Demokratie braucht politische Bildung

Politische Bildung dient der Vermittlung von Kenntnissen wie Grundhaltungen für das Agieren des Bürgers im öffentlichen Raum. Dabei geht es um die Aneignung von Faktenwissen über politische Systeme und Ordnungen, internationale und globale Zusammenhänge, zeitgeschichtliche Ereignisketten und einzelne Politikfelder, die jeweils besondere Aufmerksamkeit beanspruchen können, wie etwa der politischen Gegenwart vorausgegangene Diktaturen, Ökologie, Grundfragen von Recht und Wirtschaft u.a.

Neben der Vermittlung von Fakten steht mit wohl ebenso großer Gewichtigkeit die Vermittlung von Haltungen, Einstellungen und Verfahren. Grundsätzlich geht es hier darum, Identifikation mit der pluralen, demokratischen Ordnung auf allen Ebenen – von der Kommune bis zur europäischen Integration – aufzubauen und sicherzustellen sowie die dazu notwendigen Voraussetzungen und Einstellungen zu vermitteln, wie: Befähigung zur rationalen Konfliktaustragung, Toleranz, Akzeptanz von Rechtswegen, Zivilcourage, Urteilsfähigkeit – zumal im Hinblick auf die wachsende Flut von Informationen – und Bereitschaft zur Übernahme sozialer und politischer Verantwortung. Die hier genannten Tugenden und Haltungen sind dabei in kindgemäßer Form in einem sehr frühen Stadium und im Blick auf Interaktionen auch in der Familie zu vermitteln, um der Entwicklung von antizivilisatorischen/extremistischen Orientierungen und Verhaltensmustern möglichst frühzeitig vorzubeugen. Politische Bildung wird im Sinn lebenslangen Lernens und Erfahrens als integraler Bestandteil von Erwachsenenbildung verstanden; sie ist zugleich mit unterschiedlicher Benennung (in Bayern: Sozialkunde) Wahlpflichtfach an den Schulen. Das sozialkundliche Prinzip ist zudem als fächerübergreifendes Lernziel im Lehrplan für die Gymnasien in Bayern verankert. Diese international nicht selbstverständliche Schwerpunktsetzung ergibt sich insbesondere vor dem Hintergrund der spezifischen deutschen Diktaturerfahrungen im 20. Jahrhundert.

Im Rahmen des Bayerischen Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus wurde mit dem Schuljahr 2009/10 das Internetportal Bayern gegen Rechtsextremismus eingerichtet.

Informationen zum Portal: Bayern gegen Rechtsextremismus Vorlesen lassen

Das Portal wird sowohl von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit als auch von der neu geschaffenen Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) betreut und bietet

  • detailliertes Fachwissen zum Thema Rechtsextremismus, z.B. zu rechtsextremen Parteien sowie zu Symbolen und Musik der „rechten Szene“,
  • ein breit angelegtes Beratungs- und Hilfsangebot z. B. für Aussteiger, Opfer, betroffene Kommunen und Vereine, u. a. auch die Erreichbarkeiten der 2009 vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus neu eingerichteten Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz,
    (Die bei den Staatlichen Schulberatungsstellen angesiedelten Regionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz sind Lehrkräfte, die speziell für den Umgang mit Rechtsextremismus an Schulen ausgebildet sind. Sie dienen Schülern, Lehrkräften, Schulleitungen, aber auch Eltern als kompetente Ansprechpartner für verhaltensorientierte Prävention im Bereich des Rechtsextremismus. Den zuständigen Regionalbeauftragten erreichen Sie über Ihre Schulberatungsstelle.)
  • aktuelle regionale Lagebilder für alle Regierungsbezirke in Bayern und die Landeshauptstadt München,
  • umfangreiche Unterrichtsmaterialen und pädagogische Konzepte für Schulen und Multiplikatoren.

Das Informationsangebot richtet sich an alle interessierten Bürger, Schüler und Kommunen, insbesondere aber an alle Organisationen, Vereine und Initiativen, die sich lokal, regional oder überregional gegen Rechtsextremismus und für Demokratie und Toleranz engagieren.

Erwachsenenbildung

Die Bayerische Verfassung weist die Erwachsenenbildung allgemein als wichtige, vom Staat zu fördernde Aufgabe aus: "Die Erwachsenenbildung ist durch Volkshochschulen und sonstige mit öffentlichen Mitteln unterstützte Einrichtungen zu fördern." (Art. 139 BV). Situations- und themenbezogenes sowie anwendungsorientiertes Arbeiten steht hierbei im Vordergrund. Bezogen auf die politische Erwachsenenbildung bedeutet dies:

  • Das Verständnis der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu fördern,
  • zur rationalen politischen Urteilsbildung sowie Dialog- und Konfliktfähigkeit zu erziehen,
  • zur Mitwirkung am politischen Entscheidungsprozess zu befähigen sowie
  • allgemein die Handlungsfähigkeit in politischen Situationen zu ermöglichen.

 

Besonders in der heutigen Mediengesellschaft stehen die Angebote der Politischen Bildung in wachsender Konkurrenz zu alternativen Freizeitangeboten. Umso wichtiger ist es, durch situations- und anwendungsorientierte Offerten das Interesse der Adressaten zu wecken und den besonderen Nutzen politischer Erwachsenenbildung hervorzuheben: Intensive Vermittlung, Erarbeitung und Vernetzung von Wissen und Erfahrungen mittels direkter Kommunikation.

Beschreibung im so genannten "Münchener Manifest zum Auftrag der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung" vom 26. Mai 1997:

Demokratie braucht politische Bildung! Der demokratische Rechtsstaat lebt vom mündigen Mitdenken und Mittun seiner Bürgerinnen und Bürger und ihrer Bereitschaft, sich selbst- und sozialverantwortlich ein Urteil zu bilden, in der Verfassung normierte Regeln und Werte zu respektieren und sich für sie zu engagieren. Demokratie muss in jeder Generation neu erworben werden: gerade in Deutschland aufgrund der Erfahrungen der jüngsten Geschichte. Politische Bildung im öffentlichen Auftrag leistet insbesondere hier einen fortdauernden und unverzichtbaren Beitrag zu persönlicher und gesellschaftlicher Orientierung sowie zur Entwicklung und Festigung demokratischer Einstellungen und Verhaltensweisen."

Wichtige Organisationen der Politischen Bildung

Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Vorlesen lassen

Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit wurde im Jahr 1955 als "Bayerische Zentrale für Heimatdienst" bei der Bayerischen Staatskanzlei gegründet und ist seit 1995 organisatorisch dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus eingegliedert. Sie ist unmittelbar Institution der staatlichen politischen Bildungsarbeit im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung, somit keine Stiftung bzw. Einrichtung der Bürgergesellschaft. Vor diesem Hintergrund ist sie innerhalb der staatlichen Verwaltung, unbeschadet ihrer parteipolitischen Neutralität, auch Beratungs- und Ausführungsorgan.

Sie hat nach § 2 der für sie geltenden Verordnung "die Aufgabe, auf überparteilicher Grundlage das Gedankengut der freiheitlich-demokratischen Staatsordnung im Bewusstsein der Bevölkerung zu fördern und zu festigen". Formal ist die Landeszentrale in vier Referate gegliedert, von denen zwei für die Herstellung von Eigenpublikationen sowie den Ankauf von Verlagspublikationen zuständig sind. Die beiden anderen Referate leisten die Film- und Medienarbeit bzw. arbeiten in den Bereichen Veranstaltungen, Didaktik, Kooperationen mit anderen Institutionen. Die Landeszentrale ist für die Anerkennung von Tagungen als staatspolitische Bildungsveranstaltungen im Sinne der Dienstbefreiungsvorschriften für den öffentlichen Dienst (Vollzug des § 16 Abs. 1 Ziffer 5 Urlaubsverordnung) zuständig.

Die Landeszentrale ist für das Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst für die zeitgeschichtlichen musealen Einrichtungen in Bayern zuständig, so zum Beispiel das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg und die projektierte Dokumentationseinrichtung zur NS-Geschichte der Landeshauptstadt München. In den Jahren von 1997 bis Ende 2002 war die Landeszentrale für die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg zuständig. Seit für diesen Bereich seit 1. Januar 2003 die "Stiftung Bayerische Gedenkstätten" errichtet wurde, hat die Landeszentrale ein enges Kooperationsverhältnis zu dieser Stiftung aufgebaut. Dabei geht es vor allem um didaktische Programme. Unter anderem besteht auch eine Kooperation mit der Weiße Rose Stiftung in München. Ein weiteres Augenmerk gilt den Sinti und Roma in Bayern.

Zum Tätigkeitsprofil der Landeszentrale gehört ferner das Programm "Lernort Staatsregierung", mit dem Schulklassen an die politische Wirklichkeit auf der Ebene der Staatsregierung herangeführt werden.

Die Landeszentrale hat im Jahr 2004 als Periodikum die fünfmal jährlich erscheinende Zeitschrift "Einsichten und Perspektiven - Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte" eingerichtet. Bei den Eigenpublikationen werden neben Broschüren zunehmend CD-Roms erstellt. Die Broschüren gliedern sich in verschiedene Reihen vom Faltblatt bis zur umfangreichen, wissenschaftsnahen Darstellung in Gestalt von A-Heften (Arbeitshefte); besonders reger Nachfrage erfreut sich die G-Reihe (Grundinformation Politik). Die Landeszentrale erstellt jeden Monat ein aktualisiertes Publikationsprogramm mit Bezugsbedingungen. Ihr einschlägiges Angebot richtet sich grundsätzlich an Nutzer ab 16 Lebensjahren aus Bayern.

Akademie für Politische Bildung in Tutzing Vorlesen lassen

Im Jahr 1957 gründete der Bayerische Landtag durch Gesetz die Akademie für Politische Bildung Tutzing als Anstalt des öffentlichen Rechts. Dieser bundesweit einzigartigen Institution wurde die Aufgabe übertragen, den Dialog zwischen Bürgern, Politikern, der politischen Bildung sowie der Wissenschaft zu fördern und zu vertiefen. Ihre Ziele sind dabei zum einen, auf überparteilicher Grundlage Wissen um politische Vorgänge und Zusammenhänge zu erarbeiten und zu vermitteln, um rationale Urteilsbildung zu ermöglichen. Zum anderen kann daraus die Chance erwachsen gesellschaftspolitische Prozesse aktiv auf der Basis der freiheitlichen demokratischen Staatsordnung anzustoßen und mitzugestalten. Die Akademie bedient sich hierzu unterschiedlicher Veranstaltungsformen (offene Tagungen, Fachtagungen, Fort- und Weiterbildungsseminare für Multiplikatoren, Workshops, Vorträge usw.). Publikationen runden das Angebot ab. Zur aktuellen Information erscheint viermal jährlich der Akademie-Report.

Europäische Akademie Bayern Vorlesen lassen

Die Europäische Akademie Bayern ist als gemeinnütziger Verein organisiert, der seit dem Jahr1976 besteht. Ihr Ziel ist es, als überparteiliche Einrichtung der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung den europäischen Integrationsprozess zu fördern und das "Europa der Bürger" zu stärken. Dazu bietet die Akademie ein breit gefächertes Bildungsangebot, das unterschiedliche Veranstaltungstypen wie z.B. Studienfahrten, Wochenendseminare, Workshops oder auch Einzelvorträge umfasst. Die Veranstaltungen werden flächendeckend in allen bayerischen Regierungsbezirken angeboten und zum Teil im europäischen Ausland durchgeführt.

Die Zielgruppen, die angesprochen werden, kommen aus vielfältigen gesellschaftlichen Bereichen. Die Akademie veranstaltet gleichermaßen Seminare für Erwachsene und Jugendliche wie z.B. Lehrer und Lehrerinnen aller Schularten, Multiplikatoren in der politischen Bildung oder allgemein interessierte Bürger, Schüler und Schülerinnen aller Schularten, Soldaten und die in Bayern tätigen Verbände. Ein besonderer Schwerpunkt des Angebotes sind Studienfahrten nach Straßburg, Luxemburg und Brüssel.

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