Gedenkfeier: BLLV erinnert an ermordete jüdische Lehrerinnen und Lehrer

Aufstehen! Gegen Vergessen und Unrecht

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Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) erinnerte in einer Gedenkstunde an die im Dritten Reich in Bayern ermordeten jüdischen Lehrerinnen und Lehrer. In einem Projekt haben Schüler die Lebenslinien getöteter Pädagogen erforscht. Staatssekretär Bernd Sibler hat dem Verband für seinen Einsatz im Kampf gegen Rechtsextremismus gedankt.

Rede: Staatssekretär Bernd Sibler

Rede: Staatssekretär Bernd Sibler

Bernd Sibler machte klar, dass es für ihn ein starkes persönliches Anliegen war, an der Gedenkfeier in der Landesgeschäftsstelle des BLLV in München teilzunehmen. „Wir müssen das Gedenken an die nationalsozialistische Barbarei und die vielen unschuldigen Menschen, die ihr zum Opfer fielen, wach halten − gerade auch in einer Zeit, in der der Terror rechtsextremistischer Fanatiker unser Land erschüttert hat“, sagte der Staatssekretär.

Der BLLV hat ein Projekt gestartet, bei dem Schülerinnen und Schüler die Schicksale von jüdischen Pädagogen im Dritten Reich nachzeichnen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten in Bayern schätzungsweise 800 bis 900 Lehrerinnen und Lehrer jüdischen Glaubens. Sie unterrichteten an Gymnasien, Oberrealschulen, jüdischen Volksschulen und als Religionslehrer an allen Schularten.

Lebenslinien und Schicksale: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten in Bayern schätzungsweise 800 bis 900 Lehrerinnen und Lehrer jüdischen Glaubens

Lebenslinien und Schicksale: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten in Bayern schätzungsweise 800 bis 900 Lehrerinnen und Lehrer jüdischen Glaubens

Der BLLV hat nach mehrjährigen Archivrecherchen die Kurzbiografien von 650 Lehrerinnen und Lehrern zusammen getragen. Darunter sind 121 ermordete jüdische Lehrerinnen und Lehrer aus Bayern. Die Biographien aller ermittelten getöteten Lehrer hat der BLLV in einer öffentlich zugänglichen Datenbank gesammelt.

Der Opfer Gedenken

Der Opfer Gedenken

In München stellten Schülerinnen und Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums Dachau auf der Gedenkfeier drei dieser Biografien beispielhaft vor. „Diese Initiative der Schüler des Gymnasiums ist vorbildlich“, sagte Staatssekretär Sibler. „Diese Schule steht in vielfacher Verbindung mit der KZ-Gedenkstätte Dachau, hier wird beispielhaft praktiziert und vorgeführt, wozu entdeckendes Lernen in der Lage ist, und zwar nicht nur im Sinne des Erwerbs von Faktenwissen über die Vergangenheit, sondern mindestens ebenso im Sinne der Empathie für die Schicksale der Unterdrückten, Verfolgten und Ermordeten.“

Bernd Sibler erinnerte daran, dass besonders die jüdischen Pädagogen früh Leidtragende des menschenverachtenden nationalsozialistischen Systems wurden: „Das diskriminierende Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 verfügte neben der Entfernung politisch missliebiger Beamter aus dem aktiven Dienst auch die menschenverachtende Entlassung jüdischer Pädagogen aus den Lehrerkollegien. Damit gab es bereits mehr als zwei Jahre vor den Nürnberger Gesetzen keine Gleichberechtigung deutscher Jüdinnen und Juden im Bereich des öffentlichen Dienstes mehr.“

Gleichzeitig zeigte sich auch im schulischen Bereich ein karriereorientierter Opportunismus: Allein in den Monaten Februar bis April 1933 traten in Deutschland 70.000 Lehrer in die NSDAP ein, oftmals nicht unbedingt aus innerer Überzeugung, möglicherweise in der Hoffnung auf schnellen beruflichen Aufstieg. Allein vier bayerische Gauleiter der NSDAP waren nach ihrer beruflichen Ausbildung Volksschullehrer – ihre Karrieren führten sie dann auf die oberste Ebene der Parteihierarchie.

Gedenkbuch gegen Vergessen und Unrecht

Gedenkbuch gegen Vergessen und Unrecht

„Dies zeigt, wie sehr Nationalsozialismus und Antisemitismus damals auch in der bayerischen Lehrerschaft verwurzelt waren“, sagte Bernd Sibler. „Bezahlen mussten dies die jüdischen Kolleginnen und Kollegen, die als Pädagogen ihre Arbeitskraft dem Staat zur Verfügung stellen wollten, um die Jugend zu bilden. Der Staat − mörderisch, wie er damals war − hat ihnen zunächst verboten, ihrem Beruf nachzugehen, um sie dann letztendlich auch ihres Lebens zu berauben, eines Lebens, das sie in den Dienst der Gesellschaft und der Kinder hatten stellen wollen.“

Weitere Informationen

Stand: 26.04.12 / Fotos: BLLV (Jan Roeder)

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