Gymnasium: Führung gestalten – mehr Qualität durch mehr Verantwortung

Max Schmidt (Bayer. Philologenverband), Susanne Arndt (Landeselternvereinigung), Karl-Heinz Bruckner (Direktorenvereinigung), Moderator Stefan Maier, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Prof. Dr. Dieter Frey (LMU)

Max Schmidt (Bayer. Philologenverband), Susanne Arndt (Landeselternvereinigung), Karl-Heinz Bruckner (Direktorenvereinigung), Moderator Stefan Maier, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Prof. Dr. Dieter Frey (LMU)

Die Qualität von Führung an Schulen ist eng mit der Qualität von Bil­dung verwoben – und damit eines der Kernthemen für die Zukunft der Schulen im Freistaat. Ein Symposium der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der bayerischen Gymnasien in Kooperation mit dem bayerischen Kultusministerium widmete sich dem Zukunfts­thema der qualitätvollen Führung. „Wir müssen auf Veränderungen und Herausforderungen reagieren“, sagte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Daraus erwachse „der Auftrag, die bisherigen Führungsstrukturen zu reflektieren und weiterzuentwickeln.“

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle

In der Bestandsaufnahme und im Ziel waren sich die Teilnehmer des Münchner Symposiums einig: Bayern besitzt gute Gymnasien. In der deutschen Bildungslandschaft gelten sie als „Flaggschiff“. Damit sie auch in Zukunft so gut bleiben, muss auf Veränderungen und Herausforderungen reagiert werden. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle betonte: „Es geht hier aber nicht um Führung um ihrer selbst willen, es geht mir und sicherlich allen Beteiligten ganz ausdrücklich um einen erkennbaren Mehrwert, um einen Nutzen für alle“. Der Minister will diesen für die Schu­le des 21. Jahrhunderts elementaren Ent­wicklungs­prozess im kontinuierlichen Dialog gestalten. „Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass auf uns sehr viele Jahre gemeinsamer Entwicklungsarbeit warten“, sagte Spaenle.

Die Veranstaltung verdeutlichte: Die gesellschaftliche - und damit auch die schu­­­­lische Realität - hat sich in den letzten Jahren stark ge­wan­delt. Vielfältige gesellschaftliche Entwicklungen fordern von den Schulen mehr erzieherische Verantwortung ein. Die Erwartungen an das Bildungswesen haben zugenommen: Eltern, Wirtschaft und Gesellschaft stellen hohe Anforderungen. Die Schülerschaft wird immer heterogener, der einzelne Schüler muss stärker individuell gefördert werden. Die Sicherung der Qualität von Bildung und Erziehung rückt verstärkt in den Fokus von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Und: Schule muss den Besonderheiten vor Ort verstärkt Rechnung tragen.

„Eine gute Schule braucht deshalb eine gute Füh­rung, die aktiv gestaltet und sich den Herausforderungen ebenso zuwendet wie den Men­schen, die eine Schulgemeinschaft ausmachen“, erklärte der Kultusminister. Diese Führung müsse im wahrsten Wortsinn „wert-voll“ sein – also auf klaren Werten basieren – und dabei keineswegs neu erfunden werden.

Mit der Zeit gehen – Bewährtes bewahren

Kultusminister Ludwig Spaenle verwies dabei auch auf die „Regula Benedicti“, nach der seit bald 1.500 Jahren Mönche und Ordensschwestern leben. Einem Text, der in vielerlei Hinsicht „beeindruckend aktuell geblieben“ sei – auch für Menschen, die außerhalb von Klostermauern leben, und in besonderer Weise für Menschen in Führungsverantwortung. Unter anderem hat der Heilige Benedikt von Nursia darin folgende Leitlinie für den Abt der Ordensgemeinschaft gegeben: „Führung ist aktives Gestalten und Führung ist vor allem Zuwendung.“ Man könne „für die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule und für die Definition unseres Füh­rungs­verständ­nisses von Benedikt vieles lernen“, so der Minister. Denn die Weisheit und Flexibilität seiner Regel habe sicherlich nicht unwesent­lich dazu beigetragen, dass der Benediktiner-Orden mit der Zeit geht und seinen Traditionen und Glaubens­grund­sätzen dennoch treu bleiben konnte. Dies gelte, so Spaenle, „auch für unser bayerisches Gymnasium in einem sich weiter rasant wandelnden Umfeld“. Das Kultusministerium möchte das, was das Gymnasium stark gemacht hat, auch in den neuen Strukturen bewahren. Dabei hob der Minister „besonders das zu Recht dezidiert fachlich geprägte gymnasiale Profil“ hervor.

Qualitätsentwicklung durch mehr Eigenverantwortung

„Qualitätssicherung kann nicht allein durch zentrale Vorgaben eines Lehrplans, in Schulordnungen oder durch die Lehrerausbildung garantiert oder verordnet werden“, erklärte Spaenle. Diese würden vielmehr „den Rahmen für die eigentliche Qualitätsentwicklung bilden, die Tag für Tag an der Schule selbst stattfindet, getragen vor allem durch eine gute Führung. „Schulen entfalten ihr Potenzial noch besser, wenn sie mehr Eigenverantwortung übertragen bekommen“, sagte der Kultusminister. „Denn bestimmte Probleme und Fragen erfordern individuelle Lösungen in Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten.“ Schulen sollten deshalb „vermehrt Entscheidungen selbst treffen können. Sie verbessern damit ihre individuelle Bildungsarbeit und bringen unser Bildungswesen als Ganzes voran.“ Dafür wurde den einzelnen Schulen bereits mehr Verantwortung übertragen. Ihre Handlungsspielräume und ihre Verantwortungsbereiche wurden in der Vergangenheit sukzessive vergrößert – exemplarisch nannte Spaenle „MODUS 21“ und „MODUS F“. Für diesen Wandel,  den die bayerischen Schulleiterinnen und Schulleiter immer kompetent und engagiert mitgetragen haben, dankte er dem Publikum ausdrücklich.

Experte Prof. Dr. Dieter Frey plädierte für eine neue Führungskultur

Experte Prof. Dr. Dieter Frey plädierte für eine neue Führungskultur

Erweiterte Schulleitung – Verkürzung der Führungsspannen

Die Veranstaltung verdeutlichte auch: Führungsaufgaben müssen zuallererst vor Ort wahrgenommen werden, an den Schulen. Der Minister verwies dabei auf die von Be­ne­dikt vorgegebenen Leitlinie, wonach Führung vor allem Zu­wen­dung be­deutet: „Unsere Gymnasien sind gewachsen, die Zahl der Schüler und der Lehrkräfte ist gewachsen – und diese Zuwendung ist bei Gymnasien mit oftmals über 1.000 Schülern und über 80 Lehrkräften für die Schulleiterin, den Schulleiter immer weniger leistbar. Zugleich wird sie angesichts der Vielzahl und Komplexität der Heraus­forderungen aber immer notwendiger.“ Die Schulleiterinnen und Schulleiter sind dabei der Motor der Schul- und Qualitätsentwicklung. Sie sorgen dafür, dass Schulprofil und Qualität der Schule weiterentwickelt und dabei alle Mitglieder der Schulgemeinschaft angemessen beteiligt und eingebunden werden. Dabei steuern sie die Prozesse, begleiten und unterstützen die Lehrkräfte, deren Funktion und Aufgaben im gleichen Zug Veränderungen unterliegen. Sie lassen Neues zu und bündeln verschiedene Interessen zu einem sinnvollen, erfolgreichen Ganzen.

Minister Spaenle betonte: "Daher ist es mein Anliegen, dass Sie als Schulleiter für den erweiterten Aufgabenumfang die notwendige Anerkennung erfahren. Mir ist sehr klar, Sie benötigen mehr Freiraum für Führungsaufgaben. Dafür werde ich mich auch bei den Haushaltsverhandlungen einsetzen."

Karl-Heinz Bruckner und Dr. Ludwig Spaenle

Karl-Heinz Bruckner und Dr. Ludwig Spaenle

Er erläuterte weiter: „Damit Führung und das notwendige Maß an Zuwendung möglich werden und nicht dem Tagesgeschäft oder dem Zufall zum Opfer fallen, müssen wir die Führungs- und Organisationsstrukturen so gestalten, dass Verantwortungen klar definiert und Führungsaufgaben delegiert werden – wobei die Gesamtverantwortung immer beim Schulleiter bleibt. Diese Strukturen sollen an allen Gymnasien die Kommunikation und Kooperation fördern, damit daraus eine Feedback-Kultur im Sinne einer Vertrauens- und Zuwendungskultur erwächst.“ Unabdingbare Voraussetzung dafür ist eine Verkürzung der Führungs­span­nen. Fachliche Führung werde gerade am Gymnasium seit jeher durch die Fachbetreuer wahrgenommen. Es komme „künftig noch mehr darauf an, die mit Funktionsstellen verbundene Führungs­verantwortung vor dem Hintergrund der schulischen Entwicklungsziele systematisch wahrzunehmen“, sagte Spaenle. Er habe „gerade mit Blick auf unser bayerisches Gymnasium und seine lange und erfolgreiche Bildungstradition bereits durch­ge­setzt, dass die Expertenfunktion in einem künftigen gymnasialen Funktionenkatalog erhalten bleibt.“ Es gehe bei einer in diesem Sinne erweiterten Schulleitung „gerade nicht um das Einziehen einer zusätzlichen Hierarchieebene, sondern vielmehr darum, dass jede Führungskraft die ihr übertragene Verantwortung wahrnehmen kann.“

Das Publikum zeigte großes Interesse und diskutierte intensiv

Das Publikum zeigte großes Interesse und diskutierte intensiv

Zur Führungskompetenz gehört für den Minister unter anderem, klare und realistische Ziele zu definieren. Daher geht er davon aus, „dass der Gesamtprozess – bezogen auf alle Schularten – mindestens zehn Jahre beanspruchen wird“, bis eine neue Führungskultur an allen Schulen umfassend gelebt werde. „In der Eigenverantwortlichen Schule wollen wir die erprobten und bewährten Ansätze im Bereich der Leitung und Führung von Schulen systematisieren und ausbauen. Dabei sollen die Schulen mitreden, mitgestalten und mitentscheiden!“ Er wisse: „Diese Aufgabe ist anspruchsvoll. Tradierte Führungs- und Entscheidungsstrukturen werden neu ausgerichtet und dabei erweitert. Wir dürfen und möchten die Schulen, die handelnden Führungskräfte, dabei nicht überfordern“, erklärte Spaenle.  Er baue daher „auf einen realistischen Zeitplan, auf die Beteiligung aller in einer breiten Kommunikation, auf eine Kultur des offenen Dialogs und auf die Professionalität unserer Schulleiter und Lehrkräfte.“

Stand: 31. Januar 2012 / Fotos: KM (5), BayDV/Günther Kratzer (1)

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