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editorial Inklusion -- Gemeinsam besser lernen In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung an unseren allgemeinen Schulen. Inklusion bedeutet, dass behinderte und nicht behinderte Schülerinnen und Schüler eine selbstverständliche Gemeinschaft in den allgemeinen Schulen bilden. Unsere aktuelle Titelgeschichte zeigt, wie das vor Ort funktionieren kann. Eltern entscheiden im Grundsatz, auf welche Schule ihr Kind geht: Regelschule oder Förderschule. Bei der Arbeit am neuen Gesetz im Landtag war das unser großes Ziel. Gemeinsam mit allen Fraktionen haben wir es nun -- vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechts-Konvention -- erreicht. Ich empfehle den Eltern, sich bei der Schulentscheidung von den Lehrkräften beraten zu lassen. Auch können und dürfen wir das Wohl des Kindes und die tatsächlichen Möglichkeiten vor Ort nicht außer Acht lassen. Jedes Kind ist uns dabei wertvoll, jedem gehört unsere Aufmerksamkeit, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle jeder verdient die bestmögliche Bildung -- unabhängig von seiner spezifischen Beeinträchtigung. Deshalb kümmert sich Bayern um einen gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf. Schon heute kooperieren im Freistaat die allgemeinen Schulen mit den Förderschulen. Die bestehenden Förderschulen sind dabei Kompetenzzentren für Sonderpädagogik. Daher gehören sie auch künftig zum Gesamtkonzept für die Ausbildung junger Menschen mit Behinderungen. Der Erfahrungsschatz an den Förderschulen ist mir besonders wertvoll. Im Interesse der Kinder muss er auch in Zukunft zur Verfügung stehen. Das entspricht auch dem Wunsch vieler Eltern. Wir wollen die speziellen Angebote der Förderschulen als eigenständige Lernorte und alternative Möglichkeit für die Kinder bereitstellen, die eine ganz besondere Förderung brauchen. Wir werden unser Bemühen künftig noch verstärken, die Quantität und Qualität inklusiver Förderung schrittweise zu steigern -- über die bewährten Konzepte des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD), der Kooperationsklassen, der Außen-/Partnerklassen und der geöffneten Förderschulklassen hinaus. Wir setzen künftig auch auf Profilschulen. Unser Artikel bietet dazu einen Überblick. Wir nehmen in Bayern alle Kinder an und sehen die schrittweise Verwirklichung der Inklusion als Bereicherung. Behinderte und nicht behinderte Kinder profitieren gegenseitig von der Vielfalt ihrer Talente. Herzliche Grüße Ihr Dr. Ludwig Spaenle Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus 2 Schule & Wir 2 · 11

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bemerkt 95 % Übertritt Akzeptanz bei Eltern wächst Mehr Elternberatung, mehr Transparenz und neue Regeln: Das Kultusministerium überprüft regelmäßig die Wirksamkeit der Übertrittsregeln, die seit dem Schul jahr 2009/2010 gelten. Dazu wurden an 700 Grundschulen die Klasseneltern sprecher, Klassenlehrkräfte und Schul leitungen online befragt. Das Ergebnis: Die Zustimmung zu den Änderungen steigt. Die schu Grundschule: Das Kultusministerium hat Eltern befragt der Hauptschulen werden Mittelschulen um Schuljahr 2011/2012 werden in Bayern rund 95 Prozent der bisher rund 960 Hauptschulen als Mittelschulen starten. Die Mittelschule erweist sich damit als erfolg reiches pädagogisches und schulorganisatorisch sinnvolles Modell. Zu den 589 Hauptschu len, die sich bereits zum laufenden Schuljahr zu Mittelschulen weiter entwickelt hatten, kom men im August weitere 340 Hauptschulen als Mittelschulen dazu, darunter alle 45 Haupt schulen in München und alle 24 Hauptschulen in Nürnberg. Insgesamt werden dann 45 selbst ständige Mittelschulen und 290 Mittelschul verbünde bestehen. Die Mittelschule bietet den Schülern eine aus geprägte Berufsorien tierung. Damit machen Jugendliche bereits früh zeitig erste Erfahrungen im beruflichen Umfeld und lernen so Anforde rungen der Wirtschaft umfassend kennen. Mehr Information: www.mittelschule. bayern.de lischen Informationsveranstaltungen zum Übertritt in den Jahrgangsstufen 3 und 4 werden von einer großen Mehrheit als gut bewertet. Drei Viertel der Klassenelternsprecher sowie mehr als zwei Drittel der Schulleitungen und Lehr kräfte bestätigen, dass die Richtzahl von 22 schriftlichen Leistungsnachweisen gut erreichbar sei. 60 Prozent der be fragten Eltern gaben an, dass durch die klare Ausweisung von Lern und Prüfungsphasen der Druck auf die Schulkinder verringert würde. Weitere Maßnahmen sollen die individuelle Förderung schritt weise verbessern. Auch sie tragen künftig zur Verringerung des Leistungsdrucks bei: Zum kommenden Schuljahr wird die Höchstgrenze der Schülerzahl in den 3. Klassen gesenkt. In der 4. Jahrgangsstufe können große Klassen in einer Förder stunde geteilt werden. Mehr Information: www.km.bayern.de/uebertritt Titelfoto: ddp images/dapd/Thomas Lohnes; Fotos: Kultusministerium, Getty Images Innovationspreis Auszeichnung für besondere Schulen i.s.i. -- das steht für "Innere Schulentwicklung Innovationspreis". Zum achten Mal zeichnet die "Stiftung Bildungspakt Bayern" damit besonders qualitätsvolle Schulen aus. Die Preisträger müssen ein hervorragendes Konzept zur Schulent wicklung vorweisen und dieses mit innovativen Ideen umsetzen. Das Thema Schulqualität hat zentrale Bedeutung im bayerischen Bildungswesen. Eine Schule, die beim i.s.i. erfolgreich sein will, muss kreative Neuerungen vorweisen -- bei der Unterrichts und Erziehungsqualität, bei Schulleitung und Schulmanagement. Auch die Einbeziehung von Eltern und Schülerschaft, die Kooperation mit externen Partnern oder die Mitarbeit in regionalen Bildungsnetzwerken wird ausgezeichnet. Die achte Bewerbungsrunde läuft für alle bayerischen Schulen bis zum 14. Oktober 2011. Mehr Information: www.bildungspakt-bayern.de/projekte/isi/konzept Schule & Wir 2 · 1 1 3

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inklusion Die ganz normale Vielfalt 4 Schule & Wir 2 · 11 UN-Behindertenrechts-Konvention Behinderte Kinder sollen an jeder Schule lernen können ­ Bayern baut die Förderung weiter aus

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ächstes Jahr wird Theresa voraussichtlich ihre Mitt lere Reife absolvieren. Die Schülerin hat dafür Hürden überwunden: Aufgrund spastischer Bewegungsstö rungen fallen ihr gezielte Bewegun gen schwer und das Sprechen ist nicht möglich. Und doch: Sie besucht die 9. Klasse der allgemeinen Staat lichen Realschule Bad Griesbach im Rottal. Für sie ist das normal, für ihre nichtbehinderten Mitschüler auch. Kindern wie Theresa ermöglicht die UNBehindertenrechtsKonvention neue Chancen. In der UNKonven tion, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, verpflichtet sich die Bundesrepu blik zu inklusiver Bildung. Das bedeu tet konkret: Alle Kinder ­ mit und oh ne Behinderung ­ sollen gemeinsam unterrichtet werden können. Prof. Ulrich Heimlich, Experte für Lern behindertenpädagogik der Ludwig MaximiliansUniversität München, erklärt Inklusion so: "Unterschiedlich keit ist keine Belastung, sondern Reichtum der inklusiven Schule." Bayern bietet dafür eine Vielfalt an schulischen Angeboten mit unter schiedlichen Wegen. Denn: jedes Kind ist anders, jedes Kind braucht eine individuelle Förderung. Für Theresa ist das Gefühl wichtig, ein gleichwertiges Mitglied der Klassengemeinschaft Schulalltag: Das Miteinander ist selbst verständlich, auch in den Pausen Schule & Wir 2 · 1 1

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inklusion zu sein. Mit ihren Mitschülern kann sie sich normal unterhalten: Seit ih rem vierten Lebensjahr spricht The resa mit einem Sprachcomputer, den sie mit dem rechten großen Zeh be dient. So sind für sie auch Franzö sisch und Englisch selbstverständlich. Theresa zieht aus ihrer Klassenge Realschülerin Theresa spricht mit Hilfe eines Computers, den sie mit dem Zeh bedient meinschaft viel Lebensfreude und Selbstbewusstsein. Im Schulalltag wird sie von einer Schulbegleiterin unterstützt, die auch als Bindeglied zwischen Lehrern und Mitschülern wirkt. Offen mit der eigenen Behin derung umgehen zu können und Kontakt zu anderen zu haben ­ das ist das oberste Ziel von Inklusion, findet Theresa. Auch die Schule ist gefordert: Sie muss sich den Heraus forderungen der Inklusion stellen. Andere Kinder benötigen den schützenden Raum einer Förderschu le, um sich optimal zu entwickeln. Hierfür gibt es in Bayern 404 Förder schulen mit insgesamt sieben Förder schwerpunkten (siehe Kasten Seite 7). Sie gehören auch in Zukunft zum Gesamtkonzept für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Der Erfahrungsschatz dieser Schulen ist Experten und Eltern wertvoll. Die speziellen Angebote der Förderschu 6 Schule & Wir 2 · 11 len als eigenständige Lernorte sind eine alternative Möglichkeit für die Kinder, die durch ihre Behinderung ganz besonders verletzlich sind. Die se als Kompetenzzentrum zu nutzen, entspricht auch dem Wunsch vieler Eltern. Sie entscheiden im Grundsatz künftig selbst, welche Schule ihr Kind besucht: Eine Regelschule oder eine Förderschule. Die Förderzen tren sind spezialisiert. Ihre Lehr kräfte sind Experten, ausgebildet in den einzelnen Förderschwerpunk ten. Sie unterstützen die Kinder dort noch gezielter. Ortstermin im WichernZentrum in München: Das Förderzentrum für emotionale und soziale Entwicklung bietet optimale Rahmenbedingun gen wie kleine Klassen und einen guten Betreuungsschlüssel. Die enge Zusammenarbeit mit der Heil pädagogischen Tagesstätte hilft: Die Pädagogen stärken hier ihre Schüler für den Schritt in eine all gemeine Schule. Die meisten Schütz linge erreichen dieses Ziel. So auch Johannes*, der heute studiert. Er schrieb gerade seiner alten Schule einen Dankesbrief. Und er legte die Noten seines ersten Studienjahres bei ­ die schlechteste Note: 1,3. Zu Beginn seiner Schullaufbahn war das nicht absehbar. Johannes wechselte aufgrund starker Verhaltensauffällig keiten aus der ersten Klasse an das WichernZentrum. "Unterschiedlichkeit ist reichtum der inklusiven Schule" Prof. Ulrich Heimlich, Experte für Lernbehindertenpädagogik Menschliches faszinierte Er zeigte autistische Züge und hatte hohen Förderbedarf im sozialen und emotionalen Bereich. In der Klasse der Regelschule konnten ihn die Lehrer damals nicht mehr unterrich ten ­ trotz hoher Begabung. In seiner neuen Klasse am Förderzen trum war schnell klar: Lernen kogni tiver Inhalte ist für ihn zweitrangig. Ihn faszinierte das Zwischenmensch liche. Wie sind die anderen? Er will unbedingt dazugehören, mitma chen, bei allem. Das ist ihm wich tiger als Lesenlernen ­ das konnte er ja schon. Die Welt für den Schüler einfach einmal umdrehen: Die Förderschule ermöglicht die Umkehr von der Regel. "Die Regelschule ist vielfach noch überfordert mit der Diagnose solchen Verhaltens", erklärt Dr. Edith Wölfl, Leiterin der Wichern Schule. "Je früher Diagnose und Förderung ansetzen, desto besser." So kommt das Kind auch an seine kognitiven Ressourcen heran ­ und kann häufig bald auf eine Regelschu le wechseln. "Besonders für Kinder mit sonderpädagogischem Förder bedarf, die aus Familien kommen, die selbst gerade eine Krise durchle ben oder mit dem schwierigen Kind überfordert sind, bietet die Förder schule Halt ­ und möglicherweise Schutz vor dem Risiko weiterer Verletzungen", beobachtet Wölfl. Für Johannes war dieser Schutzraum die Chance, sich zu entfalten. Entscheidend muss bei der Wahl des Förderangebots das Wohl des Kindes sein. Eltern sollten sich bei der Schulentscheidung von den Lehrkräften beraten lassen: Sie wer den über die Möglichkeiten an der Regelschule und die Formen ge * Name geändert

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Von A bis Z Das inklusions-lexikon außenklassen = künftig Partnerklassen Meist Förderschulklasse mit Schwerpunkt geistiger Entwicklung an allgemei ner Schule. Arbeiten mit einer Klasse dieser Schule zusammen. Es gibt auch Regelschulklassen an Förderschulen. Berufliche Schulen zur sonderpäd. Förderung unterstützen Schüler mit erheblichem sonderpäd. Förderbedarf. Vorberei tung auf den allgemeinen Ausbildungsmarkt. einzelinklusion Kind mit sonderpäd. Förderbedarf besucht allgemeine Schulklasse. Sehen · Hören · Körper liche und motorische Entwicklung · Geistige Entwicklung · Sprache · Lernen · Emotionale und soziale Entwicklung Siehe Grafik S. 8 www.km.bayern.de/ foerderschwerpunkte förderzentrum = Kompetenzzentrum mit Schwerpunkt Förderschwerpunkte inklusion Gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Trägt der Vielfalt unterschiedlicher Lernvoraussetzungen von Beginn an Rechnung. allgemeinen Schulen un terrichten (Hören, Sehen, körperliche und moto rische Entwicklung), neh men Kinder ohne sonder päd. Förderbedarf auf. Diese Schulen entwickeln Konzepte für inklusiven Unterricht und Schulle ben. www.km.bayern.de/ inklusion Förderzentren (SFZ) Umfassen die Schwer punkte Sprache, Lernen, emotionale und soziale Entwicklung. Diese hän gen oft eng zusammen. Konvention Sie fördert Chancen gleichheit von Menschen mit Behinderung und verpflichtet zu einem inklusiven Schulwesen. Das Kultusministerium schafft im Schuljahr 2011/12 und 2012/13 je 100 Lehrerstellen. Schulprofil ,Inklusion' Kooperationsklassen Klassen der allgemeinen Schule für Kinder ohne und mit sonderpäd. Förderbedarf. Lehrkräfte des MSD fördern zusätz lich die Klasse. mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD) Förderschullehrkräfte unterstützen Kinder mit sonderpäd. Förderbedarf an allgemeinen Schulen. Sie bieten auch Diagnose und Beratung. offene Förderschulkassen Förderschulen, die nach den Lehrplänen der Sonderpädagogische von ihrem Klassenlehrer und einem Sonderpädagogen des MSD. Die Mittelschule am Schlossberg in Landsberg am Lech führt je eine Kooperationsklasse in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe. Die Kooperationsschüler haben meist einen Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen. Das Konzept besteht seit zehn Jahren und hat sich an der Schule fest etabliert. Eine Lehrkraft des MSD unterstützt die Klassen durchschnittlich fünf Wochenstun den, sei es durch Teamteaching oder durch Einzelfallbetreuung. So wird den unterschiedlichen Begabungen und Lernschwierigkeiten Rechnung getragen ­ das hilft nicht nur den schwachen Schülern. Studien zeigen: alle profitieren davon Allen Kindern nutzt das Angebot. "Wir tun alles, um die Schüler mit Förderbedarf in ihrer gewohnten Umgebung zu halten, auch damit sie keine weiten Wege auf sich nehmen müssen", so Rektor Christian Karl stetter. Sie bleiben in ihrem sozialen Umfeld, treffen ihre Freunde. Das wirkt sich auch außerhalb der Schule positiv auf das Sozialleben der Schüler aus. Doch auch Mitschüler profitieren von ihren Klassenkame raden. Das belegen wissenschaft liche Studien. "Aus den letzten 40 Jahren Forschung wissen wir: Die Leistungen der Schüler ohne beson deren Förderbedarf sind in solchen Schulen nicht schlechter als in ande ren Schulen. Aber sie haben den Vorteil, auch im sozialen Umgang miteinander gefördert zu werden", erklärt Experte Ulrich Heimlich. Das Inklusionsprojekt der Kor binianschule Steinhöring mit dem Gymnasium Grafing zeigt ebenfalls, was an Vielfalt möglich ist. Die Schule & Wir 2 · 1 1 7 förderschwerpunkte: UN-Behindertenrechts- meinsamen Unterrichts aufgeklärt. Die Förderschulen sind hierfür wich tige Schlüsselzentren. Sie sichern, dass fachliche Kompetenz dorthin gelangt, wo sie gebraucht wird: zu Kindern, Eltern und den Regelschu len. Eltern können sich an die Förder zentren wenden, um sich für den richtigen Weg ihres Kindes beraten zu lassen. Sie erhalten dort ein Netzwerk an hilfreichen Kontakten. Ein besonderes Angebot ist der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD). Die Lehrkräfte des MSD un terstützen Schüler mit sonderpäda gogischem Förderbedarf, die den Unterricht einer Regelschule besu chen. Ihr Ziel: Die Kinder bestmög lich zu stärken. Ein weiteres Einsatz gebiet sind die zahlreichen Koope rationsklassen. 675 solcher Klassen gibt es derzeit an den Volks und Berufsschulen im Freistaat. In die sen Klassen der allgemeinen Schule haben im Schnitt vier bis fünf Schü ler sonderpädagogischen Förderbe darf ­ sie sind dabei Teil der Klasse. Sie bekommen gezielte Förderung:

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inklusion Korbinianschule ist ein Förderzen trum für geistige Entwicklung. Seit September 2010 sind acht ihrer Schülerinnen und Schüler mit ihrer Lehrerin ein selbstverständlicher Teil des Gymnasiums. Die 5g ist eine sogenannte Außenklasse. Außen oder künftig Partnerklassen sind Lernkooperationen zwischen einer Regel und einer Förderklasse. Der Unterricht findet hier für alle an der Regelschule statt. Zusammen mit ihrer gymnasialen Klasse hat die 5g jede Woche gemeinsam Sport. Auch in anderen Fächern erhalten sie regelmäßig gemeinsam Unter richt. Die neuen Fünftklässler ziehen daraus Vorteile für ihre Persönlich keit. "Der Schulwechsel war für unsere Kinder eine enorme Heraus Mitarbeiter der Werkstatt für Behinderte in Nürnberg verpacken die Zeitschrift "Schule Wir" zum Versand 1,4 % Sehen 3,7 % Hören Schüler insgesamt* 84.184 Geistige Entwicklung 13,5 % 6,8 % 49,1 % Lernen Sprache Förderschwerpunkte Die Mehrheit der Schüler mit sonder pädagogischem Förderbedarf haben den Schwerpunkt Lernen. 8 Schule & Wir 2 · 11 * Es gibt 84.184 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung in Bayern. Insgesamt hat der Freistaat rund 1,8 Mio. Schüler. Die Zahlen beziehen sich auf die bestimmenden Förderschwerpunkte an den Schulen zur sonderpädagogischen Förderung. Einbezogen wurden zudem die MSD-Förderschwerpunkte an den anderen Schularten. Fotos: ddp images/dapd/Thomas Lohnes, www.fotogerleigner.de, Kultusministerium/Anja Wechsler 5,1 % Körperliche u. motorische Entwicklung 12,8 % Keinem Förderschwerpunkt zugeordnet Emotionale u. soziale Entwicklung forderung", berichten Eltern aus der 5g. Aber spätestens nach einem gemeinsamen Schullandheim aufenthalt waren alle Bedenken ver schwunden. Die Kinder kamen über glücklich nach Hause zurück. Mit ihrer geistigen Behinderung selbst verständlich als Teil der Schulfamilie anerkannt zu sein und gleichwertig am aktiven Schulleben teilzuneh men: Das ist ein Gewinn für das Selbstwertgefühl. Es ist auch ein Ansporn, Neues lernen zu wollen. Die Politik setzt auf Inklusion: Bei der Arbeit an der neuen Fassung des Unterrichtsgesetzes in Bayern (BayEUG) waren sich alle Fraktionen im Landtag einig. Sie wollen das be stehende Konzept weiter ausbauen. Dafür entwickeln sich mehr als 30 Regelschulen im kommenden Schul jahr weiter. Sie werden als sogenann te Profilschulen ihr jeweiliges Schul profil "Inklusion" umsetzen. Sie sind wichtige Bestandteile im Gesamt konzept, das aus Formen kooperati ven Lernens und der Weiterentwick lung hin zur inklusiven Schule be steht. 30 weitere Profilschulen folgen 2012. Hierfür schafft das Kultus ministerium im Haushalt 2011/12 je weils 100 zusätzliche Lehrerstellen. Schulen wirken in die Breite Diese Schulen sollen zusammen mit den bereits existierenden inklusiven Schulen in die Breite wirken und ihre Konzepte weiterge ben. Die Profilschulen bekommen einen Sonderpädagogen, der festes Mitglied des Lehrerkollegiums ist. Er bringt sein spezielles Wissen in Diagnose und Förderung für alle ein. Die Schule ist organisatorisch frei: Sie kann die Lehrerstunden vertei len, bündeln ­ in bestimmten Fällen auch feste Lehrertandems schaffen. Ein Lehrer der Regelschule und ein Kollege aus der Sonder oder der Heilpädagogik unterrichten dabei gemeinsam alle Schüler. Für Schüler ist Gemeinschaft selbstverständlich. Die Klasse 5g bringt diesen Wunsch in einem Brief an ihre neue Schule auf den Punkt: "Wir sind einfach Kinder ­ genau wie ihr. Und wenn ihr trotz dem Unterschiede bemerkt, dann denkt einfach daran: Es ist normal, verschieden zu sein." Partnerklassen sind ein Gewinn Das Miteinander ist auch für beide Klassen ein Gewinn: "Kinder lernen untereinander und voneinander. Und das können sie besonders gut, wenn da auch Unterschiede sind", erklärt Heimlich. "Die Schüler regen sich gegenseitig zum Entwickeln an. Hilfsbereitschaft, Sensibilität, Tole ranz sind wichtige Werte. Sie kön nen besonders gut auf inklusiven Schulen wachsen." Außenklassen sind ein großer Schritt zur Annahme der Vielfalt an unterschiedlichen Kompetenzen der Kinder. Zahlreiche Unterrichts stunden hat Experte Ulrich Heim lich beobachtet. Wirklich überzeugt ist er dabei von der Fröhlichkeit, die das gemeinsame Arbeiten auszeich net. "So eine Atmosphäre kann für den Lernerfolg nur positiv wirken." 7,6 %

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ferienkalender Die Gewinnerin Julia Echinger ­ ihr gedruckter Kalender kann auch per EMail unter ferienkalender@stmuk.bayern.de kostenlos bestellt werden Wettbewerb "Mein Herz schlägt für die Ferien" In diesem Jahr wurde der Ferienkalender erstmals von einer Schülerin gestaltet -- Julia Echinger besucht die 7. Klasse einer Realschule aus den genau 200 Einsendungen von Schülern im Alter von zehn bis 19 Jahren aus. Es zählten Originalität und Kreativität. Die vielen einfallsreichen Vorschläge machten der Jury die Entscheidung nicht leicht. Der schönste Ferienkalender 2011/2012 kann nun auf der nächsten Seite herausgetrennt werden. Der zweite und dritte Platz werden zudem als Downloads im Internet angeboten unter www.km.bayern.de/ferienkalender. edes Jahr erreichen unsere Redaktion zahlreiche Anrufe, Postkarten und EMails mit der Bitte um den Ferien kalender. Wir freuen uns, dass er so viele treue Anhänger hat. Es gibt ihn auch in diesem Jahr wieder. Allerdings: Diesmal wurde er von einer Schülerin gestaltet ­ von Julia Echinger von der Staatlichen Real schule in Memmingen. Sie besucht dort die 7. Klasse. Julia ist die Siegerin unseres KunstWettbewerbs. Die Jury wählte sie Die Jury bei der Arbeit: Michael Weidenhiller, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, Nicole Sacher und Kultusstaats sekretär Thomas Kreuzer (v.l.n.r.) Schule & Wir 2 · 1 1

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Bayerns schulfreie Tage sind durch verschiedene Farben markiert. Die Festlegung der schulfreien Samstage liegt in der Verantwortung der betroffenen Schule.

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Mehr Infos: www.km.bayern.de/ferientermine (bis 2017) www.kmk.org Ferienkalender (Ferien aller Bundesländer) Bild: Julia Echinger

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ferientipp Kultur für Kinder Schlösserland ist Kinderland In den Schlössern, Burgen und Residenzen Bayerns erleben Kinder Geschichte. Sie können sich bei einem Besuch wie ein Burgfräulein, ein Ritter, eine Prinzessin oder ein Schlossgespenst fühlen. Die Bayerische Schlösserverwaltung bietet Kindern mehr als Museen und Ausstellungen -- und das kostenlos! Mehr Information: www.schloesser.bayern.de Burg Lauenstein Schloss und Park Rosenau Coburg Plassenburg Schloss Ehrenburg Kulmbach Veste Coburg Aschaffenburg Schloss Johannisburg Pompejanum Schloss und Park Schönbusch Main Schloss und Park Seehof Schloss Fantaisie bei Bayreuth-Donndorf Bamberg Neue Residenz Alte Hofhaltung Würzburg Residenz und Hofgarten Würzburg Festung Marienberg mit Fürstengarten Festung Rothenberg Cadolzburg bei Fürth Schloss und Hofgarten Veitshöchheim Bayreuth Neues Schloss und Hofgarten Markgräfliches Opernhaus Altes Schloss Eremitage Schloss und Park Fantaisie Felsengarten Sanspareil mit Morgenländischem Bau und Burg Zwernitz Nürnberg Ansbach Residenz Ansbach mit Hofgarten Kaiserburg Tucherschloss Residenz Ellingen mit Park Burg Rosenburg Regensburg Willibaldsburg mit Bastionsgarten Eichstätt Burg Prunn im Altmühltal Befreiungshalle Kelheim Do na u Schloss Spielberg Neu-Ulm Schloss Schloss Neuburg Höchstädt an der Donau Isar Landshut Stadtresidenz Landshut Burg Trausnitz Passau Augsburg Schlossanlage Schleißheim Schloss und Hofgarten Dachau Ammersee München Schloss Blutenburg Schloss und Park Nymphenburg Residenz München Hofgarten und Dichtergarten Ruhmeshalle und Bavaria Burg zu Burghausen Leitgeringer See Waginger See Chiemsee Künstlerhaus Gasteiger/ Utting Lec h Residenz Kempten Großer Alpsee Alpsee und Schwansee Park Feldafing und Roseninsel Staffelsee Starnberger See Tegernsee Kloster Frauenchiemsee Herrenchiemsee Schliersee Künstlerhaus Exter Hintersee Soinsee Schloss Spitzingsee Neuschwanstein Schloss und Park Linderhof Kochelsee St. Bartholomä Königshaus am Schachen Königssee und Obersee

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rat & tat Lernen Schlechtes Zeugnis -- was nun? Giftblätter oder Giftzettel: Begriffe aus einer vergangenen Zeit -- heute sollte ein Zeugnis für Eltern und Schüler keine Überraschung mehr sein sollten Erfolge loben, auch wenn die Leistung darin besteht, dass das Kind in einer schwierigen Situation die Note gehalten hat. Wichtig sind "erreichbare und realistische Ziele", erklärt Roland Zerpies, Schulpsychologe im bayeri schen Kultusministerium. "Eltern sollten Vereinba rungen über den Weg zum Ziel treffen ­ dies umfasst Lernpläne, Unterstützung des Kindes, gute Rahmenbedingungen, aber auch klare Einschätzungen der Fähigkeiten und der Begabung." Falls ein Kind vor allem Motiva tionsprobleme oder gar Schulangst hat, ist ein Wechsel in die niedrigere Klassenstufe (freiwilliger Rücktritt) nicht anzuraten, so Zerpies. Dieselben Probleme werden ver mutlich in der neuen Klasse wieder kehren. Hier ist es wichtig, dem Kind zur Seite zu stehen und Hilfe aufzusuchen, um die Ursachen der Leistungsprobleme zu klären. Fotos: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Getty Images inen "Schock" können sich Eltern ersparen, wenn sie die Leistung des Kindes kontinuier lich verfolgen, etwa bei Eltern sprechtagen und Elternaben den. Entsprechen die Noten nicht den Erwartungen, emp fiehlt sich ein Gespräch mit der Lehrkraft. Damit das Kind nicht den Eindruck hat, es wird über seinen Kopf entschieden, darf es bei dem Gespräch da bei sein. Professorin SilviaIris Beutel, Erziehungswissenschaftlerin der TU Dortmund hat ausführlich untersucht, wie Kinder Zeugnisse aufnehmen. Sie erklärt: "Schüler ElternLehrerGespräche müssen regelmäßig angeboten werden. Auf dieser Grundlage können Lernverträge geschlossen werden, in denen die jeweilige Unterstüt zung für künftige Lernfortschritte festgehalten und später auch nachgehalten wird." Im Gespräch mit dem Lehrer dürfen Eltern nach ausführlicheren Erklä Eltern sollten mit ihren Kindern klare und realistische Ziele verein baren rungen fragen: Welche Stärken gibt es? Wo sieht der Lehrer die Schwä chen des Kindes? Welche konkreten Schritte sollen die Eltern und das Kind nun unternehmen? Schuldzu weisungen sind tabu. Eltern können auch die Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen als kompetente Ansprechpartner nutzen. Für die Eltern ist wichtig, ihrem Kind Unterstützung zu zeigen. Den allerwenigsten Schülern sind schlechte Noten egal ­ fast allen sind sie sogar peinlich. Eltern Was können Eltern verbessern? Versuchen Sie im Gespräch, den Misserfolg mit Fak toren zu erklären, die das Kind selbst beeinflussen kann: Lerndauer, Konzen tration oder Motivation. Lassen Sie ihr Kind selbst Vorschläge machen, wie es sich Hilfe wünscht. Ist das Selbstbewusstsein des Kindes oder Jugend lichen in die eigenen Fähig keiten beschädigt, wird es immer schwieriger, Freude und Interesse an der Schule und am Lernen zu finden ­ aber das muss das Ziel sein. Vermitteln Sie Geborgen heit in dieser schwierigen Situation. Sprechen Sie mit ihm über seine Ängste. Prüfen Sie die äußeren Rah menbedingungen. Manch mal führt schon ein anders organisierter Tagesablauf zum Erfolg. Treffen Sie feste Vereinbarungen über den Lernort, die Lernzeit und das Pensum. Zur besse ren Einschätzung der Lern zeiten sollte ein Lerntage buch geführt werden. Passgenaue Informationen bieten Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen: www.schulberatung.bayern.de Schule & Wir 2 · 1 1 13

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eSSStörUngen Psychologie Der Kampf mit sich selbst und dem eigenen Körper

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rat & tat in Gefühlschaos ist typisch für Menschen, die an Essstörungen leiden. Die bekanntesten sind die Magersucht (Anorexia nervosa) und die Ess BrechSucht (Bulimie); dazu tritt die Esssucht (BingeEatingDisorder). Sie alle verbindet, dass Gedanken an das Essen und das Essen selbst einen außerordentlichen Stellenwert ein nehmen und den Alltag immer mehr bestimmen ­ schließlich leiden auch Schule und Beruf, Familie und Freundschaften. Die Zahl der Betroffenen nimmt stetig zu: Bis zu ein Prozent der Bevölkerung ist von Anorexie, sogar drei Prozent von Bulimie und ebenso viele von Esssucht betroffen. Ess störungen gelten üblicherweise als "Frauenphänomene", aber rund zehn Prozent der Betroffenen sind männlich. Die Anfälligkeit für die Krankheit beginnt etwa mit der Pubertät, wenn sich der Körper vom Kind zum Erwachsenen entwickelt und ein Bewusstsein für den eige nen Körper entsteht. Sie kann also schon Elfjährige betreffen. SymptomefürEssstörungen Essen oder Nicht-Essen dominantes Thema. Diäten. Unterscheidung in "gute" und "schlechte" Nahrungsmittel Plötzlich intensives Fitnessprogramm Plötzlich weite Kleidung, die den Gewichtsverlust verbergen soll Unkontrollierte Essattacken Gewicht und Figur bestimmen Alltag und Selbstwertgefühl Panik vor Gewichtszunahme, mehrmaliges Wiegen am Tag Gewicht deutlich unter dem Durchschnittsgewicht Gleichaltriger Trotz Untergewicht das Gefühl, dick zu sein Leugnung der Probleme Die Anorexie Bei der Magersucht wird das Gewicht massiv reduziert bis hin zur akuten Lebensgefahr: Durch Nicht Essen, Sport und auch Medikamente und Erbrechen. Dies geht einher mit einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers. Die organischen Folgen sind sehr deutlich: Kreislaufprobleme Bei Mädchen Ausbleiben der Periode, bei Buben und Mädchen Entwicklungs verzögerungen Verdauungsstörungen Lebensbedrohliche Organschäden Die Bulimie Die EssBrechSucht bleibt oft länger unerkannt, vor allem, weil die Betroffenen häufig normal gewichtig sind. Hier kommt es regelmäßig zu Ess anfällen, bei denen in kurzer Zeit wahllos und unkontrolliert Essen konsumiert wird. Diese Phase wird dann kompensiert ­ durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Medi kamente, strenge Diät oder Sport. Auch bei der Bulimie sind die körperlichen Folgen einschnei dend. Zudem kann die Bulimie in Anorexie übergehen. Organische Folgen: Verätzungen der Speiseröhre und Zahnschäden durch das Erbrechen Menstruations und Entwicklungsstörungen Verdauungsprobleme und Organschäden Fressattacken bis hin zur Esssucht (Binge-Eating-Disorder) Esssucht zeichnet sich durch Heißhungerattacken aus. Den Betroffenen fehlt scheinbar das Gefühl für Hunger und Sättigung. Sie leiden deutlich darunter, können ihr Verhalten aber nicht kontrollie ren. Aus Scham ziehen sie sich bei diesen Anfällen meist zurück. Anders als bei der Bulimie fehlt die Phase, in der Kalorien massiv eingespart werden. Daher steigt das Gewicht kontinuierlich. Organische Folgen: Diabetes HerzKreislaufProbleme Gelenkprobleme Es muss doch irgendeinen Grund geben Ja und nein. Essstörungen sind Reaktionen und damit Symptome für Konflikte, die viel tiefer gehen. Es gibt in den allermeisten Fällen nicht die eine Ursache. Ein häufiger Grund ist Unsicherheit ­ und die ist in der Pubertät völlig normal, wenn sich der Körper schnell verändert und die Gefühle verrückt spielen. Wird das Selbstwertgefühl aber stark von äußeren Faktoren bestimmt, stellt sich schnell die Frage: "Ist das normal?", "Bin ich Schule & Wir 2 · 1 1 15

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rat & tat schlank ­ und damit attraktiv?" Im Hintergrund steht ein über die Medien vermitteltes, unerreich bares Idealbild des "perfekten = schlanken Körpers". Verschärfend wirken zudem Kom mentare, Kritik und Spott über die Figur ­ durch Gleichaltrige oder sogar in der Familie. Gerade bei Anorexie kommt oft das Streben nach Perfektionismus dazu: Häufig sind die Betroffenen sehr kontrollierte und erfolgreiche Schülerinnen und Schüler. Ein Spezialfall ist Leistungssport, insbesondere in Disziplinen, bei denen entweder geringes Gewicht Vorteile bringt (z.B. Turnen) oder Gewichtsklassen existieren. Diffuser sind die Ursachen für Ess sucht: Oft erscheinen Essattacken als Reaktion auf negative Gefühle, sind verbunden mit Frustration, Wut oder Depression. Für alle Essstörungen gilt: Verschärfende Faktoren sind akute Stresssituationen (z. B. familiäre Probleme, Mobbing, Überfor derung, Sport) oder Aufbrechen zurückliegender Traumata (z.B. familiäre Konflikte, Gewalt erfahrungen). Zum Weiterlesen Wastun? Unterlassen Sie Schuldzuweisungen, an Ihr Kind und auch an sich selbst. Bieten Sie geduldig immer wieder Ihre Unterstützung und Gesprächsbereitschaft an, erzwingen Sie diese aber nicht. Lassen Sie sich nicht durch die Betroffenen unter Druck setzen. Weitere Hinweise zum Umgang mit den Betroffenen finden Sie hier: - Hausarzt - Schulpsychologe - Beratungsstellen: Die staatliche Schulberatungsstelle kann als Wegweiser zu den Spezialisten vor Ort dienen. Ganz wichtig auch: - Sorgen Sie für sich selbst: Ihr eigenes Leben muss weitergehen! - Möglichst frühe Hilfe ist der beste Ausweg - Suchen Sie Unterstützung für sich ­ Arzt und Beratungsstellen helfen auch hier weiter. Hilfe aufsuchen? "Eine Essstörung ist eine komplexe Erkrankung, die möglichst rasch in die Hände von Fachleuten ge hört", betont Psychologin Stefanie Hildebrandt von der Beratungs stelle Cinderella in München. ISB: www.gesundheit-und-schule.info/index.php?Seite=67& Staatliche Schulberatung: www.schulberatung.bayern.de/schulberatung/bayern/fragen_paed_psy essstoerungen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.bzga-essstoerungen.de Beratungsstelle: z.B. www.cinderella-rat-bei-essstoerungen.de 16 Schule & Wir 2 · 11 Fotos: laif/Annette Schreyer, Fotolia/mirabella, Corbis Essstörung: Eine Krankheit ­ kein Life-Style oder "Tick" Essstörungen sind sehr ernste Krankheiten. Sie sind dabei keine internistischen Angelegenheiten wie etwa Stoffwechselstörungen. Sie sind seelisch begründet. Wie jede Sucht können sie von der ganzen Person Besitz er greifen ­ bis hin zum Tod: Im Fall der Anorexie enden etwa 15 Prozent der Fälle tödlich. Ande rerseits können sogar hier 50 Prozent der Erkrankten wieder völlig geheilt werden. Wie bei jeder Suchterkrankung ist die möglichst frühe Hilfe der beste Ausweg. Und wie bei vielen Sucht erkrankungen tun sich Betrof fene ­ sogar wenn sie ihr Problem erkannt haben ­ schwer, die Kontrolle zurückzuerlangen. Sie verleugnen, banalisieren und verheimlichen ihr Verhalten.

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Ein Besuch vor Ort kann helfen, die Entscheidung zu erleichtern schulleben auf die schulische Leistung wie auch auf die persönliche Entwicklung. Die bayerischen Internate stel len keine exklusive Gemeinschaft der oberen Zehntausend dar, son dern richten ihr Angebot an alle bayerischen Familien. Die Preise für eine Unterbringung in einer Inter natschule variieren je nach Träger schaft, Lage, Ausstattung sowie Betreuungs und Förderangeboten. Genauere Auskünfte sind bei den Schulleitungen vor Ort erhältlich. Internate in Bayern Sie sind keine exklusive Gemeinschaft -- ihr Angebot richtet sich an alle Familien Wohnort Schule Stärken und Schwächen erkennen Um die Eignung des Kindes für einen Internatsbesuch zu ermitteln, stehen die Internatsschulen sowie die staatliche Schulberatungsstellen für eine ausführliche individuelle Beratung zur Verfügung. Ein Besuch vor Ort kann helfen, das Internat vor einer Entscheidung kennenzu lernen und damit die richtig Wahl zu treffen. Das Leistungsspektrum ist groß, das Angebot abwechslungs reich. Mehr als 80 Internate stehen allein in Bayern zur Auswahl. Der Freistaat besitzt dafür eine vielfäl tige Internatslandschaft mit staat lich genehmigten Ersatzschulen und Ergänzungsschulen in kirchlicher und privater Trägerschaft. Eine Besonderheit in Bayern: Es gibt elf staatliche Gymnasien und vier Schulen des Zweckverbands Baye rische Landschulheime mit einem angeschlossenen Schülerheim und besonderen Angeboten der Begab tenförderung. Zusammen stellen sie ein flächendeckendes Angebot für Schüler aus ganz Bayern dar, das alle Schularten von der Grundschule bis zum Kolleg mit einbezieht. ausende Schülerinnen und Schüler besuchen Jahr für Jahr mehr als 80 bayerische Internate. Sie nutzen dort ein vielfältiges Angebot. Internate bieten eine intensive und bedarfs gerechte schulische und erziehe rische Betreuung, je nach Bedarf und Konzept: wochentags, an Wo chenenden oder auch in den Ferien. Zu den über den Unterricht hinaus gehenden Angeboten gehören vor allem Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe sowie Sport, Kunst und Musikprogramme. Hinzu kommen spezielle schulische Angebote für Kinder aus allen Landesteilen, etwa bei Sportstützpunkten, Stand orten der Hochbegabtenförderung oder bei Internaten mit handwerk lichen und musikalischen Aus bildungsangeboten. Ein Internatsbesuch kann für Eltern und Kind Entlastung in fa miliär schwierigen Phasen bringen und damit helfen, dass eine krisen hafte Entwicklung vermieden wird. Schließlich ermöglicht das Inter natsangebot auch eine bessere Ver einbarkeit von Familie und Beruf. Pädagogisch begleitete Einbindung Jedes Kind ist unterschiedlich und hat seine ganz eigenen Stärken und Schwächen. Nicht jeder kommt damit klar, von den Eltern getrennt zu leben und nicht jedes Internat trifft den individuellen Geschmack. Allerdings hat für die meisten Inter natsschüler die pädagogisch beglei tete Einbindung in ein soziales Netzwerk und in einen geregelten Tagesablauf einen positiven Effekt Mehr Information: www.km.bayern.de/internate Schule & Wir 2 · 1 1 17

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Nachgefragt www.km.bayern.de/recht Mein Sohn, 7. Klasse Real schule, kletterte in seiner Freizeit mit einem Freund auf ein Garagendach. Ein erboster Nach bar fotografierte die Kinder und schickte die Bilder an den Schul leiter meines Sohnes. Dieser verhängte daraufhin als Strafe fünf Sozialstunden. Darf er das für eine Sache, die außerhalb des Schulgeländes und außerhalb der Unterrichtszeit passierte? ANDREA K. PER E-MAIL hulst Freizeit ohne Sc rafe? Erziehungs und Ordnungsmaß nahmen können nach dem Grund satz der Verhältnismäßigkeit zur Sicherung des Bildungs und Erziehungsauftrags oder zum Schutz von Personen und Sachen gegenüber Schülern getroffen werden (Art. 86 Abs. 1 BayEUG). Aus dem Sicherungszweck ergibt sich, dass grundsätzlich nur schu lisches Verhalten zur Verhängung dieser Maßnahmen führt. Auch außerschulisches Verhalten kann allerdings eine Erziehungs oder Ordnungsmaßnahme nach sich ziehen wenn es in den Schulbetrieb hineinwirkt und die Erfüllung des Erziehungs und Bildungsauftrages der Schule behindert wird. Der geschilderte Sachverhalt weist darauf aber nicht hin. Gibt es für die 3. und 4. Jahrgangsstufe eine Regelung, wie Folgefehler gewertet werden? Oder kann der Lehrer bei einem solchen Fehler wiederholt null Punkte geben? E. K. PER E-MAIL Meine Tochter, 10. Klasse Gymnasium, musste bei Temperaturen um die 30°C in der fünften und sechsten Stunde Ausdauersport im Freien ausüben. Dies wurde mit dem Lehrplan begründet. Hat die Lehrerin nicht die Möglichkeit, bei solchen Tempera turen ein Alternativprogramm zu wählen? ERIKA F. PER E-MAIL Art, Zahl, Umfang, Schwierigkeit und Gewichtung der Leistungsnachweise richten sich nach den Erfordernis sen der jeweiligen Schulart, der Jahrgangsstufe und der einzelnen Fächer (Art. 52 Abs. 1 Satz 2 BayEUG). Die Lei stungsbewertung erfolgt in der pädagogischen Verant wortung der Lehrkraft. Dies ermöglicht, der oft sehr spezifischen Situation in einer Grundschulklasse gerecht zu werden. In der Praxis bewährt es sich, dass sich das Kollegium einer Schule auf einen einheitlichen Modus einigt. Sicherlich sollte in diesem Rahmen der Umgang mit Folgefehlern und eine sich daraus ergebende Punktevergabe besprochen werden. Die Bepunktung einzelner korrekter Teilschritte bzw. Punktabzüge liegen jedoch in der Verantwortung der jeweiligen Lehrkraft. Sinnvoll wäre ein Gespräch mit ihr. Die Lehrpläne für das Fach Sport enthalten durch das Kultusministerium verbindlich vorgegebene Ziele und Inhalte. Zeitliche Vorgaben sind damit nicht verbunden. Die Verteilung des Unterrichtsstoffes im Verlauf eines Schuljahres obliegt jedoch der Lehrkraft. Grundsätzlich ist Sport ­ und damit auch Sportunterricht ­ bei sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen im Freien möglich. Große Hitze setzt aber eine angemessene Übungsauswahl und Dosierung der Belastung voraus. So sind Belastungsart, Umfang und Intensität der jewei ligen Übungen so zu wählen, dass es zu keiner Überfor derung der Schüler kommen kann. Die inhaltlichen, me thodischen und organisatorischen Maßnahmen, um dies zu erreichen, liegen in der pädagogischen Verantwor tung der jeweiligen Lehrkraft. impressum HERAUSGEBER Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Salvatorstraße 2, 80333 München REDAKTION Uwe Barfknecht (verantw.), Erich Biebl, Birger Nemitz, Nicole Sacher, Dr. Eva Huller, Julia Lindner SEKRETARIAT Tel. (0 89) 21 86-2075, Fax (0 89) 21 86-2802 elternzeitschrift@stmuk.bayern.de GESTALTUNG Agentur2 GmbH München DRUCK UND HERSTELLUNG Prinovis Nürnberg, Breslauer Straße 300 Die Zeitschrift wird vom bayerischen Kultus ministerium kostenlos über die Schulen an die Eltern verteilt. Wegen der leichteren Lesbarkeit umfassen Bezeichnungen von Personengruppen in der Regel weibliche und männliche Personen. Das Papier von "Schule & Wir" wird aus Holzfasern hergestellt, die aus verantwortungsbewusst bewirtschafteten Wäldern stammen. Dem Wald wird nicht mehr Holz entnommen, als gleichzeitig nachwachsen kann. 18 Schule & Wir 2 · 11 Mehr Fragen und Antworten unter www.km.bayern.de/recht BayEUG: Bayer. Erziehungs- und Unterrichtsgesetz · VSO: Schulordnung für die Volksschulen in Bayern · RSO: Schulordnung für die Realschulen in Bayern · GSO: Schulordnung für die Gymnasien in Bayern VSO-F: Schulordnung für die Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung · GSG Gesetz zum Schutz der Gesundheit · LDO Dienstordnung für Lehrer an staatlichen Schulen in Bayern. Foto: LOOKfoto/Harald Eisenberger Darf außerschulisches Verhalten bestraft werden?

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Lesen! Hören! Sehen! Die Wette Steve Hely und Vali Chandrasekaran AB 14 JAHRE · PIPER · 9,95 Die kleine Dame Stefanie Taschinski gelesen von Katharina Thalbach Illustrationen von Nina Dullek, © 2010 Arena Verlag GmbH, Würzburg AB 6 JAHRE · ARENA-AUDIO / VERLAG · 12,99/12,95 ls Lilly mit ihrer Familie in das alte Haus mit der goldenen Brezel zieht, ahnt sie nicht, dass im verwunschenen Hinterhof eine magische Nachbarin wohnt. Die kleine Dame chamäleonisiert am liebsten. ein anderes ihrer Hobbies ist die Tofo grafie. Außerdem spricht sie Vorwärtzisch und rück wärtzisch. Für Lilly aber wird sie vor allem eine uner setzbare Verbündete im Kampf gegen den knurrigen Hausmeister und KinderHasser, Herrn Leber wurst ... Katharina Thalbach liest das Buch auf zwei spannenden CDs. Das Buch mit wunder baren illustrationen von Nina Dullek ist erhältlich im Arena Verlag. 24 Länder auf 5 Kontinenten ­ zwei Rei sende und eine Idee: Wer umrundet die Welt am schnellsten? Steve und Vali bre chen in unterschiedliche Richtungen auf und berichten abwechselnd von den Er eignissen: Steve auf einem Container schiff nach Shanghai, Vali im Mietwagen nach Mexiko. Letzteren kostet der Start gen Osten jeden zweiten Tag eine Stunde Schlaf. Er greift zu Tricks. Alte Kulturen ­ Atlas vergangener Welten Peter Chrisp AB 8 JAHRE DORLING KINDERLEy · 16,95 Die Azteken, der Kaiser von China, die australischen Aborigines: Alte Kulturen, über die dieser Bildband berichtet. Kar ten zeigen die kulturellen Zusammen hänge auf den Kontinenten. Kurze Texte zu spannenden Aspekten der jeweiligen Kultur erklären den Lebensraum, den Alltag und die Geschichte früher Zivilisa tionen. Jede Seite ist illustriert mit Fotos von Funden und historischen Stätten. Verbotene Welt Isabel Abedi AB 10 JAHRE · LOEWE-TASCHENBUCH · 8,95 ein Verrückter lässt berühmte Bauwerke wie den eiffelturm oder die Freiheitsstatue schrump fen, um sie in seinem Keller zu sammeln. Dumm nur, dass auch menschen mitge schrumpft werden, die sich zu diesem Zeitpunkt zufällig in diesen Gebäu den befinden ­ darunter Otis und Olivia. Die zwei Kinder kommen dem Geheimnis nach und nach auf die spur und wollen dem Verbrecher das Handwerk legen. Weitere Buchtipps für Lesehungrige bei "Unsere Besten" unter www.leseforum.bayern.de Schule & Wir 2 · 1 1 19

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Fragebogen Josef Erhard Welche Note würden Sie heute Ihrer alten Schule geben? Der Grundschule eine glatte Eins, dem Gymnasium die Note eins bis zwei. In manchen Dingen hätte es mir die Schule nicht so leicht machen sol len; das ist mir aber erst später aufgegangen. Was war das schönste Schul erlebnis? Eine Aufführung der "Carmina Burana" von Carl Orff, in der ich (solistisch) mit singen durfte: Die Arie des be trunkenen Abtes. Ich mochte überhaupt nicht ... ...den Samstags unterricht; da musste ich als Fahrschüler um 6.10 Uhr mit dem regulären Bus ab fahren, weil kein Schulbus ging. In der Schule war Josef Erhard ... Da sag ich jetzt nichts; es leben noch zu viele Zeugen ... Nach 13 Jahren als Amtschef des bayerischen Kultusministeriums geht Josef Erhard Ende Juli in den Ruhestand. Der Ministerialdirektor hat als Schüler in Erding die Volksschule und in Freising das Domgymnasium besucht. Was war der beste Schulstreich? Als wir für den Nachmittagsunter richt dem Steno Lehrer weismach ten, dass wir eine MatheStunde nachholen müssten und dem Mathe Lehrer, dass wir wegen Steno am Nachmittag keine Hausaufgaben auf kriegen dürften und dafür fröhlich zum Baden gingen. Das hat aber nur einmal funktio niert. Meine Eltern durf ten nicht wissen, dass ... ich in der (oder nach der) Schule das Rauchen pro bierte. Meine Lieblings fächer waren ... Deutsch und Latein Warum? Ich war und bin ein BücherFreak mit einer Vorliebe für die Antike. Haben Sie auch mal geschummelt? Welcher Schüler probiert das nicht? Wem würden Sie für Ihre Ausbil dung einen Orden verleihen? Meinem relativ jungen Lateinleh rer in der Ober stufe, der uns nicht nur Voka beln, sondern phi losophische Orien tierung auf span nende Weise nahegebracht hat. Was soll Bildung heute leisten? Vermittlung von Wissen, Fertig keiten und Kompe tenzen, Prägung durch Werte, Ein stellungen und politische Grund haltungen. Mit 16 hat Josef Erhard davon ge träumt, ... Dichter zu werden. Verraten Sie Ihren NotenDurch schnitt im Ab schlussZeugnis? So etwa 1,5 siehe Frage 1. Was würden Sie rückblickend an ders machen? Ich würde inten siver Sprachen lernen, vor allem versuchen, einen Auslandsaufenthalt umzusetzen. Wenn ich einen Tag bayerischer Kultusminister wäre, würde ich ... Da muss ich pas sen, sonst könnte ich gefragt wer den, warum hast Du's als Amtschef nicht getan, wenn Dein Minister im Urlaub war? Der Vater von drei Kindern lebt mit seiner Frau Franziska in Erding Foto: Kultusministerium