Festakt: Ministerialdirigent Herbert Püls, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und brlv-Vorsitzender Anton Huber
Der Bayerische Realschullehrerverband ist 60 Jahre alt geworden. Kultusminister Ludwig Spaenle gratulierte dem Verband: Er habe entscheidenden Anteil daran, dass die Realschule ein Erfolgsmodell geworden ist. Das Ansehen ist hoch bei Schülern, Eltern und Arbeitgebern.
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle dankte dem bayerischen Realschullehrerverband (brlv) bei der Feier in München für „60 Jahre konstruktives Engagement für die Interessen der bayerischen Realschule und ihrer Lehrkräfte! Dieser konstruktive Dialog“, so der Minister, „hat entscheidend dazu beigetragen, dass die bayerische Realschule zu dem geworden ist, was sie heute ist: Ein Erfolgsmodell, das bei Schülern, Eltern und Wirtschaftsverbänden gleichermaßen sehr hohes Ansehen hat.“
Kultusminister Ludwig Spaenle
Der Minister blickte zurück auf die Anfangsjahre: Am 7. Juni 1952 wurde der brlv im Münchner Rathaus gegründet. Seitdem hat der Verband so erfolgreich gearbeitet, dass heute viele der Forderungen aus der Gründungs- zeit längst erfüllt sind. „Die Verbreitung des Realschulwesens durch neue Schulgründungen“ – so lautete eine der Forderungen aus der Gründungszeit. „Mit inzwischen insgesamt 364 staatlichen, privaten und kommunalen Realschulen verfügt die Realschule heute über ein dicht geknüpftes Netz an Standorten“, erläuterte Kultusminister Spaenle. Und auch die alte Forderung von 1952 nach einer „organisatorischen Entwicklung von der drei-klassigen zur vier-klassigen Form“ sei „mit der Sechsstufigkeit längst überholt“, so der Minister.
Gerade die Einführung der Sechsstufigkeit sei „die letzte große Zäsur für die Realschule gewesen: „Der 1991/1992 gestartete Modellversuch war einerseits höchst erfolgreich. Auf der anderen Seite entfachte er aber eine heftige Kontroverse um die flächendeckende Einführung der damals so genannten R6“, sagte der Minister. „Nachdem die Gegner mit ihrem Volksbegehren gescheitert waren, wurde auf Elternwunsch qua Landtagsbeschluss die R6 bis zum Schuljahr 2003/04 beschleunigt eingeführt.“ Nur durch die enge Kooperation mit den Lehrkräften und mit ihrem Verband sei es gelungen, diese „Mammutaufgabe“ zu meistern.
brlv-Vorsitzender Anton Huber
Das Lob zurückgeben konnte der Verbandsvorsitzende Anton Huber: „Das Erfolgsmodell Bayerische Realschule ist Ergebnis einer zukunftsweisenden und sehr erfolgreichen Verbandspolitik, getragen von einer vertrauens- vollen Zusammenarbeit mit der Kultusverwaltung, den Regierungsparteien und den Landtagsfraktionen“, sagte Anton Huber. „Verbandspolitik wird wesentlich bestimmt von den Vorsitzenden und den mit großem Idealismus arbeitenden Mitgliedern der unterschiedlichen Gremien. So richte ich meinen ausdrücklichen Dank an die vielen tausend Aktiven, die über sechs Jahrzehnte hinweg den guten Ruf der Realschule und ihres Lehrerverbandes begründet haben.“
Realschülerinnen und Realschüler boten das musikalische Rahmenprogramm
Der Erfolg der Realschule insgesamt lässt sich auch mit Zahlen belegen: „85 Prozent der Schüler schließen den Bildungsgang Realschule erfolgreich ab“, erklärte der Minister, „die Bestehensquote der Abschlussprüfung liegt bei rund 97 Prozent. Die bayerische Realschule erreicht Spitzenplätze bei nationalen und internationalen Vergleichsstudien. Etwa ein Drittel der Absolventen wechselt an die FOS oder an das Gymnasium. Etwa zwei Drittel der Absolventen ergreifen anspruchsvolle Ausbildungsberufe.
Wir wissen: Qualität entsteht nur dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Und deshalb leistet auch die Bayerische Staatsregierung ihren Beitrag zur Erfolgsbilanz der Realschule. Wir haben in diesem Schuljahr 611 Realschullehrkräfte und 34 Fachlehrkräfte in den staatlichen Realschuldienst eingestellt. Die Einstellungsquote aus dem Prüfungsjahrgang 2011 lag trotz steigender Referendars- zahlen bei 48 Prozent. Damit haben wir die durchschnittliche Klassenstärke von 27,1 auf 26,8 Schüler senken können. Konkret bedeutet das, dass wir die Klassen mit 30 und mehr Schülerinnen und Schülern gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent oder 187 Klassen senken konnten – und das bei steigenden Schülerzahlen“, so Kultusminister Ludwig Spaenle.
Landtagsabgeordnete Reserl Sem, Oberkirchenrat Detlev Bierbaum und VDR-Vorsitzender Jürgen Böhm in reger Diskussion (v.l.n.r.)
Ein starkes Zeichen liefere eine weitere Zahl – zur Unterrichtsversorgung: „Fakt ist: Der ersatzlose Unterrichtsausfall an den Realschulen liegt mit1,7 Prozent auf einem erfreulich niedrigen Niveau. Wir verzeichnen damit gegenüber dem Vorjahr nochmals einen leichten Rückgang beim ersatzlosen Unterrichtsausfall“, sagte Minister Spaenle.
All dies belege, dass die Realschule „eine dynamische Schulart ist. Sie hat sich in den Jahrzehnten gewandelt und mit ihr der Vertretungsauftrag und –anspruch des brlv. Eine starke Interessenvertretung ist damit aktueller denn je“, so der Minister.
„Ich bin mir sicher, dass wir uns über das Tempo, über manche Abkürzungen oder Umwege werden auseinandersetzen müssen“, sagte Ludwig Spaenle, „aber ich vertraue fest auf die Fortführung unseres bewährt konstruktiven Dialogs.“
Stand: 14. Juni 2012 / Fotos: brlv
