Staatssekretär Bernd Sibler mit BJR-Präsident Matthias Fack, Martha Felix vom Gymnasium Dorfen und Gerhard Böttcher, BJR
Seit mehr als 60 Jahren organisiert der Bayerische Jugendring internationale Schüleraustausche – im staatlichen Auftrag. Staatssekretär Bernd Sibler lobte bei einem Festakt die Bedeutung der Besuche für die Völkerverständigung, aber auch für die Wirtschaftskraft der beteiligten Länder.
In Bernried trafen sich Freunde und Funktionäre des Bayerischen Jugendrings zu einem Festakt: Seit mehr als sechs Jahrzehnten organisiert der Verband die „übertragene Staatsaufgabe“ – wie es offiziell heißt – des internationalen Schüleraustausch. Eigentlich engagiert sich der Bayerische Jugendring (BJR) bereits seit 1947 dafür. Doch am 2. Mai 1951 erhielt der Ring dazu auch den staatlichen Auftrag vom bayerischen Kultusministerium. Seither unterstützt der BJR die Schulen bei ihren Austauschmaßnahmen und bietet selbst entsprechende Programme an.
Kultusstaatssekretär Bernd Sibler würdigte diesen Einsatz: „Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der internationale Schüleraustausch häufig die zentrale Grundlage für interkulturelle Kompetenz bildet“, sagte Sibler in Bernried, „und diese stellt in unserer zunehmend globalisierten Welt eine Schlüsselqualifikation dar.“ Dadurch würden nicht nur solche Fähigkeiten gefördert wie Selbstsicherheit, Offenheit oder soziale Kompetenz. „Häufig motiviert die erste Austausch-Erfahrung zu weiteren internationalen Aktivitäten. Viele Teilnehmer wagen sich später in ihrem Leben an noch weitaus größere Herausforderungen“, so Bernd Sibler.
Bernd Sibler in Bernried
Doch die ursprüngliche Idee des Austausches war nicht die Qualifizierung der Teilnehmer für den wirtschaftlichen Wettbewerb – die Idee war eine ganz andere, berichtete Sibler: „In erster Linie wollte man die Beziehungen zwischen den Nationen stärken, um Kriege zu verhindern – man denke nur an den legendären Elyseevertrag zwischen Adenauer und De Gaulle. Dort heißt es wörtlich: „Der deutschen und französischen Jugend sollen alle Möglichkeiten geboten werden, um die Bande, die zwischen ihnen bestehen, enger zu gestalten und ihr Verständnis füreinander zu vertiefen.“
Der Bayerische Jugendring bietet seit rund 30 Jahren sein Einzelaustausch-Programm an. Grundprinzipien sind dabei der Schulbesuch im Ausland sowie die Unterbringung in einer Familie. Die Programme sind auf direkte Gegenseitigkeit ausgerichtet. Das bedeutet, dass etwa gleichaltrige Austauschpaare zusammengestellt werden. Die Austauschpartner besuchen sich jeweils nacheinander wechselseitig im Land des Anderen, leben gemeinsam in dessen Familie und besuchen zusammen die Schule. Der Austausch dauert jeweils zwei bis drei Monate.
„Ein Vorteil eines Austauschs, den man gar nicht hoch genug einschätzen kann, ist der zumeist überaus positive Eindruck vom Gastland Bayern, den die Gäste mit in ihre Heimatländer nehmen“, berichtete Bernd Sibler. „Teilweise beeinflussen die Erfahrungen sogar die Entscheidungen bei der Studien- und Berufswahl. Und Menschen, die schon als Jugendliche so engagiert waren, dass sie ins Ausland gegangen sind, arbeiten später oft als Verantwortungsträger in Unternehmen. Eine bessere Werbung für Deutschland und Bayern kann es gar nicht geben!“
Jedes Jahr nehmen 50.000 Schülerinnen und Schüler am Austausch teil
Neben dem Einzelaustausch bestehen Gruppenaustausche und Schulpartnerschaften. „Die Begegnung und Verständigung mit den Nachbarländern ist nach wie vor ein zentrales Anliegen der bayerischen Bildungspolitik“, sagte Staatssekretär Sibler in Bernried. „Daher freue ich mich sehr, dass unsere Schulen umfangreiche Austauschmaßnahmen durchführen – selbständig oder mit Unterstützung des BJR. Etwa 30.000 junge Menschen aus Bayern nehmen jährlich an einem solchen Austausch teil. Die jeweiligen Austauschpartner treffen sich dabei mindestens zwei Mal – in jedem Land einmal. So wird das Bewusstsein dafür geschärft, dass wir alle im gemeinsamen Haus Europa leben. Die Bayerische Staatsregierung hat daher im vergangenen Jahr rund 238.000 Euro zur Förderung des Schüleraustauschs zur Verfügung gestellt.“
Schulpartnerschaften gibt es mit vielen Ländern. Nach der Anzahl der Schüler liegen Frankreich, Großbritannien, Italien, USA und Polen vorn. Auch mit Israel pflegen gut ein Dutzend bayerische Schulen Partnerschaften: Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat mit einem Memorandum bei seinem Besuch in Israel die Bedeutung dieser Schulpartnerschaften festgeschrieben. Der BJR bietet bereits seit 1987 ein bi-nationales Seminar für Lehrer zusammen mit der Stadt Jerusalem an.
Ausdrücklich lobte Staatssekretär Bernd Sibler auf dem Festakt in Bernried den Einsatz „der vielen hundert Lehrkräfte und Schulleitungen, die den Austausch möglich machen und durchführen. Wir wissen aus einer Umfrage des BJR, dass Sie für einen Austausch mit Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung bis zu vier Wochen Ihrer privaten Zeit investieren. Für diesen Einsatz, der wahrlich nicht selbstverständlich ist, danke ich Ihnen sehr.“
Stand: 30. Juni 2012 / Fotos: BJR
