu den Olympischen Winterspielen und sie darf ihn begleiten. Bezugspunkte zu der russischen Stadt am Schwarzen Meer gibt es für die Sechstklässlerin bereits: Ihre Mutter ist in Sotschi geboren und aufgewachsen. Von ihr hat Alona auch schon etwas russisch gelernt, vielleicht hilft ihr das bei ihrem Aufenthalt.

Begeisterung für Sport und Musik

Derzeit besucht sie ein musisches Gymnasium in Eichstätt, darf aber für die Zeit der Olympiade auf Reisen gehen. Alona spielt Geige und ist leidenschaftliche Sportlerin: Tennis, Turnen und Reiten gehören ebenso zu ihren Interessen wie Skifahren. Bei den Winterspielen wird sie sicherlich beeindruckende Leistungen der Spitzensportler erleben dürfen. Aber auch die Stadt Sotschi und das Umfeld der Spiele bieten jede Menge spannender und interessanter Erlebnisse.

Alona findet: Die Daheimgebliebenen sollen auch etwas von ihrer Reise haben. Deshalb schreibt sie hier regelmäßig über ihre Eindrücke und vielleicht auch das, was die Fernsehbilder nicht zeigen können.

Alonas vierter Bericht vom 21. Februar 2014

Der Curling-Wettbewerb im Stadion

Der Curling-Wettbewerb im Stadion "Icecube"

Mein Papa hat Eintrittskarten für meine Mama und mich für Curling besorgt. Da war ich am Anfang gar nicht so sehr begeistert, denn ich dachte Curling ist langweilig. Wir sind sind zusammen in ein Stadion gegangen, das Icecube heißt. Dort finden die Curlingwettbewerbe statt. In der Halle gibt es vier Bahnen, die von A bis D durchnummeriert sind. Auf jeder spielen zwei Mannschaften, jede hatte vier Spielerinnen. Eine Mannschaft hat rote Steine, die andere gelbe Steine. Jedes Team versucht, seine Steine so nah wie möglich ins Ziel zu bringen und dabei die gegnerischen Steine wegzustoßen. Es gibt mehrere Durchgänge. Dabei stellte sich heraus, dass Curling ganz spannend ist. Bald fieberte ich auch mit, ob es einer Mannschaft gelingt, andere Steine wegzubringen oder so zu platzieren, dass sie den Gegner blockieren.

Lustig ist zu sehen, wie immer zwei Spielerinnen mit einer Art Besen vor dem Stein wischen, um ihn zu beschleunigen oder ihm eine etwas andere Richtung zu geben. Meine Mama hat gesagt, dass das ein bisschen wie Schach ist. Nach jedem Stoß beraten die Spielerinnen, die an der Reihe sind, wie sie den nächsten Stein spielen sollen und wohin er kommen soll. Manchmal wusste ich gar nicht, auf welche der vier Bahnen ich schauen sollte. Es waren viele Fans in der Halle. Japaner hatten ihre Fahne aufgehängt. Es gab auch eine deutsche Gruppe mit Fahnen, obwohl gar keine deutsche Mannschaft am Start war.

Vor mir war eine Mama mit ihrer Tochter, die eine britische Fahne geschwenkt hat. Sie war aber ganz klein und manchmal ist sie in den Armen von ihrer Mama eingedöst. Die meisten Zuschauer waren aber Russen. Sie hatten nicht nur russische Fahnen dabei, sondern auch Mützen in den russischen Farben oder sie hatten sich die russischen Fahne mit Farben ins Gesicht gemalt. Das sah lustig aus.

Auf mehreren großen Fernsehern konnten alle genau sehen, wohin der nächste Stein kommen würde und jeder hat seine Mannschaft angefeuert. Zwischendrin sind wir auch mal raus, weil es draußen etwas zu essen und zu trinken gab. Ich habe mir eine Fleischpastete gekauft und eine Cola. Einmal wusste ich nicht mehr genau, wo mein Eingang war, weil die Halle so groß war, aber ein Volunteer war so nett und hat mir gesagt, wo ich hingehen muss.

Es dauerte etwa zwei Stunden, bis die Spiele beendet waren. Am Schluss spielten nur noch die Mannschaften auf der Bahn B. Als die Mannschaft aus Dänemark ihren letzten Stein hatte, holte sie sogar ihren Trainer, um ihn um Rat zu fragen. Sie diskutierten lange und der Trainer machte wellenförmige Bewegungen mit dem Arm. Der Stein war glaube ich ganz gut. Dann waren die Engländerinnen dran. Auch sie holten ihren Trainer. Die Zuschauer feuerten sie an, wie zuvor die Däninnen. "Dawai, dawai", rief ein russischer Zuschauer vor mir. Aber irgendetwas ging schief. Der Stein lief nicht so, wie er sollte. Dänemark gewann und alle applaudierten. Curling werde ich mir jetzt öfter anschauen.

Tschüss Euere Alona

Alonas dritter Bericht vom 19. Februar 2014

Alona mit zwei Kosaken-Polizisten in Krasnaja Poljana

Alona mit zwei Kosaken-Polizisten in Krasnaja Poljana

Heute will ich von einem Biathlon-Wettbewerb erzählen. Den haben wir nicht gesehen, weil wir zu spät kamen, aber das hat gar nichts gemacht. Aber von vorne: Mit dem Bus sind wir von der Stadtmitte nach Krasnaja Poljana gefahren, das dauert über zwei Stunden. Dort angekommen, mussten wir durch eine Sicherheitsschleuse. Meinen Anorak, meinen Rucksack und was ich in den Taschen hatte, musste ich in eine Plastikschale legen und alles zusammen wurde geröntgt. Ich selbst wurde mit einer Sonde abgetastet. Dann durften wir weiter.

In Krasnaja Poljana ist ein ganz neues Dorf entstanden und viele neue Skigebiete. Wir mussten erst fragen, bevor wir an die richtige Seilbahnstation kamen. Es war schon finstere Nacht, als wir oben ankamen. Dort aber war es taghell, weil es so viele Lampen gab. Der Wettbewerb war gerade zu Ende und viele Leute kamen uns entgegen. Wir haben dann erst einmal alles angeschaut und uns etwas zu essen gekauft. Da standen im Freien Stehtische, aber keiner war frei. Eine russische Familie hat uns an ihren Tisch eingeladen.

Nebenan gab es einen kleinen Hügel und da sind Kinder auf Plastiktüten heruntergerutscht. Auch ein paar Schneemobile standen herum. Ich wäre gern mit einem gefahren. Die Fahrer waren sehr freundlich, aber sie haben gesagt, dass sie niemanden mitnehmen dürfen, nur Sportler und Funktionäre. Schade. Gleich neben dem Gelände standen nette Häuser mit verschiedenen Flaggen. Mein Papa hat gefragt, wer da wohnt. Es waren die Wohnungen der Biathleten und der Langläufer, die hier gleich neben ihrem Sportgelände untergebracht sind. Wenn die Olympischen Spiele vorbei sind, werden daraus Ferienwohnungen oder Hotels. Ein richtiges Hotel gibt es jetzt schon, eingerichtet mit viel Holz.

Wir haben so viel angeschaut, dass wir zu spät zu unserer Gondel gekommen sind. Die war schon geschlossen. Wir wussten erst nicht, was wir tun sollten. Zwei Engländern ging es genauso. Doch dann kam ein Mann namens Alexander. Er arbeitet dort oben und wusste, dass es noch eine zweite Gondel gibt. Er hat uns dorthin mitgenommen und ist mit uns runter gefahren. Es war eine viel größere Gondel als die erste und es ging steil nach unten. Während der Fahrt habe ich mich mit den Engländern unterhalten. Einer von ihnen konnte sogar Deutsch. Alexander hat mir noch ein Autogramm von einem Biathleten gegeben und uns eingeladen, ihn wieder zu besuchen.
 

So, das war’s für heute. Tschüss Euere Alona

Alonas zweiter Bericht vom 13. Februar 2014

Alona mit der deutschen Olympiateilnehmerin Laura Grasemann (links)

Alona mit der deutschen Olympiateilnehmerin Laura Grasemann (links)

Auf der Buckelpiste bei den Olympischen Spielen laufen die Wettkämpfe. Auch wir haben Eintrittskarten. Vor Kurzem waren wir in Krasnaja Poljana im Extrempark, um Freestyle anzuschauen. Mit dem Bus sind wir nach oben gefahren. Die Fahrt dauerte vom Zentrum zwei Stunden. Im Bus lief ein Fernseher mit einem lustigen Film. In den Bus durfte aber nur einsteigen, wer eine Akkreditierung oder einen Zuschauerpass hatte. Dafür war die Fahrt kostenlos.

Als wir angekommen sind, waren im Bahnhof viele Volunteers, also freiwillige Hilfskräfte, die uns sehr nett und lustig begrüßten. Dann mussten wir durch die Kontrolle. Alle Taschen und Jacken kamen in einen Plastikbehälter und wurden geröntgt. Ich selber musste durch eine Metallschleuse gehen. Anschließend durfte man entweder mit dem Bus oder mit der Gondel nach oben fahren. Wir sind mit der Gondel gefahren, da dies schneller ging. Als wir oben angekommen waren, waren dort wieder lauter Volunteers, die uns den Weg gezeigt haben. Nochmals mussten wir eine Kontrolle passieren und den Zuschauerpass und die Eintrittskarte zeigen.

Auf dem Weg zur Zuschauertribüne gab es Trink- und Essbuden. Die Zuschauertribüne und der Bereich für die Stehplätze waren ganz voll. Die Menschen jubelten und feuerten jeden Sportler an. Viele hatten Fahnen dabei. In Freestyle war das Finale der Frauen im Buckelpistenfahren. Beim Buckelpistenfahren mussten die Sportlerinnen auch über zwei Rampen und dabei verschiedene Sprünge zeigen: Salto oder eine Drehung. Die Veranstaltung war mitten in der Nacht, aber es gab so viele Strahler, dass es taghell war. Weil man von unten die Läuferinnen nicht so gut sehen konnte, war ein riesiger Bildschirm aufgestellt. Während die Sportlerinnen unterwegs waren, dröhnten aktuelle Hits aus den Lautsprechern. Es gab drei Läufe. Gewonnen hat eine Kanadierin. Alle freuten sich und klatschten. Ich habe dann eine deutsche Sportlerin getroffen. Laura Grasemann ist bei den Buckelpisten aber schon früh ausgeschieden und war etwas traurig. Sie hat mir gesagt, dass sie mehr erwartet hat. Mein Papa hat dann ein Bild von Laura Grasemann und mir machen dürfen. Dann sind wir nach Hause gefahren, wieder mit dem Bus.

Das wars für heute. Eure Alona.

Alonas erster Bericht vom 7. Februar 2014

Auch Alona durfte die Fackel des Olympischen Feuers in die Hand nehmen

Auch Alona durfte die Fackel des Olympischen Feuers in die Hand nehmen

Vor einigen Tagen bin ich in Sotschi angekommen. Mein Papa arbeitet hier während der Olympischen Spiele und ich habe mit meiner Mama mitkommen dürfen. Meine Mama ist in Sotschi geboren und aufgewachsen. Auch ich kenne diese Stadt und spreche selbst russisch. Von der Schule bin ich beurlaubt.

Das erste große Ereignis war der Fackellauf. Das Olympische Feuer ist durch ganz Russland getragen worden und jetzt ist es in Sotschi angekommen. Ein guter Freund meiner Eltern war einer der Läufer. Valerij Dovgan ist Oberst und ist für den Sportbereich der russischen Armee in Rostow zuständig und er durfte ein Stück mit der Fackel laufen.

Die große Straße vor dem Zirkus in Sotschi war abgesperrt. Sehr viele Menschen waren da, alle haben sich voll gefreut, sie jubelten und schwenkten Fahnen. Musik spielte und alle waren aufgeregt. Dann ging es los. Zuerst kamen Polizeiautos, es folgte ein Lastwagen von Coca Cola und schließlich ein bunter Bus mit der Aufschrift Sotschi.

Schließlich kam Valerij Dovgan. Er hatte eine bunte Jacke an, weiße Hose, eine farbig verzierter Mütze auf und Handschuhe, bei denen jeder Finger eine andere Farbe hatte. Überall standen Polizisten. Ungefähr 100 Meter ist Valerij gelaufen, und alle haben ihn angefeuert und geklatscht. Dann übergab er die Fackel an den nächsten Läufer. Die Fackel ist etwa einen Meter lang und in den Farben rot und silber. Nachdem der Lauf vorbei war, habe ich die Fackel halten dürfen.Zu meinem Erstaunen war sie nicht so schwer. Da bin ich mir fast selber wie eine Läuferin vorgekommen. Das mit der Fackel war möglich, weil die Läufer die Fackel behalten durften. Für seine Enkel will Valerij Dovgan sie aufheben, sagt er. Und ich habe mein Erinnerungsfoto.

Das wars fürs erste. Tschüss Alona.

Stand: 13. Februar 2014 // Bilder: Alona Bartenschlager

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