Förderung für Mädchen und Buben

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein Verfassungsauftrag. Um diesem Auftrag entsprechend gerecht werden zu können, ist es erforderlich, bereits im Schulalter auf eine geschlechtersensible Förderung von Mädchen und Buben zu achten. Daher setzt sich das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mit Aspekten einer geschlechtersensiblen Erziehung intensiv auseinander.

Geschlechterspezifische Förderung von Mädchen und Buben Vorlesen lassen

Um ihren Erziehungsauftrag zu erfüllen, muss Schule darum bemüht sein, jedem Kind bzw. Jugendlichen in seiner Individualität möglichst gut gerecht zu werden. Abwechslungsreicher, individuelle Bedürfnisse berücksichtigender Unterricht kommt auch geschlechtsspezifischen Interessen sehr entgegen. Die 1996 im Auftrag des Staatsministeriums vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) erarbeitete und herausgegebene Handreichung Typisch Junge? Typisch Mädchen? - Jungen und Mädchen in Schule und Unterricht, die sich an Lehrkräfte aller Schularten wendet, beschreibt ausführlich inhaltliche und methodische Ansatzpunkte für die Gestaltung guten Unterrichts im Sinne einer reflexiven Koedukation.
Inhaltlich zeichnet sich ein an den Interessen von Buben und Mädchen gleichermaßen orientierter Unterricht zum Beispiel dadurch aus, dass

  • Unterrichtsinhalte ganzheitlich vermittelt werden,
  • Lebenssituationen von Männern und Frauen stärker thematisiert werden,
  • die Lehrkraft an die Lebenswirklichkeit von Buben und Mädchen anknüpft,
  • Gelegenheiten für eine Thematisierung des geschlechtstypischen Rollenverständnisses genutzt werden
  • und die Lehrkraft Sachverhalte wenn möglich in ihrer geschlechtstypischen Differenzierung aufzeigt.

Die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Aspekten des Unterrichtens und Erziehens ist sowohl in der Lehramtsprüfungsordnung I (LPO I) als auch in der Zulassungs- und Ausbildungsordnung für das Lehramt an Grundschulen und das Lehramt an Hauptschulen (ZALGH) verankert. Auch der Lehrplan der Fachakademien für Sozialpädagogik zur Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern sieht solche Inhalte vor.

In der Lehrerfortbildung wird grundsätzlich darauf geachtet, dass die notwendige Adressatenbezogenheit des Lehrangebots auch die Sensibilität im Umgang mit geschlechtsspezifischen Besonderheiten einschließt. Das betrifft sowohl die Lehrgangsteilnehmer selbst als auch Schülerinnen und Schüler als die eigentliche Zielgruppe der Lehrerfortbildung. In der Konzeption und Durchführung von naturwissenschaftlichen Fortbildungskursen hat man daher seit langem auch die besonderen Bedürfnisse von Mädchen im Auge.

Spezielle Maßnahmen für Mädchen und Buben Vorlesen lassen

Girls'Day

Der Girls'Day oder auch Mädchenzukunftstag, der erstmals 2001 durchgeführt wurde, ist ein bundesweiter Aktionstag, der jeweils am vierten Donnerstag im April stattfindet und an dem Unternehmen und Betriebe, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Behörden und andere Institutionen Mädchen zu einem Besuch ihrer Arbeitsstätten einladen. Die Mädchen können am Girls'Day technische, handwerkliche, informationstechnische und naturwissenschaftliche Berufe näher kennen lernen, die ihnen bisher weniger bekannt sind und die sie in ihre Überlegungen zur Berufsorientierung daher selten einbeziehen. Der Girls'Day bietet Mädchen nicht nur die Möglichkeit selbst technische, handwerkliche oder informationstechnische Tätigkeiten auszuprobieren, sondern auch Frauen in Bereichen, in denen ihre Präsenz weniger vertreten ist, wie Führungspositionen, in der Selbstständigkeit oder Politik kennen zu lernen.

Durch ihre Teilnahme sollen Mädchen motiviert werden, ihre Berufswahlmöglichkeiten zu erkennen und sich für eine Berufsausbildung oder ein Studium und eine spätere Berufstätigkeit auch in Berufsfeldern, die für Frauen untypisch sind, zu entscheiden. Darüber hinaus bietet der Girls'Day den teilnehmenden Organisationen als möglichen späteren Arbeitgebern die
Gelegenheit, die Fähigkeiten und das Engagement von Mädchen kennen zu lernen. Dadurch kann auch ihre Bereitschaft, gezielt junge Frauen anzusprechen und sie häufiger einzustellen, erhöht werden.

Im Sinne des Gender-Mainstreaming werden in Bayern auch zusätzlich Veranstaltungen für Buben organisiert, um ihnen einen Einblick in „bubenuntypische“ Ausbildungsberufe zu gewähren.

Neue Wege für Jungs

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert bis 2011 das Vernetzungsprojekt „Neue Wege für Jungs“. Anknüpfungspunkt dieses Projekts ist der Girls'Day-Mädchen-Zukunftstag, wobei jedoch keine bundesweite Koordinierung von Aktionen für Buben analog zum Girls'Day anstrebt wird.

„Neue Wege für Jungs“ will Buben der Klassen 5 bis 10 die Chance geben, sich mit persönlichen Lebenszielen und Berufswünschen auseinander zu setzen und auch Einblick in frauentypische Berufe zu erhalten. Es soll eine bundesweite Plattform entstehen, die Dialog, Austausch und Vernetzung von entsprechenden Initiativen und Projekten als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Buben fördert.

Fachtagung "Prima Mädchen - Klasse Jungs" Vorlesen lassen

Am 6. März 2009 fand an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus initiierte Fachtagung mit dem Titel "Prima Mädchen – Klasse Jungs; Beste Chancen für Mädchen UND für Buben" statt. Die Thematik rückte in den Mittelpunkt, nachdem Studien wie PISA, TIMSS und IGLU oder auch Statistiken zu den Schulabschlüssen aufzeigen, dass die Buben bzw. männlichen Jugendlichen leistungsmäßig zurückfallen.
Ziel der Fachtagung war es, unterschiedliche Interessen und Aneignungsprozesse von Mädchen und Buben bewusst zu machen, um individuelle Persönlichkeitspotentiale im schulischen Alltag optimal ausschöpfen zu können. Die Tagung richtete sich vorrangig an Personen, die in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften tätig sind.
Im Rahmen von fachlichen Einführungen am Vormittag wurde der aktuelle Leistungsstand von Schülerinnen und Schüler geschlechterspezifisch analysiert, mögliche Ursachen wurden aufgezeigt. Nachmittags konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in verschiedenen Foren über nationale und internationale Projekte informieren oder die Thematik schulartspezifisch diskutierten, um Handlungsansätze für die Schule abzuleiten.

Fachtagung "MINT - Jungen sind besser. Mädchen auch!" Vorlesen lassen

Qualifizierter Nachwuchs in technischen Berufsfeldern ist Voraussetzung, um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu sichern. Bis zum Jahr 2013 werden deutschlandweit 85.000 Ingenieure und 70.000 Naturwissenschaftler aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden, doch schon heute kann der Bedarf an Nachwuchskräften in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) nicht gedeckt werden. Es herrscht nicht nur Mangel an weiblichen Nachwuchskräften – beide Geschlechter nutzen ihr Potenzial zu wenig.

Bei der Fachtagung, die vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus veranstaltet wurde, standen folgende Fragen im Vordergrund:

  • Wie können Schulen, Hochschulen und Unternehmen zusammenarbeiten, um Interesse an MINT-Fächern und -Berufen zu wecken und zu fördern?
  • Wie (und ab welchem Alter) lassen sich Interesse und Begabung in den MINT-Fächern in Schule und Hochschule fördern?
  • Ist eine geschlechterspezifische Ansprache und Förderung von Mädchen/Frauen und Buben/Männern in den MINT-Fächern und -Berufen notwendig?
  • Wie kann Schülern und Schülerinnen bzw. Studierenden ein realistisches Bild der MINT-Berufswelt vermittelt werden?

Bayerische Fachtagung zum Girls-Day Vorlesen lassen

"Fachkräfte der Zukunft -Berufswahl von Mädchen und Buben"
am 31.03.2008 in München


Mädchen und Buben wählen ihre zukünftigen Berufe geschlechtsspezifisch sehr unterschiedlich. Mehr als die Hälfte aller Mädchen und rund ein Drittel aller Buben konzentrieren sich bei der Berufswahl auf nur 10 von über 500 angebotenen betrieblichen Ausbildungen. Von den rund 6,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in produktionsorientierten Berufen in Deutschland waren 2006 nur 16,3 % Frauen. Von den rund 16,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsberufen in Deutschland waren 2006 nur 33,1 % Männer (darunter Kindergärtner / Kinderpfleger: 3,4 %, Krankenpfleger: 13,4 %).
In einer Vielzahl unterschiedlichster Projekte und Aktionen rund um das Thema Berufsorientierung in Unternehmen, Schulen oder Regionen in Bayern konnte ein umfangreicher Erfahrungsschatz gesammelt werden. Die Fachtagungen bieten die Möglichkeit in Vorträgen und vor allem in Workshops verschiedene Konzepte kennen zu lernen und über Erfahrungen zu diskutieren.

Internetportal der ALP Dillingen zum gendersensiblen Unterricht Vorlesen lassen

Jungen und Mädchen lernen anders: Deshalb ist es wichtig, dass Lehrkräfte gendersensibel unterrichten können. Die ALP Dillingen hat nun ein umfangreiches Infoportal zum gendersensiblen Unterricht aufgebaut. Mit zahlreichen Materialien, Unterrichtsbeispielen und einer Online-Fortbildung.

Die Ergebnisse von „PISA 2012“ haben erneut bestätigt, wie wichtig es ist, als Lehrkraft Genderkompetenz zu besitzen, um Mädchen und Jungen geschlechter- bzw. gendersensibel zu fördern. So stellt die Studie fest: „Signifikante Kompetenzunterschiede zwischen Mädchen und Jungen sind in Deutschland in den Domänen Mathematik und Lesen zu finden, (…). Deutschland gehört damit nach wie vor zu den OECD-Staaten mit den größten Leistungsunterschieden zwischen Mädchen und Jungen im Lesen. (…) Weniger groß, aber ebenfalls statistisch signifikant, unterscheiden sich die mathematische Kompetenz von Mädchen und Jungen sowohl in Deutschland als auch im OECD-Durchschnitt.“

Aufgrund bisheriger Forschungsergebnisse ist davon auszugehen, dass diese Kompetenzunterschiede nicht naturgegeben bzw. unveränderlich sind. Da jede Lehrkraft die Aufgabe, Lernende - unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit - ihren Anlagen und Möglichkeiten gemäß zu fördern hat, sollten Lehrkräfte in der Lage sein gendersensibel handeln zu können.

Zum Schuljahr 2014/2015 hat die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen nun ein Internetportal zum Thema „Gendersensibel lehren und lernen“ freigeschaltet. Lehrkräfte finden dort umfangreiche Informationen, die helfen können Mädchen und Jungen gleichermaßen zu fördern. Das Portal umfasst psychologische, pädagogische und didaktische Inhalte. Neben vielfältigen Materialen werden auch Unterrichtsbeispiele vorgestellt.

ALP-Fortbildungszertifikate können anhand eines Web-based-Trainings erworben werden.

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