Seit dem Schuljahr 1996/97 ist im Freistaat Bayern die schulische Betreuung von Kindern aus Schaustellerfamilien, von Zirkusangehörigen und von fahrenden Personen neu geregelt und organisiert. Grundlage hierfür stellt die Amtliche Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 7. Februar 1996 dar.
Die Zielsetzung des Konzepts besteht darin, die Kontinuität der schulischen Förderung während der Reisezeit zu verbessern. Dies soll durch die Strukturmodelle "Stammschule" und "Stützpunktschule" sowie das "Schultagebuch" erreicht werden. Die Vernetzung der drei Modelle soll gewährleisten, dass die Schüler intensiver als bisher betreut und unterstützt werden. Dabei sollen ihnen grundlegende Bildungsinhalte im Unterricht vermittelt, aber auch Möglichkeiten der selbstständigen Weiterarbeit während der Reisezeit aufgezeigt werden. Bei den Eltern sollen Verständnis und Bereitschaft für einen kontinuierlichen Schulbesuch ihrer Kinder verstärkt werden.

Die Stammschule
Stammschule ist die Grund- oder Hauptschule, die der Schüler am Winterstandort oder in der reisefreien Zeit besucht. Sie führt die Schülerakten, hilft bei Lernschwierigkeiten im Rahmen der inneren Differenzierung, bereitet mit Eltern und Kindern gemeinsam die schulischen Aufgaben der neuen Reisesaison vor und führt nach Ende der Reisesaison den Schüler wieder an den Lernstand der Klasse heran.
Die Stammschule stellt die Lernmittel und das Schultagebuch bereit, stellt die Zeugnisse aus und entscheidet über das Vorrücken. Der Klassenlehrer der Stammschule hält mit den Eltern Kontakt auch während der Reisezeit, gibt ihnen Auskunft über den Wissensstand des Kindes und über mögliche Fördermaßnahmen.
Die Stützpunktschule
Stützpunktschule ist eine Grund- oder Hauptschule, die in unmittelbarer Nähe des gewöhnlichen Festplatzes liegt und die in jedem Schuljahr von einer größeren Anzahl von Kindern beruflich Reisender besucht wird. Sie ist auf die Betreuung reisender Kindern besonders eingestellt und hat die Aufgabe, jedes Kind nach den im Schultagebuch ausgewiesenen Lernplänen und den mitgebrachten Schulbüchern bestmöglich zu fördern. Die Eintragungen im Schultagebuch geben der Stützpunktschule Hinweise auf den aktuellen Leistungsstand sowie Empfehlungen zur Weiterarbeit. An jeder Stützpunktschule wird der Lernstand des Kindes im Schultagebuch dokumentiert und in einem Lernbericht festgehalten. Ebenso werden Empfehlungen für die Weiterarbeit an der nächsten Schule ausgesprochen. Eine Kopie des Lernberichts muss bei Abreise des Kindes an die Stammschule geschickt werden. Für die Dauer des Aufenthalts sollte sich die Stützpunktschule um ggf. Möglichkeiten der Mittags- und Hausaufgabenbetreuung bemühen.
Das Schultagebuch – Verwendung ab dem Schuljahr 2005/06
Ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen Stammschule und Stützpunktschulen ist unverzichtbarer Bestandteil des Konzepts, insbesondere geht es dabei um Informationen über den Lernfortschritt der Kinder.
Um dies für alle zu erleichtern und durchschaubar zu machen, wurden Schultagebücher zunächst für die Grundschule und 1998 für die Hauptschule eingeführt. Sie enthalten allgemeine Informationen und Hinweise für Eltern und Lehrkräfte sowie Minimallehrpläne für die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch (Hauptschule).
Im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) wurde nun ein bundeseinheitliches Schultagebuch entwickelt. Die bislang verwendeten Schultagebücher werden entsprechend modifiziert und sollen ab dem Schuljahr 2005/06 in Bayern wie folgt eingesetzt werden:
Der allgemeine Teil des Schultagebuches wird durch die Vorlagen des bundeseinheitlichen Schultagebuches ersetzt. Sie enthalten Informationen für die Stützpunktschulen, einen Schülerpersonalbogen, eine Vorlage für den Bericht der Stammschule zur Lernausgangslage, einen Schulbesuchskalender, eine Vorlage für einen Lernstandsbericht der Stützpunktschule sowie einem individuellen Lernplan für die Reise. Damit ist es möglich, den Leistungsstand und den Lernfortschritt des einzelnen Schülers zu dokumentieren, wodurch eine größere Kontinuität im Lernprozess erreicht werden soll.
Dieser Teil steht unten als Download zur Verfügung.
Das Schultagebuch beinhaltet außerdem Minimallehrpläne für die Fächer Deutsch und Mathematik, in der Hauptschule auch für das Fach Englisch. Sie stellen das Grundwissen heraus, das den Schülern in der jeweiligen Jahrgangsstufe vermittelt werden soll. Der Katalog der Minimallernziele ist unabhängig von bestimmten Schulbüchern konzipiert, das heißt mit allen derzeit für Bayern und auch in den anderen Bundesländern zugelassenen Schulbüchern in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch erreichbar. Somit kann damit länderübergreifend gearbeitet werden.
Die Minimallernziele wurden auf der Grundlage der neuen Lehrpläne für die bayerische Grundschule von 2000 und für die bayerische Hauptschule von 2004 überarbeitet. Sie ersetzen die bisher verwendeten Minimallernziele der Schultagebücher.

Aufgaben der Mobilen Bereichslehrer
Der Mobile Bereichslehrer betreut in seinem Einsatzgebiet reisende Zirkus- und Schaustellerunternehmen. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen die unmittelbare schulische Förderung der Kinder, die Koordinierung der schulischen Betreuung sowie die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Zirkus- und Schaustellerfamilien. Durch individuelle Unterrichtsarbeit auf dem Festplatz oder in der Schule des Aufenthaltsortes sollen die schulpflichtigen Kinder der Familienzirkusse und Schaustellerunternehmen intensiv gefördert werden, vor allem im Bereich der grundlegenden Fähigkeiten in Mathematik und Deutsch.
Aufgabe des Mobilen Bereichslehrers ist es u. a.
In der reisefreien Zeit steht der Mobile Bereichslehrer für die regelmäßige Betreuung der Schüler an den Stammschulen sowie für die Beratung der Erziehungsberechtigten zur Verfügung. Eine stetige Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Lehrern der Stammschulen unterstützt und verbessert die Kontinuität der Förderung und damit der schulischen Ausbildung der Zirkus- und Schaustellerkinder.


Ansprechpartner für Bayern
Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
Helmut Krück, Ministerialrat
Salvatorstraße 2
80333 München
Tel.: 089 2186-2470
E-Mail: helmut.krueck@stmuk.bayern.de
Ansprechpartner bei den Bezirksregierungen
Regierungsbezirk Oberbayern
Dr.Eva-Maria Post, Institutsrektorin
Maximilianstr. 39
80538 München
Tel.: 089 2176-2967
E-Mail: eva-maria.post@reg-ob.bayern.de
Regierungsbezirk Niederbayern
Ulrike Fuchs, Ltd. Schulamtsdirektorin
Regierungsplatz 540
84028 Landshut
Tel.: 0871 808-1515
E-Mail: ulrike.fuchs@reg-nb.bayern.de
Regierungsbezirk Oberpfalz
Abt. Schul- und Bildungswesen
German Bausch, Konrektor
93039 Regensburg
Tel: (0941) 5680-510
E-Mail: german.bausch@reg-opf.bayern.de
Regierungsbezirk Oberfranken
Abt. Schul- und Bildungswesen
Stephan Doerfler, RSchR
95420 Bayreuth
Tel.: 0921 604-1380
E-Mail: stephan.doerfler@reg-ofr.bayern.de
Regierungsbezirk Mittelfranken
Abt. Schul- und Bildungswesen
Joachim Schnabel, Seminarrektor
91511 Ansbach
Tel.: 0981 531-492
E-Mail: joachim.schnabel@reg-mfr.bayern.de
Regierungsbezirk Unterfranken
Bertram Odoj, Lehrer
Peterplatz 9
97070 Würzburg
Tel.: 0931 380-1376
E-Mail: bertram.odoj@reg-ufr.bayern.de
Regierungsbezirk Schwaben
Jörg Silbe, Regierungsschulrat
86145 Augsburg
Tel.: 0821 327-2204
E-Mail.: joerg.silbe@reg-schw.bayern.de
