
Generalkonsulat der Republik Polen
in München
Die deutsch-polnische Geschichte jedenfalls des 20. Jahrhunderts gehört ohne Zweifel zu den schwierigsten, ja belastendsten in Europa. Auf deutscher Seite wurde das Wiedererstehen des polnischen Nationalstaates im Ergebnis des Ersten Weltkrieges vielfach innerlich nicht akzeptiert; der Zweite Weltkrieg in Europa begann mit dem deutschen Überfall auf das östliche Nachbarland vom 1. September 1939, danach wurde die polnische Nation in einer ungeheuerlichen Weise drangsaliert und sollte ihrer Eliten beraubt werden. Die Nachkriegszeit brachte die Verschiebung von Grenzen und Siedlungsräumen im östlichen Mitteleuropa, Flucht und Vertreibung in massenhaften Formen, die auch dazu angetan sein konnten, das deutsch-polnische Verhältnis weiterhin und auf lange Zeit zu belasten.
Das Ende des Kalten Krieges und der Kollaps der kommunistischen Regime in Europa eröffneten gerade für die deutsch-polnischen Beziehungen große neue Chancen: Die im Jahr 2010 dreißig Jahre alt werdende polnische Gewerkschaft Solidarność war einer der Katalysatoren für die Selbstbefreiung östlich des Eisernen Vorhanges. Sie steht in einem inneren Zusammenhang mit der Beseitigung des SED-Regimes 1989/90. Gerade auf polnischer Seite fand die Wiedervereinigung Deutschlands vielfach bemerkenswert hohe Akzeptanz: Denn sie befreite das Land von seiner westlichen Nachbarschaft mit einem besonders verhärteten marxistisch-leninistischen System, eröffnete neue Chancen zu Normalisierung und freundschaftlicher Kooperation und damit zur weiteren Heilung jener Wunden, die die erste Hälfte des 20. Jahrhundert in Ostmitteleuropa geschlagen hatte.
Deutschland und Polen sind heute gemeinsam Mitglieder der Europäischen Union wie der NATO. Aber ihr Verhältnis bleibt kompliziert, die Schatten der Vergangenheit, vielfache unterschiedliche Erfahrungen und Bewertungen, belasten teilweise auch die Gegenwart in den Beziehungen beider Länder. Zugleich aber haben Deutschland und Polen im Zeichen dynamischer weltweiter Entwicklungen allen Anlass, die Zukunft entschlossen und gemeinsam zu gestalten, nicht zuletzt um gleichermaßen ihre Identität bewahren zu können. Voraussetzung dafür ist aber vor allem der klärende und freimütige Dialog über das, was geschah und über Interpretationen, Deutungen und Mythen, die sich in Konsens wie Dissens mit der Vergangenheit verbinden. Dieser Dialog ist notwendig, hilfreich und, wenn er offen und zugleich sensibel geführt wird, vielversprechend.
Der Landkreis München ist seit zehn Jahren mit den polnischen Landkreisen Krakau und Wieliczka partnerschaftlich verbunden. Außerdem soll das in Oberschleißheim vor der Vollendung stehende „Jugendhaus der Verständigung“ des Landkreises wichtige Funktionen im Rahmen dieser Partnerschaften übernehmen.
Zum deutsch - polnischen Dialog laden Sie der Landkreis München, das Polnische Generalkonsulat in München, und die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit herzlich ein.
Johanna Rumschöttel,
Landrätin des Landkreis München
Elżbieta Sobótka,
Generalkonsulin der Republik Polen
Dr. Peter März,
Bayerische Landeszentrale
für politische Bildungsarbeit
14.00 h
Begrüßung
Johanna Rumschöttel, Landrätin des Landkreises München
Grußworte
Dr. Ludwig Spaenle, MdL,
Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus
Elżbieta Sobótka,
Generalkonsulin der Republik Polen
15.00 h
Ein Rückblick auf die deutsch-polnische Nachbarschaft
Prof. Dr. Albert Kotowski,
Universität Bydgoszcz/Bromberg
16.00 h Kaffee
16.30 h
Podiumsdiskussion: Polen und Deutschland im kurzen 20. Jahrhundert
Prof. Dr. Albert Kotowski,
Universität Bydgoszcz/Bromberg
Dr. Ute Schmidt,
Forschungsverbund SED-Staat, Berlin
Dr. phil. habil. Matthias Stickler,
Universität Würzburg
Thomas Urban,
Süddeutsche Zeitung
Moderation:
Prof. Dr. Hermann Rumschöttel,
München
18.30 h Ende der Veranstaltung
9.00 h
Geschichtsbilder und Geschichtsbewusstsein in Polen und Deutschland
Prof. Dr. Robert Traba,
Polnische Akademie der Wissenschaften, Berlin
Prof. Dr. Manfred Kittel,
Institut für Zeitgeschichte, München-Berlin; Direktor der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Berlin
10.30 h Kaffee
11.00 h
Polnisch-deutsche Geschichte in der Schule
Dr. Stefan Krimm,
Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, München
Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz,
Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław/Breslau
12.00 h Mittagsimbiss
13.00 h
Schlusspodium:
Ebenen und Perspektiven der polnisch-deutschen Kommunikation
Maximilian Eiden,
Schlesisches Museum zu Görlitz Jozef Krzyworzeka, Landrat des Landkreises Krakau
Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz,
Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław/Breslau
Johanna Rumschöttel,
Landrätin des Landkreises München
Barbara Sabarth,
Deutsch-Polnische Gesellschaften, Bundesverband, 1. Vorsitzende Deutsch-Polnische Gesellschaft Bayreuth
Ein Vertreter des Landkreises Wieliczka
Moderation:
Dr. Peter März,
Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München
15.00 h Ende der Veranstaltung
Informationen und Anmeldung:
Landkreis München, Frau Christine Spiegel
Tel. 0049-89-6221-2621 Fax: 0049-89-6221-2395
E-Mail: Christine.Spiegel@lra-m.bayern.de
Eine Anmeldung mit diesem Formular ist
erforderlich. Die Teilnahmemöglichkeit wird bestätigt.
Tagungsort:
Landratsamt München, Mariahilfplatz 17,
81541 München, Festsaal
Sprache:
Tagungssprache ist deutsch, es wird jedoch simultan ins Polnische übersetzt. Polnischsprachige Diskussionsbeiträge sind möglich.
Kosten:
Die Teilnahme ist kostenlos.