„So viel Hilfe wie nötig, so wenig Hilfe wie möglich“ - Zarah besucht die Grundschule gerne.
Im März 2008 verlor die kleine Zarah – heute acht Jahre – aufgrund einer schnell fortschreitenden Erkrankung ihr rechtes Bein bis zum Oberschenkel und ihre linke Kniescheibe. Zwei Monate später: Das tapfere Mädchen erhält eine Prothese und eine Schiene für das linke Knie. August bis Mitte September 2008 besucht Zarah dann eine Klinik für Rehabilitationsmaßnahmen, um wieder laufen und leben zu lernen. Und sie hat ein Ziel: Wie viele andere Abc-Schützen will Zarah den Schulanfang nicht verpassen.
Die Einschulung klappt. Zarah besucht die erste Klasse einer Münchner Grundschule und meistert den von ihr herbeigesehnten Schulanfang sehr gut. Problemlos integriert sie sich in die Klassengemeinschaft. Zarah ist ehrgeizig: sie lernt schnell Lesen und Schreiben – sie kann gut mit ihren Klassenkameraden mithalten. Doch ihr Alltag birgt viele Hürden: das Auspacken der Schultasche, An- und Ausziehen der Schuhe, Fertigmachen für die Pause, den Weg in den Pausenhof und zurück, Unterrichtsgänge, Schulausflüge und den Sportunterricht.
Die Klassenleitung engagiert sich bei der Integration von Zarah sehr – doch aufgrund vieler Aufgaben an der Schule kommt die Lehrkraft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die Lösung: Der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD). Die Großmutter des Mädchens ergreift die Initiative. Sie wusste, dass es im Münchner Stadtteil Giesing eine Körperbehindertenschule gibt, und greift Anfang Oktober 2008 zum Telefon. Sofort wurde Zarahs Großmutter an die Koordinatorin des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (MSD FkmE) weiterverbunden.
Ein Tag Hospitation in Zarahs Klasse, ein Gespräch mit den Horterzieherinnen, ein runder Tisch mit der Klassenlehrerin und der Mutter ergaben ein konkretes Bild, wie Zarah das Lernen und Arbeiten in der Schule erleichtert werden kann: Direkt nach den Herbstferien bekam Zarah über die Vereinigung Integrationsförderung e.V. (VIF) einen Individualhelfer an die Seite gestellt. Der junge Mann half ihr bei den alltäglichen Herausforderungen, ganz nach dem Motto: „So viel Hilfe wie nötig, so wenig Hilfe wie möglich“.
Das Ergebnis: Heute kann Zarah den Schultag weitgehend alleine bewältigen. Die Unterstützung durch den Helfer konnte nach nur einem halben Jahr reduziert werden und zum Ende des Schuljahres wurde er nur noch auf Abruf für Unterrichtsgänge oder Ausflüge angefordert. „Für den MSD ist dies ein wunderbares Beispiel dafür, dass schnelle Hilfe so zügig zu einer gelungenen Integration beitragen kann“, erklärt Angelika Uthoff, Koordinatorin des MSD.
