Bernd Sibler in Aktion: Die Mittelschüler in Hengersberg lernten, wann Notwehr erlaubt ist
Was tun, wenn andere in Not sind? Oder wenn ich angegriffen werde? Statt wegschauen: Mutig eingreifen! Wie das richtig geht, lernten die Mittelschüler in Hengersberg im Kurs Zivilcourage für Schüler. Auch Staatssekretär Bernd Sibler kennt jetzt einige Selbstverteidigungskniffe.
„Viel zu oft kommt es im öffentlichen Raum zu Pöbeleien, Stänkereien oder gar zu regelrechten Gewaltexzessen“, meinte Staatssekretär Bernd Sibler beim Selbstbehauptungskurs in der Mittelschule Abt-Bernhard-Hilz in Hengersberg. „Fassungslos bin ich, wenn ich erfahre, dass in vielen Fällen niemand geholfen hat“. Wie man richtig hilft, ohne den Helden zu spielen und ohne sich selbst unnötig zu gefährden, lernten die Mittelschüler der neunten Jahrgangsstufe in dem Kurs von den Trainern der Agentur Sicher im Alltag.
Die Schüler sahen, wie sie mit schwierigen Zeitgenossen umgehen sollen
Die Trainer leiten diesen Kurs an der Schule zur individuellen Lernförderung, den Mittelschulen, Volksschulen und Realschulen in Schöllnach, Hengersberg und Winzer, dem Gymnasium St. Gotthard in Niederalteich und der Wirtschaftsschule in Deggendorf. Bis Ende März wollen sie alle Schulen besucht haben.
„Falsch ist es immer nur, nichts zu tun“, erklärte Trainer Marcus Dannapfel den Schülern. Zunächst sollten die Helfer alle nicht-körperlichen Lösungswege suchen – dann besteht auch nicht die Gefahr, dass die Helfer ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und vielleicht selber Opfer werden. In Rollenspielen wurde der Umgang mit aggressiven, pöbelnden Mitmenschen geübt – laute, klare Ansprache, Abstand wahren, Öffentlichkeit herstellen.
Bernd Sibler löst einen Griff
„In Gefahrensituationen könnt ihr in vielfältiger Weise eingreifen“, berichtete Bernd Sibler, „durch bloßes Schreien etwa, durch das Ansprechen anderer Passanten, oder durch das Alarmieren der Polizei. Es ist nicht gesagt, dass das den Täter von seinem Vorhaben abbringt. Aber es ist die einzige Chance, es zu versuchen und Schlimmeres möglicherweise zu verhindern.“ So wird es ja nicht nur im Kurs Zivilcourage für Schüler vermittelt.
Bernd Sibler berichtete von anderen Programmen zur Gewaltprävention und Zivilcourage, die sich an die bayerischen Schüler wenden: Zammgrauft etwa ist ein Projekt der Jugendpolizei München, PIT – Prävention im Team eine Kooperation des Kultusministeriums mit dem Innenministerium, andere Programme sind Aufgschaut, Selbstsicherheit und Zivilcourage oder Lions-Quest – Erwachsen werden.
An diesen Pratzen tobten sich die Schülerinnen und Schüler aus
Doch was tun, wenn Reden ausnahmsweise wirklich nicht mehr hilft? Dazu wurden die Mittelschüler in Hengersberg ausführlich über die juristischen Grundlagen in Nothilfe und Notwehr unterwiesen.
Richtige Notwehr wurde dann an Pratzen geübt. Pratzen – das sind die aus dem Kampfsport bekannten Handschuhe, die mit Klettverschluss am Handgelenk befestigt werden, mit Treffflächen an der Innenseite.
Mit welchem Teil der Faust muss man zuschlagen – wenn es sein muss – ohne sich beim Schlagen selber zu verletzen? Das probierte auch Staatssekretär Bernd Sibler aus – mit durchschlagendem Erfolg. Welche Techniken kann man mit der offenen Hand ausführen – wie befreit man sich aus Umklammerungen oder Griffen? Das alles wurde praktisch ausprobiert.
Das Gelernte sollte auf jeden Fall helfen, nicht in eine Opferrolle zu kommen. „Bei richtiger, entschlossener Gegenwehr brechen bis zu 85 Prozent aller Angreifer ihre Tat ab“, berichteten die Zivilcourage-Trainer.
Stand: 17. Februar 2012
