Medien und Schule - Anregungen für Gespräche mit Eltern
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Der Besitz eines eigenen Fernsehgerätes und eines Computers hat bei Kindern und Jugendlichen die durchschnittliche Dauer der täglichen Mediennutzung deutlich erhöht. Auffallend ist, dass bei männlichen Jugendlichen durchweg höhere Nutzungszeiten festgestellt wurden als bei Mädchen, die generell den PC-Spielen kritischer gegenüber stehen als Buben. Eltern fühlen sich angesichts der hohen Mediennutzungszeiten häufig nicht mehr in der Lage, das Fernseh- und Spielverhalten ihrer Sprösslinge zu kontrollieren. Vieles spielt sich allerdings auch außerhalb des Elternhauses ab. Die Folge davon ist in vielen Fällen, dass Kinder und Jugendliche anspruchslosen Inhalten, aber auch ethisch und moralisch problematischen Darstellungen ausgesetzt sind. In diesem Zusammenhang hat der Bericht „Medienverwahrlosung als Ursache von Schulversagen und Jugenddelinquenz?“ von Christian Pfeiffer, Vorstand des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KfN), großes Aufsehen erregt. Pfeiffer betrachtet es angesichts neuerer Erhebungen als gerechtfertigt, davon zu sprechen, dass 20 % der männlichen 12- bis 17-Jährigen in einen Zustand der „Medienverwahrlosung“ geraten seien, weil sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Filmen und Spielen beschäftigen, die Gewalt verherrlichen oder sonstige zweifelhafte Inhalte aufweisen. Auch wenn es hier keine mono-kausalen Zusammenhänge gebe, so müsse doch der Rückgang der schulischen Leistungen, vor allem männlicher Jugendlicher im Zusammenhang mit einem problematischen und überhöhten Medienkonsum gesehen werden. Pfeiffer nennt es als eines der wichtigsten Ziele von Erziehung, durch „Lust am Leben“ der Medienverwahrlosung entgegen zu wirken. Lehrkräfte können z. B. im Rahmen von Schullandheimaufenthalten oder mit Hinweisen auf geeignete Freizeitangebote die Erziehungsarbeit der Eltern unterstützen.
„Fernsehen macht unsere Kinder dumm, fett und faul“ – Schlagzeilen wie diese geistern in regelmäßigen Abständen durch die Boulevardpresse, verleiten jedoch zu vorschnellen und falschen Rückschlüssen. Medien sind in der Regel nicht die einzige und oft nicht die entscheidende Ursache von Problemen. Der Medienforscher Winfried Schulz (2) bezeichnet die Medien als einen von mehreren Faktoren, die an einer Entwicklung beteiligt sind, diese begünstigen, verstärken, mitunter auch auslösen oder in eine ganz bestimmte Richtung lenken.
Viele Kinder und Jugendliche haben (noch) nicht die kognitiven Voraussetzungen, um selbst zu bestimmen, wie viel Platz sie den Medien in ihrem Leben einräumen: Ein Sechsjähriger ist oft schon mit den Bildern von Nachrichtensendungen überfordert – das Kind hat bestenfalls Vermeidungsstrategien in seinem Verhaltensrepertoire, wie z. B. das Wegschauen bei Angst erregenden Szenen.
Medienerziehung darf sich nicht darin erschöpfen, Kindern und Jugendlichen instrumentelle Fähigkeiten zu vermitteln. Mit einem Computerführerschein ist die Sache nicht getan: Die heranwachsende Generation benötigt für die Entwicklung von Medienkompetenz Lebensbewältigungsstrategien und Vorbilder. Norbert Schneider (3) bezeichnet Medienkompetenz als eine „Haltung“, die der Einzelne entwickeln muss. Kinder und Jugendliche benötigen dazu Vorbilder, die ihnen ein aktives und selbstbestimmtes Leben vorleben. Lehrer und Eltern können solche Vorbilder sein.
Viele Kinder und Jugendliche haben (noch) nicht die kognitiven Voraussetzungen, um selbst zu bestimmen, wie viel Platz sie den Medien in ihrem Leben einräumen: Ein Sechsjähriger ist oft schon mit den Bildern von Nachrichtensendungen überfordert – das Kind hat bestenfalls Vermeidungsstrategien in seinem Verhaltensrepertoire, wie z. B. das Wegschauen bei Angst erregenden Szenen.
Medienerziehung darf sich nicht darin erschöpfen, Kindern und Jugendlichen instrumentelle Fähigkeiten zu vermitteln. Mit einem Computerführerschein ist die Sache nicht getan: Die heranwachsende Generation benötigt für die Entwicklung von Medienkompetenz Lebensbewältigungsstrategien und Vorbilder. Norbert Schneider (3) bezeichnet Medienkompetenz als eine „Haltung“, die der Einzelne entwickeln muss. Kinder und Jugendliche benötigen dazu Vorbilder, die ihnen ein aktives und selbstbestimmtes Leben vorleben. Lehrer und Eltern können solche Vorbilder sein.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Medienerziehung ist ein Wertekonsens im Lehrerkollegium und in der Familie. In den obersten Bildungszielen der Bayerischen Verfassung (Art. 131) sind die für alle verbindlichen Werte abgebildet: Im Zentrum steht die Achtung vor der Würde des Menschen (4). Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, dass der Mensch sein Leben in Freiheit gestalten kann und er jedem anderen diese Freiheit zu lassen bereit ist. Medien können die Freiheit des Einzelnen beschneiden, wenn er ihre Funktions- und Wirkungsweisen nicht versteht, sich vereinnahmen lässt und so Opfer von Vermarktungs- oder Informationsstrategien wird. Für die schulische Medienerziehung bedeutet dies, dass der junge Mensch erst zu eigenen Überzeugungen gelangen muss. In einer von unzähligen medialen Reizen dominierten Welt kann ihm dies besser gelingen, wenn er zumindest in der Schule Abstand zu einer reizüberfluteten Umwelt gewinnt und dort behutsam an die Welt der Medien herangeführt wird. Nur im Besitz des notwendigen Wissens über Medien und alternative Handlungsmöglichkeiten kann sich ein Mensch den Medien bei Bedarf auch entziehen.
In der Schule stoßen häufig sehr unterschiedliche Meinungen über Medien aufeinander: So wird das Internet von den einen als demokratisches Medium par excellence gefeiert, andere lehnen es als Quelle von Fehlinformation, Ablenkung und menschlichen Abgründen per se ab. Die modernen Medien bestechen zwar durch Geschwindigkeit, Aktualität und Masse der angebotenen Information und Unterhaltung. Wenn sie aber nicht intelligent sortiert und genutzt werden, ersticken sie den Nutzer. Schülerinnen und Schüler müssen die faszinierenden Möglichkeiten der digitalen Medien kennen lernen, sie einsetzen und für ihre Zwecke nutzen können. Die Tatsache, dass mehrkanaliges Lernen, z. B. mit Hilfe von Multimedia, besonders effektiv ist, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Lebensraum Schule nicht nur die Masse des vermittelten Wissens zählt. Kinder und Jugendliche müssen in der Schule auch Raum bekommen für sinnliche Erfahrungen und soziale Begegnungen. Kommunikativer Austausch, wie er im traditionellen Unterricht gepflegt wird, bietet Möglichkeiten, die die moderne Technik in dieser Form nicht zu bieten vermag. Der Einsatz traditioneller Medien, z. B. eines großen Zirkels mit Kreide im Geometrieunterricht, verlangsamen das Unterrichtstempo und ermöglichen durch die haptischen Erfahrungen einen anderen und nicht minder nachhaltigen Zugang zum Lernobjekt als es mit dem Klick auf den entsprechenden Bildschirm-Befehl des Geometrie-Programms möglich ist.
(2) Winfried Schulz: Medienwelt heute – Massenkommunikation und ihre Folgen. In: Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hrsg.): Sammelwerk Medienzeit o.J., S. 18
(3) N. Schneider: Medienkompetenz vernetzt – Strukturen, Konzeptionen, Strategien. Regional handeln, überregional denken. Rede am 15.05.2003.
Internet: www.lfm-nrw.de/downloads/redeschneider-15052003.pdf
(4) Vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (Hrsg.): Oberste Bildungsziele in Bayern: Artikel 131 der Bayerischen Verfassung in pädagogischer Sicht. München 2003
(3) N. Schneider: Medienkompetenz vernetzt – Strukturen, Konzeptionen, Strategien. Regional handeln, überregional denken. Rede am 15.05.2003.
Internet: www.lfm-nrw.de/downloads/redeschneider-15052003.pdf
(4) Vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (Hrsg.): Oberste Bildungsziele in Bayern: Artikel 131 der Bayerischen Verfassung in pädagogischer Sicht. München 2003