Unterrichtsversorgung in Bayern

Ein Lehrer erklärt seinen Schülern etwas

Die Sicherung der Unterrichtsversorgung ist und bleibt ein zentrales Ziel der bayerischen Bildungspolitik, das vom Kultusministerium, allen Einrichtungen der Schulverwaltung und den Schulen mit Nachdruck verfolgt wird.
Im Schuljahr 2009/2010 standen den staatlichen Schulen wie in den Jahren zuvor verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um vor allem dem Problem des kurzfristig auftretenden Unterrichtsausfalls verstärkt begegnen zu können. Viele dieser Maßnahmen haben sich bewährt. In fast allen Schularten konnte der Unterrichtsausfall auf einem niedrigen Niveau stabilisiert werden. Aus diesem Grund werden die Maßnahmen fortgeführt bzw. ausgeweitet.

  • Das Mehrstufenmodell der mobilen Reserve, ein am Bedarf orientiertes Konzept, das erstmals im Schuljahr 2007/2008 im Volksschulbereich umgesetzt wurde, ermöglicht auch im Schuljahr 2010/2011 den Einsatz von rd. 2.180 ausgebildeten Lehrkräften an staatlichen Grund-, Haupt- und Förderschulen in Zeiten voraussichtlicher Spitzenbelastung zur Abdeckung von Vertretungsfällen.
  • Zum Schuljahr 2009/2010 wurden an allen Schularten zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung und zum Absenken der Höchstzahl von Schülerinnen und Schülern pro Klasse insgesamt 1.230 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. Zum Schuljahr 2010/2011 werden nochmals zusätzliche 1.050 Lehrerstellen geschaffen.
  • Die den staatlichen Gymnasien, Realschulen und Beruflichen Schulen zur Verfügung gestellten zusätzlichen Mittel für den Auf- bzw. Ausbau eines Vertretungspools wurden zum Schuljahr 2008/2009 aufgestockt. Die Mittel stehen den Schulen in derselben Höhe auch wieder im Schuljahr 2010/2011 zur Verfügung.
  • Seit dem Schuljahr 2008/2009 ist der Einsatz von externen Experten als Honorarkräfte an den Schulen möglich. Nach anfänglichem Zögern wird diese Möglichkeit, externes Expertenwissen für den Unterricht an Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen zu nutzen, gut angenommen.

Schulen, Schulleitungen und die Staatlichen Schulämter finden auf diesen Seiten aktualisierte Informationen, Formulare und Hilfestellungen, um drohenden Unterrichtsaufall zu verhindern. Dazu werden ihnen Hilfestellungen gegeben wie sie etwa Vertretungspools auf- bzw. ausbauen können. Zudem finden sich Hinweise zu begleitenden Maßnahmen wie zum Beispiel für den Einsatz von externen Experten als Honorarkräfte an den Schulen.
Daneben erhalten Personen, die in den Vertretungspool einer Schule aufgenommen werden wollen, die notwendigen Informationen.
 

Allgemeine Informationen

Im Schuljahr 2010/11 wurden an allen 5.860 bayerischen Schulen insgesamt 1.807.888 Schüler von 112.519 Lehrkräften unterrichtet. Die Lehrkräfte hielten Woche für Woche nicht weniger als 2.590.707 Stunden Unterricht.
Diese Zahlen geben einen ersten Eindruck über die Komplexität des Themas "Unterrichtsversorgung".
Auf den folgenden Seiten finden Sie statistische Informationen, die für die Unterrichtsversorgung relevant sind.
Daneben finden Sie hier eine zusammenfassende Vorstellung der neuen Maßnahmen, die im Schuljahr 2010/11 insbesondere helfen sollen, den Unterricht in Zeiten zu sichern, in denen Erkrankungen von Lehrkräften gehäuft auftreten.

Maßnahmen zur Sicherstellung der UnterrichtsversorgungVorlesen lassen

Zum Schuljahr 2007/2008 hatte der Freistaat Bayern verschieden Maßnahmen beschlossen, um dem Unterrichtsausfall noch gezielter begegnen zu können. Die Maßnahmen haben sich bewährt, weshalb sie in den folgenden Schuljahren fortgeführt wurden und werden. Der Umfang, in dem drohender Unterrichtsausfall aufgrund der verschiedenen Maßnahmen abgewendet werden konnte, lag bei der letzten Erhebung zum Unterrichtsausfall je nach Schulart zwischen 43 % und 83 %.

I. Festeinstellungen

 

Schul-
jahr
GS.1 HS1 FS.2 RS.1 Gymn.1 BS.2 Fach-
lehrer3
Insges.
2003/04 1 079 578 356 797 1 269 437 219 4 735
2004/05 379 381 107 517 849 426 174 2 833
2005/06 968 436 127 497 1 319 201 146 3 694
2006/07 979 309 222 562 1 245 296 181 3 794
2007/08 779 317 321 484 1 081 307 168 3 457
2008/09 765 372 299 702 1 290 403 154 3 985
2009/10 779 397 208 661 1 230 493 211 3 979
2010/11 614 398 328 730 1 238 453 209 3 970


GS = Grundschule, HS = Hauptschule, FS = Förderschule,
RS = Realschule, Gymn. = Gymnasium, BS = Berufliche Schulen

1Ohne Fachlehrer
2Ohne Fachlehrer, einschließlich gewerblicher Fachlehrer
3Ohne gewerbliche Fachlehrer



II. Weitere Maßnahmen

Neben den Festeinstellungen werden insbesondere folgende Maßnahmen zur Vermeidung von Unterrichtsausfall getroffen:
Bei den Volksschulen wurden im Schuljahr 2009/2010 wie schon im Schuljahr 2008/2009 mehr als 2.000 Lehrerplanstellen für Mobile Reserven eingesetzt.
Realschulen und Gymnasien können auf der Basis von Mittelzuweisungen geeignete Vertretungskräfte beschäftigen.
In einigen Schularten wurden Bewerber mit einem Hochschulabschluss in bestimmten Fächerverbindungen ("Mangelfächer") im Rahmen des sog. Quereinstiegs für den Lehrerberuf nachqualifiziert.
Die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten wurde reduziert.
Neben dem "verpflichtenden Arbeitszeitkonto" wurde die Möglichkeit eines zusätzlichen freiwilligen Arbeitszeitkontos geschaffen.

Im Einzelnen:

1. Aufbau eines Vertretungspools

Jede Schule und jedes Staatliche Schulamt hat einen Pool mit möglichen Vertretungskräften aufgebaut. Mittel für den Einsatz dieser Vertretungskräfte wurden vom Freistaat bereitgestellt.

Bei längerfristigen Ausfällen von Lehrkräften stehen folgende Möglichkeiten zur Abdeckung des Ersatzbedarfs zur Verfügung, die in dieser Reihenfolge von den Schulleitern genutzt werden:
- Kompensation innerhalb des Kollegiums der Schule: Erbringung von Mehrarbeit, zusätzliche Beschäftigung auf Basis von Stundenmehrung/-minderung, Teilzeitaufstockungen, Teilnahme am freiwilligen Arbeitszeitkonto
- Einsatz anderer voll ausgebildeter Lehrkräfte: pensionierte Lehrkräfte, Lehrkräfte in der Altersteilzeit, beurlaubte Lehrkräfte, Lehrer in Elternzeit, voll ausgebildete Lehrkräfte mit befristetem Aushilfsvertrag
- Einsatz fachwissenschaftlich adäquat ausgebildeten Personals: Hochschulabsolventen mit Diplom, Meister/Techniker, Lehramtsstudenten höherer Semester bzw. mit abgeschlossener 1. Staatsprüfung

Mit den Vertretungspools wurde den Schulen und Schulämtern die Möglichkeit gegeben, auf Engpässe in der Personalversorgung flexibel zu reagieren und nach passgenauen Lösungen vor Ort zu suchen. Seither können Schulleiter und Schulräte im Umfeld der Schulen nach geeigneten Bewerbern mit und ohne volle Lehramtsausbildung suchen und sie im Unterricht als Vertretungskräfte für längerfristig abwesende Kollegen einsetzen. Zudem werden bereits im Vorfeld einer Bedarfssituation geeignete Bewerber als "potenzielle" Vertretungskräfte in den Pool aufgenommen, damit bei einem Ausfall einer Stammlehrkraft fachlich und pädagogisch qualifizierte Vertretungskräfte rasch zur Verfügung stehen.

Den staatlichen Gymnasien stehen je nach Schulgröße 20.000 bis 40.000 € für die Beschäftigung von Vertretungskräften und pädagogischem Personal zur Verfügung. Dies entspricht jährlich einem Gesamtbetrag von rund 9 Mio. Euro.

Den staatlichen Realschulen stehen in der Summe Mittel im Umfang von 120 Vollzeitlehrereinheiten zur Beschäftigung von Unterrichtsaushilfen im Rahmen von befristeten Arbeitsverträgen zur Verfügung.

2. Flexibilisierung des Einsatzes mobiler Reserven im Volksschulbereich

Die mobile Reserve wurde noch stärker als bisher dem tatsächlichen Bedarf an den Schulen angepasst. Da die Vertretungslehrkräfte vor allem ab dem Monat November in erhöhtem Umfang benötigt werden, wurde die Zahl der mobilen Reserven ab diesem Zeitpunkt in drei Schritten aufgestockt.
Das im Schuljahr 2007/2008 erstmals zum Einsatz gekommene Mehrstufenmodell hat sich bestens bewährt. Es sieht vor, dass die Zahl der mobilen Reserven im November in größerem Umfang und dann in zwei weiteren, kleineren Schritten im Januar und Februar erneut erhöht wird.
Auch im laufenden Schuljahr 2009/2010 kann durch den nachfolgend dargestellten Einsatz der mobilen Reserven im Mehrstufenmodell im Volksschulbereich ein höheres Maß an Flexibilität und Effektivität sichergestellt werden.
Sept. 2009 Nov. 2009 Jan. 2010 Febr. 2010
      Aufstockung um
50 auf rd. 2180
    Aufstockung um
80 auf rd. 2130
 
  Aufstockung um
150 auf rd. 2050
   
ganzjährig
rd. 1900 Stellen
     



3. Mobile Reserven im Förderschulbereich

Für den Förderschulbereich stehen derzeit 196 mobile Reserven für Unterrichtsausfälle und Vertretungen bereit. Darüber hinaus besteht im Förderschulbereich die Möglichkeit, Lehrkräfte, die zwischen dem ersten Schultag und dem Schulhalbjahr ausscheiden, ab Mitte Februar mit befristet beschäftigten Lehrkräften zu ersetzen. Mit dieser Ausnahme von der allgemeinen Wiederbesetzungssperre erhöht sich faktisch die mobile Reserve. Dabei handelt es sich erfahrungsgemäß um ein Volumen von etwa 10 bis 30 Lehrkräften. Für diese Maßnahme bauen Regierungen und Schulen einen Vertretungspool auf.

4. Tipps zur Vermeidung organisationsbedingten Unterrichtsausfalls

Erstmals werden im Schuljahr 2008/2009 den Schulen Tipps und Erfahrungsberichte zur Vermeidung organisationsbedingten Unterrichtsausfalls zur Verfügung gestellt. Die Tipps wurden von ausgewählten Gymnasien und Realschulen in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus erarbeitet.

Ziel der Tipps ist es nicht, für das Schulleben unerlässlich Dinge, wie z.B. Schülerfahrten oder Lehrerfortbildungen, zu beschränken. Die Tipps und Erfahrungsberichte sollen vielmehr Möglichkeiten eines Konsens zwischen der erforderlichen Sicherstellung des Unterrichts und der Gestaltung des schulischen Lebens aufzeigen. Sie sollen den Schulen eine Hilfestellung bei der Vermeidung organisationsbedingten Unterrichtsausfalls bieten.

5. Einsatz von Honorarkräften

Im Schuljahr 2009/2010 können die Schulen wieder Honorarkräfte, die selbständig tätig sind, in Bereichen einsetzen, die den Unterricht ergänzen. Sie unterrichten aber - anders als Vertretungskräfte - nicht. Honorarkräfte können Schulen z.B. bei der Durchführung von Projekten oder durch die Mitwirkung bei der Gestaltung pädagogischer Tage unterstützen oder aber Fachvorträge mit Lehrplanbezug halten.

Bei allen genannten Maßnahmen ist es wichtig,

  • dass die Eigenverantwortung der Schulen gestärkt wird, damit die Sicherung des Unterrichts vor Ort gewährleistet werden kann (die Schulen werden dabei unterstützt durch die Staatlichen Schulämter, die Regierungen und die Ministerialbeauftragten),
  • dass die Qualität des Unterrichts gewahrt bleibt. Deshalb achten die Schulleitungen bzw. die Schulämter auf eine entsprechende pädagogische und fachliche Befähigung der Vertretungskräfte.

Schule und Bildung in ZahlenVorlesen lassen

1. Eckdaten des bayerischen Schulwesens
Im Schuljahr 2010/11 wurden an allen 5.860 bayerischen Schulen insgesamt 1.807.888 Schüler von 112.519 Lehrkräften unterrichtet. Die Lehrkräfte hielten Woche für Woche nicht weniger als 2.590.707 Stunden Unterricht. Tabelle 1 weist für ausgewählte Schularten einige Eckdaten des Schuljahres 2010/11 aus. Nicht vollbeschäftigte Lehrkräfte sind entsprechend ihrem Stellenanteil auf Vollzeitlehrer umgerechnet.



2. Indikator „Schüler je Klasse“

Die Statistik hat aber nicht nur die Aufgabe, „Zahlen zu sammeln“, sondern sie soll die erhobenen Daten auch analysieren. Und „Analysieren“ heißt im Prinzip nichts anderes als „Vergleichen“. Nur die Einordnung der statistischen Ergebnisse in einen zeitlichen, regionalen oder sachlichen Zusammenhang erzeugt brauchbare Aussagen. Benötigt werden damit Vergleichsmaßstäbe, also Indikatoren. Der bekannteste der in der Schulstatistik verwendeten Indikatoren ist die Relation Schüler je Klasse (Klassenfrequenz):



Allerdings werden in einzelnen Fächern die Klassen aufgeteilt und der Unterricht erfolgt in kleineren, von der Statistik nicht erfassten Gruppen. Die ausgewiesenen Klassenfrequenzen sind also lediglich ein Maß für die durchschnittliche Klassenstärke, nicht jedoch für die durchschnittliche Größe der Gruppen, in denen der Unterricht erteilt wird. Die Klassenfrequenz allein kann die Unterrichtssituation in einer Schulart noch nicht ausreichend abbilden. So kann man bei gleicher Versorgung der Schüler mit Lehrern entweder eine möglichst kleine Klassenfrequenz anstreben oder man bietet ein umfangreicheres Stundenangebot und ein höheres Maß an Differenzierungen an, nimmt aber gleichzeitig eine größere Klassenstärke in Kauf.

 

3. Indikator „Schüler je Lehrer“

Betrachtet man hingegen den Indikator Schüler je Lehrer, so lassen sich Schulsysteme unabhängig davon vergleichen, ob bei ihnen der Fokus auf eine niedrige Klassenfrequenz oder eine hohe Wochenstundenzahl je Klasse gerichtet ist. In der bildungspolitischen Diskussion hat sich deshalb die „Schüler-Lehrer-Relation“ als der am meisten verwendete Indikator für den Grad der Versorgung mit Lehrern durchgesetzt:



Dabei werden die Schüler auf die in Vollzeitlehrer-Einheiten umgerechneten Lehrkräfte bezogen. Der hohe Relationswert „Schüler je Lehrer“ an der Berufsschule hat seine Ursache im Teilzeitunterricht (vgl. Abb. 3) im Rahmen der dualen Berufsausbildung und spiegelt wider, dass im Teilzeitunterricht vergleichsweise viele Schüler von einem Lehrer betreut werden können.

Der Indikator „Schüler je Lehrer“ beschreibt zwar die Versorgung der Schulen mit Lehrerstellen, lässt aber nur bedingt Aussagen über die tatsächliche Unterrichtsversorgung zu. Denn durch Lehrkräfte, die mit Dienstbezügen abwesend sind oder an Arbeitszeitmodellen teilnehmen, kommt es zu Abweichungen der Stellenbelegung (Grundlage für die Berechnung der Vollzeitlehrer-Einheiten) von der tatsächlich vorhandenen Kapazität. Bei unterschiedlichem Pflichtstundenmaß und unterschiedlicher Zahl von Entlastungsstunden der Lehrer können selbst bei gleicher Schüler-Lehrer-Relation die Schüler zweier Schularten verschieden mit Unterricht versorgt sein.

 

4. Indikator „Unterrichtsstunden je Klasse“

Genaueren Aufschluss über die Unterrichtsversorgung geben die Relationen „Unterrichtsstunden je Schüler“ bzw. „Unterrichtsstunden je Klasse“. Der Indikator Unterrichtsstunden je Klasse spiegelt das Angebot an wöchentlichem Pflicht- und Wahlunterricht pro Klasse wider. Das entspricht auch näherungsweise dem Unterrichtsangebot, das an jeden einzelnen Schüler gerichtet ist:

Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2010/11

1. Welches Konzept liegt der Erhebung zum Unterrichtsausfall zugrunde?Vorlesen lassen

  • Detaillierte und vertiefte Erfassung der Ausfallgründe und Arten der Vertretung in einem Zeitraum von je zwei Wochen im Herbst und Frühjahr eines Schuljahres
  • Erste empirische Untersuchung im Schuljahr 1999/2000 (Stichprobenkonzept im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags fraktionsübergreifend gebilligt)
  • Jährliche Fortführung seit dem Schuljahr 2005/2006
  • Seit dem Schuljahr 2010/11 zusätzliche Erhebung wichtiger Kenngrößen über das gesamte Schuljahr hinweg
  • Repräsentatives Bild der Gesamtsituation im Erhebungszeitraum durch die zufällige Auswahl von 152 staatlichen Schulen unterschiedlicher Schulgröße und regionaler Lage (97 allgemein bildende und 55 berufliche Schulen aus 9 verschiedenen Schularten), die sich mit Daten zu den Abweichungen vom regulären Stundenplan, den Ursachen und ergriffenen Maßnahmen an der Umfrage beteiligen.

2. Welche Stundenausfälle werden erfasst?Vorlesen lassen

Es werden alle bezüglich des aktuell gültigen Stundenplans nicht regulär erteilten Lehrerstunden erfasst. Dabei werden unterschieden:

  • Ersatzloser Unterrichtsausfall umfasst nur diejenigen Stunden, die überhaupt nicht stattfinden, also insbesondere nicht vertreten oder anderweitig kompensiert werden.
  • Nicht planmäßig erteilte Lehrerstunden schließen neben dem ersatzlosen Unterrichtsausfall auch solche Unterrichtsstunden ein, die von einer anderen als im Stundenplan vorgesehenen Lehrkraft erteilt werden.

3. Welche Ursachen waren im Schuljahr 2010/11 für die Stundenausfälle verantwortlich?Vorlesen lassen

  • Häufigste Ursache für nicht planmäßig erteilte Lehrerstunden ist die Erkrankung der Lehrkraft: Quote der krankheitsbedingt nicht erteilten Lehrerstunden von 4,5 % der insgesamt vorgesehenen Lehrerstunden (trotz hoher Belastung der Lehrkräfte nur geringe Abweichung zur Quote der Fehltage aller Beschäftigten des Freistaats Bayern von 3,9 % im Jahr 2007)
  • Weitere Ursachen für Unterrichtsausfälle: Fortbildungen (1,1 %), Fahrten und Exkursionen (0,9 %), Teilnahme an dienstlichen Veranstaltungen einschließlich Lehrerausbildung (0,8 %), sonstige Ursachen (zusammen 0,6 %)

4. Welche Maßnahmen wurden an den staatlichen Schulen ergriffen und wie erfolgreich waren diese?Vorlesen lassen

Getroffene Auffangmaßnahmen zur Abwendung von Unterrichtsausfall:

  • a) längerfristige Vertretungen durch Lehrer aus der Mobilen Reserve und Vertretungskräfte aus dem Vertretungspool
  • b) kurzfristige Vertretungen durch schuleigene Lehrkräfte (klasseneigene bzw. klassenfremde Lehrkräfte)
  • c) Mitführung von Klassen bzw. Aufhebung von Klassenteilungen (organisatorische Maßnahmen)

Nachfolgende Tabelle zeigt, dass von der Gesamtheit aller nicht planmäßig erteilten Lehrerstunden (gelbe Zeile) durch Ergreifen der angeführten Auffangmaßnahmen (grüne Zeile) nur gewisse Restmengen an Stunden verbleiben, die nicht kompensiert werden können und ersatzlos ausfallen (rote Zeile):

Tab. 1: Auffangmaßnahmen

Dabei lag der Umfang, in dem drohender Unterrichtsausfall noch abgewendet werden konnte (blaue Zeile), an den verschiedenen Schularten zwischen etwa 48 % am Gymnasium und 86 % an der Volksschule zur sonderpädagogischen Förderung. Auch an der Volksschule und der Realschule liegt der relative Rückgang durch Vertretungen und sonstige Maßnahmen bei rund 80 %.

5. Welcher Anteil der vorgesehenen Lehrerstunden fiel ersatzlos aus?Vorlesen lassen

Abb. 1: Ersatzlos ausgefallener Unterricht (rot) als Teil der nicht planmäßig erteilten Lehrerstunden (Gesamtsäule)

 

Der Anteil des ersatzlosen Unterrichtsausfalls lag im Schuljahr 2010/11 zwischen 1,0 % an der Volksschule zur sonderpädagogischen Förderung und 3,9 % am Gymnasium (vgl. Abb. 1). An der Volksschule und der Realschule verbleiben nach Kompensation lediglich 1,6 % bzw. 1,7 % ersatzlos entfallene Unterrichtsstunden. Am Gymnasium werden lediglich die Jahrgangsstufen 5 bis 10 erfasst, da sich die pädagogische Situation in der Kurs- bzw. Qualifikationsphase nur bedingt mit anderen Schularten vergleichen lässt (fehlende Klassenstruktur, selbstständige Bibliotheksarbeit der Kollegiaten bei Unterrichtsausfall usw.).

6. Wie gestalten sich die Gesamtverhältnisse in einer schulartübergreifenden Betrachtung?Vorlesen lassen

In einer Gesamtbetrachtung der Stichprobe kristallisiert sich folgendes Bild heraus:
Von den im Stundenplan vorgesehenen Unterrichtsstunden konnten 92,7 % planmäßig erteilt werden, 3,9 % wurden durch eine Lehrkraft der Schule, eine externe Vertretungskraft oder eine Mobile Reserve vertreten. Außerdem konnten 1,5 % der Lehrerstunden durch organisatorische Maßnahmen aufgefangen werden, so dass lediglich die verbleibenden 1,9 % der vorgesehenen Stunden ersatzlos ausfallen mussten:
 

Abb. 2: Gesamtverteilung der erteilten und nicht erteilten Lehrerstunden

7. Welche zeitlichen Entwicklungen lassen sich erkennen?Vorlesen lassen

Verfolgt man die Quoten des ersatzlosen Unterrichtsausfalls seit dem Schuljahr 1999/2000, so zeigt sich an den vier allgemein bildenden Schularten und den beruflichen Schulen zusammen folgendes Bild (für 1999/2000 liegen keine Daten für die beruflichen Schulen und das Gymnasium (5-10) vor):

Abb. 3: Vergleich der Erhebungen (ersatzlos ausgefallener Unterricht)

 

An den Volksschulen (Grund- und Haupt-/Mittelschulen) ist im Vergleich zur Vorjahreserhebung ein nicht signifikanter Anstieg zu verzeichnen. Insgesamt schlägt sich der kontinuierliche Aufbau eines Kontingents an Mobilen Reserven in einem 4-Stufen-Modell weiterhin in einer Stabilisierung der Quoten auf geringem Niveau nieder – dabei wird über das Jahr verteilt bedarfsgerecht eine immer weiter steigende Zahl von Vertretungskräften bereitgestellt.

Im Bereich staatlicher Realschulen ist gegenüber dem Vorjahr ein geringfügiger Rückgang beim ersatzlosen Unterrichtsausfall zu verzeichnen. Insbesondere der deutliche Anstieg an Absolventen für das Lehramt an Realschulen mit verschiedenen Fächerverbindungen trägt wieder zu einer Entspannung der Aushilfssituation bei. Die Schulen vor Ort werden dadurch in die Lage versetzt, ihren Vertretungspool, mit dem sie flexibel auf vorübergehende Engpässe in der Personalversorgung (z. B. Vertretung von Lehrkräften, die infolge von Krankheit längerfristig abwesend sind) reagieren können, auszubauen.

Beim Gymnasium ist nach einem kleinen Rückgang wieder ein Anstieg beim ersatzlosen Unterrichtsausfall zu erkennen. Das Schuljahr war vor allem geprägt vom Auslaufen des neunjährigen Gymnasiums und von der Organisation und Durchführung der Abiturprüfung für zwei komplette Schülerjahrgänge. Auch fehlten zum Beginn des vergangenen Schuljahres noch voll qualifizierte Bewerber in fast allen Fächern und in großem Umfang. Wegen der nun eingetretenen Trendwende bei diesem Aspekt und dem Wegfall der 13. Jahrgangsstufe ist zukünftig wieder mit sinkenden Werten zu rechnen.

Obwohl an den beruflichen Schulen die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat, insbesondere an den vollzeitschulischen und entsprechend lehrerstundenintensiven Bildungsangeboten der Fachober- und Berufsoberschule, konnte der Anteil des ersatzlosen Unterrichtsausfalls an beruflichen Schulen von 2,5 % im Schuljahr 2009/10 auf nunmehr 1,9 % im Schuljahr 2010/11 gesenkt werden.

Schulartübergreifend hat sich als vorteilhaft erwiesen, dass sich die Schulen eigenverantwortlich um die Gewinnung von kurzfristigem Vertretungspersonal bemühen können: Vertretungspools eröffnen die Möglichkeit, flexibel auf Engpässe in der Personalversorgung zu reagieren und nach passgenauen Lösungen vor Ort zu suchen. Dabei können Schulleiter und Schulräte im Umfeld der Schulen nach geeigneten Bewerbern suchen und diese im Unterricht als Vertretungskräfte für längerfristig abwesende Kollegen einsetzen.

8. Wird die Erhebung zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2011/12 fortgesetzt?Vorlesen lassen

Die Ergänzung des Erhebungskonzepts um die ganzjährige Erhebung wichtiger Kenngrößen hat sich bewährt. So zeigt eine genauere Analyse des zeitlichen Verlaufs durchaus saisonale Schwankungen (vereinzelte unterrichtsfreie Tage durch den Wintereinbruch im Herbst 2010, Prüfungswochen in der zweiten Schuljahreshälfte). Deren Berücksichtigung ist für eine Gesamtschau wichtig und notwendig. Aus diesem Grund wird die Erhebung im aktuellen Schuljahr 2011/12 nach gleichem Konzept fortgesetzt.

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