Medien und Schule - Anregungen für Gespräche mit Eltern
In der Lehrerinfo 3/06 bietet Astrid Barbeau (Medienreferat im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus) unter dem Titel "Medien und Schule" Lehrerinnen und Lehrern Informationen und Tipps für das Gespräch mit Eltern.

Gelegentlich mag man sich mit Blick auf die Medien wie Goethes Zauberlehrling fühlen, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird. Aus pädagogischer Sicht haben die neuen Medien zwei Seiten: Sie fördern effektives Lernen, bieten hochwertige Unterhaltung und sind zu einer Grundlage der Wissensgesellschaft geworden. Sie konfrontieren die Gesellschaft aber auch zunehmend mit Bildern und Informationen, die Tabus brechen und Menschen psychisch schädigen können. Medienerziehung ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Schule – in enger Partnerschaft mit den Eltern.
1. Chancen und Risiken der neuen Medien
Neue Medien schaffen Bildungschancen:
Neue Medien können Kinder und Jugendliche schwer schädigen:
Die Schule steht im Spannungsfeld dieser beiden Pole und muss versuchen, junge Menschen zu befähigen, Medien zu nutzen, ohne ihren Gefahren zu erliegen. Nicht immer sind junge Menschen dazu schon in der Lage. Entsprechende Kompetenzen und ein ausreichendes Vorwissen sind Voraussetzungen. Kinder und Jugendliche vor den Medien zu schützen und ihnen gleichzeitig einen sinnvollen und bereichernden Umgang mit Medien zu ermöglichen, ist eine Herausforderung für alle Erziehungsinstanzen.
2. Entwicklungen

Die Diskussion über die Wirkung von Medien auf Heranwachsende ist seit dem Aufkommen der Massenmedien ein immer wiederkehrendes Thema der Pädagogik: Ob Roman, Zeitungen, Fernsehen – verteufelt wurden sie alle schon einmal wegen ihrer vermeintlich verheerenden Wirkung auf die heranwachsende Generation. Nach der ersten Verbreitungswelle der digitalen Medien dominierte in den Schulen ab Anfang der 90er-Jahre zunächst große Begeisterung: Das Internet und neue Software versprachen innovative Formen des Lernens, schienen das Unterrichten durch die rasche Verfügbarkeit von authentischem Material zu erleichtern und motivierende Methoden zu unterstützen. Die Vermittlung instrumenteller Kompetenzen und die rasche technische Ausstattung der Schulen waren daher schon früh Anliegen der Bildungspolitik. Während jedoch viele Lehrkräfte und Eltern noch mit der Bedienung der Maus kämpften, wuchs seit den 90er-Jahren eine neue Generation heran, in deren Alltag digitales Spielzeug bereits auf natürliche Weise integriert war. Die junge Generation verfügt heute über einen nie da gewesenen Zugang zu modernen Medien: Laut JIM-Studie (1) besaß im Jahr 2005 jeder Haushalt in Deutschland im Durchschnitt über 3,4 Mobiltelefone, 2,6 Fernsehgeräte, 2,1 Computer und 1,3 Internetzugänge. 61 % der 12- bis 19-Jährigen nannten ein Fernsehgerät, 57 % einen eigenen Computer ihr Eigen. 42 % der für die KIM-Studie (1) befragten Kinder zwischen 6 und 13 Jahren hatten ein eigenes Fernsehgerät.
Forderungen nach einem umfassenden Jugendmedienschutz rückten um die Jahrtausendwende stärker ins Bewusstsein. Nicht zuletzt der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt im Jahr 2002, verübt von einem Jugendlichen, der jahrelang Gewalt verherrlichende PC-Spiele gespielt hatte, entfachte eine öffentliche Diskussion über die Gefahren und die Perversion von digitalen Welten, die vielen Lehrern und Eltern in ihrem Ausmaß bis dahin unbekannt waren. Die Diskussion machte die kulturelle Kluft zwischen der Welt der Erwachsenen und der mancher Jugendlicher deutlich, die viele Menschen bisher lediglich amüsiert zur Kenntnis genommen hatten, wenn 16-Jährige einer technisch wenig versierten älteren Person die Bedienung eines Textverarbeitungsprogramms erklärten.

(1) KIM 2005 und JIM 2005. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Stuttgart 2005. Internet: www.mpfs.de
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