Pressemitteilung Nr. 17 - 25. Januar 2001

Kultusministerin Hohlmeier: „Dialekt keine Sprachform zweiter Klasse"

Der Dialekt hat an den bayerischen Schulen einen festen Platz. Von der Grundschule bis zum Gymnasium ist die Berücksichtigung der Mundarten in den Lehrplänen verankert. „Der Dialekt ist für uns keine Sprachform zweiter Klasse", betonte Kultusministerin Monika Hohlmeier bei der Vorstellung des Dialekt-Berichtes im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtages. Ein gelungener Unterricht mache die Unterschiede zwischen Mundart und Hochsprache bewusst und lasse Schüler erkennen, dass Dialekt nicht „plump" und „vulgär" sei, sondern farbig und ausdrucksstark. Als Beispiele nannte die Ministerin unverwechselbare Redewendungen wie das oberbayerische „Bürscherl, wannst di jetzt ned gleich schleichst" und das Nürnbergerische „Allmächt".

„An den Schulen im Freistaat wird das Thema Dialekt vielfältig und kreativ umgesetzt", sagte die Ministerin. Die Arbeit mit bayerischen Autoren wie Ludwig Thoma oder Karl Valentin mache den Kindern ebenso viel Spaß wie das Verfassen eigener Mundarttexte. Dabei dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass den Schulen die wichtige Aufgabe zukomme, den Schülerinnen und Schülern die für den Erfolg in Lehre, Studium und Beruf bedeutsame Standard-Sprache, also gutes Deutsch in Wort und Schrift, zu vermitteln.

Grund zur Sorge, dass der Dialekt in Bayern aussterbe, sieht die Ministerin nicht. Lediglich in Großstädten wie München könne man von einem Sprachwechsel sprechen, auf dem Land vollziehe sich eher ein normaler Sprachwandel. Diese Meinung vertritt auch Prof. Dr. Anthony Rowley, Vorsitzender der Kommission für Mundartforschung an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: „Ich gehöre eher zu den Optimisten. Ich sehe für die Dialekte Bayerns außerhalb des Münchner Ballungsraumes zumindest mittelfristig wenig Gefahr." Experten zufolge messen viele Vereine, Schulen, die Wissenschaft und auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Pflege und Erforschung des Dialektes große Bedeutung zu. Die Ministerin wies in diesem Zusammenhang auf die Fülle von Fördermaßnahmen hin.

Mit Blick auf ein zusammenwachsendes Europa sagte die Ministerin: „Wir werden alles tun müssen, um den Menschen beim Hineinwachsen in fremd erscheinende Zusammenhänge ihre Heimat und Identität zu bewahren." Forderungen nach einem Verstehenstest im jeweiligen örtlichen und regionalen Dialekt für angehende Lehrer lehnte sie jedoch ab.

Claudia Piatzer
Pressesprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus


Die Rede von Staatsministerin Monika Hohlmeier: Pflege und Erhalt der in Bayern gesprochenen Mundarten