Flexible Grundschule: Staatssekretär Bernd Sibler informiert sich vor Ort in Landshut

Grundschülerinnen und Grundschüler arbeiten an Lernstationen zusammen

Grundschülerinnen und Grundschüler arbeiten an Lernstationen zusammen

In der Grundschule Sankt Peter und Paul hat sich Staatssekretär Bernd Sibler über den Modellversuch Flexible Grundschule informiert. Die Schule in Landshut ist eine von 20 Modellschulen in ganz Bayern. Durch das Projekt sollen die Schulen Möglichkeiten bekommen, noch individueller auf die Kinder einzugehen.

Die Sonnenkinder und die Sternenkinder haben Staatssekretär Bernd Sibler gleich in ihre Mitte aufgenommen – heute lernen die Schülerinnen und Schüler an Lernstationen zusammen. Die Kinder lernen miteinander und sie lernen voneinander. Denn das ist eine der Besonderheiten an der Flexiblen Grundschule: Die Jahrgangsstufen 1 und 2 werden zusammengefasst und jahrgangsübergreifend unterrichtet.
 

Die Klassen in der Flexiblen Grundschule sind jahrgangskombiniert

Die Klassen in der Flexiblen Grundschule sind jahrgangskombiniert

Die Lehrerinnen haben dazu zunächst genau hingesehen – denn gerade am Beginn der Grundschulzeit bringen Kinder ganz unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Ausgehend von der Frage: "Was kann das Kind schon?" wird im Unterricht der individuellen Kenntnisstand berücksichtigt. Dazu gibt es Lernbausteine, die aufeinander aufbauen und von den Kindern der Reihe nach zu bearbeiten sind. Ebenso gibt es Lernbausteine, die für alle Kinder einer Klasse das gleiche Thema bieten, aber Aufgaben auf unterschiedlichem Niveau stellen.

Die Flexible Grundschule betont als pädagogisches Konzept die individuelle Förderung

Die Flexible Grundschule betont als pädagogisches Konzept die individuelle Förderung

In der Flexiblen Grundschule wird jede Schülerin und Schüler optimal gefördert. Jedes Kind erhält die Zeit, die es braucht, um im Lesen, Schreiben und Rechnen ein stabiles Fundament zu bilden. Je nach Lernstand kann das Kind entweder ein Jahr, zwei Jahre oder drei Jahre in der sogenannten Eingangsstufe verbringen. Die Kinder sind dann also drei Jahre, vier Jahre oder fünf Jahre in der Grundschule. Pädagogisch gesehen geht es darum, die Lernvorgänge auf den individuellen Lernstand bestmöglich auszurichten.

Im laufenden Schuljahr beteiligen sich 20 Schulen mit 57 Klassen an dem Projekt. Seit dem Schuljahr 2010/2011 wird die Flexible Grundschule erprobt. Rund 1.200 Kinder werden nach dem Konzept unterrichtet. Die Erfahrungen der Lehrkräfte und der Schulleitungen sind durchweg positiv, wie Staatssekretär Bernd Sibler auch bei dem Gespräch mit Schulleiterin Sylvia Blank und dem Kollegium in Landshut erfuhr. Nach Ansicht von Rektorin Blank können die Lehrerinnen die Arbeitsaufträge sehr gut an die Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Schüler anpassen. Die Schüler sind dadurch motivierter, neugieriger und zufriedener. Ab dem Herbst 2012 soll der Versuch darum ausgeweitet werden: Von bisher 20 Schulen soll die Zahl der Flexiblen Grundschulen in ganz Bayern auf 80 erweitert werden.

Kernelemente der Flexiblen Grundschule

Jahrgangsgemischte KlassenVorlesen lassen

In der sogenannten flexiblen Eingangsstufe lernen Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 gemeinsam in einem Klassenverband. Die Modellklassen besuchen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2. Die Klassenschülerzahl ist auf 25 Kinder begrenzt. Die Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler wird als Chance genutzt, gezielt von- und miteinander zu lernen. Die Schulanfänger erfahren so von Anfang an die Unterstützung durch ihre älteren Mitschüler. Diese wiederum erleben sich als Könnende, übernehmen Mitverantwortung und gewinnen dadurch an Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Anknüpfung an vorschulische Bildung und ErziehungVorlesen lassen

Die Altersmischung ist den Schulanfängern aus der Situation in den Kindertageseinrichtungen bekannt. Die Flexible Grundschule knüpft an die Vorerfahrungen der Kinder an und führt die vertraute Situation des miteinander Arbeitens und Lernens unterschiedlicher Altersgruppen fort.

Erhebung der individuellen LernausgangslageVorlesen lassen

Kinder beginnen die Grundschulzeit mit unterschiedlichen Vorkenntnissen. Damit das Lernangebot optimal an den individuellen Lernstand angepasst werden kann, ermitteln die Lehrkräfte die Lernausgangslage der Schulanfänger. So kann auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse jedes einzelne Kind von Anfang an entwicklungsgerecht gefördert werden.

Individualisierende LernangeboteVorlesen lassen

Das Unterrichtskonzept berücksichtigt die Verschiedenheit der Kinder. Daher werden in den Klassen der Flexiblen Grundschule gemeinsame Themen und offene Aufgaben angeboten, die differenziert und in kommunikativen Lernsituationen bearbeitet werden. Darüber hinaus werden bewährte und neue Unterrichtsmethoden in schüleraktivierenden Lernumgebungen genutzt, die ein Lernen im eigenen Tempo ermöglichen.

Formen der LeistungserhebungVorlesen lassen

Die Kinder lernen individuell. Dies erfordert einen veränderten Blick auf Leistung. Die Modellschulen erproben daher verschiedene und auch neue Formen der Leistungserhebung sowie der Rückmeldung über den Lernerfolg. Auf diese Weise entsteht ein differenziertes Bild über den individuellen Aufbau der fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen. Das Zwischenzeugnis kann durch ein dokumentiertes Elterngespräch ersetzt werden.

Flexible VerweildauerVorlesen lassen

Die Regelbesuchszeit in der Eingangsstufe (Jahrgangsstufen 1 und 2) beträgt zwei Schuljahre. In Anpassung an die individuelle Lern- und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler eröffnet das Konzept die Möglichkeit eines dritten Schulbesuchsjahres, ohne dass ein Wechsel des Klassenverbandes erforderlich wird. Dieses wird nicht auf die Pflichtschulzeit angerechnet. Kinder, die in ihrer Lern- und Sozialentwicklung sehr schnell voranschreiten, können bereits nach einem Schulbesuchsjahr in die Jahrgangsstufe 3 aufrücken. Bei der Entscheidung über die Verweildauer arbeiten die Erziehungsberechtigten und die Schule eng zusammen.

Erziehungspartnerschaft und Gestaltung der ÜbergängeVorlesen lassen

Die Veränderungen im Unterricht, die verstärkte Berücksichtigung des individuellen Lernfortschritts und die Möglichkeit einer flexiblen Verweildauer erfordern eine intensivere Beratung der Eltern. Grundlage dafür sind die dokumentierten Beobachtungen der Lehrkräfte sowie die Ergebnisse der Leistungsfeststellung. Die enge Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen sowie mit den Lehrkräften der folgenden Jahrgangsstufen sichert eine möglichst reibungslose Gestaltung der Übergänge.

Weitere Informationen

Stand: 17. Januar 2012 Fotos: Sylvia Blank

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