100 Jahre Rupprecht-Gymnasium: Erfüllte Vergangenheit und erfolgreiche Zukunft

Auf turbulente Zeiten kann das Rupprecht Gymnasium in München zurückblicken – Kultusminister Ludwig Spaenle erinnerte auf der 100-Jahr-Feier an Kriegswirren, Revolutionen und Papierknappheit. Nun hat die Schule alle Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt.

Eine lebhafte Schule mit einer lebhaften 100-Jahr-Feier: Für ihr Fest hatte die Schulfamilie des Rupprecht Gymnasiums den Carl-Orff-Saal im Gasteig in München organisiert. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer hatten ein buntes Festprogramm auf die Beine gestellt.

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle verdeutlichte in seiner Laudatio, dass auch die Geschichte der Schule lebhaft, wenn nicht gar turbulent war. Am 25. September 1911 wurde der Unterricht aufgenommen – an der Königlichen Rupprecht-Kreisrealschule. Die offizielle Einweihungsfeier war dann erst im Mai 1912 „nach einem Halbjahr ernster, stiller Arbeit“, wie es in der Schulchronik heißt. Historiker Ludwig Spaenle erinnerte daran, dass 1912 im kollektiven Gedächtnis vor allem mit Katastrophen und Tragödien verbunden wird: „Die Welt war bestürzt über den Untergang der Titanic, in Bayern starb der hochgeschätzte und beliebte Prinzregent Luitpold in hohem Alter“, berichtete der Minister.

Schüler und Lehrkräfte hatten ein buntes Showprogramm organisiert

Schüler und Lehrkräfte hatten ein buntes Showprogramm organisiert

Der Kronprinz und Enkel von Luitpold, Kronprinz Rupprecht, war dann der Namensgeber für die Schule. „Kaum war die Schule eröffnet, wurde sie bereits in die Wirren des Ersten Weltkriegs hineingezogen, der zwei Jahre später ausbrach“, so Ludwig Spaenle, „nach Kriegsende wurde die Schule dann als Schauplatz in die Wirren der Revolution hineingezogen: Sie wurde im Auftrag des Soldatenrates der Republikanischen Schutzgruppe zur Verfügung gestellt. Als Regierungstruppen gegen im Gebäude vermutete Angehörige der Roten Armee vorgingen, trug die Ostfassade des Gebäudes 1919 erheblichen Schaden davon“, so Ludwig Spaenle. Doch danach begann für die Schule „eine Zeit des Aufschwungs“: Sie wurde zur neunstufigen Oberrealschule erhoben – das war die damalige Bezeichnung für ein Gymnasium ohne Lateinunterricht. 1926 wurde die Kreisschule vom Staat übernommen, es folgte dann der Wandel zur Staatlichen Rupprecht-Oberrealschule.                 

Verheerende Wirkung hatte dann der Zweite Weltkrieg, für das Schulgebäude, für die Lehrer und die Schüler: „Der Schülerjahrgang 1927/1928 wurde 1943 zwangsweise als Luftwaffenhelfer eingezogen“, berichtete Minister Spaenle, „1944 wurde das Gebäude infolge von Luftangriffen so stark beschädigt, dass für die wenigen in München verbleibenen Schüler der Unterricht in Wittelsbacher-Gymnasium ausgelagert werden musste“.

Nach Kriegsende ging der Schulbetrieb in großer Not weiter: „Es gab keine Heizung und nur wenig Papier sowie Schreibgerät, weshalb schriftliche Arbeiten – sicherlich nicht nur zum Bedauern der Schüler – nur in geringerem Umfang durchgeführt werden konnten“, so der Kultusminister. Erst im Jahr 1950 war das Schulgebäude wiederhergestellt, doch die Raumnot war nicht vorbei: Nun musste das Rupprecht-Gymnasium zusätzlich dem Ludwigsgymnasium als Zufluchtsort dienen.

1964 wurde der Name der Schule in Rupprecht-Gymnasium geändert, im gleichen Jahr wurde ein neusprachlicher Zweig angegliedert. Dann wurde im Jahr darauf der naturwissenschaftliche Trakt auf der gegenüberliegenden Straßenseite eröffnet, der durch eine Brücke mit dem alten Schulgebäude verbunden ist. Pädagogisch bedeutsame Ereignisse in der Folgezeit stellten die Einführung eines Leistungszugs für besonders begabte Schüler 1967/1968 sowie der Beginn der Kursphase der Kollegstufe 1977 dar.

Seit 1980 dürfen die bis dahin nur Buben vorbehaltene Schule auch Mädchen besuchen. 1982 wurde das Rupprecht-Gymnasium eine internationale Schule, an der zunächst zweisprachig serbokroatisch-deutsch unterrichtet wurde. Diese Entwicklung mündete schließlich 1994 in den Schulversuch Europäisches Gymnasium. Mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 wurde schließlich die neue Mensa mit neuen Klassenräumen und einem Kommunikationssaal eröffnet.

Heute habe das Rupprecht-Gymnasium ein sehr stark ausgeprägtes Schulprofil, sagte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle: „Besonderer Wert wird auf die Stärkung des Grundwissens gelegt. Ein reiches Angebot an Fördermaßnahmen für schwächere, aber auch für besonders begabte Schüler gehört ebenso selbstverständlich zum Programm des Rupprecht-Gymnasiums wie Hilfen zur Berufsorientierung oder Instrumentalklassen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die gezielte Sprachunterstützung für Migranten“, so der Minister. „Das pädagogische Profil des Rupprecht-Gymnasiums umfasst vielerlei Facetten, angefangen von der engen Abstimmung mit der Grundschule, über die Bildung von Lehrerteams für bestimmte Klassen, die lange Tradition des Seminarbetriebs für die Lehrerbildung sowie die engen Kontakte zu LMU und TUM. Daneben gibt es ein umfangreiches Angebot an Musikensembles und Theatergruppen, an Wettbewerben in unterschiedlichen Fachbereichen sowie an AGs“, würdigte  der Minister.

Abschließend sagte Ludwig Spaenle: „Zentral für das Gymnasium ist und bleibt die Leistungsorientierung, die als Markenzeichen des bayerischen Gymnasiums seinen guten Ruf begründet und die Studierfähigkeit der Absolventen garantiert. Durch die Ergebnisse der bayerischen Schülerinnen und Schüler im Vergleich mit anderen Ländern wird diese hohe Qualität auch immer wieder bestätigt. Diese gilt es auch in Zukunft zu sichern. Das gymnasiale Bildungsideal ist daher nicht auf kurzfristigen Wissenserwerb ausgerichtet, sondern auf Nachhaltigkeit.“

Stand: 23. Juli 2012 / Fotos: Rupprecht-Gymnasium

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